{"id":172478,"date":"2026-01-21T07:32:00","date_gmt":"2026-01-21T06:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=172478"},"modified":"2026-01-20T11:21:18","modified_gmt":"2026-01-20T10:21:18","slug":"verpasst-deutschland-eine-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/verpasst-deutschland-eine-chance\/","title":{"rendered":"Verpasst Deutschland eine Chance?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Mehr Verpackungsabfall soll recycelt werden. Das Bundesumweltministerium will bei der Novelle des Verpackungsgesetzes aber zwei T\u00fcren f\u00fcr eine besser funktionierende Kreislaufwirtschaft nur ein wenig \u00f6ffnen: die f\u00fcr ein wirklich hochwertiges werkstoffliches Recycling und die f\u00fcr das chemische Recycling, das der Chemieindustrie einen Rohstoff f\u00fcr neue Kunststoffe liefern w\u00fcrde. Das Ministerium favorisiert damit weiterhin das \u201eDowncycling\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"512\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/UF_NL_Downcycling_A_neu-1024x512.jpg\" alt=\"Dieser Tisch und diese Bank bestehen aus recycelten Kunststoffen. Diese ersetzen zwar Holz, Zement oder Stahl, helfen aber nicht, die Chemieindustrie zu defossilisieren. Ist es daher richtig, von \u201eDowncycling\u201c zu sprechen?\nFoto: Uwe Lahl\" class=\"wp-image-172480\" style=\"width:650px\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/UF_NL_Downcycling_A_neu-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/UF_NL_Downcycling_A_neu-300x150.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/UF_NL_Downcycling_A_neu-150x75.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/UF_NL_Downcycling_A_neu-768x384.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/UF_NL_Downcycling_A_neu-1536x768.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/UF_NL_Downcycling_A_neu-400x200.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/01\/UF_NL_Downcycling_A_neu.jpg 2016w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dieser Tisch und diese Bank bestehen aus recycelten Kunststoffen. Diese ersetzen zwar Holz, Zement oder Stahl, helfen aber nicht, die Chemieindustrie zu defossilisieren. Ist es daher richtig, von \u201eDowncycling\u201c zu sprechen?<br>Foto: Uwe Lahl<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie viel Verpackungsabf\u00e4lle recycelt werden m\u00fcssen, hat die EU mit der EU-Verpackungsverordnung, der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die Anfang 2025 in Kraft getreten ist und unmittelbar auch in Deutschland gilt, festgelegt. W\u00e4hrend wesentliche Vorschriften im August 2026 wirksam werden, gibt es f\u00fcr verschiedene Regelungsbereiche auch l\u00e4ngere \u00dcbergangsvorschriften. F\u00fcr die damit notwendige Anpassung des bestehenden nationalen Regelungswerks soll das in Deutschland geltende Verpackungsgesetz aufgehoben und durch das neue \u201eVerpackungsrecht-Durchf\u00fchrungsgesetz\u201c ersetzt werden. Das Bundesumweltministerium (BMU) als zust\u00e4ndiges Ressort hat dazu im November 2025 einen Referentenentwurf vorgelegt [1]. Doch wie ist diese Absicht, die ja noch kein Gesetz ist, zu bewerten?<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df Referentenentwurf sollen von 2028 an im Jahresmittel mindestens 75 % (Masse) und von 2030 an mindestens 80 % der \u00fcber Systeme wie DSD erfassten restentleerten Kunststoffverpackungen dem Recycling zugef\u00fchrt werden. Dabei sollen:<\/p>\n\n\n\n<p>von 2028 an mindestens 70 % der restentleerten Verpackungen dem werkstofflichen, also dem mechanischen Recycling zugef\u00fchrt werden,<br>von 2030 an mindestens 75 %, und<br>die Differenz von 5 % (Masse) d\u00fcrfen andere Recyclingverfahren wie vor allem das chemische Recycling \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue Marktchancen f\u00fcr das chemische Recycling?