{"id":179861,"date":"2026-08-18T07:35:00","date_gmt":"2026-08-18T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=179861"},"modified":"2026-08-12T12:52:29","modified_gmt":"2026-08-12T10:52:29","slug":"dem-schneckenschleim-auf-der-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/dem-schneckenschleim-auf-der-spur\/","title":{"rendered":"Dem Schneckenschleim auf der Spur"},"content":{"rendered":"\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"848\" height=\"636\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/original.webp\" alt=\"\n\nDie gew\u00f6hnliche B\u00e4nderschnecke produziert mit nur wenigen molekularen Bausteinen verschiedene Schleimarten, die sie unterschiedlich verwendet.\" class=\"wp-image-179896\" style=\"width:625px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/original.webp 848w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/original-300x225.webp 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/original-150x113.webp 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/original-768x576.webp 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/original-360x270.webp 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 848px) 100vw, 848px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die gew\u00f6hnliche B\u00e4nderschnecke produziert mit nur wenigen molekularen Bausteinen verschiedene Schleimarten, die sie unterschiedlich verwendet. \u00a9 MPIKG<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ein gew\u00f6hnlicher Organismus: Der Schleim der B\u00e4nderschnecke (<em>Cepaea nemoralis<\/em>) ist ein multifunktionales Biomaterial, denn er kann je nach Funktion extrem klebrig und extrem rutschig sein. Die B\u00e4nderschnecke ist die h\u00e4ufigste Schneckenart Europas und lebt auch auf dem Max-Planck-Campus in Potsdam-Golm.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ein molekularer Baukasten: Die Schnecke verwendet die gleichen molekularen Bausteine, um daraus unterschiedlichen Schleim zu erzeugen. Die genaue Zusammensetzung variiert sie, je nachdem, ob sie den Schleim zur Fortbewegung, zur Haftung, zum Schutz oder zur Verteidigung nutzt.\u00a0<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bioinspiriert: Die Entdeckung k\u00f6nnte die Entwicklung umweltfreundlicher Klebstoffe, funktioneller Beschichtungen und medizinischer Materialien voranbringen.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Nach einem Regenschauer sind Schnecken besonders aktiv. Auch auf dem Max-Planck-Campus in Potsdam-Golm hinterlassen gew\u00f6hnliche B\u00e4nderschnecken (<em>Cepaea nemoralis<\/em>) ihre gl\u00e4nzenden Schleimspuren. Forschende aus der Abteilung \u201eBiomaterialien\u201c erkannten im Schleim ein vielversprechendes Naturmaterial. Denn die Schnecke produziert nicht nur eine einzige Art von Schleim, sondern kann ihn je nach Bedarf so variieren, dass er fl\u00fcssig, fest, klebrig oder rutschig wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut f\u00fcr Biochemie wurde der Schneckenschleim f\u00fcr das Forschungsteam zum Gegenstand einer materialwissenschaftlichen Analyse:\u00a0Wie schafft es die Schnecke mit den gleichen Grundbausteinen v\u00f6llig unterschiedliche Materialeigenschaften zu erzeugen? Die Antwort liefern die Forschenden in einer Studie, die nun <a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adx7367\">im Fachjournal\u00a0<em>Science<\/em>\u00a0erschienen<\/a> ist. Darin zeigen sie erstmals umfassend, mit welchen biochemischen Rezepten die B\u00e4nderschnecke ihren Schleim gezielt an unterschiedliche Aufgaben anpasst.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eSchneckenschleim mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, ist aber ein unglaublich vielseitiges Material,\u201c sagt <strong>Franziska Jehle, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut f\u00fcr Kolloid- und Grenzfl\u00e4chenforschung.<\/strong> \u201eDass die Schnecke mit den gleichen Grundbausteinen gezielt die Eigenschaften ihres Schleims ver\u00e4ndern kann, macht sie f\u00fcr die Forschung so spannend.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Baukasten des Schneckenschleims<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen, wie die Natur diese Materialvielfalt erzeugt, analysierten die Forschenden f\u00fcnf verschiedene Schleimarten. Sie untersuchten Schleim, der die Fortbewegung erm\u00f6glicht, als starker Klebstoff an Oberfl\u00e4chen wirkt, das Tier vor Austrocknung sch\u00fctzt, das Geh\u00e4use w\u00e4hrend l\u00e4ngerer Ruhephasen verschlie\u00dft und zur Verteidigung dient. Dabei zeigte sich, dass die Schnecke f\u00fcr die verschiedenen Schleime stets die gleichen Komponenten verwendet, die sie in unterschiedlichen Mengen zusammenmischt. Bei den chemischen Bausteinen handelt es sich um Proteine, vor allem Kollagen, und Kalzium.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberrascht hat die Forschenden, dass sie Kollagen VI als zentralen Bestandteil des Schleims identifiziert haben. Denn das Protein ist vor allem f\u00fcr seine strukturgebende Funktion in menschlicher Haut, Knochen und Gelenken bekannt. Gemeinsam mit ungeordnetem Kalziumkarbonat, das die Schnecke im Dr\u00fcsengewebe speichert und bei Bedarf zusammen mit dem Schleim abgibt, tr\u00e4gt der Anteil von Kollagen VI entscheidend dazu bei, die Eigenschaften der verschiedenen Schleime zu steuern. Offenbar ver\u00e4ndert die Schnecke \u00fcber die Gesamtmenge an Proteinen und den Anteil an Kollagen VI, wie dicht das Proteinnetzwerk im Schleim ist. Das wirkt sich unmittelbar auf die mechanischen Eigenschaften aus: Je engmaschiger das Proteinnetz ist, desto z\u00e4her ist der Schleim. Kalzium dient in seiner Ionenform entweder der Vernetzung oder als Calcit der Verst\u00e4rkung des Materials.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von der Natur lernen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie Erkenntnisse dieser Studie reichen weit \u00fcber die Biologie der Schnecke hinaus\u201c, sagt <strong>Peter Fratzl, Direktor am Max-Planck-Institut f\u00fcr Kolloid- und Grenzfl\u00e4chenforschung.<\/strong> \u201eNat\u00fcrliche Materialien erzielen mit wenigen Bausteinen eine enorme Vielfalt an Funktionen. Wenn wir die Prinzipien dahinter verstehen, ist das f\u00fcr die Entwicklung nachhaltiger Materialien von gro\u00dfer Bedeutung.\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nnten sich nach dem Vorbild von Schneckenschleim beispielsweise umweltfreundliche Klebstoffe, funktionelle Beschichtungen oder Materialien f\u00fcr medizinische Anwendungen herstellen lassen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Originalver\u00f6ffentlichung<\/h3>\n\n\n\n<p>Mariella Gabler, Emeline Raguin, Ernesto Scoppola, Barbara Steigenberger, Assa Yeroslaviz, Peter Werner, Peter Fratzl, Franziska Jehle; Calcium tunes snail mucus\u2013based materials to multiple functions; <em>Science 393\u00a0(6811), S. 596 &#8211; 600 (2026)<\/em>; <a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adx7367\">https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adx7367<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem Regenschauer sind Schnecken besonders aktiv. 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