{"id":17540,"date":"2013-10-23T07:25:07","date_gmt":"2013-10-23T05:25:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/root,did=166856.html"},"modified":"2013-10-23T08:36:00","modified_gmt":"2013-10-23T06:36:00","slug":"biookonomietage-vom-gerbstoff-bis-zum-grasmagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biookonomietage-vom-gerbstoff-bis-zum-grasmagen\/","title":{"rendered":"Bio\u00f6konomietage: Vom Gerbstoff bis zum Grasmagen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit rund 60 Teilnehmern haben die Bio\u00d6konomieTage vom 17. bis 18. Oktober in Frankfurt\/Main ihre Premiere gefeiert. Thematisch ging es um biobasierte Kunststoffe, die stoffliche und energetische Nutzung von Biomasse sowie Biogas. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Netzwerk \u201ebiomastec\u201c, das vom Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Technologie gef\u00f6rdert wird.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnser Ziel ist, die marktorientierte Erforschung und Entwicklung von innovativen Technologien, Produkten und Dienstleistungen voranzubringen\u201c, sagte Akuma Saningong, Clustermanager des Netzwerks. Dreizehn Sprecher aus Industrie und Wissenschaft aus den verschiedensten Anwendungsfeldern der Bio\u00f6konomie hatte der Veranstalter in das Frankfurter \u201eFleming\u2019s Conference Hotel\u201c geladen.<\/p>\n<p><strong>L\u00e4ngerkettige Alkohole schonen die Zellen<\/strong><br \/>\nDer Biotechnologe Volker Sieber, Professor an der TU M\u00fcnchen, berichtete \u00fcber seine Ans\u00e4tze, Biomasse mit Hilfe von enzymatischen Kaskaden zu zersetzen anstatt ganze Zellen zu nutzen. \u201eEnzyme zu optimieren ist viel einfacher als ganze Zellen zu ver\u00e4ndern\u201c, beschrieb Sieber die Vorteile seines Ansatzes, den er auch im Rahmen der BMBF-Initiative \u201eBiotechnologie 2020+\u201c erforscht. Einen Weg aus der sogenannten \u201eTiterproblematik\u201c hat Thomas Buhl von der franz\u00f6sischen Global Bioenergies SA gefunden. Das Problem vieler Verfahren zur Herstellung von Bioalkohol ist, dass sich die Produktionszellen \u2013 etwa Hefe \u2013 irgendwann selbst vergiften. \u201eEin Anteil von ungef\u00e4hr 10 Prozent Ethanol ist f\u00fcr die meisten Zellen gerade noch zu ertragen\u201c, so Buhl. Sein Trick: Global Bioenergies bringt Zellen dazu, l\u00e4ngerkettige Alkohole zu produzieren. Diese sind hydrophob und finden sich \u2013 wie \u00d6le oder Fette \u2013 in einer eigenen Phase zusammen und werden damit dem w\u00e4ssrigen Fermentationsgemisch entzogen. Die Vergiftung der Zellen bleibt aus.<\/p>\n<p><strong>Gerbstoffe aus Olivenb\u00e4umen<\/strong><br \/>\nOhne giftige Stoffe kommt auch die Wet-green GmbH in Reutlingen aus. Das Unternehmen hat eine Technik entwickelt, mit Hilfe eines Extraktes aus Bl\u00e4ttern des Olivenbaumes Leder zu gerben. Damit ist es m\u00f6glich, auf Schwermetalle wie Chrom zu verzichten. Diese pr\u00e4gen seit mehr als hundert Jahren das in Sachen Umweltvertr\u00e4glichkeit ramponierte Image der Gerber. Mit Hilfe der naturvertr\u00e4glichen Methode k\u00f6nnten 40 Prozent der weltweiten Ledergerbprozesse durchgef\u00fchrt werden. Die Firma verkauft ihr Leder vor allem in Hochpreis-M\u00e4rkten.