{"id":177742,"date":"2026-06-19T07:23:00","date_gmt":"2026-06-19T05:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=177742"},"modified":"2026-06-16T14:00:06","modified_gmt":"2026-06-16T12:00:06","slug":"nkws-verbande-kritisieren-fehlende-verbindlichkeit-und-marktanreize","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nkws-verbande-kritisieren-fehlende-verbindlichkeit-und-marktanreize\/","title":{"rendered":"NKWS: Verb\u00e4nde kritisieren fehlende Verbindlichkeit und Marktanreize"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Plastics Europe Deutschland, VCI, BDI, VDMA, DIHK und GKV reagieren auf das Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Die Botschaft ist eindeutig: Die Ziele sind richtig gesetzt \u2013 aber ohne st\u00e4rkere Marktmechanismen, klare Regeln und schnellere Umsetzung droht die Transformation zur Kreislaufwirtschaft hinter ihren M\u00f6glichkeiten zur\u00fcckzubleiben.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"493\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/AdobeStock_Miha_Creative_4180153-1024x493.webp\" alt=\"\u00a9 Miha Creative\/stock.adobe.com\" class=\"wp-image-177744\" style=\"width:650px\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/AdobeStock_Miha_Creative_4180153-1024x493.webp 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/AdobeStock_Miha_Creative_4180153-300x145.webp 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/AdobeStock_Miha_Creative_4180153-150x72.webp 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/AdobeStock_Miha_Creative_4180153-768x370.webp 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/AdobeStock_Miha_Creative_4180153-400x193.webp 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/06\/AdobeStock_Miha_Creative_4180153.webp 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Miha Creative\/stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) der Bundesregierung soll den Umbau Deutschlands hin zu einer ressourcenschonenden, klimafreundlichen und st\u00e4rker zirkul\u00e4r organisierten Wirtschaft vorantreiben. Im Kern geht es darum, Stoffkreisl\u00e4ufe zu schlie\u00dfen, den Einsatz von Prim\u00e4rrohstoffen zu reduzieren und die industrielle Wettbewerbsf\u00e4higkeit durch Sekund\u00e4rrohstoffe zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem nun beschlossenen Aktionsprogramm zur NKWS liegt erstmals ein konkreter Ma\u00dfnahmenrahmen zur Umsetzung vor. Die Reaktionen aus Industrie- und Wirtschaftsverb\u00e4nden fallen \u00fcberwiegend zustimmend im Zielbild, aber kritisch in der Umsetzung aus: Fast durchg\u00e4ngig werden mehr Verbindlichkeit, bessere Marktanreize und schnellere Umsetzung gefordert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Plastics Europe Deutschland: Zu wenig Verbindlichkeit f\u00fcr den Markthochlauf<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Plastics Europe Deutschland, Dr. Christine Bunte, erkennt im Aktionsprogramm der Bundesregierung zwar wichtige politische Signale f\u00fcr Rohstoffsicherung, Klimaschutz und Wettbewerbsf\u00e4higkeit, sieht jedoch erhebliche Defizite in der konkreten Ausgestaltung und Verbindlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach ihrer Einsch\u00e4tzung bleibt das Programm in zentralen Punkten zu sehr auf der Ebene von Zielsetzungen, Pr\u00fcfauftr\u00e4gen und Ank\u00fcndigungen stehen. Damit erf\u00fclle es zwar formal die im Koalitionsvertrag angelegten Erwartungen, gehe aber kaum \u00fcber bestehende Instrumente hinaus. Aus Sicht von Bunte reicht dies nicht aus, um den dringend ben\u00f6tigten Markthochlauf der Kreislaufwirtschaft tats\u00e4chlich zu beschleunigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentraler Kritikpunkt ist das Fehlen wirksamer Marktanreize f\u00fcr den Einsatz von Rezyklaten. Zwar adressiere das Aktionsprogramm verschiedene Anwendungsfelder \u2013 etwa Verpackungen oder die Automobilindustrie \u2013, doch bleibe unklar, wie eine verl\u00e4ssliche und langfristige Nachfrage nach Sekund\u00e4rrohstoffen strukturell aufgebaut werden soll. Genau diese Nachfragesicherheit sei jedoch entscheidend, um Investitionen in Recyclinginfrastruktur wirtschaftlich abzusichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Bunte warnt in diesem Zusammenhang vor einer absehbaren Rezyklatl\u00fccke ab 2030, die sich bereits heute andeute. Ohne fr\u00fchzeitige politische Steuerung drohe diese L\u00fccke die Transformation zu bremsen, da Produktionskapazit\u00e4ten nicht rechtzeitig aufgebaut oder ausgelastet w\u00fcrden. Das Aktionsprogramm setze hier zu stark auf k\u00fcnftige europ\u00e4ische Regelungen, ohne ausreichend eigene nationale Impulse zu setzen, um die \u00dcbergangsphase aktiv zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die regulatorischen Rahmenbedingungen. Bunte sieht weiterhin Unsicherheiten bei zentralen Fragen wie der Definition des Endes der Abfalleigenschaft, der Vereinheitlichung von Kriterien sowie der Genehmigung innovativer Recyclingverfahren. Diese Unsicherheiten f\u00fchrten dazu, dass Investitionsentscheidungen verz\u00f6gert w\u00fcrden und der Markthochlauf ins Stocken gerate.