<\/h3>\n\n\n\n<p>Bereits heute sind in Deutschland 65 % der getrennt erfassten Kunststoffverpackungen werkstofflich zu recyceln. Um 10 beziehungsweise 15 % h\u00f6here Quoten zu erreichen, hat die EU die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, diese Abf\u00e4lle auch auf andere Art zu recyceln. Vor allem f\u00fcr Sortierfraktionen, deren Qualit\u00e4t ein werkstoffliches Recycling nicht m\u00f6glich macht, bietet sich hier das chemische Recycling an.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese \u00d6ffnung, die auch vom BMU nachvollzogen wird, ist positiv zu sehen, stellt sie doch f\u00fcr Anlagenbetreiber des chemischen Recyclings eine Marktchance dar. Ob und in welchem Umfang dies eintritt, h\u00e4ngt davon ab, ob das werkstoffliche Recycling in der Lage ist, mehr als 70 beziehungsweise 75 % der Verpackungsabf\u00e4lle zu recyceln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Berechnungsmethode bleibt<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Berechnungsmethode zur Quotenerf\u00fcllung will das BMU laut Referentenentwurf nicht \u00e4ndern. Gez\u00e4hlt wird, was per Wiegeprotokoll in die erste Recyclinganlage gelangt: \u201eDie Quotenschnittstelle, die anders als Artikel 53 Absatz 3 EU-Verpackungsverordnung bei der Zuf\u00fchrung zum ersten Recyclingverfahren ansetzt, wird beibehalten\u201c 1). Schon seit langem gibt es Kritik an dieser Praxis. Weshalb wird nicht der Output ermittelt, also per Wiegeprotokoll, wie viel Rezyklate tats\u00e4chlich hergestellt werden? Dies w\u00e4re nur eine kleine Erg\u00e4nzung im Gesetz und w\u00fcrde vielen kritischen Stimmen den Wind aus den Segeln nehmen [2] 2).<\/p>\n\n\n\n<p>Wollte man unbescheiden sein, k\u00f6nnte man noch zus\u00e4tzlich fordern, dass ermittelt werden sollte, wie viel dieser Rezyklate dann tats\u00e4chlich in neuen Produkten landen. Aber so weit will ich f\u00fcr den Anfang gar nicht gehen, auch, weil diese Zahlen nicht ganz einfach zu ermitteln sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Beschr\u00e4nken der Quotenermittlung auf die gew\u00e4hlte Zuf\u00fchrungsquote zum ersten Recyclingverfahren hat den Nachteil, dass die Zahlen nicht die Realit\u00e4t erfassen. Ein weiterer Effekt ist, dass hiermit dem Mogeln oder gar dem Betrug M\u00f6glichkeiten geschaffen werden. Dies ist keine neue Erkenntnis [3; 4; 5] und angesichts der dramatischen Verluste an Sortier- beziehungsweise Recyclingkapazit\u00e4t in Deutschland (durch Br\u00e4nde [6]) ein politisch anstehendes Thema.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zentrale Anforderung an das Recycling bleibt<\/h3>\n\n\n\n<p>Die zentrale Anforderung an das Recycling soll sich im Grundsatz nicht \u00e4ndern. Zul\u00e4ssig sind \u201eVerfahren, bei denen stoffgleiches Neumaterial ersetzt wird oder das Material f\u00fcr eine weitere stoffliche Nutzung verf\u00fcgbar bleibt\u201c, so ist es im \u00a7 3, Nr. 13 des Referentenentwurfs zu lesen. In der EU-Verpackungsverordnung gilt ein \u00e4hnlicher Grundsatz. Es sind also zwei Optionen erlaubt, wie recycelt und wie dadurch die jeweilige Quote erf\u00fcllt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste M\u00f6glichkeit beschreibt der erste Halbsatz dieses Grundsatzes: Neumaterial (also \u201evirgin plastics\u201c) ist durch Rezyklate zu ersetzen. Dieser stoffgleiche Ersatz f\u00fchrt dazu, dass weniger virgin plastic neu produziert werden muss. Das ist der entscheidende \u00f6kologische Vorteil dieser Option. Der Rezyklat-Kunststoff wird ohne fossilen Rohstoff hergestellt, ist in diesem Sinne also klimaneutral. Hier wird zu Recht von einem hochwertigen Recycling gesprochen. Positiv am Referentenentwurf ist, dass es zus\u00e4tzlich eine Quote f\u00fcr derartiges Recycling geben soll: Einweg-Getr\u00e4nkeflaschen aus PET m\u00fcssen von 2028 an einen Rezyklatanteil von mindestens 25 % aufweisen. Von 2030 an steigt diese Vorgabe auf 30 %.<br>Die zweite M\u00f6glichkeit ist im zweiten Halbsatz erw\u00e4hnt: Rezyklate k\u00f6nnen auch f\u00fcr \u201eweitere stoffliche Nutzungen\u201c eingesetzt werden. Dabei m\u00fcssen die Stoffeigenschaften des Kunststoffs, sei es fest, flexibel oder haltbar, f\u00fcr das neue Produkt notwendig sein. Diese Option ist so weit gefasst, dass sie in der bisherigen Praxis des deutschen Verpackungsgesetzes die Tore zum Downcycling weit ge\u00f6ffnet hat. W\u00e4hrend hochwertiges Recycling nach der ersten Option bislang kaum eine Rolle gespielt hat \u2013 nur wenige Prozent \u2013, wird heute haupts\u00e4chlich Stahl, Holz oder Beton durch Werkst\u00fccke aus Kunststoff-Rezyklaten ersetzt. Typische Beispiele hierf\u00fcr sind Parkb\u00e4nke, Bakenf\u00fc\u00dfe, Profilbretter, Leitplanken, Pfosten, Rasengittersteine und vieles mehr. Dies stellt aber kein hochwertiges Recycling dar, sondern ist Downcycling.<br>Downcycling: absteigende Qualit\u00e4tskaskade<\/p>\n\n\n\n<p>Ist die Wortwahl Downcycling berechtigt? Fachlich kommt es, wenn Sortierung und Reinigung nicht ausreichend sind, beim Plastifizieren von Kunststoffabf\u00e4llen oder Sortierfraktionen zu Qualit\u00e4tsm\u00e4ngeln. Nur hochwertige, homogene Qualit\u00e4ten k\u00f6nnen Neumaterialien ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Qualit\u00e4tsprobleme der heutigen Praxis hoch sind, m\u00fcssen Anwendungen gesucht werden, bei denen die Anforderungen an die Rezyklatqualit\u00e4t nicht zu hoch sind. Dies f\u00fchrt auch \u00f6konomisch zu einem deutlichen Wertverlust gegen\u00fcber virgin plastics. Die Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel sind regelm\u00e4\u00dfig sogar so hoch, dass f\u00fcr die \u201eweitere stoffliche Nutzung\u201c keine finanziellen Ertr\u00e4ge erzielt werden k\u00f6nnen; im Gegenteil: Zuzahlungen sind \u00fcblich.<\/p>\n\n\n\n<p>Werden diese Produkte dann wieder zu Abfall, setzt sich diese Qualit\u00e4tskaskade nach unten fort. Es bleibt am Ende nur noch die Verbrennung. Daher ist meines Erachtens die Wortwahl Downcycling, auch wenn sie nicht jedem Recycler gef\u00e4llt, berechtigt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wertlos \u2013 zum Teil<\/h3>\n\n\n\n<p>Ob das Downcycling \u00f6kologische Vorteile erbringt, h\u00e4ngt von dem Einzelfall ab. Hier gibt es interessante Fallkonstellationen f\u00fcr \u00f6kobilanzielle Berechnungen. Ein Beispiel: Kann in einer modellierten Berechnung eine Buche weitere Jahre wachsen und gedeihen, also Kohlenstoff aufnehmen, weil ein Werkst\u00fcck nicht aus eben dieser Buche, sondern aus Kunststoff-Rezyklaten hergestellt wird, dann ergibt sich eine sehr positive Klimabilanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Werden aber Produkte herstellt, die an sich nicht gebraucht werden, weil ihnen kaum ein Wert oder Nutzen zuzuordnen ist, insbesondere, wenn f\u00fcr \u201edie weitere stoffliche Nutzung\u201c sogar Zuzahlungen erforderlich sind, sollte die Klimabilanz hingegen schlechter ausfallen. Wie die \u00f6kobilanzielle Bewertung des heute praktizierten Downcycling in der Summe \u00fcber alle Fallkonstellationen insgesamt ausf\u00e4llt, ist unklar.