{"id":172569,"date":"2026-01-26T07:20:00","date_gmt":"2026-01-26T06:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=172569"},"modified":"2026-01-22T15:26:25","modified_gmt":"2026-01-22T14:26:25","slug":"eu-winterpaket-brussels-wette-auf-die-kreislaufwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-winterpaket-brussels-wette-auf-die-kreislaufwirtschaft\/","title":{"rendered":"EU-Winterpaket: Br\u00fcssels Wette auf die Kreislaufwirtschaft"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>\u00a0Europ\u00e4ische Recycler stehen unter massivem Preisdruck durch Importware. Die neuen Zollcodes und Anrechnungspflichten sollen Investitionen in moderne Aufbereitungsanlagen wieder rentabel machen \u2013 doch f\u00fcr viele Mittelst\u00e4ndler k\u00f6nnte die Hilfe sp\u00e4t kommen.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/image-4-1024x576.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-172571\" style=\"width:545px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/image-4-1024x576.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/image-4-300x169.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/image-4-150x84.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/image-4-768x432.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/image-4-400x225.png 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/image-4.png 1376w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 K-ZEITUNG\/KI-generiert<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Es war ein politisches Man\u00f6ver in zwei Akten, das die europ\u00e4ische Kunststoffbranche \u00fcber den Jahreswechsel in Atem hielt. Zun\u00e4chst pr\u00e4sentierte die EU-Kommission am 23. Dezember ihr \u201eCircular Economy Winter Package\u201c. Das Ziel: Die ins Stocken geratene Transformation zur Kreislaufwirtschaft durch harmonisierte Regeln und bessere \u00dcberwachung wiederzubeleben. Doch die erhoffte Begeisterung in der Industrie blieb aus \u2013 zu langfristig, zu b\u00fcrokratisch, so das erste Echo.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Knalleffekt folgte erst Mitte Januar 2026. Mit einem Entwurf f\u00fcr einen Durchf\u00fchrungsrechtsakt zur Einwegkunststoffrichtlinie (SUPD) lieferte Br\u00fcssel das nach, was die Verb\u00e4nde zuvor schmerzlich vermissten: einen harten wirtschaftlichen Schutzmechanismus. Die Kombination beider Ma\u00dfnahmen markiert eine Z\u00e4sur in der europ\u00e4ischen Umweltpolitik.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">BDE: Die Durchsetzung des \u201eMade in Europe\u201c-Prinzips<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den BDE (Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft) stellt der Januar-Entwurf die entscheidende Korrektur des Dezember-Pakets dar. Hatte BDE-Pr\u00e4sidentin Anja Siegesmund am 9. Januar noch moniert, das Winterpaket erkenne zwar die Krise, liefere aber \u201ekeine wirksame Soforthilfe\u201c, \u00e4nderte sich die Bewertung mit Vorlage der neuen SUPD-Regeln grundlegend.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum der BDE-Analyse steht die Berechnungsmethode f\u00fcr den Rezyklatanteil in PET-Getr\u00e4nkeflaschen. Die Kommission plant nun eine befristete Marktabschottung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>EU-Vorrang bis 2027:\u00a0Bis zum\u00a021. November 2027\u00a0d\u00fcrfen Unternehmen ausschlie\u00dflich in der EU hergestellte Rezyklate auf die gesetzlichen Quoten anrechnen.