{"id":17944,"date":"2013-11-13T08:34:39","date_gmt":"2013-11-13T06:34:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innovations-report.de\/html\/berichte\/biowissenschaften_chemie\/acker_statt_fabrik_natuerliches_suessungsmittel_222523.html"},"modified":"2013-11-13T09:28:13","modified_gmt":"2013-11-13T07:28:13","slug":"vom-acker-statt-aus-der-fabrik-naturliches-susungsmittel-stevia-soll-2016-endgultig-marktreif-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/vom-acker-statt-aus-der-fabrik-naturliches-susungsmittel-stevia-soll-2016-endgultig-marktreif-sein\/","title":{"rendered":"Vom Acker statt aus der Fabrik: Nat\u00fcrliches S\u00fc\u00dfungsmittel Stevia soll 2016 endg\u00fcltig marktreif sein"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit genmanipulierten Hefen will ein US-Konzern Steviolglykoside herstellen, die mit dem S\u00fc\u00dfkraut aus S\u00fcdamerika nichts mehr zu tun haben. Der Gegenentwurf zu diesem reinen Kunstprodukt kommt von der Universit\u00e4t Hohenheim. Dort bringt ein Agrarwissenschaftler ein naturbelassenes Stevia-S\u00fc\u00dfungsmittel zur Marktreife \u2013 und bietet damit Landwirten eine Perspektive, die bisher vom Tabakanbau leben. Daf\u00fcr gibt es ab 2014 keine Subventionen mehr. Die Europ\u00e4ische Union f\u00f6rdert das Forschungsprojekt mit \u00fcber 2,3 Millionen Euro. Damit geh\u00f6rt es zu den Schwergewichten der Forschung an der Universit\u00e4t Hohenheim.<\/strong><\/p>\n<p>Der US-Lebensmittelriese Cargill will den Stevia-S\u00fc\u00dfstoff Steviolglykosid k\u00fcnftig aus genmanipulierten Hefen gewinnen. Das neuartige Verfahren ist hocheffizient: Eine einzige Fabrikhalle k\u00f6nnte die gesamte derzeitige Stevia-Anbaufl\u00e4che auf der Welt \u00fcberfl\u00fcssig machen. Die Herstellung ist sehr kosteng\u00fcnstig: Der Preis k\u00f6nnte von derzeit bis zu 180 Euro pro Kilogramm auf unter zehn Euro fallen. Bis 2020 will Cargill 20 Prozent der weltweiten S\u00fc\u00dfungsmittel-Nachfrage abdecken.<\/p>\n<p>Seit Ende 2011 sind Steviolglykoside als Lebensmittelzusatzstoff (E960) zugelassen. Steviolglykoside sind ca. 200mal s\u00fc\u00dfer als Zucker. Sie machen nicht dick, weil sie keine Kalorien enthalten und verursachen keine Karies. Auch in Deutschland greifen immer mehr Menschen zu Produkten, die Steviolglykoside enthalten, welche durch ein chemisches Verfahren aus der Pflanze Stevia rebaudiana hergestellt werden. Sie produziert s\u00fc\u00dfschmeckende Substanzen, die Steviolglykoside. Urspr\u00fcnglich stammt die Stevia-Pflanze aus Paraguay.<\/p>\n<p>\u201eDurch das neue Herstellungsverfahren werden Stevioglykoside endg\u00fcltig zu einem reinen Kunstprodukt ohne jeden Bezug zur Natur\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Udo Kienle vom Institut f\u00fcr Agrartechnik der Universit\u00e4t Hohenheim. \u201eDabei legen 40 Prozent der Verbraucher wert auf naturnahe Lebensmittel.\u201c Als Gegenentwurf will der Forscher ein naturbelassenes, kalorienarmes S\u00fc\u00dfungsmittel aus dem S\u00fc\u00dfkraut Stevia rebaudiana zur Marktreife bringen.<\/p>\n<p><strong>EU streicht ab 2014 Subventionen f\u00fcr Tabakanbau \u2013 Stevia als Alternative<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Kienles Pl\u00e4ne haben auch einen agrarpolitischen Aspekt: Ab dem Jahr 2014 dreht die Europ\u00e4ische Union Landwirten, die vom Tabakanbau leben, endg\u00fcltig den Subventionshahn zu. \u201eDie Tabakpflanzer rund um das Mittelmeer m\u00fcssen also zwangsl\u00e4ufig auf andere Produkte umsteigen, die einen \u00e4hnlich hohen Marktwert wie Tabak bringen\u201c, erl\u00e4utert Dr. Kienle. Stevia k\u00f6nne dieses Kriterium erf\u00fcllen und sei deshalb eine m\u00f6gliche Alternative.