{"id":171985,"date":"2026-01-08T07:20:00","date_gmt":"2026-01-08T06:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=171985"},"modified":"2025-12-27T14:42:38","modified_gmt":"2025-12-27T13:42:38","slug":"internationale-studie-zeigt-kreislaufwirtschaft-steht-nicht-immer-fur-mehr-nachhaltigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/internationale-studie-zeigt-kreislaufwirtschaft-steht-nicht-immer-fur-mehr-nachhaltigkeit\/","title":{"rendered":"Internationale Studie zeigt: Kreislaufwirtschaft steht nicht immer f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"799\" height=\"473\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/12\/newsimage415354.jpg\" alt=\"Forscherin Margherita Molinaro und Prof. Guido Orzes von der Freien Universit\u00e4t Bozen\" class=\"wp-image-172004\" style=\"width:622px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/12\/newsimage415354.jpg 799w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/12\/newsimage415354-300x178.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/12\/newsimage415354-150x89.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/12\/newsimage415354-768x455.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/12\/newsimage415354-400x237.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 799px) 100vw, 799px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Forscherin Margherita Molinaro und Prof. Guido Orzes von der Freien Universit\u00e4t Bozen&nbsp;<strong>\u00a9<\/strong>&nbsp;unibz<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Seit \u00fcber einem Jahrzehnt gilt die Kreislaufwirtschaft als der gr\u00fcne Wendepunkt der Industrie: weniger Abfall, weniger Rohstoffe, mehr Wiederverwertung und h\u00f6here Effizienz. Viele Regierungen betrachten Zirkularit\u00e4t als zentralen Weg, um Klimaziele und CO\u2082-Neutralit\u00e4t zu erreichen, und auch die Europ\u00e4ische Union arbeitet an einem Gesetz zur Kreislaufwirtschaft, das bis 2026 verabschiedet werden soll. Nun zeigt eine internationale Studie unter Leitung der Freien Universit\u00e4t Bozen jedoch: Diese Wirtschaftsform reduziert Emissionen nicht automatisch. Wenn sie falsch umgesetzt wird, kann sie sogar negative Umweltauswirkungen haben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie wurde Prof. Guido Orzes und der Forscherin Margherita Molinaro von der Fakult\u00e4t f\u00fcr Ingenieurwesen der Freien Universit\u00e4t Bozen gemeinsam mit Prof. Joseph Sarkis vom Worcester Polytechnic Institute (USA) durchgef\u00fchrt \u2013 einem der weltweit f\u00fchrenden Experten f\u00fcr nachhaltige Lieferketten \u2013 und in der Fachzeitschrift Business Strategy and the Environment ver\u00f6ffentlicht. Analysiert wurden darin 1.599 produzierende Unternehmen aus 51 L\u00e4ndern und 21 Industriezweigen.\u00a0Anhand von Sekund\u00e4rdaten wurden deren Emissionen und Kreislaufpraktiken \u00fcber einen Zeitraum von acht Jahren rekonstruiert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Redesign wirkt \u2013 Wiederverwendung und Recycling nicht immer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse, die im Rahmen des EU-Projekts SME 5.0 entstanden sind, zeigen: Die Kreislaufwirtschaft kann deutliche positive Klimaeffekte haben, hat es aber bei weitem nicht in allen untersuchten F\u00e4llen. Unternehmen, die auf eine Produkt-Neugestaltung (Redesign) setzen, also weniger Materialien verwenden, leichtere Komponenten einsetzen, effizientere Prozesse gestalten und auf Reparierbarkeit sowie Langlebigkeit achten, weisen geringere direkte Emissionen und einen niedrigeren Energieverbrauch auf. Wenn Kreislaufprinzipien also bereits im Designprozess ber\u00fccksichtigt werden, ist der positive Klimaeffekt messbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Ergebnisse zeigten sich bei Wiederverwertung und Recycling, die oft als universell nachhaltige L\u00f6sungen gelten. Denn, wie die Analyse zeigt: In vielen F\u00e4llen verursachen sie h\u00f6here Lieferkettenemissionen. Der Grund? Das Transportieren, Sortieren, Aufbereiten und Wiedereinf\u00fchren gebrauchter Produkte auf den Markt erfordert zus\u00e4tzliche Logistik, Energie und industrielle Prozesse, die nicht immer zu einer besseren Klimabilanz f\u00fchren.