{"id":179468,"date":"2026-08-07T07:20:00","date_gmt":"2026-08-07T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=179468"},"modified":"2026-07-31T14:18:47","modified_gmt":"2026-07-31T12:18:47","slug":"gesamtverband-textilmode-zum-inkrafttreten-des-vernichtungsverbots-von-neuware-weiterer-papiertiger-der-vollig-an-der-realitat-vorbei-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gesamtverband-textilmode-zum-inkrafttreten-des-vernichtungsverbots-von-neuware-weiterer-papiertiger-der-vollig-an-der-realitat-vorbei-geht\/","title":{"rendered":"Gesamtverband textil+mode zum Inkrafttreten des Vernichtungsverbots von Neuware: \u201eWeiterer Papiertiger, der v\u00f6llig an der Realit\u00e4t vorbei geht\u201c"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"787\" height=\"442\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/20260416_144123_klein.jpg.787x442_q85_crop_upscale.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-179485\" style=\"width:652px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/20260416_144123_klein.jpg.787x442_q85_crop_upscale.jpg 787w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/20260416_144123_klein.jpg.787x442_q85_crop_upscale-300x168.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/20260416_144123_klein.jpg.787x442_q85_crop_upscale-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/20260416_144123_klein.jpg.787x442_q85_crop_upscale-768x431.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/20260416_144123_klein.jpg.787x442_q85_crop_upscale-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 787px) 100vw, 787px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gesamtverband textil+mode<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Das sogenannte Vernichtungsverbot f\u00fcr Neuware, das ab 19. Juli in der EU gilt, geht v\u00f6llig an der Realit\u00e4t vorbei, belastet die heimische Industrie mit weiterer unsinniger B\u00fcrokratie und l\u00f6st das eigentliche Ultra-Fast-Fashion-Problem nicht einmal im Ansatz. Zu dieser Einsch\u00e4tzung kommt der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie, der rund 1.300 Unternehmen mit \u00fcber 100.000 Besch\u00e4ftigten in Deutschland vertritt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Jonas Stracke, Kreislaufexperte beim Gesamtverband textil+mode:<\/strong> \u201eKein deutscher oder europ\u00e4ischer Hersteller vernichtet einwandfreie Neuware. Dennoch erweckt der Name des Gesetzes den Eindruck, als w\u00fcrden Hersteller massenhaft Neuware vernichten. Dies entspricht absolut nicht der Realit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Unternehmer der zumeist mittelst\u00e4ndischen deutschen Textil- und Modeindustrie, die qualitativ hochwertige Textilien produzieren, haben Textilien einen Wert. Nicht verkaufte Ware oder Online-Retouren gehen in Sale-Aktionen, Outlets, werden umgearbeitet oder gespendet. Was \u00fcbrig bleibt, sind geringe Mengen an Textilien, die etwa durch den Transport in Containern (z.B. Schimmel durch Wassereintritt) besch\u00e4digt oder durch grobe Fehler bei der Produktion nicht mehr gebrauchsf\u00e4hig sind. F\u00fcr solche Textilien m\u00fcssen gro\u00dfe Unternehmen und in einem n\u00e4chsten Schritt auch mittlere Unternehmen umfangreiche Berichte anfertigen, warum ein Textil vernichtet werden muss und warum es nicht einer anderen Verwendung zugef\u00fchrt werden kann. Selbst, wenn Unternehmen heute ihre Textilien hochwertig wieder zu Fasern recyclen wollen, fehlt in der EU daf\u00fcr grunds\u00e4tzlich eine gro\u00dffl\u00e4chige industrielle Recycling-Infrastruktur.