{"id":178344,"date":"2026-07-09T07:35:00","date_gmt":"2026-07-09T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=178344"},"modified":"2026-07-02T15:34:53","modified_gmt":"2026-07-02T13:34:53","slug":"nachhaltig-kicken-auf-biobasiertem-kunstrasen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachhaltig-kicken-auf-biobasiertem-kunstrasen\/","title":{"rendered":"Nachhaltig kicken auf biobasiertem Kunstrasen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Kunstrasen hat sich in vielen Sportst\u00e4tten durchgesetzt, weil er sehr pflegeleicht und wetterunabh\u00e4ngig bespielbar ist. Allerdings ist Kunstrasen nicht nachhaltig. Er besteht aus einem Materialmix aus erd\u00f6lbasiertem Kunststoff und ist meist mit Kunststoff-Granulat verf\u00fcllt. Ein solcher Rasen ist kaum zu recyceln und wird meist in M\u00fcllverbrennungsanlagen thermisch verwertet. Zudem kann das Mikroplastik-Granulat in die Umwelt gelangen. Aufgrund dieses Umweltrisikos hat die EU die Nutzung von Mikroplastik-Granulat in Kunstrasen ab Oktober 2031 europaweit verboten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/BioTurf-Fusball-biobasierter-Kunstrasen-1024x576.jpg\" alt=\"Aachener Forschende kicken auf biobasiertem Kunstrasen.\u00a0\" class=\"wp-image-178348\" style=\"width:755px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/BioTurf-Fusball-biobasierter-Kunstrasen-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/BioTurf-Fusball-biobasierter-Kunstrasen-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/BioTurf-Fusball-biobasierter-Kunstrasen-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/BioTurf-Fusball-biobasierter-Kunstrasen-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/BioTurf-Fusball-biobasierter-Kunstrasen-400x225.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/07\/BioTurf-Fusball-biobasierter-Kunstrasen.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Aachener Forschende kicken auf biobasiertem Kunstrasen.\u00a0\u00a9 RWTH-Aachen, Hochschulsportzentrum<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Hier setzt das BioTurf-Projekt an. Ziel der Forschenden war es, einen neuartigen Kunstrasen aus Biokunststoff zu entwickeln. Der sollte im Sinne einer Kreislaufwirtschaft komplett recycelbar sein und zur L\u00f6sung des Mikroplastik-Problems ohne F\u00fcllmaterial auskommen. Daran haben die Forschenden um Dr. Claudia Post vom TFI \u2013 Institut f\u00fcr Bodensysteme an der RWTH Aachen e.V. und Dr. Franz Pursche vom Institut f\u00fcr Textiltechnik gemeinsam mit Experten von der Morton Extrusionstechnik GmbH seit Ende 2021 gearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Weg zum \u201egr\u00fcnen\u201c Kunstrasen<\/h3>\n\n\n\n<p>Seit November 2023 liegt der BioTurf im Hochschulsportzentrum der RWTH Aachen aus und wird hier ordentlich bespielt. Bis er dort liegen konnte, hatten die Forschenden einiges zu tun. Doch wie unterscheiden sich herk\u00f6mmlicher Kunstrasen und BioTurf? Und was macht den BioTurf so nachhaltig?<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/biooekonomie.de\/sites\/default\/files\/2024-06\/Bioturf%20Grafik.jpg\" alt=\"Eine Grafik erl\u00e4utert, wie der biobasierte Kunstrasen hergestellt wird.\" style=\"width:758px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Herstellung von herk\u00f6mmlichem und biobasiertem Kunstrasen im Vergleich: Der BioTurf setzt auf reduzierten Materialmix, biobasiertes Polyethylen und verwendet weder Mikroplastik-Einf\u00fcllgranulat noch Latex-Beschichtung. \u00a9 TFI &#8211; Institut f\u00fcr Bodensysteme an der RWTH Aachen e.V.