{"id":17574,"date":"2013-10-24T03:09:29","date_gmt":"2013-10-24T01:09:29","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=17574"},"modified":"2013-10-23T17:11:46","modified_gmt":"2013-10-23T15:11:46","slug":"rohstoff-co2-ein-traum-wird-wahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/rohstoff-co2-ein-traum-wird-wahr\/","title":{"rendered":"Rohstoff CO<sub>2<\/sub>: Ein Traum wird wahr"},"content":{"rendered":"<p>Es kann durchaus wirtschaftlich sein, Kohlendioxid aus den Abgasen von Kraftwerken zu Methanol zu verarbeiten oder in Kunststoffe einzubauen. Fachleute bef\u00fcrchten jedoch, dass die EU einseitig die Nutzung von CO2 f\u00fcr den Einsatz im Kraftstoffbereich f\u00f6rdern wird.<\/p>\n<p>Rund 140 Fachleute aus aller Welt kamen Anfang Oktober nach Essen ins Haus der Technik, als das nova-Institut aus H\u00fcrth zur zweiten Konferenz zu &#8220;CO2 als Rohstoff&#8221; einlud. Die Herausforderung sei immer die gleiche, meinte Lothar Mennicken vom Bundesforschungsministerium (BMBF): &#8220;CO2 ist ein sehr reaktionstr\u00e4ges Molek\u00fcl und man muss Energie aufwenden, um es zu aktivieren.&#8221; Um hier L\u00f6sungen zu finden, stellte das BMBF in den vergangenen Jahren 100\u00a0Mio.\u00a0\u20ac zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sch\u00fcler will CO2 nutzen<br \/>\n<\/strong>Das Geld sei gut investiert, meint Mennicken und verweist auf erste Erfolge. Bayer MaterialScience (BMS) wird wohl der erste deutsche Chemiekonzern sein, der Kunststoffbausteine vermarktet, die Kohlen- und Sauerstoffatome aus CO2 enthalten. Ab 2015 soll die Produktion beginnen. BMS will in einem neuen Verfahren mithilfe eines Katalysators sogenannte Polyether-Polycarbonat-Polyole aus Propylenoxid und CO2 herstellen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Diese neue Art von Polyolen k\u00f6nne in den g\u00e4ngigen Polyurethan-Anwendungen eingesetzt werden, betont Christoph G\u00fcrtler. Der Chemiker ist bei BMS f\u00fcr die Entwicklung katalytischer Prozesse zust\u00e4ndig. &#8220;Dank neuer Katalysatoren lassen sich jetzt Weichsch\u00e4ume aus Polyurethan und sp\u00e4ter thermoplastische Polyurethane herstellen&#8221;, sagte er gegen\u00fcber den VDI nachrichten. Diese Polyole werden bereits seit 2011 in kleineren Mengen in einer Pilotanlage in Leverkusen hergestellt.<\/p>\n<p>Je nach Reaktionsbedingungen stammt jedes f\u00fcnfte bis achte Kohlenstoffatom der Kohlenstoffkette des Polyols aus CO2. Das klinge nach nicht viel, doch &#8220;dadurch l\u00e4sst sich der Bedarf an Erd\u00f6l senken&#8221;, freut sich G\u00fcrtler. Damit spare man zugleich die Energie, die ben\u00f6tigt wird, um das Erd\u00f6l zum Propylenoxid zu verarbeiten. Das mache das Verfahren nachhaltiger als bestehende Prozesse, so G\u00fcrtler.<\/p>\n<p>Der Chemiker verweist auf eine \u00d6kobilanz, die an der RWTH Aachen erstellt wurde und demn\u00e4chst ver\u00f6ffentlicht werden soll. Der Charme des Verfahrens sei zudem, dass au\u00dfer zum Starten der Reaktion keine Energie ben\u00f6tigt wird. G\u00fcrtler: &#8220;Die Aktivierungsenergie f\u00fcr das Kohlendioxid liegt im Propylenoxid, das von Hause aus sehr viel Energie besitzt.