{"id":17464,"date":"2013-10-18T02:15:09","date_gmt":"2013-10-18T00:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=17464"},"modified":"2018-02-16T14:31:35","modified_gmt":"2018-02-16T13:31:35","slug":"schone-grune-plastikwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/schone-grune-plastikwelt\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne gr\u00fcne Plastikwelt"},"content":{"rendered":"<p>Entscheidende Verfahren sind bereits marktreif. Noch hat Bioplastik aber nur einen Marktanteil von einem Prozent.<\/p>\n<p>Ob Babyflaschen, Autoschl\u00e4uche, Kabelisolationen oder Telefone \u2013 Kunststoff ist immer dabei. Meist sind es Produkte der Petrochemie, also aus Erd\u00f6l. Der fossile Energietr\u00e4ger liefert den Kohlenstoff f\u00fcr die chemischen Verbindungen. Es ginge auch anders: \u201eTheoretisch k\u00f6nnen schon heute fast alle bekannten Kunststoffe mit nachwachsenden statt petrochemischen Rohstoffen hergestellt werden\u201c, sagt Hans-Josef Endres, Leiter des Instituts Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) an der Hochschule Hannover.<\/p>\n<p>Dass Biokunststoffe bisher erst ein Prozent Marktanteil haben, liege vor allem an den h\u00f6heren Kosten f\u00fcr die Bioware. Viele Chemiefirmen h\u00e4tten Biokunststoffe zwar schon ausprobiert und festgestellt, dass sie problemlos funktionierten. \u201eDoch am Ende des Tages nehmen sie das billigere petrochemische Produkt\u201c, sagt Endres.<\/p>\n<p><strong>PET-Flaschen ein bisschen bio<\/strong><\/p>\n<p>Auf der diesj\u00e4hrigen \u201eK\u201c, der nach Auskunft der Veranstalter gr\u00f6\u00dften Kunststoffmesse weltweit, die derzeit in D\u00fcsseldorf stattfindet, spielen die Biokunststoffe eine wichtige Rolle. Denn viele Unternehmen wollen Endres zufolge den Beitrag der Biokomponenten erheblich ausbauen. Setzten sie alle ihre Pl\u00e4ne um, dann w\u00fcrden sich die Kapazit\u00e4ten f\u00fcr die Biokunststoffe bis 2016 verf\u00fcnffachen.<\/p>\n<p>Beispiel Coca Cola: Bis 2020 sollen alle PET-Flaschen des Konzerns eine Biokomponente enthalten. Statt aus Erd\u00f6l wird ein Teil des Kunststoffs aus brasilianischem Zuckerrohr hergestellt \u2013 genauer aus Ethanol, einem Alkohol, der aus dem Zucker gewonnen wird.<\/p>\n<p>PET besteht grunds\u00e4tzlich aus zwei Komponenten: zu rund 30 Prozent aus Alkohol und zu 70 Prozent aus der Dicarbons\u00e4ure TA. W\u00e4hrend der Alkohol sich einfach aus St\u00e4rke oder Zucker statt Erd\u00f6l gewinnen l\u00e4sst, ist diese M\u00f6glichkeit nach Aussage des Getr\u00e4nkekonzerns bei TA technisch noch nicht ausgereift. Die Synthetisierung aus fossilem Rohstoff bleibe vorerst das Ma\u00df der Dinge. Daf\u00fcr will Coca Cola alle PET-Flaschen bis 2020 aber mit einem Anteil des Bioalkohols herstellen. Nachwachsende Rohstoffe sollen so eine Quote von bis zu 30 Prozent an den weltweit vertriebenen Flaschen erreichen.<\/p>\n<p>In Brasilien sind Kunststoffe aus Zuckerrohr schon seit ein paar Jahren verbreitet, sagt Endres. \u201eDer biobasierte Alkohol wird dort auch f\u00fcr die Herstellung von Bio-Polyethylen verwendet.\u201c Polyethylen (PE) ist der weltweit am meisten produzierte Kunststoff. Aus ihm werden zum Beispiel Plastikt\u00fcten hergestellt. Chemisch ist es einerlei, woher die Kohlenstoffe kommen, ob aus nachwachsenden Rohstoffen oder Erd\u00f6l. Deshalb k\u00f6nnen die Biokunststoffe auf den gleichen Maschinen der Industrie erzeugt und genauso recycelt werden wie die konventionelle Konkurrenz. Auch optisch unterscheiden sich die Materialien nicht.