{"id":173419,"date":"2026-02-20T07:26:00","date_gmt":"2026-02-20T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=173419"},"modified":"2026-02-20T16:41:52","modified_gmt":"2026-02-20T15:41:52","slug":"aus-dem-labor-auf-den-markt-vom-pilz-signiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aus-dem-labor-auf-den-markt-vom-pilz-signiert\/","title":{"rendered":"Aus dem Labor auf den Markt: Vom Pilz signiert"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Einheimisch und doch exklusiv, nat\u00fcrlich und doch Hightech: Marmorholz vereint Gegens\u00e4tze. Das besondere Holz zeichnet sich durch ein Muster aus feinen schwarzen Linien aus, die es einem Pilz verdankt. Was fr\u00fcher ein seltener Zufallsfund im Wald war, ist heute ein standardisiertes Herstellungsverfahren \u2013 dank der Zusammenarbeit der Schreinerei Koster AG Holzwelten und der Empa.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"870\" height=\"335\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-stopper-870x335-1.jpg\" alt=\"Pilze zeichnen im Marmorholz ein Muster, das nicht an der Oberfl\u00e4che der Bretter bleibt, sondern sich durch das ganze Holzst\u00fcck zieht.\" class=\"wp-image-173441\" style=\"width:818px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-stopper-870x335-1.jpg 870w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-stopper-870x335-1-300x116.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-stopper-870x335-1-150x58.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-stopper-870x335-1-768x296.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-stopper-870x335-1-400x154.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 870px) 100vw, 870px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pilze zeichnen im Marmorholz ein Muster, das nicht an der Oberfl\u00e4che der Bretter bleibt, sondern sich durch das ganze Holzst\u00fcck zieht. \u00a9 Empa<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Was erwarten Sie von einer Schreinerei? Exakte Arbeit und sch\u00f6ne Produkte, vielleicht M\u00f6bel oder ein edles Parkett. Grosse Maschinen, aber auch eine gute Portion Handarbeit. All das gibt es auch bei Koster Holzwelten, einem Familienbetrieb in Arnegg bei St. Gallen. In einem Nebengeb\u00e4ude zeigt sich die Schreinerei aber von einer g\u00e4nzlich anderen, eher unerwarteten Seite. Hier, in einer altehrw\u00fcrdigen, denkmalgesch\u00fctzten Halle, stehen Edelstahlcontainer, Labore und Klima- und Vakuumkammern. Hier wird Sterilit\u00e4t grossgeschrieben und das Klima streng kontrolliert. Denn hier entsteht ein einzigartiges Produkt: Marmorholz, das die Firma in Zusammenarbeit mit der Empa entwickelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es begann mit ein paar gewellten schwarzen Linien, die Jakob Koster, damals CEO, auf einem St\u00fcck Holz aus seiner Schreinerei entdeckte. Koster zeigte das Holzst\u00fcck dem Empa-Forscher Francis Schwarze. Der Pilzexperte erkannte die Zeichnung sofort als Spur eines Schlauchpilzes. Dieser unscheinbare Pilz ist vor allem als schwer nachweisbarer Sch\u00e4dling an Laubb\u00e4umen bekannt. Seine F\u00e4higkeit, das dunkle Pigment Melanin zu bilden, macht ihn aber seit jeher auch zu einem Holzveredler. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abFr\u00fcher hat man Baumst\u00e4mme f\u00fcr mehrere Monate in den Wald gelegt und gehofft, dass sie vom richtigen Pilz besiedelt werden\u00bb, sagt <strong>Schwarze<\/strong>. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Jakob Koster war das nicht gut genug. Was, fragte sich der Gesch\u00e4ftsmann, wenn wir das begehrte marmorierte Holz ganz gezielt herstellen k\u00f6nnten?<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Idee wurde ein Innosuisse-Projekt. Gemeinsam forschten Koster AG Holzwelten und die Empa an einem standardisierten, skalierbaren Verfahren zur Herstellung von Marmorholz. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abIch h\u00e4tte nie gedacht, dass wir als KMU mit einem Forschungsinstitut wie der Empa so etwas Innovatives entwickeln k\u00f6nnen\u00bb, sagt <strong>Koster<\/strong>. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das grosse Engagement von beiden Seiten hat gefruchtet: Nun kommt das einmalige Produkt unter dem Namen \u00abMyrai\u00bb auf den Markt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontrollierter Befall<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"435\" height=\"245\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/EQ85-Marmor-para-Koster1.jpg\" alt=\"Klimatisiert: Lewis Douls kontrolliert die mit dem Pilz besiedelten Bretter, die in der Klimakammer reifen.\" class=\"wp-image-173447\" style=\"width:382px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/EQ85-Marmor-para-Koster1.jpg 435w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/EQ85-Marmor-para-Koster1-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/EQ85-Marmor-para-Koster1-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/EQ85-Marmor-para-Koster1-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 435px) 100vw, 435px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Klimatisiert: Lewis Douls kontrolliert die mit dem Pilz besiedelten Bretter, die in der Klimakammer reifen. \u00a9 Empa<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Dem Zufall \u00fcberlassen wird bei der Herstellung von Marmorholz nichts. Die bis zu zweieinhalb Meter langen Bretter werden in einer Vakuumkammer auf die korrekte Feuchtigkeit gebracht, sterilisiert und mit dem Pilz inokuliert. Danach verbringen sie mehrere Wochen in einer Klimakammer, w\u00e4hrend der Pilz seine Verzierungen ins Holz zeichnet. Mit dem Know-how, das w\u00e4hrend des Projekts in den Empa-Labors entstanden ist, kann Koster AG Holzwelten das Erscheinungsbild der Melaninzeichnung steuern und verfeinern.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat der Pilz seine Arbeit getan, wird das Holz technisch getrocknet. Der Pilz stirbt dabei ab. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abDas Besondere an diesem Pilz ist, dass er nur die stark lignifizierten Bereiche der Zellwand nicht abbaut und das Holz somit eine hohe Biegesteifigkeit beibeh\u00e4lt\u00bb, erkl\u00e4rt <strong>Schwarze<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p> Das resultierende Marmorholz mit seinen tanzenden Linien eignet sich besonders f\u00fcr dekorative Anwendungen, beispielsweise f\u00fcr M\u00f6bel, Innenausbau, Musikinstrumente und sogar Schmuck. Die Anfragen h\u00e4ufen sich bereits, verr\u00e4t Jakob Koster, der unterdessen die Gesch\u00e4ftsleitung an seinen Sohn abgegeben hat und sich ganz dem Verkauf und der Innovation widmet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Herstellung von Marmorholz eignen sich zahlreiche Laubholzarten. Koster AG Holzwelten setzt stark auf einheimische Arten wie Ahorn, Buche, Esche, Linde und Pappel. Heute werden diese Holzarten in der Schweiz \u00fcberwiegend verheizt. F\u00fcr andere Anwendungen galten sie bisher als wenig attraktiv. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abHolz ist ein wichtiger CO<sub>2<\/sub>-Speicher \u2013 solange man es nicht verbrennt\u00bb, sagt <strong>Empa-Forscher Schwarze.<\/strong> Lokal produziertes Holz zu veredeln ist zudem eine nachhaltige Alternative zu exotischen Importh\u00f6lzern. \u00abWir m\u00fcssen lernen, mit unseren Ressourcen in der Schweiz innovative Produkte zu entwickeln\u00bb, res\u00fcmiert Koster.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fleiss, Erfindergeist und Gl\u00fcck<\/h3>\n\n\n\n<div style=\"height:12px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"435\" height=\"326\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-para-600x337-1.jpg\" alt=\"ahlreiche einheimische Laubholzarten k\u00f6nnen zu Marmorholz verarbeitet werden, etwa Esche (oben) und Ahorn (unten).\" class=\"wp-image-173442\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-para-600x337-1.jpg 435w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-para-600x337-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-para-600x337-1-150x112.