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders deutlich f\u00e4llt ihre Bewertung beim Thema chemisches Recycling aus. Zwar erkenne sie das technologische Potenzial grunds\u00e4tzlich an, doch fehlten im Aktionsprogramm klare Ausbaupfade, verl\u00e4ssliche regulatorische Anerkennung und wirtschaftliche Anreize f\u00fcr Skalierung. Ohne diese Elemente sei es aus ihrer Sicht fraglich, ob ambitionierte Rezyklateinsatzquoten \u2013 insbesondere in sensiblen Anwendungen wie Lebensmittelverpackungen \u2013 \u00fcberhaupt erreichbar seien.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Gesamtschau betont Bunte zwar, dass die Bundesregierung mit dem Aktionsprogramm die richtigen Handlungsfelder adressiere. \u201eWenn wir den Markthochlauf der Kreislaufwirtschaft ernsthaft wollen, brauchen wir mehr als politische Ziele \u2013 wir m\u00fcssen ins Handeln kommen. Entscheidend ist ein politischer Rahmen, der Investitionen anregt und Nachfrage schafft. Andernfalls droht Deutschland, seine technologische F\u00fchrungsrolle weiter zu verlieren\u201c, so Bunte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VCI: Der Aktionsplan bleibt im Leerlauf<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bem\u00e4ngelt, dass der Vorschlag den Anforderungen nicht gerecht wird: \u201eKreislaufwirtschaft ist kein Nice-to-have. Sie ist ein Wettbewerbsfaktor, ein Baustein f\u00fcr mehr Rohstoffunabh\u00e4ngigkeit und birgt ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Deutschland spielt hier technologisch noch ganz vorne mit, aber andere Regionen holen auf. Mit ihrem Aktionsplan h\u00e4tte die Bundesregierung der Kreislaufwirtschaft den n\u00f6tigen Schub geben k\u00f6nnen \u2013 stattdessen bleibt sie im Leerlauf stecken\u201c, kommentiert Matthias Belitz, Bereichsleiter f\u00fcr Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz beim VCI, den Regierungsplan.<\/p>\n\n\n\n<p>Belitz fordert insbesondere klare Zielvorgaben f\u00fcr den Rezyklateinsatz sowie eine st\u00e4rkere Rolle der \u00f6ffentlichen Beschaffung. Auch f\u00fcr chemisch recycelte Materialien brauche es verbindliche Einsatzquoten, um EU-Vorgaben \u00fcberhaupt erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">BDI: \u201ezu unambitioniert f\u00fcr echte industriepolitische Dynamik\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bewertet das Aktionsprogramm als insgesamt zu unambitioniert und mit zu wenig wirtschaftspolitischem Impuls. Zwar w\u00fcrden einzelne Themen wie Digitalisierung adressiert, doch fehle es an konsequenter industriepolitischer Ausrichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eZwar schafft die Bundesregierung Klarheit bei einzelnen Vorhaben, etwa bei der Digitalisierung zirkul\u00e4rer Wertsch\u00f6pfung. Jedoch braucht es f\u00fcr die industrielle Skalierung zirkul\u00e4rer Gesch\u00e4ftsmodelle deutlich mehr Tempo und Verl\u00e4sslichkeit. Das Potenzial, \u00fcber das Sonderverm\u00f6gen Impulse f\u00fcr die Kreislaufwirtschaft zu setzen, wird nicht ausreichend genutzt\u201c, \u00e4u\u00dfert sich Holger L\u00f6sch, stellvertretender Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend sei, die Kreislaufwirtschaft konsequent als industriepolitisches Projekt zu verankern. Daf\u00fcr ben\u00f6tigt die Industrie bessere Investitionsbedingungen, eine st\u00e4rkere F\u00f6rderung von Innovationen und den z\u00fcgigen Aufbau funktionierender M\u00e4rkte f\u00fcr zirkul\u00e4re Rohstoffe. L\u00f6sch betont das erhebliche \u00f6konomische Potenzial der Kreislaufwirtschaft: Laut einer BDI-BCG-Studie k\u00f6nnte sich die zirkul\u00e4re Wertsch\u00f6pfung in Deutschland bis 2045 von 60 auf 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Voraussetzung daf\u00fcr seien jedoch bessere Investitionsbedingungen, Innovationsoffensiven und funktionierende M\u00e4rkte f\u00fcr Sekund\u00e4rrohstoffe.