<\/p>\n<p>Neben der besseren CO2 -Bilanz ist auch die Produktion selbst umweltvertr\u00e4glicher. \u201eWir haben einen Prozess entwickelt, um Polyurethan aus Pflanzen\u00f6l-Rohstoffen zu gewinnen\u201c, berichtet Michael Meier, Professor f\u00fcr organische Chemie am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT). Aus Polyurethan werden Sch\u00e4ume hergestellt, die standardm\u00e4\u00dfig in Polsterm\u00f6beln oder Autositzen vorkommen. Bei dem Verfahren der Karlsruher kann anders als bei konventionell erzeugten Polyurethanen auf das gef\u00e4hrliche Phosgen verzichtet werden.<\/p>\n<p>Phosgen wurde im ersten Weltkrieg als chemischer Kampfstoff eingesetzt. Die Chemikalie wird heute in der Industrie neben Polyurethanen zur Herstellung von Medikamenten oder Insektiziden verarbeitet. Im Produkt ist zwar nichts mehr von der toxischen Substanz vorhanden. Es ist daher f\u00fcr Verbraucher ungef\u00e4hrlich. Doch bei der Produktion ist h\u00f6chste Vorsicht geboten. Phosgen wird deshalb direkt in der Anlage verbraucht, in der sie erzeugt wird, um gef\u00e4hrliche Transporte zu vermeiden. Die wesentlich vertr\u00e4glicheren Biokunststoffe haben Meier zufolge im Laborma\u00dfstab ihre Verwendungsf\u00e4higkeit gezeigt. Doch die Industrie sei wegen der zun\u00e4chst h\u00f6heren Kosten und fehlenden Erfahrungen zur\u00fcckhaltend.<\/p>\n<p>Dabei sind Biomaterialien in der Kunststoffwelt alles andere als neu. Ob der aus Lein\u00f6l hergestellte Bodenbelag Linoleum, die auf Cellulose basierende Viskose, Kautschuk (Gummibaum) oder aus Essigs\u00e4ure synthetisierte Acetate f\u00fcr Brillengestelle \u2013 nachwachsende Rohstoffe sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Kunststoffchemie.<\/p>\n<p>K\u00fcnftig sind es vor allem drei Klassen an nachwachsenden Rohstoffen, die in einer neuen Kunststoffwelt gebraucht werden. Zum einen St\u00e4rke und Zucker, wie sie sich in Getreide und Zuckerrohr finden. Der zweite Pfeiler ist die Cellulose. Daraus werden heute schon Bio-Folien, zum Beispiel f\u00fcr Nahrungsmittel, oder \u00d6ko-Kugelschreiber hergestellt. Die dritte Gruppe bilden die Pflanzen\u00f6le, vor allem solche, die reich an mehrfach unges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren sind, wie sie etwa im Lein- und Rizinus\u00f6l vorkommen. Das sind S\u00e4uren, die relativ schnell oxidieren und damit auch polymerisieren.<\/p>\n<p><strong>Reicht die Anbaufl\u00e4che?<\/strong><\/p>\n<p>Insbesondere die Fette der Rizinuspflanze werden schon seit Jahren f\u00fcr die Herstellung langkettiger Polyamide verwendet, aus denen Kraftstoffschl\u00e4uche und andere Kfz-Teile geformt werden. Mercedes-Benz setzt seit diesem Jahr f\u00fcr die Motorabdeckungen der A-Klasse ausschlie\u00dflich nur noch Biopolyamide auf Basis von Rizinus\u00f6l ein. Aus der Fetts\u00e4ure bestehen au\u00dferdem am Markt D\u00fcbel und Brillengestelle.<\/p>\n<p>Doch der Einsatz von Nahrungsmitteln wie Mais oder Weizen f\u00fcr die Kunststoffproduktion birgt ein Problem. \u201eVorzugsweise sollten Rohstoffe eingesetzt werden, die keine Konkurrenz zu Lebensmitteln darstellen\u201c, sagt KIT-Forscher Michael Meier. \u201eSonst f\u00fchrt das zu \u00e4hnlichen Diskussionen wie beim Biosprit.\u201c Das spr\u00e4che vor allem f\u00fcr Cellulose und Pflanzen\u00f6le, die nicht zum Verzehr geeignet sind. F\u00fcr Endres vom IfBB ist das dagegen kein Problem. \u201eSelbst wenn weltweit alle als Werkstoffe unverzichtbaren Kunststoffe zuk\u00fcnftig zu einhundert Prozent durch biobasierte Kunststoffe ersetzt w\u00fcrden, br\u00e4uchten wir f\u00fcr deren Anbau nur ein Prozent der heutigen landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4che.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entscheidende Verfahren sind bereits marktreif. 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