{"id":177853,"date":"2026-06-26T07:35:00","date_gmt":"2026-06-26T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=177853"},"modified":"2026-06-23T12:34:11","modified_gmt":"2026-06-23T10:34:11","slug":"bakterielle-fabriken-als-schlussel-fur-klimafreundliche-chemie-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bakterielle-fabriken-als-schlussel-fur-klimafreundliche-chemie-2\/","title":{"rendered":"Bakterielle Fabriken als Schl\u00fcssel f\u00fcr klimafreundliche Chemie"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1602340852-1024x576.jpg\" alt=\"Pioneer Fellow Ronja Rappold mit ihren \u00abbakteriellen Fabriken\u00bb. (Bild: Michel B\u00fcchel \/ ETH Z\u00fcrich)\" class=\"wp-image-177855\" style=\"width:650px\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1602340852-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1602340852-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1602340852-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1602340852-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1602340852-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1602340852-2048x1153.jpg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1602340852-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pioneer Fellow Ronja Rappold mit ihren \u00abbakteriellen Fabriken\u00bb. (Bild: Michel B\u00fcchel \/ ETH Z\u00fcrich)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.text50percent.dpr2_.943511313-1024x1024.jpg\" alt=\"Ronja Rappold und ihre Teammitglieder Philipp Keller (links) und Michael Reiter (Mitte).  (Bild: Lukas Bigler)\" class=\"wp-image-177856\" style=\"width:300px\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.text50percent.dpr2_.943511313-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.text50percent.dpr2_.943511313-300x300.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.text50percent.dpr2_.943511313-150x150.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.text50percent.dpr2_.943511313-768x768.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.text50percent.dpr2_.943511313-270x270.jpg 270w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.text50percent.dpr2_.943511313.jpg 1108w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ronja Rappold und ihre Teammitglieder Philipp Keller (links) und Michael Reiter (Mitte). (Bild: Lukas Bigler)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Ob Medikamente, Kleidung oder Lebensmittel: Rund 96 Prozent unserer Alltagsprodukte sind von der chemischen Industrie abh\u00e4ngig. Gleichzeitig verursacht sie etwa sechs Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, die den Klimawandel vorantreiben. \u00abDieses Problem ist gross, aber oft unsichtbar\u00bb, sagt Rappold. Genau hier setzt ihr Projekt Teno Bioworks an. \u00abWir konsumieren die Endprodukte, sehen aber die fossilen Rohstoffe nicht, die f\u00fcr ihre Herstellung verbraucht wurden.\u00bb\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit ihren Teamkollegen Philipp Keller und Michael Reiter entwickelt die Biotechnologin eine Technologie, die das Problem an der Wurzel packt: Sie betrachten CO\u2082 nicht als Abfallstoff, sondern als Ressource. Das Team kombiniert modernste Biologie mit einem Prozess, der so alt ist wie das Brotbacken: der bakteriellen Fermentation.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der strategische Weg \u00fcber das Methanol&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Die chemische Nutzung von CO\u2082 als Rohstoff ist eine grosse Herausforderung: als Gas ist CO<sub>2<\/sub>\u00a0fl\u00fcchtig und damit schwer zu b\u00e4ndigen. Hier nutzt das Team einen entscheidenden technologischen Kniff: \u00abgr\u00fcnes Methanol\u00bb als Bindeglied. Zuerst wird das gasf\u00f6rmige CO\u2082 in fl\u00fcssiges Methanol umgewandelt. Dieses dient den Bakterien als Ausgangsstoff \u2013 sozusagen als \u00abFutter\u00bb. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abMethanol ist ein hervorragender industrieller Rohstoff\u00bb, erkl\u00e4rt <strong>Rappold<\/strong>. \u00abIm Gegensatz zu CO\u2082 ist es nicht nur fl\u00fcssig, sondern l\u00e4sst sich auch leicht lagern, transportieren und pr\u00e4zise dosieren\u00bb, sagt <strong>Rappold<\/strong>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Durchbruch nach Jahrzehnten der Forschung&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Vision, Methanol mikrobiell zu verwerten, existiert schon lange. Seit den 1970er-Jahren versucht die Forschung, nat\u00fcrlich vorkommende \u00abMethanolverwerter\u00bb industriell zu nutzen \u2013 mit m\u00e4ssigem Erfolg. Rappolds Team hat f\u00fcr dieses Problem in langj\u00e4hriger Forschung im Labor von Julia Vorholt, Professorin f\u00fcr Mikrobiologie an der ETH Z\u00fcrich, nun eine revolution\u00e4re L\u00f6sung entwickelt, indem sie den Spiess umdrehten: Sie haben ein bereits grossindustriell genutztes Bakterium optimiert, das sich nicht wie bisher von Zucker, sondern nun von Methanol ern\u00e4hrt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abWir haben den Stoffwechsel dieses Bakteriums grundlegend umprogrammiert\u00bb, sagt\u00a0 <strong>Rappold<\/strong>. Das Ergebnis: Eine bakterielle Fabrik, die Methanol verwerten kann und so in der industriellen Chemie mit klimaneutraler Ressourcennutzung eingesetzt werden kann.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"222\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1761310589-1024x222.png\" alt=\"Die Technologie von Teno Bioworks wandelt CO\u2082 in hochwertige Chemikalien um.  (Grafik: Michael Reiter \/ Teno Bioworks)\" class=\"wp-image-177857\" style=\"width:650px\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1761310589-1024x222.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1761310589-300x65.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1761310589-150x33.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1761310589-768x167.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1761310589-1536x333.png 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1761310589-2048x444.png 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.1761310589-400x87.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Technologie von Teno Bioworks wandelt CO\u2082 in hochwertige Chemikalien um. (Grafik: Michael Reiter \/ Teno Bioworks)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vom Labor in den Markt&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Potenzial ist enorm: Teno Bioworks entwickelt keine Einzell\u00f6sung, sondern eine Plattformtechnologie. Das heisst, je nachdem, wie die Mikroorganismen instruiert werden, produzieren sie unterschiedliche Produkte \u2013 so zum Beispiel Bausteine f\u00fcr Kosmetika, D\u00e4mm- oder nachhaltige Kunststoffe. Als operative Leiterin verantwortet Rappold dabei die strategische Ausrichtung des geplanten ETH-Spin-off. Im engen Austausch mit Industriepartner:innen und potenziellen Kund:innen weltweit evaluiert sie, in welchen Anwendungsfeldern ihre Technologie den gr\u00f6ssten Einfluss erzeugen kann. \u00abDie chemische Industrie steht unter enormem Preisdruck. Deshalb m\u00fcssen unsere L\u00f6sungen wirtschaftlich konkurrenzf\u00e4hig sein\u00bb, betont sie. Nachhaltigkeit d\u00fcrfe kein Luxusgut sein, sondern m\u00fcsse der neue Standard werden. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abUnsere Technologie schl\u00e4gt zwei Fliegen mit einer Klappe\u00bb, sagt <strong>sie<\/strong>. \u00abWir machen Chemikalienproduktion unabh\u00e4ngig von fossilen Rohstoffen und sch\u00fctzen gleichzeitig die Biodiversit\u00e4t sowie die Ressourcen Land und Wasser.\u00bb\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Br\u00fcckenbauerin zwischen Labor und Industrie&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieser Blick f\u00fcr das grosse Ganze hat sich \u00fcber Jahre entwickelt. Pr\u00e4gend waren f\u00fcr sie dabei verschiedene Eindr\u00fccke wie etwa die gigantischen Schaufelradbagger im Rheinland als kleines Kind oder die weiten \u00d6lfelder in Texas w\u00e4hrend der Studienzeit. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abDas Ausmass an Zerst\u00f6rung von Lebensraum hat mich schockiert\u00bb, erinnert <strong>sie<\/strong> sich. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mit Teno Bioworks will sie zeigen, dass industrielle Produktion und Umweltschutz kein Widerspruch sein m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.932236045-1024x576.jpg\" alt=\"Die Optimierung \u00abbakterieller Fabriken\u00bb im ETH-Labor ebnet den Weg, um Treibhausgase k\u00fcnftig im industriellen Massstab in wertvolle Chemikalien umzuwandeln. (Bild: Michel B\u00fcchel \/ ETH Z\u00fcrich)\" class=\"wp-image-177858\" style=\"width:650px\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.932236045-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.932236045-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.932236045-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.932236045-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.932236045-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.932236045-2048x1153.jpg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/image.imageformat.1286.dpr2_.932236045-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Optimierung \u00abbakterieller Fabriken\u00bb im ETH-Labor ebnet den Weg, um Treibhausgase k\u00fcnftig im industriellen Massstab in wertvolle Chemikalien umzuwandeln. (Bild: Michel B\u00fcchel \/ ETH Z\u00fcrich)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Noch steht das k\u00fcnftige ETH-Spin-off am Anfang. Der Prozess funktioniert bisher im Labor und erste Skalierungsschritte wurden erfolgreich umgesetzt. Der n\u00e4chste Meilenstein ist die Erweiterung auf eine erste Test- und schliesslich der Sprung auf eine industrielle Anlage. Diese Entwicklung wird nun mehrere Jahre dauern.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>F\u00fcr <strong>Ronja Rappold<\/strong> ist der Weg klar:\u00a0\u00abWir haben heute die Mittel, industrielle Produktion von Umweltbelastung und fossilen Importen zu entkoppeln. Jetzt geht es darum, sie auch anzuwenden.\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pioneer Fellowship Programm&nbsp;&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Pioneer Fellowship ist ein umfassendes Unterst\u00fctzungsprogramm, das innovativen Denker:innen ideale Bedingungen f\u00fcr den Beginn ihrer unternehmerischen T\u00e4tigkeit bietet. Das Programm richtet sich prim\u00e4r an Doktorierende, steht aber auch Masterstudierenden und Postdocs offen. Pioneer Fellows erhalten ein Stipendium von 180&#8217;000 Franken \u00fcber 12 bis 18 Monate, zus\u00e4tzlich zu umfassendem Mentoring und Ausbildung. Die Pioneer Fellowships werden gemeinsam von der ETH Foundation und der ETH Z\u00fcrich finanziert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob Medikamente, Kleidung oder Lebensmittel: Rund 96 Prozent unserer Alltagsprodukte sind von der chemischen Industrie abh\u00e4ngig. 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