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VDMA: \u201eRechtssicherheit und Beschaffung entscheidend\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Dr. Sarah Br\u00fcckner, Leiterin Umwelt und Nachhaltigkeit beim VDMA, bewertet das Aktionsprogramm als grunds\u00e4tzlich richtiges Signal, betont jedoch die entscheidende Bedeutung der Umsetzung. Nationale Alleing\u00e4nge m\u00fcssten vermieden werden, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p>Zentrale Forderung ist eine widerspruchsfreie und verl\u00e4ssliche Gesetzgebung. Insbesondere rechtliche H\u00fcrden f\u00fcr Remanufacturing und Refurbishment m\u00fcssten abgebaut werden. Zudem m\u00fcsse der Staat seine Marktmacht st\u00e4rker nutzen und die \u00f6ffentliche Beschaffung konsequent auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Rezyklierbarkeit ausrichten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">DIHK: \u201eDigitalisierung bleibt Achillesferse\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begr\u00fc\u00dft ebenfalls die grunds\u00e4tzlich richtige Priorit\u00e4tensetzung des Aktionsprogramms und den Fokus auf Planungssicherheit. Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie,warnt jedoch gleichzeitig, dass die Digitalisierung die entscheidende Schwachstelle der Transformation bleibe: \u201eOhne eine erfolgreiche Digitalisierung wird die Bundesregierung die Ziele ihrer Kreislaufwirtschaftsstrategie nicht erreichen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">GKV: \u201eAnsparphase ist wichtiger Schritt\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) begr\u00fc\u00dft die Verabschiedung des Aktionsprogramms. Dr. Oliver M\u00f6llenst\u00e4dt, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer, bewertet das Aktionsprogramm deutlich positiver. Besonders die geplante \u201eAnsparphase\u201c im Kontext der EU-Verordnungen PPWR und ELV wird als wichtiger Hebel gesehen, um den Rezyklateinsatz fr\u00fchzeitig zu steigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem hebt er das geplante F\u00f6rdervolumen von rund 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds hervor. Dieses k\u00f6nne entscheidend dazu beitragen, Investitionen in Recyclingtechnologien und zirkul\u00e4re Gesch\u00e4ftsmodelle anzusto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die internationale Zusammenarbeit und die Unterst\u00fctzung von Recyclingtechnologien im Rahmen der PREVENT Waste Alliance werden positiv hervorgehoben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einordnung: breite Zustimmung zum Zielbild, aber strukturelle Umsetzungsl\u00fccke<\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte eint die Stellungnahmen der Industrieverb\u00e4nde eine klare Grundhaltung: Die Richtung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie wird \u00fcberwiegend unterst\u00fctzt, da sie als zentral f\u00fcr Klimaschutz, Rohstoffsicherheit und Wettbewerbsf\u00e4higkeit gilt. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass das Aktionsprogramm aus Sicht der Wirtschaft nicht die notwendige Durchschlagskraft entfaltet, um die Transformation tats\u00e4chlich zu beschleunigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der Kritik steht vor allem, dass der \u00dcbergang von politischen Zielsetzungen zu konkreten Marktmechanismen nicht ausreichend gelungen sei. Viele Verb\u00e4nde sehen zwar richtige Ans\u00e4tze, insbesondere bei F\u00f6rderung, Digitalisierung und Investitionssignalen, bem\u00e4ngeln jedoch, dass diese nicht konsequent genug miteinander verkn\u00fcpft oder verbindlich ausgestaltet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders deutlich wird dies beim Thema Rezyklateinsatz, bei dem aus Sicht der Industrie stabile Nachfrageinstrumente und klare regulatorische Leitplanken fehlen. Auch die \u00f6ffentliche Beschaffung wird zwar regelm\u00e4\u00dfig als Hebel benannt, jedoch aus Sicht der Verb\u00e4nde nicht konsequent genug genutzt, um echte Marktvolumina zu schaffen. Hinzu kommen wiederkehrende Hinweise auf Investitionsunsicherheiten, regulatorische Fragmentierung und offene Fragen bei neuen Technologien wie dem chemischen Recycling.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit entsteht insgesamt das Bild einer Strategie, die in ihrer Zielsetzung weitgehend unstrittig ist, deren Umsetzung jedoch noch nicht die notwendige wirtschaftliche Dynamik entfaltet. Die Industrie fordert daher weniger zus\u00e4tzliche Konzepte, sondern vor allem verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen, klare Priorit\u00e4ten und eine schnellere Operationalisierung bestehender Ans\u00e4tze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plastics Europe Deutschland, VCI, BDI, VDMA, DIHK und GKV reagieren auf das Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. 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