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Herk\u00f6mmlicher Kunstrasen besteht aus einem Tr\u00e4germaterial, in das Kunststoffgarn aus erd\u00f6lbasiertem Polypropylen eingearbeitet wird (dieses Verfahren wird Tuften genannt). Dieses sogenannte Polgarn erf\u00fcllt die Funktion der Grashalme. Auf der R\u00fcckseite des Tr\u00e4germaterials werden die \u201ePolgarne\u201c mit einer Latexschicht verfestigt. Das verhindert, dass sie w\u00e4hrend der Nutzung herausgezogen werden. Beim Einbau in das Spielfeld wird diese Struktur dann noch mit Sand und Kunststoffgranulat verf\u00fcllt, um die gew\u00fcnschten Spieleigenschaften auf dem Feld zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">BioTurf: Biobasiertes Polyethylen statt erd\u00f6lbasiertem Polypropylen<\/h3>\n\n\n\n<p>Beim BioTurf haben die Forschenden an verschiedenen Stellen angesetzt. F\u00fcr das Polgarn, die \u201eGrashalme\u201c, nutzen sie biobasiertes Polyethylen statt erd\u00f6lbasiertem Polypropylen. Den Biokunststoff Polyethylen gewinnen sie aus europ\u00e4ischem Raps\u00f6l und landwirtschaftlichen Reststoffen. Die n\u00f6tige Stabilit\u00e4t des Polgarns erreichen die Forschenden, indem sie zwei verschiedene Arten \u201ek\u00fcnstlicher Grashalme\u201c verwenden. Zum einen l\u00e4ngere Fasern, die die Rasenl\u00e4nge bestimmen. Daneben k\u00fcrzere, stark gekr\u00e4uselte Fasern, die die l\u00e4ngeren \u201eHalme\u201c st\u00fctzen. Insgesamt entsteht dadurch eine dichte Struktur, die ohne Mikroplastik-Granulat auskommt. Das Tr\u00e4germaterial besteht derzeit haupts\u00e4chlich aus Polyethylen und wenigen Prozent Polypropylen und wird auf der R\u00fcckseite durch eine Recyclingfolie stabilisiert, die aus recycelten Altkunstrasenpl\u00e4tzen besteht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Thermobonding statt Latexschicht<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch die Latexschicht haben die Forschenden ersetzt. Denn sie erschwert nicht nur das Recycling, sondern ist aufgrund der langen Trocknung auch sehr energieintensiv. F\u00fcr den BioTurf haben die Forschenden deshalb ein neues Verfahren entwickelt, um die Fasern auch bei starker Beanspruchung festzuhalten. Beim sogenannten Thermobonding werden die Polgarne auf der R\u00fcckseite des Tr\u00e4germaterials geschmolzen und als Klebstoff f\u00fcr die Einbindung genutzt. Das Tr\u00e4germaterial besteht derzeit noch aus Polypropylen und wird auf der R\u00fcckseite durch eine Recyclingfolie stabilisiert, die aus recycelten Altkunstrasenpl\u00e4tzen besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier liegt auch noch die letzte Herausforderung von BioTurf. Unser Ziel war es, auch noch die Tr\u00e4germatrix aus Polypropylen zu ersetzen. Wir wollen aber einen Kunstrasen, der zu 100 % aus biobasiertem Polyethylen besteht, was uns bis auf wenige Prozent gegl\u00fcckt ist\u201c, sagt Claudia Post. \u201eDer Knackpunkt ist die exakte Temperatur- und Prozesssteuerung bei der thermischen Verbindung von Polgarn und Tr\u00e4germaterial.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Polgarn soll schmelzen, w\u00e4hrend das Tr\u00e4germaterial noch festbleibt. Das funktioniert bei Polypropylen-Tr\u00e4gern gut, denn Polypropylen schmilzt erst bei h\u00f6heren Temperaturen als Polyethylen. Sind Polgarn und Tr\u00e4germaterial beide aus Polyethylen, so schmelzen sie bei gleichen Temperaturen. \u201eMomentan schaffen wir einen stabilen Verbund mit dem Einsatz weniger Prozent Polypropylen im Tr\u00e4germaterial\u201c, so Post. Doch die Forschenden arbeiten daran, auch diese Aufgabe zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gut f\u00fcr Umwelt und Klima: BioTurf hat sehr gute \u00d6kobilanz<\/h3>\n\n\n\n<p>Doch wie nachhaltig ist der BioTurf? Dass er ohne F\u00fcllmaterial auskommt, entlastet die Umwelt bereits enorm. Denn damit wird der Eintrag von Mikroplastik-Granulat in die Umwelt verhindert. Doch die Forschenden wollten noch genauer wissen, welche Auswirkungen der BioTurf f\u00fcr Umwelt und Klima hat. Deshalb erstellten sie eine \u00d6kobilanz. Dabei haben sie die Prozesse zur Rohstoffgewinnung, zum Transport und zur Herstellung beobachtet und mit einem herk\u00f6mmlichen Produkt verglichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Herausgekommen ist, dass der BioTurf nachhaltiger ist und einen besseren CO\u2082-Fu\u00dfabdruck hat als herk\u00f6mmlicher Kunstrasen. Das liegt vor allem daran, dass biobasierte Materialien fossile ersetzen, bessere Produktionsverfahren eingesetzt werden und der BioTurf nahezu komplett recycelbar ist. Allerdings ist den Forschenden wichtig, dass dies nat\u00fcrlich nur dann so ist, wenn auch der Anbau der Biomasse und Transport nachhaltig gestaltet werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/biooekonomie.de\/sites\/default\/files\/2024-06\/BioTurf_Nahaufnahme%20Kunstrasen.jpg\" alt=\"Nahaufnahme des Kunstrasens. Blick durch die Tor-Maschen\" style=\"width:703px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Im Hochschulsportzentrum der RWTH Aachen liegt er schon, der biobasierte Kunstrasen. \u00a9 ITA, Institut f\u00fcr Textiltechnik der RWTH Aachen<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vom Labor auf den Platz \u2013 wie es weitergeht<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Fu\u00dfballeuropameisterschaft sicherlich noch viele in den n\u00e4chsten Wochen begeistern wird, kicken auch die Aachener weiter auf dem neuen Kunstrasen. Mit dabei sind Soziologen der RWTH, die selbst auf dem Rasen spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wichtig ist, dass sich der Belag wie bisherige Kunstrasenpl\u00e4tze bespielen l\u00e4sst, egal ob beim Laufen, Passen oder Schie\u00dfen. Deren gesammelte R\u00fcckmeldung hilft, den neuartigen Kunstrasen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Doch fertig ist das BioTurf-Team erst, wenn der Kunstrasen nach zehn bis zw\u00f6lf Jahren erneuert werden muss. Denn dann soll der biobasierte Kunstrasen auch wieder recycelt werden \u2013 ganz im Sinne einer kreislauff\u00e4higen Bio\u00f6konomie.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:14px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Innovationsraum BIOTEXFUTURE&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>BIOTEXFUTURE ist ein vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gef\u00f6rderter Innovationsraum zur biobasierten Textilforschung. Der Innovationsraum wird von der adidas AG und der RWTH Aachen koordiniert. Deren Vision ist es, die textile Wertsch\u00f6pfungskette von erd\u00f6lbasierten zu biobasierten Textilien gemeinsam zu transformieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem F\u00f6rderkonzept \u201eInnovationsr\u00e4ume Bio\u00f6konomie\u201c beabsichtigt das BMBF, die Entwicklung bio\u00f6konomischer Innovationen als Treiber zu einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaft zu unterst\u00fctzen. Ziel ist es, Forschungsergebnisse umfassender als bisher zu nutzen und Prozesse anzusto\u00dfen, die Bausteine eines gesamtgesellschaftlichen Wandlungsprozesses im Sinne der Bio\u00f6konomie werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/biooekonomie.de\/themen\/dossiers\/die-innovationsraeume-biooekonomie\"><strong>Themendossier zu den Innovationsr\u00e4umen\u00a0<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunstrasen hat sich in vielen Sportst\u00e4tten durchgesetzt, weil er sehr pflegeleicht und wetterunabh\u00e4ngig bespielbar ist. Allerdings ist Kunstrasen nicht nachhaltig. Er besteht aus einem Materialmix aus erd\u00f6lbasiertem Kunststoff und ist meist mit Kunststoff-Granulat verf\u00fcllt. Ein solcher Rasen ist kaum zu recyceln und wird meist in M\u00fcllverbrennungsanlagen thermisch verwertet. Zudem kann das Mikroplastik-Granulat in die Umwelt [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":178348,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Zum Start der Fu\u00dfball-EM haben Forschende des Innovationsraums BIOTEXFUTURE ihren biobasierten Kunstrasen BioTurf in Aachen vorgestellt. 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