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist jedoch, dass die h\u00e4ufig gew\u00e4hlte \u00d6kobilanz-Argumentation, das Recycling ersetze fossile Kunststoffe und sei daher im Vergleich zu anderen Verfahren der Abfallwirtschaft positiver zu beurteilen, so pauschal nicht zutrifft. Die allermeisten Rezyklate gehen ins Downcycling, also nicht ins Recycling nach dem ersten, sondern nach dem zweiten Halbsatz des obigen Grundsatzes. Sie ersetzen also nicht fossile Kunststoffe.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Klimaschutz durch echtes hochwertiges Recycling<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Referentenentwurf h\u00e4tte mit dem Streichen des zweiten Halbsatzes des Recycling-Grundsatzes auf einen Schlag die \u00d6kobilanz des Kunststoffrecyclings deutlich verbessern k\u00f6nnen. Dieses h\u00e4tte die anderen Verpackungsmaterialien wie Glas, Metalle oder Papier kaum tangiert, weil hier prim\u00e4r nach dem ersten Halbsatz recycelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Streichung des zweiten Halbsatzes w\u00e4re aber das Kunststoffrecycling vor gro\u00dfe Herausforderungen gestellt worden. Nat\u00fcrlich ist hier der Einwand berechtigt, dass die Forderung, die 75 % nur durch hochwertiges Recycling (also Ersatz von virgin plastics) zu erreichen, nicht realistisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Was aber w\u00e4re realistisch? Die Antwort hierauf ist nicht einfach. Das Downcycling wird auch deshalb gew\u00e4hlt, weil es deutlich kosteng\u00fcnstiger ist als eine ausgeweitete polymerspezifische getrennte Sammlung, verbesserte Sortierung und umfangreiche Aufreinigung f\u00fcr ein hochwertiges Recycling. Wenn die M\u00f6glichkeit des Downcyclings nicht mehr gegeben w\u00e4re, m\u00fcsste sich das gesamte System f\u00fcr Kunststoffverpackungen neu justieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Risk Cycle aufgrund alter Zus\u00e4tze<\/h3>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcr ein echt hochwertiges werkstoffliches Recycling notwendigen polymerspezifischen Sammlungen und Sortieranlagen usw. lassen sich \u2013 auch aus Kostengr\u00fcnden \u2013 nicht bis 2028 aufbauen. Und es m\u00fcssten noch zus\u00e4tzliche Aufgaben angegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt eine Reihe von Verpackungen, die selbst mit verbesserter Sammlung und Sortierung nicht hochwertig recycelt werden k\u00f6nnen (etwa Verbundfolien). Hier hilft nur eine Regulierung oder das chemische Recycling.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter ist ein Rechtsbereich der EU relevant, der hygienische und chemische Vorsorge f\u00fcr die Lebensmittelsicherheit trifft: die Verordnung \u00fcber Materialien und Gegenst\u00e4nde aus recyceltem Kunststoff, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Ber\u00fchrung zu kommen [7]. Hiernach sollen Rezyklate, die f\u00fcr die Herstellung von Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden, ausschlie\u00dflich aus ehemaligen Lebensmittel-Verpackungen stammen. Andere Kunststoffe beziehungsweise Verpackungen sind auszusortieren. Das Recycling darf auch nur in Anlagen mit einer speziellen Zulassung f\u00fcr Materialien, die Lebensmittelkontakte haben, erfolgen. Diese Anforderungen sind sehr hoch, aber berechtigt, weil