<\/p>\n<p>\u201eWenn man einen Landwirt dazu bringen will auf eine andere Kulturpflanze umzusteigen, muss man ihm verl\u00e4ssliche Ertragsprognosen liefern\u201c, sagt Dr. Kienle. Deshalb baut der Forscher Stevia seit vielen Jahren versuchsweise auf Feldern in verschiedenen europ\u00e4ischen Mittelmeerstaaten an und erfasst, wie hoch die Ernteertr\u00e4ge ausfallen und ob sie \u00fcber die Jahre einigerma\u00dfen konstant bleiben. Diese Forschungsarbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen landwirtschaftlichen Tabakanbaukooperativen aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien durchgef\u00fchrt. Dort soll ab 2016 der gro\u00dffl\u00e4chige Anbau starten und die kalorienarme Naturs\u00fc\u00dfe auf Basis von Stevia rebaudiana hergestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Naturbelassenes Stevia-S\u00fc\u00dfungsmittel soll 2016 marktreif sein<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWer in der EU ein neues Lebensmittel auf den Markt bringen will, muss sehr hohe Sicherheitsstandards einhalten\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Kienle. Dazu geh\u00f6re auch ein Nachweis \u00fcber die gesundheitliche Unbedenklichkeit. \u201eIch bin mir zwar absolut sicher, dass Stevia harmlos ist, aber es fehlt eben noch der endg\u00fcltige Nachweis daf\u00fcr.\u201c<\/p>\n<p>Den sollen Ratten liefern. Sie leben in Laboren in Bologna und Posen und bekommen das naturbelassene Stevia-S\u00fc\u00dfungsmittel zu fressen. \u201eDie Projektpartner untersuchen die Tiere hinterher auf Tumore und beleuchten, ob Stevia die Aufnahme von Vitaminen, Spurenelementen und anderen Mikron\u00e4hrstoffen hemmt\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Kienle. Erst wenn die Wissenschaftler beides ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen, ist die Unbedenklichkeit des Stevia-S\u00fc\u00dfungsmittels bewiesen.<\/p>\n<p>Bis 2016 soll das naturbelassene S\u00fc\u00dfungsmittel aus der Stevia-Pflanze marktreif sein.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund: Forschungsprojekt Go4Stevia<\/strong><\/p>\n<p>Hinter der Abk\u00fcrzung Go4Stevia verbirgt sich der Projektname \u201eStevia rebaudiana as a diversification alternative for European Tobacco Farmers to strengthen the European Competitiveness\u201c. Das Forschungsprojekt ist im Februar 2013 angelaufen und auf drei Jahre angelegt. Die Europ\u00e4ische Union unterst\u00fctzt das Vorhaben mit insgesamt rund 2,3 Millionen Euro. Projektkoordinator ist der Agrartechniker Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Leiter des Fachgebiets Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme an der Universit\u00e4t Hohenheim. Beteiligt sind au\u00dferdem Dr. Morando Soffritti vom Ramazzini-Institut in Bologna und Dr. Magdalena Czlapka-Matyasik von der Life Science Universit\u00e4t Posen.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund: Schwergewichte der Forschung<\/strong><\/p>\n<p>Rund 27 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universit\u00e4t Hohenheim im vergangenen Jahr f\u00fcr Forschung und Lehre. In loser Folge pr\u00e4sentiert die Reihe \u201eSchwergewichte der Forschung\u201c herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Buchwissenschaften.<\/p>\n<p><strong>Kontakt<br \/>\n<\/strong>Dr. Udo Kienle, Universit\u00e4t Hohenheim,<br \/>\nFachgebiet Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme,<br \/>\nTel.: 0711\/459 22845,<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:u-kienle@uni-hohenheim.de\" target=\"_blank\">u-kienle@uni-hohenheim.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Biowissenschaften Chemie] Mit genmanipulierten Hefen will ein US-Konzern Steviolglykoside herstelle&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[230,5585,5981,5980,282],"class_list":["post-17944","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-cargill-inc","supplier-european-union","supplier-poznan-university-life-sciences","supplier-ramazzini-institut","supplier-universitaet-hohenheim"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17944","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17944"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17944\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17944"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17944"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17944"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=17944"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}