{"id":17602,"date":"2013-10-25T08:38:28","date_gmt":"2013-10-25T06:38:28","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=17602"},"modified":"2013-10-25T09:56:45","modified_gmt":"2013-10-25T07:56:45","slug":"wenn-milch-und-algen-kleiderbugel-hangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wenn-milch-und-algen-kleiderbugel-hangen\/","title":{"rendered":"Schweiz: Wenn Milch und Algen am Kleiderb\u00fcgel h\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"<p>Baumwolle wird immer knapper. Chemiefasern sind zwar preisg\u00fcnstiger, aber f\u00fcr viele Konsumenten aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden keine Alternative. Neue Garne aus Algen, Milch oder Brennnesseln sind in der Textilbranche gefragt.<\/p>\n<p>Die Rechnung ist simpel: Mit der wachsenden Bev\u00f6lkerung wird auch der Bedarf an Kleidung immer gr\u00f6sser. Weltweit werden heute j\u00e4hrlich knapp 75 Million Tonnen textile Rohstoffe verarbeitet. Rund die H\u00e4lfte davon sind Naturfasern wie Baumwolle, Seide oder Wolle. Der Rest sind Chemiefasern.<\/p>\n<p>Noch steigt zwar die Produktion von Baumwolle, der Anteil des Rohstoffs im weltweiten Fasermarkt sinkt aber bereits. Zudem belastet der heute intensive Baumwollanbau die Umwelt. Neben langen Transportwegen sorgen ein hoher Wasserverbrauch vor allem in regenarmen Gebieten und Insektizide f\u00fcr eine negative \u00d6kobilanz. Nicht nur Kirsten Brodde, Buchautorin und ehemalige Textilexpertin bei Greenpeace, sieht deshalb bereits ein Ende der Baumwolle kommen: \u00abIm Kleiderschrank von morgen muss mehr h\u00e4ngen als nur Baumwolle.\u00bb<\/p>\n<p>Chemiefasern sind zwar preisg\u00fcnstiger, aber f\u00fcr viele Konsumenten aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden keine Alternative. L\u00e4ngerfristig d\u00fcrften auch diese Fasern bedingt durch die steigenden Roh\u00f6lpreise teurer werden. Also sind innovative Fasern gefragt, etwa aus rasch nachwachsenden Rohstoffen wie Algen, Hanf, Bambus oder Bananen.<\/p>\n<p>Brennnesseln \u2013 Seide der Armen<br \/>\nF\u00fcr die Nutzung alternativer Naturfasern setzt sich in der Schweiz seit 2008 die IG Niutex ein. Sie f\u00f6rdert den \u00f6kologischen Anbau und die Verarbeitung von Naturfasern mit m\u00f6glichst regionalem Fokus. \u00abDie Nutzung aller Naturfasern ist leider stehen geblieben, weil Baumwolle den Markt dominiert\u00bb, sagt Tom Porro von der IG Niutex. Dabei bieten Fasern wie etwa aus Brennnesseln sehr wohl Vorteile. Einst \u00abdie Seide der Armen\u00bb, waren Nesseln noch w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges als Baumwollalternative bekannt. \u00abSie sind mehrj\u00e4hrige Pflanzen, wachsen gut nach und gedeihen auch hierzulande\u00bb, so Porro.<\/p>\n<p>Vor allem aber sind sie qualitativ hochstehend und atmungsaktiv und m\u00fcssten insofern interessant sein f\u00fcr die Textilbranche. Laut Porro ist man kurz vor dem Durchbruch. Er hofft, dass es deshalb zu einer Renaissance dieser alternativen Faser kommt, aber auch von Flachs und Hanf.<\/p>\n<p>Erste Versuche mit Hanf hat das Schweizer Label f\u00fcr Shirts und Strickwaren, \u00abErfolg\u00bb, gewagt. Demn\u00e4chst kommt eine kleine Kollektion von Pullovern und Jacken aus Schweizer Hanf auf den Markt, die mit der Traxler AG, einem Garnspezialisten, umgesetzt wurde. \u00abAllerdings mussten wir die Faser mit Bio-Baumwolle anreichern, weil sie sonst zu sehr auf der Haut kratzt\u00bb, erkl\u00e4rt Designerin Sandrine Voegelin.