viele Altkunststoffe Tr\u00e4ger von Zusatzstoffen sind, die heute aufgrund ihrer Gef\u00e4hrlichkeit verboten sind. Die hohen Anforderungen sollen also \u201erisk cycles\u201c vermeiden und dadurch zu saubereren Kreisl\u00e4ufen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Da rund zwei Drittel der Kunststoffprodukte in verbrauchernahe Anwendungen gehen, sind Alternativen zum Lebensmittelsektor f\u00fcr den stoffgleichen Einsatz von Kunststoffverpackungen ebenfalls mit Sorgfalt zu betreiben. Dies alles schr\u00e4nkt die M\u00f6glichkeiten eines hochwertigen werkstofflichen Recyclings ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht des Verbraucherschutzes ist die Verwendung von Rezyklaten f\u00fcr Outdoor-Anwendungen besser als f\u00fcr Produkte mit kontaktsensitiver Anwendung. Das chemische Recycling hat diesen Zielkonflikt nicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Chemische Industrie: Standortsicherung durch Defossilisierung<\/h3>\n\n\n\n<p>Mittels einer vollst\u00e4ndigen \u00d6ffnung f\u00fcr das chemische Recycling w\u00e4ren die 70 oder 75 %, in dem sich hochwertiges werkstoffliches und chemisches Recycling erg\u00e4nzen, vielleicht erreichbar, aber sicher nicht im \u00fcbern\u00e4chsten Jahr. F\u00fcr den Aufbau einer derartigen Infrastruktur w\u00fcrden drei bis f\u00fcnf Jahre ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch w\u00fcrde sich ein derartiger Kraftakt lohnen? Es gibt einen entscheidenden Punkt, der f\u00fcr den schrittweisen Ausstieg aus dem Downcycling sprechen w\u00fcrde: Die chemische Industrie in Deutschland ist in einer schwierigen Lage, weil sich ihr fossiles Gesch\u00e4ftsmodell nicht mehr rechnet. Ein Ausstieg aus Erd\u00f6l und Erdgas w\u00e4re ein Ausweg, verbunden mit einer Transformation hin zu nicht-fossilen erneuerbaren Kohlenstoffquellen beispielsweise aus Kunststoffabf\u00e4llen. Aus Klimaschutzgr\u00fcnden ist diese Transformation ebenfalls erforderlich \u2013 das Schlagwort lautet Defossilisierung \u2013 und w\u00fcrde auch zu mehr Resilienz und zu einer Standortsicherung f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wer die Augen nicht verschlie\u00dft, erkennt doch, wie die Verteilungsk\u00e4mpfe um die gro\u00dfen globalen Erd\u00f6lreserven sich ausbreiten. Will Europa dabei partizipieren? Eine europ\u00e4ische chemische Industrie, die von diesen Rohstoffkonflikten unabh\u00e4ngig w\u00e4re, ist m\u00f6glicherweise die einzige Chance f\u00fcr eine Standortsicherung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Chemisches Recycling erg\u00e4nzt hochwertiges mechanisches Recycling<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Abfallwirtschaft und die Chemische Industrie haben sich unabh\u00e4ngig voneinander in unterschiedlichen regulatorischen Sektoren beziehungsweise Silos entwickelt. Es ist an der Zeit, die Sektoren zusammen zu denken. Der Kohlenstoff, der heute ins Downcycling geht, liefert keinen Beitrag zur Defossilisierung der chemischen Industrie, er ist eine reine Kohlenstoffverschwendung. Nur das chemische Recycling liefern Beitr\u00e4ge. Es geht um eine sinnvolle Kombination des hochwertigen werkstofflichen und des chemischen Recyclings f\u00fcr eine besser funktionierende Kreislaufwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Hochwertiges werkstoffliches Recycling unterst\u00fctzt diese Transformation, weil es den Bedarf an virgin plastics senkt. Das mag der chemischen Industrie nicht gefallen, weil sie hierdurch weniger Neukunststoff verkaufen kann, ist aber umweltpolitisch erforderlich.