<br>Auf den Punkt gebracht: Wiederverwertung ist nicht automatisch nachhaltiger als neu zu produzieren. Ausschlaggebend sind Faktoren wie Entfernung, Technologie, Energiemix und die Organisation der Lieferkette.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema ist aber nicht nur aus \u00f6kologischer Sicht relevant. Laut Europ\u00e4ischer Kommission kann die Kreislaufwirtschaft bis 2030 rund 700.000 neue Arbeitspl\u00e4tze schaffen und die Abh\u00e4ngigkeit der EU von importierten Rohstoffen um 15 bis 20 Prozent senken. In Italien, das heute etwa 72 Prozent der Industrieabf\u00e4lle und \u00fcber 55 Prozent der kommunalen Abf\u00e4lle recycelt, hat die Branche bereits einen Wert von \u00fcber 90 Milliarden Euro und besch\u00e4ftigt hunderttausende Arbeitskr\u00e4fte. Doch ihr wirtschaftliches Potenzial h\u00e4ngt entscheidend von der tats\u00e4chlichen Emissionsreduktion ab: Wenn Prozesse nicht effizienter und energie\u00e4rmer werden, droht der wirtschaftliche Vorteil zu verpuffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie der unibz und des WPI er\u00f6ffnet eine neue, differenziertere Sichtweise: Die Kreislaufwirtschaft bleibt ein zentraler Bestandteilt der \u00f6kologischen Transformation, aber sie muss richtig umgesetzt werden. Daf\u00fcr muss man verstehen, wann, wie und unter welchen Bedingungen sie dem Klima wirklich n\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Fehlen diese Voraussetzungen, entstehen nur scheinbare Vorteile oder im schlimmsten Fall eine Verlagerung von Emissionen innerhalb der Lieferkette. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWir hatten eine generelle Best\u00e4tigung der Versprechen der Kreislaufwirtschaft erwartet, aber die Ergebnisse sind weit vielf\u00e4ltiger\u201c, erkl\u00e4rt <strong>Margherita Molinaro von der Freien Universit\u00e4t Bozen.<\/strong> \u201eKreislaufwirtschaft ist wichtig, aber sie muss richtig umgesetzt werden. Wenn wir sie als Wundermittel betrachten, t\u00e4uschen wir uns selbst. Ohne effiziente Infrastrukturen, erneuerbare Energiequellen und geeignete Technologien kann ihr \u00f6kologischer Nutzen nicht vollst\u00e4ndig ausgesch\u00f6pft werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Fazit ist, dass Kreislaufwirtschaft nur dann funktioniert, wenn sie geplant, gemessen und mit verl\u00e4sslichen Daten integriert wird \u2013 nicht, wenn sie nur als Etikett dient\u201c, sagt <strong>Prof. Guido Orzes<\/strong>. \u201eOhne intelligente Planung und geeignete Infrastruktur verlieren selbst die besten Ans\u00e4tze an Wirkung.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Erst recht vor dem Hintergrund eines weiteren Problems: Die tats\u00e4chliche Zirkularit\u00e4t zu messen, ist immer noch schwierig. In einer zweiten Studie, ver\u00f6ffentlicht in Sustainable Production and Consumption, hat das Forschungsteam aus Bozen mit Unterst\u00fctzung der unibz-Doktorandin Beatrice Bais vier der wichtigsten europ\u00e4ischen Instrumente untersucht, mit denen Unternehmen ihre Kreislaufleistung bewerten. Das Ergebnis? Die Werkzeuge f\u00f6rdern zwar Bewusstsein und Planung, liefern aber keine objektiven und vergleichbaren Bewertungen. Unterschiede zwischen Branchen, subjektive Interpretationen und die eingeschr\u00e4nkte \u00dcbertragbarkeit der Ergebnisse erschweren es, zu bestimmen, welche Unternehmen wirklich zirkul\u00e4r wirtschaften und welche nicht. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit robusterer Indikatoren, Lebenszyklusanalysen und gemeinsamer Standards.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:23px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kontakt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Prof. Guido Orzes<br>E-Mail: <a href=\"mailto:Guido.Orzes@unibz.it\">Guido.Orzes@unibz.it<\/a><br>Tel.: +39 0471 017697<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Originalpublikation<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/pdf\/10.1002\/bse.70157\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/pdf\/10.1002\/bse.70157<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit \u00fcber einem Jahrzehnt gilt die Kreislaufwirtschaft als der gr\u00fcne Wendepunkt der Industrie: weniger Abfall, weniger Rohstoffe, mehr Wiederverwertung und h\u00f6here Effizienz. 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