{"id":174995,"date":"2026-03-30T07:35:00","date_gmt":"2026-03-30T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=174995"},"modified":"2026-03-24T13:02:55","modified_gmt":"2026-03-24T12:02:55","slug":"aus-sagemehl-wird-ein-brandschutzmaterial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aus-sagemehl-wird-ein-brandschutzmaterial\/","title":{"rendered":"Aus S\u00e4gemehl wird ein Brandschutzmaterial\u00a0"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"512\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/03\/image.imageformat.carousel.1092877620-1024x512.jpg\" alt=\"Daf\u00fcr legen die Forscher die Hand ans Feuer: Das neue Material ist ein hervorragender Brandschutz\" class=\"wp-image-175027\" style=\"width:778px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/03\/image.imageformat.carousel.1092877620-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/03\/image.imageformat.carousel.1092877620-300x150.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/03\/image.imageformat.carousel.1092877620-150x75.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/03\/image.imageformat.carousel.1092877620-768x384.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/03\/image.imageformat.carousel.1092877620-1536x767.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/03\/image.imageformat.carousel.1092877620-2048x1023.jpg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/03\/image.imageformat.carousel.1092877620-400x200.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Daf\u00fcr legen die Forscher die Hand ans Feuer: Das neue Material ist ein hervorragender Brandschutz.\u00a0<br>\u00a9 Dan Vivas Glaser \/ aus K\u00fcrsteiner R et al. Chem Circularity 2026, CC BY 4.0<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Forschende haben aus S\u00e4gemehl und einem Mineral ein\u00a0Material\u00a0geschaffen, das feuerfest ist\u00a0und\u00a0im\u00a0Innenausbau\u00a0eingesetzt\u00a0werden kann.<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Erste\u00a0Sch\u00e4tzungen\u00a0zeigen,\u00a0dass\u00a0das\u00a0Material die gleiche Brandschutzklasse erreichen k\u00f6nnte, wie herk\u00f6mmliche zementgebundene Spanplatten.\u00a0<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Bestandteile des Kompositmaterials lassen sich im Gegensatz zu anderen feuerfesten Baumaterialien wiederverwenden.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Bei jedem Baumstamm, der zuges\u00e4gt wird, entsteht S\u00e4gemehl. J\u00e4hrlich fallen weltweit Millionen von Tonnen davon an, die meistens verbrannt werden. Dabei gelangt das im Holz gespeicherte Kohlendioxid wieder in die Atmosph\u00e4re \u2013 was aus Klimaschutzgr\u00fcnden besser vermieden w\u00fcrde. Ein Forschungsteam in der Professur f\u00fcr holzbasierte Materialien an der ETH Z\u00fcrich und der Empa hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem S\u00e4gemehl zu einem umweltschonenden und rezyklierbaren Komposit verarbeitet werden kann. Dadurch kann das S\u00e4gemehl l\u00e4nger im Materialkreislauf gehalten werden. Die Forschenden nutzen daf\u00fcr das Mineral Struvit, ein kristallines, farbloses Ammoniummagnesiumphosphat.\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass Struvit interessante Eigenschaften f\u00fcr den Brandschutz besitzt, war bereits bekannt. Jedoch war es aufgrund seines Kristallisationsverhaltens schwierig, das Mineral mit S\u00e4gemehl-Partikeln zu verbinden. Die Forschenden nutzen nun ein Enzym, das sie aus den Kernen von Wassermelonen gewinnen, um die Kristallisation des Struvits in einer w\u00e4ssrigen Suspension mit S\u00e4gemehl zu kontrollieren. Dadurch entstehen grosse Kristalle, welche die Hohlr\u00e4ume zwischen den S\u00e4gemehlpartikeln ausf\u00fcllen und die Partikel fest miteinander verbinden. Das f\u00fcr zwei Tage verpresste Material wird anschliessend aus der Form genommen und bei Raumtemperatur getrocknet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Holzelemente, die sich selbst sch\u00fctzen&nbsp;&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abDas Material ist gegen\u00fcber Druck stabiler als das urspr\u00fcngliche Fichtenholz senkrecht zum Verlauf der Holzfasern\u00bb, erz\u00e4hlt <strong>Ronny K\u00fcrsteiner<\/strong>, der das Verfahren im Rahmen seiner Doktorarbeit unter der Leitung von Ingo Bungert, Professor f\u00fcr holzbasierte Materialien, entwickelt hat.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p> Es eigne sich aufgrund seiner mechanischen Eigenschaften und hohen Feuerfestigkeit vor allem f\u00fcr den Innenausbau. Denn Struvit ist nicht nur nicht brennbar, sondern tr\u00e4gt aktiv zur Erh\u00f6hung der Feuerfestigkeit bei. Unter Hitze zersetzt sich das Mineral, dabei werden Wasserdampf und Ammoniak freigesetzt. Dies ist ein Vorgang, der W\u00e4rme aus der Umgebung aufnimmt und dadurch k\u00fchlend wirkt. Zudem verdr\u00e4ngen die freigesetzten, nicht brennbaren Gase die Luft, die so dem Feuer zur weiteren Ausbreitung fehlt, sodass das Material schneller verkohlt.