{"id":17715,"date":"2013-11-04T02:12:41","date_gmt":"2013-11-04T00:12:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/Aktuelles\/menschen,did=166940.html"},"modified":"2013-10-31T18:43:46","modified_gmt":"2013-10-31T16:43:46","slug":"valentin-kahl-zelle-trifft-kunststoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/valentin-kahl-zelle-trifft-kunststoff\/","title":{"rendered":"Valentin Kahl: Zelle trifft Kunststoff"},"content":{"rendered":"<p>Valentin Kahl kommt aus einer Familie mit Gr\u00fcndergeist. Schon der Gro\u00dfvater war Unternehmer. Der geb\u00fcrtige K\u00f6lner spezialisierte sich auf Biophysik und gr\u00fcndete 2001 das Biotechnologie-Unternehmen ibidi GmbH mit Sitz in Martinsried. Im Fokus: Kulturgef\u00e4\u00dfe und Mikroskopierzubeh\u00f6r f\u00fcr die Arbeit mit lebenden Zellen. Der Clou: Diese bestehen aus Kunststoff anstatt aus Glas. Inzwischen hat das Unternehmen auch Zellkulturchips aus Hochleistungspolymeren und zellbasierte Assays im Programm. 2013 gab es daf\u00fcr den Innovationspreis der Wirtschaft in der Kategorie \u201eMittelstand\u201c.<\/p>\n<p>Valentin Kahl hat den Gr\u00fcndergeist in die Wiege gelegt bekommen: \u201eMein Gro\u00dfvater hat eine recht gro\u00dfe Firma gehabt. Weltwirtschaftskrise, Neuanfang nach 1945 &#8211; ich kann mich immer noch an seine Geschichten erinnern.\u201c Auch Kahls Vater ist unternehmerisch aktiv, so dass es zun\u00e4chst verwundern mag, dass es den Rheinl\u00e4nder und bekennenden Karnevalsfreund in die Wissenschaft zog. Zum Physikstudium zog es den K\u00f6lner Anfang der 1990er Jahre nach Heidelberg. Mit dem Wunsch, in Biophysik zu promovieren, wechselte er dann nach M\u00fcnchen an den LMU-Lehrstuhl von Erich Sackmann. 2001 folgte dort die Dissertation \u00fcber \u201eMembrangest\u00fctzte Mikroelektrophoresen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Die Suche nach dem geeigneten Material<\/strong><\/p>\n<p>Dann bricht sich aber endlich der Unternehmer in ihm die Bahn: \u201eNoch als Doktorand habe ich festgestellt, dass es auf dem Markt keinen Kunststoff gibt, der die gleichen optischen Eigenschaften hat wie Glas &#8211; und dazu noch besser strukturierbar und verarbeitbar ist.\u201c Schon bald ist Kahl neben Roman Zantl die treibende Kraft bei der Suche nach einem geeigneten Material. \u201eAm Ende wurden wir in der Flachbildschirmindustrie f\u00fcndig\u201c, erl\u00e4utert er. Die beiden war sich sofort sicher, dass diese Entdeckung f\u00fcr eine Firmengr\u00fcndung ausreicht. Bei einem der zahlreichen Businessplan-Wettbewerbe stellen sie fest, dass dort \u201edurchaus auch merkw\u00fcrdige Ideen vorgestellt &#8211; und bejubelt werden.\u201c Der Glasersatz aus Kunststoff kommt ihnen im Vergleich dazu handfest vor. \u201eWenn es uns gelingt, dass jeder, der ein Deckglas benutzt, einmal auf unsere Produkte umschwenkt, dann steht uns ein riesiger Markt offen\u201c, so die Hoffnung der Doktoranden damals.<\/p>\n<p><strong>Mit Kunststoff l\u00e4sst sich besser Mikroskopieren<\/strong><\/p>\n<p>Kunststoff ist f\u00fcr die Mikroskopie lebender Zellen besser als Glas, weil diese darauf besser kultiviert werden k\u00f6nnen. Glas ist zu glatt. Auf den Kunststoffen hingegen k\u00f6nne man &#8220;Wohlf\u00fchloberfl\u00e4chen&#8221; schaffen. Die Gr\u00fcnder in spe trafen einen Nerv: &#8220;Wir hatten kaum den Businessplan fertig und schon meldeten die ersten Investoren Interesse an&#8221;, so Kahl. Er solle doch bitte die Promotion abbrechen und direkt mit der Firma anfangen, schl\u00e4gt es ihm entgegen. Die beiden Forscher entscheiden sich dagegen, machen ihren Doktor &#8211; und haben Gl\u00fcck. &#8220;Wir sind gerade noch rechtzeitig fertig geworden. Die Finanzierung der ibidi fand quasi parellel zum Platzen der New-Economy-Blase im Dezember 2001 statt.