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend heimische Unternehmen im Papierkrieg versinken, fluten weiterhin und fast ungehindert t\u00e4glich 500.000 P\u00e4ckchen aus Asien mit spottbilliger Ultra-Fast-Fashion den deutschen Markt. Auch die neue Zollgeb\u00fchr f\u00fcr Kleinstp\u00e4ckchen von drei Euro wird an den asiatischen Billig-Online-Verkaufsportalen nicht viel \u00e4ndern. Da diese Billig-Anbieter h\u00e4ufig in der EU nicht mal einen Firmensitz haben, bleibt es weiterhin schwierig, juristisch gegen sie vorzugehen. Dabei verstopft gerade ein Gro\u00dfteil dieser Ware Altkleidercontainer in unserem Land, f\u00fcr die deutsche Hersteller dann k\u00fcnftig auch noch bezahlen sollen. Hier stellt sich aus Sicht des Gesamtverbandes textil+mode die legitime Frage, warum wertlose Ultra-Fast-Fashion, die konkurrenzlos billig ist, weiter die europ\u00e4ischen M\u00e4rkte fluten darf, w\u00e4hrend heimische Hersteller neue realit\u00e4tsferne kostentreibende B\u00fcrokratie erf\u00fcllen m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Kreislaufexperte\u00a0Jonas Stracke<\/strong>: \u201eDas Gesetz mit dem wuchtigen Namen Vernichtungsverbot bek\u00e4mpft nicht mal im Ansatz das Ultra-Fast-Fashion Problem, sondern schafft in der EU viel neue B\u00fcrokratie ausgerechnet f\u00fcr die Unternehmen, die nicht f\u00fcr die Altkleiderberge mit wertloser Ramschware verantwortlich sind. F\u00fcr mehr Nachhaltigkeit braucht es vor allem funktionierende Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen sowie einen Markt f\u00fcr recycelte Textilfasern. Solange diese Voraussetzungen fehlen, bleibt auch das Vernichtungsverbot mit all seinem zus\u00e4tzlichen Dokumentationsaufwand lediglich ein Papiertiger. Einen echten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leistet es in der Praxis leider nicht. Au\u00dferdem handelt es sich nicht um ein Vernichtungsverbot, wie der Name vorgibt, sondern um aufw\u00e4ndige Berichtspflichten f\u00fcr einen kleinen Teil von Ware, der aus Gr\u00fcnden von Sicherheit, Hygiene oder anderer schwerer M\u00e4ngel absolut nicht mehr in den Umlauf gebracht werden darf.\u201c\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Unternehmen der deutschen Textil- und Modeindustrie und ihre werthaltigen deutschen Modemarken sind f\u00fcr den Schutz von Ressourcen und wollen mehr Kreislaufwirtschaft. Aber vor allem wollen sie wieder einen fairen Wettbewerb, wenn es um qualitativ hochwertige Textilien geht. Nur so gelingt der Weg zu einer nachhaltigen Textilindustrie. Mit dem sogenannten Vernichtungsverbot wird das nicht erreicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hintergrund<\/strong> <\/h3>\n\n\n\n<p>Die Regelung zum sogenannten Vernichtungsverbot (Stichtag 19. Juli) gilt zun\u00e4chst f\u00fcr gro\u00dfe Unternehmen mit mindestens 250 Besch\u00e4ftigten (Vollzeit\u00e4quivalenten) oder einem Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. Euro (netto). Mittlere Unternehmen werden ab 2030 einbezogen, w\u00e4hrend Kleinst- und Kleinunternehmen von den Vorgaben ausgenommen bleiben. Gro\u00dfe Unternehmen m\u00fcssen in einem ersten Schritt zun\u00e4chst im Rahmen einer Art Selbstauskunft darlegen, warum f\u00fcr die Vernichtung bestimmter Waren Ausnahmen geltend gemacht werden k\u00f6nnen. Dies kann zum Beispiel besch\u00e4digte Produkte oder bestimmte Warenbest\u00e4nde betreffen, die entsprechend beschrieben und begr\u00fcndet werden m\u00fcssen. Neben der Vernichtung ist zudem zu pr\u00fcfen, ob diese Waren alternativen Verwertungs- oder Nutzungsm\u00f6glichkeiten h\u00e4tten zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, etwa durch Spenden, Weitergabe oder andere Absatzwege. Dies muss ebenfalls dokumentiert und aufgeschrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:13px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcber <\/strong>den Gesamtverband textil+mode<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Gesamtverband textil+mode vertritt rund 1.300 Unternehmen der deutschen Textil- und Modeindustrie, die mit \u00fcber 100.000 Besch\u00e4ftigten einen Jahresumsatz von rund 30 Milliarden Euro erzielen. Zur Branche geh\u00f6ren neben Herstellern von Bekleidung, Schuhen und Heimtextilien auch Produzenten von Spezialtextilien und technischen Textilien, etwa f\u00fcr den medizinischen Bereich oder Schutzausr\u00fcstungen f\u00fcr Feuerwehr, Bundeswehr und Polizei.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sogenannte Vernichtungsverbot f\u00fcr Neuware, das ab 19. Juli in der EU gilt, geht v\u00f6llig an der Realit\u00e4t vorbei, belastet die heimische Industrie mit weiterer unsinniger B\u00fcrokratie und l\u00f6st das eigentliche Ultra-Fast-Fashion-Problem nicht einmal im Ansatz. 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