{"id":171428,"date":"2025-12-10T07:26:00","date_gmt":"2025-12-10T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=171428"},"modified":"2025-12-05T15:18:10","modified_gmt":"2025-12-05T14:18:10","slug":"eu-biookonomiestrategie-ohne-bodenhaftung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-biookonomiestrategie-ohne-bodenhaftung\/","title":{"rendered":"EU-Bio\u00f6konomiestrategie ohne Bodenhaftung?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Die Bio\u00f6konomie gilt als Zukunftssektor der europ\u00e4ischen Industriepolitik. Mit ihrer neuen Strategie legt die EU-Kommission nun einen umfassenden Plan f\u00fcr eine biobasierte Transformation vor \u2013 von Biomaterialien \u00fcber Fermentation bis hin zu synthetischer Biologie. Die Ambitionen sind gro\u00df, aber die strukturellen L\u00fccken ebenso. Im Bereich Life Sciences und Biotech werden die zentralen Herausforderungen zwar benannt, aber nicht konsequent adressiert.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.goingpublic.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-28-um-09.47.46.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-156121\" style=\"width:600px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Entwicklung der Wertsch\u00f6pfung in den Bereichen Biomasseproduktion und -umwandlung (EU-27) Quelle: Lasarte-L\u00f3pez, J., M\u2019barek, R. (2025). The EU bioeconomy at a glance: Focus on economic value added, employment and innovation. European Commission, Seville, 2025. JRC143759<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Selten hat die Europ\u00e4ische Kommission ein Strategiepapier ver\u00f6ffentlicht, das so offen mit den strukturellen Defiziten der eigenen Innovations- und Industriearchitektur umgeht wie die neue&nbsp;<a href=\"https:\/\/germany.representation.ec.europa.eu\/news\/kommission-legt-neue-biookonomie-strategie-vor-2025-11-27_de\">Bio\u00f6konomiestrategie<\/a>. Gleich zu Beginn verweist sie auf die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Bio\u00f6konomie in Europa: eine Wirtschaftsleistung von 2,7 Billionen Euro, 17,1 Millionen Besch\u00e4ftigte und 863 Milliarden Euro Wertsch\u00f6pfung im Jahr 2023. Zugleich betont sie, dass das gr\u00f6\u00dfte ungenutzte Potenzial gerade in jenen Segmenten liegt, in denen Life Sciences und Biotechnologie dominieren \u2013 also in Bereichen, in denen Europa wissenschaftlich f\u00fchrend ist, aber technologisch und industriell hinterherhinkt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wo Europa h\u00e4ngen bleibt<\/h3>\n\n\n\n<p>Damit folgt die Kommission auch der Diagnose der Europ\u00e4ischen Investitionsbank: Die gr\u00f6\u00dften Investitionsl\u00fccken liegen explizit in der industriellen Biotechnologie, in Biomanufacturingkapazit\u00e4ten, in bio-basierten Chemikalien, fermentationsbasierten Plattformen, modularen Bioraffinerien sowie in Materialinnovationen \u2013 allesamt klassische Schnittstellen zwischen Life Sciences, industriellem Engineering und skalierbaren Biotech-Gesch\u00e4ftsmodellen. Besonders relevant f\u00fcr die Life-Sciences-Community ist, dass die EU die beiden kritischen Wachstumsphasen der Biotechnologie ausdr\u00fccklich benennt: den \u00dcbergang von TRL 4\/5 aus dem Labor in TRL 6\/7 mit Pilot- und Scale-up-Umgebungen und den Schritt von TRL 7\/8 in industrielle Kapazit\u00e4ten. F\u00fcr Biotech-Unternehmen entscheidet genau diese L\u00fccke dar\u00fcber, ob eine Plattformtechnologie \u2013 ob mikrobielle Fermentation, Zellfabriken, Enzymtechnik oder synthetische Biologie \u2013 den Sprung in die Produktion schafft. Doch die Strategie bleibt eine Antwort auf die entscheidende Frage schuldig: Wie sollen diese enorm teuren Biomanufacturingschritte konkret finanziert, gebaut und betrieben werden?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Investitionsstrukturen ohne Zahlen \u2013 ein Risiko in sich<\/h3>\n\n\n\n<p>Die EU k\u00fcndigt eine Vielzahl von Instrumenten an, die f\u00fcr die Life-Sciences-Branche grunds\u00e4tzlich relevant sind \u2013 darunter ein zuk\u00fcnftiger European Competitiveness Fund, die gesamte Palette europ\u00e4ischer Innovationsprogramme wie InvestEU, Horizon Europe und CBE-JU sowie eine neue Bioeconomy Investment Deployment Group, die zwischen 2026 und 2028 \u201ebankf\u00e4hige Projekte\u201c identifizieren soll. Doch keiner dieser Punkte wird mit konkreten Summen hinterlegt. F\u00fcr Biotech-Startups und Scale-ups ist das ein strukturelles Problem, denn der Kapitalbedarf f\u00fcr