{"id":179893,"date":"2026-06-11T07:21:00","date_gmt":"2026-06-11T05:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=179893"},"modified":"2026-08-12T13:24:44","modified_gmt":"2026-08-12T11:24:44","slug":"eu-projekt-will-durchbruch-in-der-nachhaltigen-chemikalien-herstellung-schaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-projekt-will-durchbruch-in-der-nachhaltigen-chemikalien-herstellung-schaffen\/","title":{"rendered":"EU-Projekt will Durchbruch in der nachhaltigen Chemikalien-Herstellung schaffen"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"440\" height=\"346\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_CarboNcare_Charite_StefanHristov_05385ac6de.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-179904\" style=\"width:339px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_CarboNcare_Charite_StefanHristov_05385ac6de.jpg 440w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_CarboNcare_Charite_StefanHristov_05385ac6de-300x236.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_CarboNcare_Charite_StefanHristov_05385ac6de-150x118.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_CarboNcare_Charite_StefanHristov_05385ac6de-343x270.jpg 343w\" sizes=\"auto, (max-width: 440px) 100vw, 440px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Auf der Suche nach dem optimalen Mikrobenstamm: Die Forschenden entwickeln im Projekt CarboNcare Bakterien, die chemische Grundstoffe nachhaltig herstellen \u00a9 Charit\u00e9 | Stefan Hristov<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Kunststoffe, Medikamente, Kosmetik \u2013 fast alle Produkte des t\u00e4glichen Lebens basieren auf fossilen Rohstoffen. Ein europ\u00e4isches Forschungsteam unter Leitung der Charit\u00e9 \u2013\u00a0Universit\u00e4tsmedizin Berlin\u00a0will diesen Grundstein der chemischen Industrie nun revolutionieren: Im Projekt CarboNcare entwickeln die Wissenschaftler:innen Bakterien, die aus nachhaltigem Methanol wichtige chemische Ausgangsstoffe herstellen k\u00f6nnen \u2013 und so fossile Rohstoffe ersetzen. Gef\u00f6rdert wird das Projekt vom European Innovation Council (EIC) mit einem Pathfinder Grant in H\u00f6he von 3,1 Millionen Euro, der gezielt bahnbrechende Innovationen mit hohem Marktpotenzial unterst\u00fctzt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die chemische Industrie ist noch immer stark von endlichen Rohstoffen wie Erd\u00f6l, Erdgas oder Kohle abh\u00e4ngig. Viele alternative Ans\u00e4tze setzen auf Zucker und Biomasse, doch deren Anbau ben\u00f6tigt wertvolle Fl\u00e4chen und steht in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eUnser Ziel ist es, die Herstellung von Chemikalien sowohl von fossilen als auch von pflanzlichen Rohstoffen zu entkoppeln\u201c, sagt <strong>Dr. Steffen Lindner-Mehlich, Wissenschaftler am Institut f\u00fcr Biochemie der Charit\u00e9 und Leiter des jetzt gestarteten Projekts CarboNcare<\/strong>. \u201eDenn wir wollen die chemische Industrie nachhaltiger machen, ohne die Ern\u00e4hrungssicherheit zu gef\u00e4hrden. Daf\u00fcr greifen wir tief in die biotechnologische Trickkiste.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Ziel der Forschenden ist es, eine CO\u2082-Kreislaufwirtschaft zu erm\u00f6glichen: Also das Kohlendioxid, das beispielsweise durch Verbrennung eines Plastikprodukts am Ende seines Lebenszyklus in die Atmosph\u00e4re gelangt, auch als Basis f\u00fcr dessen Herstellung zu nutzen. Im Idealfall entsteht so ein geschlossener Kohlenstoffkreislauf ohne zus\u00e4tzliche Emissionen. Der erste Schritt auf diesem Weg ist heute schon m\u00f6glich: Methanol \u2013 ein zentraler Grundstoff der chemischen Industrie \u2013 l\u00e4sst sich bereits aus CO\u2082 herstellen, das aus der Atmosph\u00e4re gewonnen wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bakterielle Fabriken sollen Laktat, Succinat und Butandiol produzieren<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaftler:innen im CarboNcare-Projekt widmen sich nun dem zweiten Schritt, n\u00e4mlich der Umwandlung von Methanol in wichtige Zwischenprodukte wie Laktat, Succinat und 2,3-Butandiol. Aus ihnen stellt die Industrie Medikamente (z.B. Tablettenbeschichtungen), Lebensmittel (z.B. Konservierungsmittel und Geschmacksverst\u00e4rker), Biokunststoffe, Kosmetik (z.B. Lippenstifte, Cremes) oder Kautschuk f\u00fcr die Reifenfertigung her. Wie winzige biologische Fabriken sollen diese Methanol-Umwandlung k\u00fcnftig Bakterien \u00fcbernehmen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWir programmieren die beiden bereits industriell genutzten Bakterienst\u00e4mme <em>Escherichia coli <\/em>und <em>Pseudomonas putida<\/em> genetisch so um, dass sie Methanol \u201afressen\u2018 und Laktat, Succinat oder Butandiol ausscheiden\u201c, erkl\u00e4rt Steffen Lindner-Mehlich.