{"id":175671,"date":"2026-04-16T07:35:00","date_gmt":"2026-04-16T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=175671"},"modified":"2026-04-10T16:54:14","modified_gmt":"2026-04-10T14:54:14","slug":"co2-im-grosen-stil-neutralisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/co2-im-grosen-stil-neutralisieren\/","title":{"rendered":"CO2\u00a0im gro\u00dfen Stil neutralisieren"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Industrieabw\u00e4sser aus der Stahl- oder Zementproduktion sind bestens geeignet, um Kohlendioxid langfristig und sicher chemisch zu binden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Helmholtz-Zentrum Hereon durchgef\u00fchrt hat. Bislang werden die Abw\u00e4sser ungenutzt in Fl\u00fcsse eingeleitet. K\u00fcnftig k\u00f6nnten sie Millionen Tonnen von CO<sub>2<\/sub>\u00a0neutralisieren \u2013 eine interessante und anwendbare Option zur Minderung des Klimawandels. <a href=\"https:\/\/pubs.acs.org\/doi\/10.1021\/acs.estlett.6c00081\">Die Studie wurde j\u00fcngst im Journal\u00a0<em>Environment, Science &amp; Technology Letters<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlicht.<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"486\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_96691850c6ff2676457bc867cb6941ba_industrieabwasser_jennifer-simmons-unsplash.jpg\" alt=\"Industrieabw\u00e4sser k\u00f6nnten eine gro\u00dfe Chance bergen, CO2\u00a0zu neutralisieren.\" class=\"wp-image-175710\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_96691850c6ff2676457bc867cb6941ba_industrieabwasser_jennifer-simmons-unsplash.jpg 730w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_96691850c6ff2676457bc867cb6941ba_industrieabwasser_jennifer-simmons-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_96691850c6ff2676457bc867cb6941ba_industrieabwasser_jennifer-simmons-unsplash-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_96691850c6ff2676457bc867cb6941ba_industrieabwasser_jennifer-simmons-unsplash-400x266.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Industrieabw\u00e4sser k\u00f6nnten eine gro\u00dfe Chance bergen, CO<sub>2<\/sub>\u00a0zu neutralisieren. \u00a9 Jennifer Simmons via unsplash<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Trotz des Pariser Klimaabkommens und aller Energiesparma\u00dfnahmen nimmt der Kohlendioxidaussto\u00df weltweit zu. Die bisherigen Klimaschutzbem\u00fchungen wie der Ausbau der Photovoltaik und des Windstroms reichen bislang nicht aus, um diesen Trend zu stoppen. Seit mehreren Jahren dr\u00e4ngen Klimaexperten deshalb darauf, das CO<sub>2<\/sub>&nbsp;direkt zu bek\u00e4mpfen, es aus der Atmosph\u00e4re zu holen und f\u00fcr lange Zeit unsch\u00e4dlich zu machen.&nbsp;<br><br>Im Fokus steht dabei eine Methode, die einen nat\u00fcrlichen Prozess nachahmen soll, der seit Milliarden von Jahren die Konzentration des CO<sub>2<\/sub>&nbsp;in der Atmosph\u00e4re kontrolliert \u2013 die chemische Bindung durch sogenannte Karbonate. Karbonate, die man f\u00fcr gew\u00f6hnlich etwa als Backpulver kennt, gelangen durch die Verwitterung von kalkhaltigem Gestein in die Natur. Der Regen sp\u00fclt sie in die Fl\u00fcsse und ins Meer, wo sie dann mit dem CO<sub>2<\/sub>&nbsp;reagieren. Das Klimagas bleibt so f\u00fcr lange Zeit chemisch gebunden und der Atmosph\u00e4re entzogen. Forschenden des Hereons ist es jetzt gelungen, nach diesem Prinzip einen Prozess von industriellem Ma\u00dfstab marktreif zu machen, der k\u00fcnftig pro Jahr viele Millionen Tonnen Kohlendioxid binden und unsch\u00e4dlich machen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Reaktion von Kohlens\u00e4ure&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<div style=\"height:13px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"501\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_0856838c1dd514327324e2b22283354a_grafik4_industrieabwasser.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-175711\" style=\"width:312px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_0856838c1dd514327324e2b22283354a_grafik4_industrieabwasser.jpg 730w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_0856838c1dd514327324e2b22283354a_grafik4_industrieabwasser-300x206.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_0856838c1dd514327324e2b22283354a_grafik4_industrieabwasser-150x103.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/04\/fittosize_730_0_0856838c1dd514327324e2b22283354a_grafik4_industrieabwasser-393x270.jpg 393w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abw\u00e4sser aus der Stahl- und Zementproduktion k\u00f6nnten nachhaltig genutzt werden. \u00a9 ACS (https:\/\/pubs.acs.org\/doi\/10.1021\/acs.estlett.6c00081). <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eUnser Verfahren basiert im Grunde auf einer Reaktion, die man noch aus dem Chemieunterricht kennt \u2013 der Neutralisierung einer Lauge durch eine S\u00e4ure\u201c, erkl\u00e4rt <strong>Prof. Helmuth Thomas, Leiter des Hereon-Instituts<\/strong> f\u00fcr Kohlenstoffkreisl\u00e4ufe. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Klassiker aus der Schule ist die Reaktion von Natronlauge mit Salzs\u00e4ure, bei der Kochsalz entsteht. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem CO<sub>2<\/sub>. CO<sub>2<\/sub>\u00a0aus der Luft reagiert im Wasser zu Kohlens\u00e4ure. L\u00e4sst man die Kohlens\u00e4ure dann mit einer Lauge \u2013 einer \u201ealkalischen\u201c Fl\u00fcssigkeit \u2013 reagieren, entsteht Hydrogenkarbonat, welches das CO<sub>2<\/sub>\u00a0langfristig im Wasser bindet. Die Idee besteht nun darin, nicht Karbonat aus Gesteinen f\u00fcr die Reaktion mit der Kohlens\u00e4ure zu nutzen, sondern alkalische Industrieabw\u00e4sser. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDiese alkalischen Abw\u00e4sser fallen in gro\u00dfen Mengen an \u2013 in der Zement- oder in der Stahlproduktion zum Beispiel\u201c, sagt <strong>Thomas.<\/strong> <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bislang werden sie mit Schwefels\u00e4ure oder Salzs\u00e4ure vermischt, um die Lauge zu zerst\u00f6ren. Erst dann d\u00fcrfen die Abw\u00e4sser in die Fl\u00fcsse eingeleitet werden. Mit anderen Worten: Das Potential der Abw\u00e4sser, CO<sub>2<\/sub>\u00a0binden zu k\u00f6nnen, bleibt bislang ungenutzt.\u00a0\u00a0<br><br>Doch wie w\u00e4re es, wenn man die alkalischen Abw\u00e4sser k\u00fcnftig mit CO<sub>2<\/sub>\u00a0beziehungsweise mit Kohlens\u00e4ure neutralisierte, statt mit Schwefels\u00e4ure? Auf diese Weise lie\u00dfen sich gro\u00dfe Mengen des Klimagases in industriellem Ma\u00dfstab im Hydrogenkarbonat binden. Offen war die Frage, wie viel Kohlendioxid sich mit diesem Prozess tats\u00e4chlich binden lie\u00dfe. Um das zu beantworten, nutzte Helmuth Thomas seine Chemieexpertise. F\u00fcr bestimmte Industrieanlagen rechnete Helmuth Thomas exakt den Kohlendioxid-Umsatz aus. Klare Antwort: Es lohnt sich, auf diese Weise CO<sub>2<\/sub>\u00a0zu neutralisieren, vor allem, auch weil der Energieverbrauch der Anlagen gering ist. Umweltschutzvorgaben, insbesondere hinsichtlich des pH-Wertes werden durch die automatische Anpassung der eingeleiteten Abw\u00e4sser an die urspr\u00fcnglichen Gegebenheiten des Flusses, direkt ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weltweites Potential<\/h3>\n\n\n\n<p>Schon l\u00e4nger diskutiert die Fachwelt, wie sich Kohlendioxid mit Karbonaten chemisch binden l\u00e4sst. Es gibt die Idee, Gesteinsmehl aus den Bergen mit Z\u00fcgen und Lkw ans Meer zu transportieren, auf Schiffe zu verladen und auf See ins Wasser zu streuen. Doch der logistische Aufwand w\u00e4re immens. Zudem wei\u00df niemand, wie gut und wie schnell die Karbonate aus dem Gesteinsmehl mit dem CO<sub>2<\/sub>\u00a0im Wasser reagieren \u2013 und ob sie nicht im Meer versinken, ehe die Reaktion stattgefunden hat. Nicht so bei einer Industrieanlage; da findet die gesamte Reaktion auf dem Industriegel\u00e4nde statt, und die Massenbilanz l\u00e4sst sich exakt berechnen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDas Gro\u00dfartige daran ist, dass die Anlagentechnik bereits verf\u00fcgbar ist\u201c, sagt <strong>Thomas. <\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Es k\u00f6nne sofort losgehen; anders als bei vielen anderen Konzepten zur Verringerung des atmosph\u00e4rischen CO<sub>2<\/sub>. Rechnet man alle alkalischen Industrieabw\u00e4sser zusammen, k\u00f6nnten mit diesem Verfahren k\u00fcnftig weltweit pro Jahr 30 Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub>\u00a0gebunden werden.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Spitzenforschung f\u00fcr eine Welt im Wandel<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Ziel der Wissenschaft am Helmholtz-Zentrum Hereon ist der Erhalt einer lebenswerten Welt. Daf\u00fcr erzeugen rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wissen und erforschen neue Technologien f\u00fcr mehr Resilienz und Nachhaltigkeit \u2013 zum Wohle von Klima, K\u00fcste und Mensch. Der Weg von der Idee zur Innovation f\u00fchrt \u00fcber ein kontinuierliches Wechselspiel zwischen Experimentalstudien, Modellierungen und k\u00fcnstlicher Intelligenz bis hin zu Digitalen Zwillingen, die die vielf\u00e4ltigen Parameter von Klima und K\u00fcste oder der Biologie des Menschen im Rechner abbilden. Damit wird interdisziplin\u00e4r der Bogen vom grundlegenden wissenschaftlichen Verst\u00e4ndnis komplexer Systeme hin zu Szenarien und praxisnahen Anwendungen geschlagen. Als aktives Mitglied in nationalen und internationalen Forschungsnetzwerken und im Verbund der Helmholtz-Gemeinschaft unterst\u00fctzt das Hereon mit dem Transfer der gewonnenen Expertise Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:15px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/pubs.acs.org\/doi\/10.1021\/acs.estlett.6c00081\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>Originalpublikation<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:15px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontakt<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Prof. Helmuth Thomas<\/strong>, Institutsleiter<br>Institut f\u00fcr Kohlenstoffkreisl\u00e4ufe<br>Tel.: +49 (0)4152 87-2805<br>E-Mail: <a href=\"mailto:helmuth.thomas@hereon.de\">helmuth.thomas@hereon.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Industrieabw\u00e4sser aus der Stahl- oder Zementproduktion sind bestens geeignet, um Kohlendioxid langfristig und sicher chemisch zu binden. 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