<br>Chemische Recycling wiederum ersetzt fossilen Kohlenstoff (Erd\u00f6l, Erdgas und in einigen L\u00e4ndern auch Kohle) direkt.<br>Eine Netto-Null, also eine Treibhausgas-neutrale Gesellschaft, ist nicht zu erreichen, wenn unsere Kunststoffe 2050 weiterhin aus fossilem Kohlenstoff bestehen. In diesem Sinn stellt der vorliegende Referentenentwurf eine vertane Chance dar, aber vielleicht \u00e4ndert ja das \u201eStruck\u2018sche Gesetz\u201c [8] noch etwas. So w\u00fcrde es schon helfen, wenn der Versorgung der chemischen Industrie mit Kohlenstoff aus der Abfallwirtschaft gegen\u00fcber dem Downcycling rechtliche Priorit\u00e4t einger\u00e4umt w\u00fcrde, denn Investitionen in Anlagentechnik scheitern heute h\u00e4ufig daran, den \u201efeed supply\u201c langfristig vertraglich sicher zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Andernfalls wird es die Gemeinschaft der Ingenieurinnen und Ingenieure schmerzen, wenn sie sich all die Investitionen f\u00fcr den Anlagenbau zum hochwertigen und chemischen Recycling, die m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren, vor Augen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Abfall, nicht recycelt, finanziert EU-Haushalt<\/h3>\n\n\n\n<p>Seit 2021 zahlen die Mitgliedsstaaten der EU eine Abgabe basierend auf der Menge nicht-recycelter Kunststoffverpackungen an die EU. Diese Abgabe soll den EU-Haushalt st\u00fctzen. In Deutschland werden die beschriebenen Zuf\u00fchrungszahlen, also der Input in die Recyclinganlage, der Berechnung der Kunststoffabgabe zugrunde gelegt, die j\u00e4hrlich an die EU-Kommission \u00fcberwiesen wird. F\u00fcr jedes Kilogramm nicht recycelter Kunststoffverpackung sind 0,80 \u20ac zu zahlen. Die H\u00f6he der Abgabe, die in Summe bei rund 1,4 Mrd. \u20ac liegt, wird aus dem Bundeshaushalt gezahlt. W\u00fcrde die f\u00fcr derartige technische Verfahren nicht un\u00fcbliche Differenz von Input zu Output von beispielsweise 30 % zus\u00e4tzlich ber\u00fccksichtigt, w\u00fcrde dies den Bundeshaushalt j\u00e4hrlich um rund 400 Mio. \u20ac mehr belasten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Referentenentwurf des Bundesministeriums f\u00fcr Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Gesetz zur Anpassung des Verpackungsrechts und anderer Rechtsbereiche an die Verordnung (EU) 2025\/40. https:\/\/www.bundesumweltministerium.de\/fileadmin\/Daten_BMU\/Download_PDF\/Glaeserne_Gesetze\/21._LP\/verpackdg\/Entwurf\/verpackdg_refe_bf.pdf<\/li>\n\n\n\n<li>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Recyclingl%C3%BCge oder https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2019\/august\/plastik-global-die-grosse-recyclingluege oder https:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/industrie\/ard-dokumentation-die-fuenf-probleme-des-recyclings\/28402766.html<\/li>\n\n\n\n<li>eia: Plastic Waste. Power Play. The offshoring and recycling displacement involved in trying to recycle EU plastic waste. January 2023. https:\/\/eia-international.org\/wp-content\/uploads\/EIA_UK_Plastic_Waste_Trade_Report_0123_FINAL_SPREADS.pdf<\/li>\n\n\n\n<li>Viale, M. (2023): Illicit Flows and Emerging Criminal Trends in the Global Plastic Waste Market. https:\/\/www.environmentalprosecutors.eu\/conference2023\/files\/sites\/default\/files\/conference\/files\/Criminal%20trends%20in%20plastic%20waste%20market%20and%20a%20coordinated%20response%20%E2%80%93%20Michele%20Viale.pdf<\/li>\n\n\n\n<li>Strobel, R., Hagedorn, T., Lopes, A.d.C.P. (2023): Potential environmental impacts of a plastic waste export ban in