<\/p>\n<p>Mit dem Material bereits mehr Erfahrung hat der Naturmode-Anbieter Hess Natur aus Deutschland. Der \u00d6ko-Pionier verarbeitet inzwischen eine ganze Palette von alternativen Naturfasern. Neben Hanf, Ramie und Bambus auch Bananenfasern. Rohstoff hierf\u00fcr sind Abf\u00e4lle von Bananenplantagen, die sonst im M\u00fcll landen. Auch der deutsche Outdoor-Hersteller Raffauf stellt Kleidungsst\u00fccke aus der Abaca genannten Faser her. Die Fasern sind robust und wasserresistent.<\/p>\n<p>Besonders innovativ sind Textilien aus Milchfasern. Sie sind weich, seidig, antibakteriell und weil pH-neutral auch f\u00fcr Allergiker und Menschen mit Hauterkrankungen ideal. F\u00fcr die Faserherstellung werden keine Chemikalien benutzt und schon gar keine Milch, die sonst als Lebensmittel verwendet w\u00fcrde. Anke Domaske, Erfinderin der Faser \u00abQmilch\u00bb, verwendet minderwertige Milch, die nicht f\u00fcr Lebensmittel verarbeitet werden darf. Bereits seit 1930 werden Kaseinfasern hergestellt, allerdings in einem Verfahren, das sehr ressourcenaufwendig war. Mikrobiologin Domaske aus Hannover hat nun ein Verfahren entwickelt, bei dem gerade einmal zwei Liter Wasser n\u00f6tig sind, um ein Kilogramm Milchfasern herzustellen. Die Kleider ihres Labels Mademoiselle Chi Chi kommen an \u2013 sogar bei Prominenten wie Mischa Barton oder Ashlee Simpson.<\/p>\n<p>Ebenfalls fast grenzenlos verf\u00fcgbar sind Algen. Das macht sie zu einem interessanten Rohstofflieferanten, den bereits verschiedene Labels nutzen, so zum Beispiel das Berliner Label Mayer. Der daraus gewonnene Stoff f\u00fchlt sich noch weicher an als Baumwolle, vor allem aber ist er sehr hautvertr\u00e4glich, schliesslich werden Meeresalgen schon seit dem 19. Jahrhundert in der Thalasso-Therapie verwendet.<\/p>\n<p>Nicht immer wirklich \u00f6kologisch<br \/>\nDer Naturrohstoff Bambus steckt mittlerweile in vielen Textilien. \u00abAllerdings wird er nicht immer \u00f6kologisch verarbeitet\u00bb, kritisiert Isabel Rosa M\u00fcggler, Designforscherin an der Hochschule Luzern. Oft handelt es sich um Viskose, also chemisch hergestellte Zellstofffasern. Zudem braucht Bambus lange Transportwege, obwohl rein klimatisch gesehen der Rohstoff auch hierzulande angebaut werden k\u00f6nnte. Dass es auch anders geht, hat M\u00fcggler in einem Projekt gezeigt, in dem sie die technischen und \u00e4sthetischen Potenziale des Materials erforscht hat.<\/p>\n<p>Die Palette der Naturfasern d\u00fcrfte sich in Zukunft noch erweitern. Gute Ergebnisse hat man unter anderem auch mit Mais, Lotusblumen, Soja und sogar Krabbenschalen gemacht. \u00abEs gibt viele Bestrebungen, Alternativen zu Baumwolle zu f\u00f6rdern\u00bb, sagt Isabel Rosa M\u00fcggler. Noch sind die Preise f\u00fcr solche Textilien zu hoch, um als wirklicher Ersatz von Baumwolle in grossen Mengen verarbeitet zu werden. Erst eine ernsthafte Verknappung von Baumwolle und Wasser w\u00fcrde wohl f\u00fcr ein wirkliches Umdenken sorgen, glaubt M\u00fcggler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Baumwolle wird immer knapper. 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