{"id":172865,"date":"2026-02-04T07:26:00","date_gmt":"2026-02-04T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=172865"},"modified":"2026-02-03T15:42:25","modified_gmt":"2026-02-03T14:42:25","slug":"neue-recyclingmethode-fur-textilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neue-recyclingmethode-fur-textilien\/","title":{"rendered":"Neue Recyclingmethode f\u00fcr Textilien"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/csm_Textilien_Depope_c_TU_Wien_48798e96c4-1024x683.jpg\" alt=\"Nika Depope is recycling textiles in the lab.\" class=\"wp-image-172863\" style=\"width:650px\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/csm_Textilien_Depope_c_TU_Wien_48798e96c4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/csm_Textilien_Depope_c_TU_Wien_48798e96c4-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/csm_Textilien_Depope_c_TU_Wien_48798e96c4-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/csm_Textilien_Depope_c_TU_Wien_48798e96c4-768x512.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/csm_Textilien_Depope_c_TU_Wien_48798e96c4-400x267.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/02\/csm_Textilien_Depope_c_TU_Wien_48798e96c4.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nika Depope beim Recyceln von Textilien im Labor. \u00a9 TU Wien\u00a0<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Wir erzeugen mehr Textilien als je zuvor: Weit \u00fcber hundert Millionen Tonnen Textilien werden weltweit jedes Jahr produziert \u2013 mehr als doppelt so viel wie noch im Jahr 2000. Dadurch wird es immer wichtiger, alte Textilien nicht einfach zu entsorgen, sondern sie auf umweltschonende Weise wiederzuverwerten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist jedoch oft nicht einfach \u2013 besonders dann nicht, wenn es sich um Mischtextilien handelt, etwa um einen Mix aus Baumwolle und Polyester. An der TU Wien wurde nun eine Methode entwickelt, solche Mischtextilien effizient zu trennen und zu recyceln \u2013 auf verbl\u00fcffend einfache Weise, mithilfe von Menthol und Benzoes\u00e4ure, zwei ungiftigen Substanzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcnf Minuten sind genug<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eWas zun\u00e4chst \u00fcberrascht: Sowohl Menthol als auch Benzoes\u00e4ure sind bei Raumtemperatur fest. Doch zusammen bilden sie eine Fl\u00fcssigkeit \u2013 ein sogenanntes Deep Eutectic Solvent. Diese neuartige Fl\u00fcssigkeit ist ein leistungsf\u00e4higes, ungiftiges und leicht herstellbares L\u00f6sungsmittel, das vielf\u00e4ltige Anwendungsm\u00f6glichkeiten bietet\u201c, erkl\u00e4rt Andreas Bartl vom Institut f\u00fcr Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Wird das neuartige L\u00f6sungsmittel auf 216 \u00b0C erhitzt, beginnt ein faszinierender Prozess: in nur f\u00fcnf Minuten trennen sich die Bestandteile der Mischtextilien voneinander: Der Polyester l\u00f6st sich vollst\u00e4ndig, w\u00e4hrend die Baumwolle unver\u00e4ndert bleibt. Sie kann anschlie\u00dfend gewaschen, getrocknet und wiederverwendet werden &#8211; der Polyesteranteil f\u00e4llt beim Abk\u00fchlen aus, wird abgetrennt und kann ebenfalls recycelt werden. Mit R\u00fcckgewinnungsraten von 100 % bei Baumwolle und 97 % bei Polyester erreicht das Verfahren ein nahezu vollst\u00e4ndiges Recycling \u2013 ein Ergebnis, das mit herk\u00f6mmlichen Methoden bisher unerreicht war.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nur trennen \u2013 nicht chemisch zerlegen<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eDas wirklich Erstaunliche an diesem neuen Verfahren ist, dass weder die Baumwolle noch der Polyester besch\u00e4digt oder chemisch ver\u00e4ndert werden\u201c, sagt Andreas Bartl. \u201eUnsere Untersuchungen zeigen: Die Baumwollfasern bleiben stabil und behalten ihre typischen Eigenschaften &#8211; sie lassen sich sogar wieder zu neuen Garnen verspinnen. Und auch der Polyester bleibt unver\u00e4ndert: Seine Struktur und Schmelztemperatur sind gleich wie zuvor. Das zeigt, wie schonend und effizient dieser Recyclingprozess funktioniert.\u201c Bislang wurde Polyester beim Recycling meist chemisch zerlegt, also in kleinere Molek\u00fclbausteine aufgespalten. Die neue Methode hingegen erh\u00e4lt die Polymerketten vollst\u00e4ndig \u2013 dadurch bleibt die Materialqualit\u00e4t erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vielversprechende Methode<\/h3>\n\n\n\n<p>Bisher wurde das Verfahren nur im Labor getestet, doch das Forschungsteam rund um Nika Depope und Andreas Bartl sieht darin gro\u00dfes industrielles Potenzial. Sowohl die zur\u00fcckgewonnene Baumwolle als auch der recycelte Polyester k\u00f6nnen f\u00fcr zahlreiche Anwendungen genutzt werden &#8211; etwa f\u00fcr neue Garne, Fasern, Vliesstoffe oder technische Textilien.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit arbeitet das Team daran, den Prozess noch energieeffizienter zu machen, denn die notwendige Temperatur von 216 \u00b0C ist energetisch gesehen ein Nachteil. Die Forschenden sind aber zuversichtlich, dass sich hier weitere Optimierungen erzielen lassen -und dass die Methode k\u00fcnftig im industriellen Ma\u00dfstab zum Einsatz kommen kann.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die neue Technologie wurde im&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.cdg.ac.at\/forschungseinheiten\/labor\/verwertungsstrategien-fuer-textilien\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Josef Ressel Zentrum ResTex<\/em>, \u00f6ffnet eine externe URL in einem neuen Fenster<\/a><em>&nbsp;der Christian Doppler Gesellschaft entwickelt. Die TU Wien betreibt daf\u00fcr ein eigenes externes Modul innerhalb des JRZ. Mit Unterst\u00fctzung des&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.tuwien.at\/tu-wien\/organisation\/zentrale-bereiche\/forschungs-technologie-innovationssupport\/forschungs-transfersupport\/patent-und-lizenzmanagement\"><em>TU Wien Patent- und Lizenzmanagements<\/em><\/a><em>&nbsp;wurde die Technologie bereits zum Patent angemeldet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Originalpublikation<\/h3>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.wasman.2025.115177\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">N.Depope et al., Deep eutectic solvent as a solution for polyester\/cotton textile recycling, Waste Management 208 (2025).\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir erzeugen mehr Textilien als je zuvor: Weit \u00fcber hundert Millionen Tonnen Textilien werden weltweit jedes Jahr produziert \u2013 mehr als doppelt so viel wie noch im Jahr 2000. 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