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/marmorholz-myrai-para-600x337-1-360x270.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 435px) 100vw, 435px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zahlreiche einheimische Laubholzarten k\u00f6nnen zu Marmorholz verarbeitet werden, etwa Esche (oben) und Ahorn (unten). \u00a9 Empa<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Innovation braucht nicht bloss eine gute Idee, sondern auch eine Menge Arbeit, um aus interessanten Laborergebnissen schlussendlich marktf\u00e4hige Produkte zu machen. Das weiss keiner besser als Lewis Douls, der das Marmorholz bei diesem \u00dcbergang begleitet hat. Der Chemiker kam urspr\u00fcnglich f\u00fcr einen Zivildiensteinsatz an die Empa. Die Arbeit im Pilzlabor begeisterte ihn aber so sehr, dass er beim Forschungsinstitut blieb \u2013 bis er dann vor ein paar Jahren zu Koster AG Holzwelten wechselte, um die Hochskalierung der Marmorholz-Produktion zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine einfache Aufgabe: Pilze kontrolliert zu kultivieren ist ein Hightech-Unterfangen. Die Bedingungen, die der Melanin-produzierende Schlauchpilz zum Wachsen braucht, sind auch f\u00fcr zahllose anderen Pilzarten ideal, und Pilzsporen gibt es \u00fcberall. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00abDie Sterilit\u00e4t war die gr\u00f6sste Herausforderung\u00bb, erinnert sich<strong> Douls<\/strong>. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Eine weitere Challenge war die Wirtschaftlichkeit: Ein vollst\u00e4ndig ausgestattetes Biotechnologie-Labor spriesst nun mal nicht wie ein Pilz aus dem Boden. Kostspielige Ger\u00e4te, etwa Autoklaven zur Sterilisation oder Vakuumkammern zur Holzbefeuchtung, mussten angeschafft werden. Hier half der Koster AG Holzwelten jedoch ihr Erfindergeist \u2013 und eine gute Portion Gl\u00fcck. Einen grossen Teil der Klimakammern konnte das Unternehmen von einem ehemaligen Speisepilzz\u00fcchter \u00fcbernehmen. Die Laborausr\u00fcstung kam von der ETH Z\u00fcrich, von der die Firma mit einem Umbau beauftragt wurde. Gewisse Prozessschritte, etwa die Sterilisation der Bretter, konnte Douls zudem weiter optimieren, sodass nun kein grosser Autoklav mehr ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Francis Schwarze <\/strong>ist beeindruckt von der Arbeit, die seine Projektpartner in die Anlage gesteckt haben. \u00abEs ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass ein KMU sich so viel Wissen aneignet und ein eigenes Labor aufbaut\u00bb, sagt<strong> der Forscher.<\/strong> <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Inzwischen, da sind sich Schwarze und Douls einig, ist die Schreinerei sogar besser f\u00fcr die Zucht des Holzpilzes ausgestattet als das Empa-Labor, in dem das Projekt seinen Anfang nahm.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sind die Herausforderungen gemeistert, die Produktionsanlage ist in Betrieb, und die Pilze tun in den klimatisierten Containern ihr dekoratives Werk. Der n\u00e4chste Schritt, weiss Gesch\u00e4ftsmann Jakob Koster, ist der Verkauf. Nach der langen Entwicklungszeit muss das neue Produkt erst einmal wirtschaftlich werden. F\u00fcr die Zeit danach haben die Projektpartner aber bereits neue Ideen. Verraten wollen sie dazu vorerst nur das: Die richtige Kombination aus Holz und Pilz kann noch so viel mehr \u2026 man darf also gespannt sein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einheimisch und doch exklusiv, nat\u00fcrlich und doch Hightech: Marmorholz vereint Gegens\u00e4tze. Das besondere Holz zeichnet sich durch ein Muster aus feinen schwarzen Linien aus, die es einem Pilz verdankt. Was fr\u00fcher ein seltener Zufallsfund im Wald war, ist heute ein standardisiertes Herstellungsverfahren \u2013 dank der Zusammenarbeit der Schreinerei Koster AG Holzwelten und der Empa. 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