<\/p>\n<p>So verbaut der bayrische Automobilhersteller BMW das Wet-green-Leder in den Autositzen seines neuen Elektroautos \u201ei3\u201c. Auch das Thema Biogas lebte von praxisnahen und sehr lebhaft vorgetragenen Themen. Sabine Podmiseg vom Institut f\u00fcr Mikrobiologie der Uni Innsbruck sucht nach den optimalen Bedingungen f\u00fcr Mikroorganismen bei der Umsetzung von Biomasse in Methan. \u201eBiogasanlagen funktionieren nur innerhalb bestimmter Parameter. So muss sich der pH-Wert zum Beispiel innerhalb bestimmter Grenzen bewegen\u201c, so die \u00f6sterreichische Wissenschaftlerin. Patrick Pfeffer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der N\u00fcrnberger Bioserv GmbH, kann davon ein Lied singen. Seine Firma verwertet abgelaufene Lebensmittel in einer eigenen Biogasanlage. Die ist ein echter Allesfresser. W\u00e4hrend anderswo ausgew\u00e4hlte Substrate in genau abgestimmter Zusammensetzung eingesetzt werden, muss die Bioserv-Anlage das verwerten, was eben nicht mehr auf den Tisch kommt. Das verl\u00e4uft nicht immer unfallfrei. \u201eNeulich wurde uns eine Charge Rettich angeboten. Die haben wir genommen\u201c, so Pfeffer. Was er zun\u00e4chst nicht wusste: Es handelte sich dabei um die Jahresproduktion eines Rettich-Konzentrates. \u201eDanach war die Biogasanlage tot\u201c, beschreibt Pfeffer die versehentliche mikrobiologische Massenvernichtung.<\/p>\n<p>Aber auch vermeintlich harmlose Substrate bringen \u00dcberraschungen mit sich. \u201eDerzeit verarbeiten wir eine gro\u00dfe Charge schokolierter Erdn\u00fcsse \u2013 Schaum ohne Ende\u201c, so der Unternehmer. Ernst wird es f\u00fcr ihn, wenn er an die Zukunft seiner Branche denkt. Die sei zu einem reinen Subventionsempf\u00e4nger aus dem Topf des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) verkommen. \u201eWenn diese Erl\u00f6squelle ausf\u00e4llt, halten wir keine drei Monate mehr durch\u201c, bef\u00fcrchtet der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n<p><strong>Biogashersteller m\u00fcssen umstellen<\/strong><br \/>\nBis 2020 muss auch er sich umstellen. Dann f\u00e4llt die Bioserv-Anlage aufgrund ihres Alters aus der F\u00f6rderung hinaus. \u201eBis dahin haben wir Zeit, ein neues Gesch\u00e4ftsmodell zu finden\u201c, sagt Pfeffer. Das hat die Rusitec GmbH in Hannover bereits geschafft. In einem k\u00fcnstlichen System baut das Unternehmen den Verdauungstrakt von Wiederk\u00e4uern nach und hofft damit Methan als Synthesegrundstoff f\u00fcr die chemische Industrie zu gewinnen. Dabei hat der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Michael Strecker Hochachtung vor der Entwicklungsleistung der Natur gewonnen: \u201eAls einzige S\u00e4ugetiere k\u00f6nnen Wiederk\u00e4uer mit Hilfe von Mikroorganismen Zellulose verdauen. W\u00fcrde der Mensch das essen, was Rinder, Schafe oder Ziegen zu sich nehmen, verhungerten wir mit vollem Magen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Deb&uuml;t der &bdquo;Bio&ouml;konomietage&ldquo; in Frankfurt am Main wurde ein bunter Mix an Ideen f&uuml;r eine biobas&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[5746,156,187,6352,1534,5747,263,2667,5744],"class_list":["post-17540","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-bioserv","supplier-bmw-deutschland","supplier-bundesministerium-fuer-bildung-und-forschung-bmbf","supplier-bundesministerium-wirtschaft-energie","supplier-global-bioenergies","supplier-rusitec","supplier-technische-universitaet-muenchen","supplier-universitaet-innsbruck","supplier-wet-green"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17540","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17540"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17540\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17540"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=17540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}