\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn Bakterien w\u00fcrden die Energie, die sie aus ihrem Futter gewinnen, normalerweise gr\u00f6\u00dftenteils in das eigene Wachstum stecken, anstatt chemische Produkte herzustellen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDeshalb koppeln wir das Wachstum der Bakterien an die Herstellung der gew\u00fcnschten Chemikalien\u201c, erl\u00e4utert <strong>der Projektleiter. <\/strong>\u201eWenn die Bakterien also wachsen wollen, m\u00fcssen sie gleichzeitig das Zielmolek\u00fcl produzieren. Dieser Ansatz erh\u00f6ht nicht nur die Ausbeute, sondern macht die Prozesse auch robuster und besser planbar \u2013 ein entscheidender Faktor f\u00fcr die industrielle Anwendung.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Optimierung f\u00fcr den industriellen Einsatz<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Um die Stoffwechselwege der Bakterien so umfassend umzugestalten, will das Projektteam die biochemischen Vorg\u00e4nge zun\u00e4chst am Computer simulieren, bevor die n\u00f6tigen Eingriffe in die bakteriellen Organismen vorgenommen werden. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWir haben neben der Molekularbiologie aber auch die industrielle Skalierung im Blick\u201c, betont <strong>Steffen Lindner-Mehlich. <\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Deshalb soll der Fermentationsprozess so aufgesetzt werden, dass er sp\u00e4ter auch im industriellen Ma\u00dfstab zuverl\u00e4ssig funktioniert, und wird in Bezug auf \u00d6kobilanz und Wirtschaftlichkeit analysiert werden. Die daf\u00fcr n\u00f6tige interdisziplin\u00e4re Expertise bringen acht europ\u00e4ische Partner aus Wissenschaft und Industrie in das Projekt CarboNcare ein.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWir wollen eine ernstzunehmende nachhaltige Alternative zu etablierten Produktionswegen in der chemischen Industrie entwickeln\u201c, betont <strong>Steffen Lindner-Mehlich.<\/strong> \u201eDamit Kunststoffe, Kosmetika und andere Produkte des t\u00e4glichen Bedarfs k\u00fcnftig klimaneutral hergestellt werden k\u00f6nnen.\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wie gro\u00df das Potenzial dieses Ansatzes sein k\u00f6nnte, zeigt der Bedarf an Grundchemikalien: Allein der weltweite Markt f\u00fcr Laktat betrug 2021 rund 2,9 Milliarden Euro und w\u00e4chst weiter.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontakt<\/h3>\n\n\n\n<p><a href=\"mailto:steffen.lindner@charite.de\">Dr. Steffen Lindner-Mehlich<\/a><br><a href=\"https:\/\/biochemie.charite.de\/\">Institut f\u00fcr Biochemie<\/a><br>Charit\u00e9 \u2013\u00a0Universit\u00e4tsmedizin Berlin<br>Tel.: +49 30 450 528 317<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:17px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcber CarboNcare<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Projekt CarboNcare zielt auf die Entwicklung einer neuartigen Plattform zur klimaneutralen Herstellung von Grundchemikalien ab. Es wird \u00fcber einen EIC Pathfinder Grant gef\u00f6rdert und von Dr. Steffen Lindner-Mehlich (Charit\u00e9) koordiniert. Zus\u00e4tzliche Partner des Konsortiums sind die Max-Planck-Gesellschaft und die DECHEMA Gesellschaft f\u00fcr Chemische Technik und Biotechnologie\u00a0e.V.\u00a0(Deutschland), die Universiteit Leiden (Niederlande), das Commissariat \u00e0 l&#8217;\u00c9nergie Atomique et aux \u00c9nergies Alternatives \u2013 CEA (Frankreich), die Danmarks Tekniske Universitet \u2013 DTU (D\u00e4nemark), Impresa Sociale (Italien) sowie die Haute \u00c9cole Sp\u00e9cialis\u00e9e de Suisse Occidentale \u2013 HES-SO (Schweiz).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber <strong>EIC Pathfinder Grants<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das European Innovation Council (EIC) unterst\u00fctzt mit seinen Pathfinder Grants radikal neue Technologien, die das Potenzial haben, neue M\u00e4rkte zu schaffen. Dazu werden vision\u00e4re und risikoreiche Projekte in einem fr\u00fchen Entwicklungsstadium gef\u00f6rdert. EIC Pathfinder Grants sind Teil des europ\u00e4ischen Rahmenprogramms f\u00fcr Forschung und Innovation Horizon Europe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunststoffe, Medikamente, Kosmetik \u2013 fast alle Produkte des t\u00e4glichen Lebens basieren auf fossilen Rohstoffen. Ein europ\u00e4isches Forschungsteam unter Leitung der Charit\u00e9 \u2013\u00a0Universit\u00e4tsmedizin Berlin\u00a0will diesen Grundstein der chemischen Industrie nun revolutionieren: Im Projekt CarboNcare entwickeln die Wissenschaftler:innen Bakterien, die aus nachhaltigem Methanol wichtige chemische Ausgangsstoffe herstellen k\u00f6nnen \u2013 und so fossile Rohstoffe ersetzen. 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