<\/li>\n\n\n\n<li>Importe zun\u00e4chst ohne Anrechnung:\u00a0Rezyklate aus Drittstaaten k\u00f6nnen in dieser Phase nicht zur Erf\u00fcllung der verbindlichen Einsatzquoten herangezogen werden. Erst nach Ablauf der Frist \u00f6ffnet sich der Anrechnungsmechanismus schrittweise f\u00fcr OECD-Staaten und sp\u00e4ter f\u00fcr Drittl\u00e4nder, sofern diese strenge Spiegelklauseln (Einhaltung von EU-Umweltstandards) erf\u00fcllen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Siegesmund bewertet dies als \u201ewichtige und dringend ben\u00f6tigte Soforthilfe\u201c. Die Ratio dahinter: Die europ\u00e4ische Recyclingindustrie leidet massiv unter dem Preisverfall bei Prim\u00e4rkunststoffen und dem Importdruck billiger, oft minderwertiger Ware. Eine \u201eMade in Europe\u201c-Regelung entkoppelt die heimischen Preise tempor\u00e4r vom Weltmarkt-Dumping.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Detail hebt der BDE besonders hervor: Angerechnet werden k\u00fcnftig nur Abf\u00e4lle aus dem&nbsp;Post-Consumer-Bereich. Einfache Produktionsabf\u00e4lle, die ohnehin wieder in den Kreislauf flie\u00dfen w\u00fcrden, z\u00e4hlen nicht. Dies, so der Verband, sei essenziell, um Investitionen in echte Aufbereitungstechnologien zu sichern. Um den Markt langfristig zu st\u00fctzen, schl\u00e4gt der BDE zudem vor, sich am franz\u00f6sischen Modell zu orientieren: Finanzielle Boni (Malus-Reduktion bei der EPR) f\u00fcr Hersteller, die mehr europ\u00e4isches Rezyklat einsetzen als gesetzlich gefordert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Plastics Europe: Die Technologie-Frage und der Binnenmarkt<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der BDE den Fokus auf den Marktschutz legt, analysiert Plastics Europe, der Verband der Kunststofferzeuger, das Winterpaket prim\u00e4r unter dem Aspekt der Investitionssicherheit und Technologieoffenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Virginia Janssens, Managing Director von Plastics Europe, begr\u00fc\u00dft zwar die Harmonisierung der \u201eEnd-of-Waste\u201c-Kriterien (Abfallende) als Mittel gegen B\u00fcrokratie und f\u00fcr einen st\u00e4rkeren Binnenmarkt. Sie sieht jedoch eine gef\u00e4hrliche Schieflage: Die aktuellen Kriterien seien zu stark auf das mechanische Recycling zugeschnitten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Standpunkt der Erzeuger ist klar: Um die ambitionierten EU-Klimaziele zu erreichen, reicht mechanisches Recycling allein nicht aus. Die Industrie ben\u00f6tigt das chemische Recycling f\u00fcr Stoffstr\u00f6me, die mechanisch nicht verwertbar sind. Janssens fordert daher, die End-of-Waste-Kriterien auf \u201ealle verf\u00fcgbaren Recyclingtechnologien\u201c auszuweiten. Ohne diese Technologieoffenheit und \u201ezus\u00e4tzliche rechtliche Klarheit\u201c drohe die Abwanderung von Milliardeninvestitionen aus Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier greift der neue SUPD-Entwurf vom Januar zumindest teilweise die Bedenken auf: Er enth\u00e4lt erstmals Vorgaben f\u00fcr ein&nbsp;Massebilanzierungsverfahren. Dies war eine Kernforderung der Industrie, um chemisch recycelte Kunststoffe rechtssicher auf die Quoten anrechnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem hatte Plastics Europe fr\u00fchzeitig ein \u201eHandelsobservatorium\u201c gefordert, um Warenstr\u00f6me in Echtzeit zu \u00fcberwachen. Das Winterpaket antwortet darauf nun mit versch\u00e4rften Zollcodes und einer \u00dcberwachung der Importe \u2013 ein Schritt, den Janssens als notwendig erachtet, um faire Wettbewerbsbedingungen wiederherzustellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Europ\u00e4ische Recycler stehen unter massivem Preisdruck durch Importware. Die neuen Zollcodes und Anrechnungspflichten sollen Investitionen in moderne Aufbereitungsanlagen wieder rentabel machen \u2013 doch f\u00fcr viele Mittelst\u00e4ndler k\u00f6nnte die Hilfe sp\u00e4t kommen. Es war ein politisches Man\u00f6ver in zwei Akten, das die europ\u00e4ische Kunststoffbranche \u00fcber den Jahreswechsel in Atem hielt. 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