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Das ETH-Team hat mit Forschenden am Polytechnikum Turin zusammengearbeitet, die das Material in einem sogenannten Kegelkalorimeter getestet haben. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Pr\u00fcfverfahren, welches das Verhalten bei externer Hitzeeinstrahlung nachbildet. W\u00e4hrend unbehandeltes Fichtenholz bereits nach etwa 15 Sekunden Feuer f\u00e4ngt, dauert es beim Struvit-S\u00e4gemehl-Komposit mehr als dreimal so lang. Hat es einmal Feuer gefangen, bildet sich schnell eine Schutzschicht aus anorganischem Material und Kohlenstoff, die das Material vor einer weiteren Ausbreitung des Feuers sch\u00fctzt. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abDie Struvit-S\u00e4gemehl-Platten sch\u00fctzen sich also quasi von selbst\u00bb, so <strong>K\u00fcrsteiner<\/strong>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Erste Sch\u00e4tzungen h\u00e4tten gezeigt, dass das Material die gleiche Brandschutzklasse erreichen k\u00f6nnte wie herk\u00f6mmliche zementgebundene Spanplatten. Dies m\u00fcsse jedoch noch mit gr\u00f6sseren Flammschutzexperimenten best\u00e4tigt werden. Solche Spanplatten sind heute im Innenausbau f\u00fcr Flammschutzanwendungen weit verbreitet. Sie bestehen aus 60 bis 70 Gewichtsprozent Zement, sind entsprechend schwer und haben aufgrund des hohen Energieverbrauchs bei der Zementherstellung eine schlechte Klimabilanz. Die Struvit-S\u00e4gemehl-Platten bestehen dagegen nur zu 40 Prozent aus Bindemittel und sind deutlich leichter.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einfacher Recyclingprozess&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Das neuartige Komposit hat gegen\u00fcber anderen Komposit-Baumaterialien noch einen weiteren gewichtigen Vorteil: Zementgebundene Spanplatten landen nach einem Abbruch meist auf der Sonderm\u00fcll-Deponie. Die Struvit-S\u00e4gemehl-Platten k\u00f6nnen hingegen wieder in ihre Einzelkomponenten zerlegt werden. Daf\u00fcr wird das Material in einer M\u00fchle mechanisch aufgebrochen und auf etwas \u00fcber 100 Grad Celsius erhitzt, wobei das Ammoniak freigesetzt wird und das S\u00e4gemehl abgesiebt werden kann. Anschliessend wird der mineralische Ausgangsstoff f\u00fcr Struvit, das sogenannte Newberyit, wieder als Feststoff ausgef\u00e4llt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Newberyit kann anschliessend erneut mit S\u00e4gemehl zu Kompositen verarbeitet werden. Somit k\u00f6nnte das neue Material einst einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten. Es kann zudem als nat\u00fcrlicher D\u00fcnger eingesetzt werden. Das ist f\u00fcr die Landwirtschaft interessant, weil es den gebundenen Phosphor, den Pflanzen f\u00fcrs Wachstum ben\u00f6tigen, langsam und kontrolliert abgibt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In einem n\u00e4chsten Schritt wollen die Forschenden den Produktionsprozess weiter optimieren und skalieren. Ob sich das Material in der Baubranche durchsetzen wird, h\u00e4nge vor allem von den Kosten des Bindemittels ab, sagt K\u00fcrsteiner. Im Vergleich zu Polymer-Bindemitteln oder Zement ist Struvit verh\u00e4ltnism\u00e4ssig teuer. Das k\u00f6nnte sich jedoch durch das Erschliessen eines weiteren Kreislaufs \u00e4ndern: Struvit f\u00e4llt n\u00e4mlich in gr\u00f6sseren Mengen in Kl\u00e4ranlagen an und verstopft dort die Abwasserrohre. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abDiese Ablagerungen k\u00f6nnten wir als Ausgangsmaterial f\u00fcr unseren Baustoff verwenden\u00bb, so K\u00fcrsteiner.\u00a0\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literaturhinweis<\/h3>\n\n\n\n<p>K\u00fcrsteiner R, Vivas Glaser D, Ritter M, Parrilli A, Garemark J, Maddalena L, Schnider T, Dreimol CH, Carosio F, Burgert I, Panzarasa G: Enzyme-mediated consolidation of lignocellulosic materials with a flame-retardant and fully recyclable mineral binder. Chem Circularity 2026, 100004. DOI:&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.checir.2025.100004\">externe Seite&nbsp;10.1016\/j.checir.2025.100004<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei jedem Baumstamm, der zuges\u00e4gt wird, entsteht S\u00e4gemehl. J\u00e4hrlich fallen weltweit Millionen von Tonnen davon an, die meistens verbrannt werden. Dabei gelangt das im Holz gespeicherte Kohlendioxid wieder in die Atmosph\u00e4re \u2013 was aus Klimaschutzgr\u00fcnden besser vermieden w\u00fcrde. Ein Forschungsteam in der Professur f\u00fcr holzbasierte Materialien an der ETH Z\u00fcrich und der Empa hat nun [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":175027,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Was heute meist im Ofen landet, k\u00f6nnte morgen H\u00e4user sch\u00fctzen. 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