Germany. Frontiers in Manufacturing Technology, Vol. 3, DOI=10.3389\/fmtec.2023.1077313. https:\/\/www.frontiersin.org\/journals\/manufacturing-technology\/articles\/10.3389\/fmtec.2023.1077313\/full<\/li>\n\n\n\n<li>Seidel, J. (2025): 30 Br\u00e4nde am Tag: Warum in Recycling-Betrieben so oft Feuer ausbricht. Stand: 23.12.2025, 17:04 Uhr. https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/braende-recycling-hoefe-100.html<\/li>\n\n\n\n<li>Verordnung (EU) 2022\/1616 der Kommission vom 15. September 2022 \u00fcber Materialien und Gegenst\u00e4nde aus recyceltem Kunststoff, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Ber\u00fchrung zu kommen, und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 282\/2008. https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32022R1616<\/li>\n\n\n\n<li>(Erstes) Struck\u2018sches Gesetz: \u201eKein Gesetz kommt aus dem Parlament so heraus, wie es eingebracht worden ist.\u201c https:\/\/www.bundestag.de\/webarchiv\/textarchiv\/2010\/32715751_gesetzgebung-204186<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><sup>1)<\/sup> <sub><sup>Das EU-Recht geht hier auf das letzte Recyclingverfahren und ist damit n\u00e4her an der Realit\u00e4t: \u201eDas Gewicht der recycelten Verpackungsabf\u00e4lle wird berechnet als das Gewicht der zu Abfall gewordenen Verpackungen,\u2026.. die anschlie\u00dfend nicht mehr weiterverarbeitet werden, und \u2026 dem Recyclingverfahren zugef\u00fchrt werden, durch das Abfallmaterialien tats\u00e4chlich zu Produkten, Materialien oder Stoffen weiterverarbeitet werden.\u201c<\/sup><\/sub><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr Verpackungsabfall soll recycelt werden. Das Bundesumweltministerium will bei der Novelle des Verpackungsgesetzes aber zwei T\u00fcren f\u00fcr eine besser funktionierende Kreislaufwirtschaft nur ein wenig \u00f6ffnen: die f\u00fcr ein wirklich hochwertiges werkstoffliches Recycling und die f\u00fcr das chemische Recycling, das der Chemieindustrie einen Rohstoff f\u00fcr neue Kunststoffe liefern w\u00fcrde. Das Ministerium favorisiert damit weiterhin das \u201eDowncycling\u201c. [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":114,"featured_media":172480,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Wie viel Verpackungsabf\u00e4lle recycelt werden m\u00fcssen, hat die EU mit der EU-Verpackungsverordnung, der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die Anfang 2025 in Kraft getreten ist und unmittelbar auch in Deutschland gilt, festgelegt","footnotes":""},"categories":[17143],"tags":[18660,11841,22041,10453,23490,13184],"supplier":[279,2317,5585],"class_list":["post-172478","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-recycling","tag-chemischesrecycling","tag-kreislaufwirtschaft","tag-ppwr","tag-recycling","tag-rezyklate","tag-verpackung","supplier-bundesministerium-fuer-umwelt-naturschutz-und-reaktorsicherheit","supplier-european-commission","supplier-european-union"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/172478","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/114"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=172478"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/172478\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/172480"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=172478"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=172478"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=172478"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=172478"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}