\u201c Insgesamt waren es vier Gr\u00fcnder. Neben Kahl und Zantl geh\u00f6rten noch Mitdoktorand Ulf R\u00e4dler, der ebenfalls noch bei ibidi arbeitet, und der LMU-Professor Joachim R\u00e4dler zum Gespann. Diese halten zusammen etwa 15 Prozent der Anteile an der Firma, das Duo Kahl\/Zantl kontrolliert mehr als 50 Prozent. \u201eBei den wichtigen Entscheidungen setzen der Herr Zantl und ich uns immer zusammen.\u201c Die Doppelspitze harmoniert, und aus der gemeinsamen Gr\u00fcnderbegeisterung entsteht im Laufe der Jahre auch eine Freundschaft. Etwas entschuldigend gesteht der Physiker: \u201eWenn wir mit unseren Familien abends zusammensitzen, dann finden wir selten andere Themen als die Firma.\u201c Er sch\u00e4tzt sich gl\u00fccklich, dass seine Frau das akzeptiert. \u201eSonst w\u00fcrde das gar nicht funktionieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Wachstum trotz abwegiger Idee<\/strong><\/p>\n<p>Ibidi w\u00e4chst von Anfang an. Stetig und ohne ernsthafte R\u00fcckschl\u00e4ge. \u201eUnd das mit Einmalprodukten!\u201c, betont Kahl. \u201eWenn man dar\u00fcber nachdenkt, war das eigentlich eine abwegige Idee. Das w\u00e4re doch eine Sache f\u00fcr Mittelst\u00e4ndler gewesen \u2013 nicht f\u00fcr ein Start-up!\u201c Hatte ibidi zun\u00e4chst polymerbasierte Flusskammern verkauft, kamen mit den Jahren dann Anwendungen wie Assays f\u00fcr Chemotaxis, Angiogenese und Zellmigration hinzu. Mit dem Verkauf von Reagenzien soll in Zukunft der Wandel zu einem Systemanbieter abgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Derzeit arbeiten 38 Angestellte in der Martinsrieder Firma, viele davon in Teilzeitmodellen \u2013 \u201eder Familien wegen\u201c. In seiner Freizeit zieht es Kahl, der selbst zweifacher Vater ist, in die Berge: \u201eIm Winter gehen wir mit unseren Kindern Ski fahren, im Sommer wandern.\u201c Bei einem seit einigen Jahren auf dem Martinsrieder Campus stattfindenden Bolzwettstreit greift er aber nicht aktiv ins Geschehen ein: \u201eHerr Zantl spielt mit. Ich mach den Jogi L\u00f6w. Mit meinen Blutgr\u00e4tschen w\u00fcrde ich nur den Hass aller Mannschaften auf mich ziehen.\u201c Mit dieser Selbsteinsch\u00e4tzung ist der \u201eibidi-Jogi\u201c in der Tat gut beraten, sich nicht einzuwechseln. Auch wenn es bislang nur zu hinteren Platzierungen gereicht hat, zumindest der Fairnesspokal ging 2011 und 2012 an ibidi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit seiner Biotechnologie-Firma ibidi hat&nbsp;Physiker Valentin Kahl den Innovationspreis der deutschen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[5901],"class_list":["post-17715","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-ibidi-gmbh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17715"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17715\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17715"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=17715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}