{"id":17315,"date":"2013-10-11T02:20:41","date_gmt":"2013-10-11T00:20:41","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=17315"},"modified":"2013-10-11T09:32:02","modified_gmt":"2013-10-11T07:32:02","slug":"richtlinien-fuer-oekotextilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/richtlinien-fuer-oekotextilien\/","title":{"rendered":"Richtlinien f\u00fcr \u00d6kotextilien: Weiter Wildwuchs bei Bio-Labeln"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was ist eine Biohose? Genau wei\u00df das niemand. Sie enth\u00e4lt Baumwolle aus biologischem Anbau, das ist sicher. Wie aus der Faser Stoff wurde, welche Chemikalien und F\u00e4rbemittel verwendet wurden, wie und wo die Hose gen\u00e4ht wurde und auf welche Art sie gebleicht wurde \u2013 dar\u00fcber sagt ein Etikett, auf dem \u201eBio\u201c steht, jedoch nichts aus. Denn es gibt in der EU keine gesetzlichen Vorschriften, wann ein Kleidungsst\u00fcck so bezeichnet werden darf.<\/strong><\/p>\n<p>Bei Lebensmitteln ist das anders: Die EU-Bio-Verordnung regelt seit 2007, was Bio hei\u00dfen darf. Diese Verordnung soll im Fr\u00fchjahr kommenden Jahres \u00fcberarbeitet werden \u2013 so plant es die EU-Kommission. Allerdings soll bei Textilien offenbar weiter Label-Wildwuchs herrschen: Die Verordnung soll sich weiter nur um Lebensmittel drehen.<\/p>\n<p>\u00d6kotextilhersteller kritisieren das. So k\u00f6nnen weiter Klamotten mit dem Wort \u201eBio\u201c vermarktet werden, ohne dass der Kunde genau wei\u00df, was das bedeutet. \u201eOhne gesetzliche Regeln werden Verbraucher weiterhin verwirrt\u201c, sagt Heike Scheuer vom Verband der Naturtextilhersteller.<\/p>\n<p>Etwa hundert Siegel gebe es derzeit, die irgendwie aussagen, dass ein Kleidungsst\u00fcck nachhaltig ist. Mal geht es um Arbeitsbedingungen, mal um den Baumwolleanbau, mal um die Abwasserentsorgung.<\/p>\n<p>Eine Sprecherin der Kommission wiegelt ab: Die Verordnung sei noch l\u00e4ngst nicht fertig, sagt sie. Doch l\u00e4ngst sind Berichte zum Thema an die \u00d6ffentlichkeit gesickert: \u201eBei der Kennzeichnung f\u00fcr \u00f6kologische\/biologische Textilien und Kosmetika k\u00f6nnte gegebenenfalls durch andere Instrumente ein angemessener Schutz der Interessen von Verbrauchern und Herstellern erreicht werden\u201c, hei\u00dft es hier. Und weiter: \u201eStatt einer Ausweitung des Anwendungsbereichs\u201c wolle man lieber die Vorschriften f\u00fcr Agarprodukte modifizieren.<\/p>\n<p><strong>Global Organic Textile Standard hat weltweit die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBesser ist ein ganzheitliches Siegel\u201c, sagt \u00d6kotextilienexpertin Scheuer. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist momentan das Label mit der weltweit gr\u00f6\u00dften Bedeutung. Der Verband der Naturtextilhersteller h\u00e4lt ihn f\u00fcr den besten. Der GOTS geh\u00f6re in die EU-Verordnung, sagt Scheuer. In den USA d\u00fcrften Kleidungsst\u00fccke bereits nur als \u201eBio\u201c vermarktet werden, wenn sie den GOTS-Kriterien entspr\u00e4chen.<\/p>\n<p>Kleidung mit GOTS-Siegel muss aus Betrieben stammen, die gerechte L\u00f6hne zahlen und Arbeitsschutzrichtlinien beachten. Sie muss zudem zu 70 Prozent aus biologisch angebauten Fasern bestehen und ohne Schwermetalle und andere giftige Chemikalien hergestellt worden sein.<\/p>\n<p>Allerdings gilt der Standard derzeit nur f\u00fcr Textilien aus Naturfasern. 2014 soll er \u00fcberarbeitet werden. \u201eEs w\u00e4re wunderbar, wenn das Zeichen dann zwei Wege er\u00f6ffnen k\u00f6nnte\u201c, sagt die noch amtierende Gr\u00fcnen-Fraktionschefin Renate K\u00fcnast. Einen f\u00fcr klassische Naturfasern, den anderen f\u00fcr k\u00fcnstlich hergestellte Fasern.<\/p>\n<p>Den konventionellen Textilherstellern geht eine gesetzliche Regelung zu weit. \u201e\u00dcberregulierung ist nicht sinnvoll\u201c, sagt Michael Engelhardt. Er ist beim Gesamtverband Textil und Mode f\u00fcr die Themen Energie und Umwelt zust\u00e4ndig. \u201eWir glauben, dass sich auf dem freien Markt die besten Siegel durchsetzen werden\u201c, Verwirrungspotenzial sieht er nicht. Und \u00fcberhaupt: Bio sei ohnehin ein eher kleiner Markt.<\/p>\n<p>Dass sich die nachhaltigsten Siegel von selbst durchsetzen, glaubt Heike Scheuer nicht. Sie will den Kunden besser an die Hand nehmen: \u201eWir brauchen ein Ein-Blick-Siegel, um Greenwashing zu unterbinden\u201c, sagt die Frau vom Naturtextilverband. Dass faire Biokleidung auch zu g\u00fcnstigen Preisen m\u00f6glich ist, zeigten Walmart und Aldi.<\/p>\n<p>Beide Discounter h\u00e4tten immer wieder GOTS-Artikel im Sortiment. Um GOTS durchzusetzen, ben\u00f6tige es den Druck der EU, sagt K\u00fcnast. Denn: \u201eDie Politik in Bangladesch \u2013 30 Prozent der Abgeordneten sind Textilfabrikanten \u2013 wird aus freien St\u00fccken nichts unternehmen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist eine Biohose? Genau wei\u00df das niemand. Sie enth\u00e4lt Baumwolle aus biologischem Anbau, das ist sicher. Wie aus der Faser Stoff wurde, welche Chemikalien und F\u00e4rbemittel verwendet wurden, wie und wo die Hose gen\u00e4ht wurde und auf welche Art sie gebleicht wurde \u2013 dar\u00fcber sagt ein Etikett, auf dem \u201eBio\u201c steht, jedoch nichts aus. 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