&#8221;<\/p>\n<p>Bereits seit 2011 vermarktet die isl\u00e4ndisch-amerikanische Firma Carbon Recycling International (CRI) CO2-basiertes Methanol als Beimischung zu Benzin. &#8220;Das Methanol hat eine um 90% bessere Klimabilanz als fossiler Kraftstoff&#8221;, wei\u00df Norbert Schmitz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der ISCC GmbH aus K\u00f6ln. &#8220;Damit zeigt bereits die erste Anlage f\u00fcr CO2-basiertes Methanol bessere Ergebnisse als jeder Biokraftstoff&#8221;, erg\u00e4nzt Michael Carus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des nova-Instituts.<\/p>\n<p>Die gute Klimabilanz hat Gr\u00fcnde: Das CO2, das die Firma CRI aus dem Abgas eines Erdw\u00e4rmekraftwerks gewinnt, wird in der Kalkulation mit null Klimagasemissionen ber\u00fccksichtigt. Und das gleiche Kraftwerk liefert die Energie, mit der Wasser elektrolytisch in Sauer- und Wasserstoff gespalten wird. Dass dieser Strom auch preiswert ist, macht die Herstellung des Methanols aus CO2 und Wasserstoff wirtschaftlich interessant.<\/p>\n<p>Das Haupthindernis f\u00fcr solche CO2-Nutzungen in Deutschland sei jedoch der hohe Strompreis, sagt BMBF-Mann Mennicken. Der mache die elektrolytische Spaltung von Wasser teuer. Aus seiner Sicht\u00a0w\u00e4re es elegant, daf\u00fcr \u00fcbersch\u00fcssigen &#8220;gr\u00fcnen&#8221; Strom zu nutzen. Und damit habe auch in Deutschland die elektrolytische Wasserspaltung eine Zukunft: &#8220;Wir gehen davon aus, dass wir im Zuge der Energiewende im Laufe von zehn bis 20 Jahren zeitweise mehr Solar- und Windenergie haben werden, als verbraucht werden kann.&#8221;<\/p>\n<p>Dennoch: &#8220;Es gibt bereits mehr als 20 Pilotanlagen in Deutschland, die aus Kohlendioxid und Wasserstoff Methan herstellen&#8221;, betont Carus. Das Gas Methan ist mit Erdgas identisch und l\u00e4sst sich ins Erdgasnetz einspeisen. F\u00fcr Carus ist daher klar, dass es nur den richtigen Anreiz braucht, damit Firmen gro\u00dfe Mengen Methan aus CO2 herstellen.<\/p>\n<p>Die EU-Kommission mache sich bereits Gedanken, meint Carus. Sie will die Erneuerbare-Energien-Richtlinie \u00fcberarbeiten. CO2-basiertes Methan oder Methanol soll als erneuerbarer Energietr\u00e4ger oder als erneuerbarer Kraftstoff gelten. Werde es Benzin beigemischt, soll die zugemischte Menge bei der Einhaltung der Biokraftstoffquote mit dem Faktor 4 angerechnet werden.<\/p>\n<p>Diese Anerkennung von CO2-basiertem Methanol als klimaschonender Kraftstoff sei ein erster wichtiger Schritt, meint Carus. Aber er greife zu kurz: Die EU-Kommission vergesse, auch f\u00fcr Chemiefirmen Anreize zu setzen. &#8220;Es ist klimapolitisch viel sinnvoller, CO2 in chemischen Produkten zu speichern.&#8221; Gebunden etwa in Kunststoffen, werde es l\u00e4nger der Atmosph\u00e4re entzogen, als wenn es in Kraftstoffen gebunden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kann durchaus wirtschaftlich sein, Kohlendioxid aus den Abgasen von Kraftwerken zu Methanol zu verarbeiten oder in Kunststoffe einzubauen. Fachleute bef\u00fcrchten jedoch, dass die EU einseitig die Nutzung von CO2 f\u00fcr den Einsatz im Kraftstoffbereich f\u00f6rdern wird. 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