biotechnologische Produktion ist enorm: Fermenter im 50\u2013200-m\u00b3-Bereich liegen h\u00e4ufig bei weit \u00fcber 150 Mio. EUR, vollwertige multipurpose Biomanufacturinganlagen erreichen 300 bis 400 Mio. EUR, industrielle Bioraffinerien liegen realistisch bei einer Milliarde Euro und dar\u00fcber, und selbst Pilotanlagen schlagen mit 30 bis 50 Mio. EUR zu Buche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Strategie erkennt diese Realit\u00e4t, operationalisiert sie jedoch nicht. Venture Capital kann Fr\u00fchphasenbiotechnologie finanzieren \u2013 aber kein Investor kann oder wird die industrielle Fermentation, Molek\u00fclproduktion oder zellul\u00e4re Plattformtechnologien allein in die Skalierung tragen. Dass die Strategie diesen Widerspruch nicht aufl\u00f6st und h\u00e4ufig lediglich von \u201eSynergien\u201c spricht, l\u00e4sst Life-Sciences-Investoren ratlos zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kaum Konturen in der \u2013 bisherigen \u2013 Praxis<\/h3>\n\n\n\n<p>\u00dcber die genannten Programme hinaus enth\u00e4lt die Strategie weitere Ma\u00dfnahmen, die f\u00fcr Venture Capital und Life-Sciences-Unternehmen relevant sind, in der Praxis jedoch kaum Konturen haben. So k\u00fcndigt die Kommission f\u00fcr 2025 und 2026 neue \u201eBiotech Acts\u201c an, die Genehmigungsprozesse vereinheitlichen und die regulatorischen Br\u00fcche zwischen den Mitgliedstaaten verringern sollen. Erg\u00e4nzend dazu sollen regulatorische \u201eSandboxes\u201c entstehen, in denen neue biotechnologische Anwendungen unter realen Bedingungen getestet werden k\u00f6nnen, und es sollen harmonisierte Standards \u2013 etwa im Bereich biobasierter Baustoffe \u2013 eingef\u00fchrt werden, die Investoren mehr Planungssicherheit geben sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Finanzierungsseite verweist die Strategie auf zus\u00e4tzliche Bausteine: den Scale-up Europe Fund ab 2026, der gezielt Wachstumsfinanzierung for biobasierte Technologien bereitstellen soll; HERA Invest, das biomedizinische Gegenma\u00dfnahmen und innovationsgetriebene Life-Science-Projekte finanziert; sowie die Gemeinsame Agrarpolitik, die k\u00fcnftig verst\u00e4rkt Investitionen in neue biobasierte Wertsch\u00f6pfungsketten unterst\u00fctzen soll. Ebenso werden InvestEU-Instrumente \u2013 etwa f\u00fcr die maritime Bio\u00f6konomie \u2013 erw\u00e4hnt, doch auch hier ohne konkrete Volumina oder Risikoteilungsmodelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Strategie verpflichtet die neue Bioeconomy Investment Deployment Group ausdr\u00fccklich dazu, innerhalb von zw\u00f6lf Monaten eine belastbare Pipeline investierbarer Projekte vorzulegen. Diese Frist zeigt, wie hoch der operative Druck tats\u00e4chlich ist \u2013 und wie wenig Zeit bleibt, um aus politischen Absichtserkl\u00e4rungen konkrete Investitionen zu machen. Gleichzeitig soll ab 2026 der Scale-up Europe Fund mit einem Budget von drei Milliarden Euro starten, einer der wenigen Teile der Strategie, der \u00fcberhaupt mit einer klar benannten finanziellen Ausstattung hinterlegt ist. Ob diese beiden Bausteine mehr werden als politische Ank\u00fcndigungen, wird ma\u00dfgeblich dar\u00fcber entscheiden, wie handlungsf\u00e4hig die europ\u00e4ische Bio\u00f6konomie im kommenden Jahrzehnt sein wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ambitionen ohne Absicherung?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt ist die angek\u00fcndigte Verankerung von Biomanufacturing und biobasierter Produktion in der EU-Taxonomie, was institutionellen Anlegern mittelfristig mehr Klarheit geben soll. Parallel dazu soll die \u00f6ffentliche Beschaffung reformiert werden, um biobasierte Materialien systematisch zu bevorzugen \u2013 ein potenziell starker Hebel f\u00fcr Nachfrage, wenn er tats\u00e4chlich substanzielle Wirkung entfaltet. Auf der Marktseite verweist die Strategie auf die \u201eBio-based Europe Alliance\u201c, die bis 2030 mindestens zehn Milliarden Euro an Abnahmezusagen f\u00fcr biobasierte Materialien b\u00fcndeln soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Das klingt ambitioniert, wird aber erst dann investitionsrelevant, wenn daraus echte Offtake Agreements entstehen \u2013 vertragliche Abnahmesicherheiten, die Gro\u00dfprojekte im Biomanufacturing \u00fcberhaupt erst finanzierbar machen. Schlie\u00dflich skizziert die Strategie eine internationale Dimension: \u00dcber Handelsabkommen und das Global Gateway sollen biobasierte Lieferketten stabilisiert und der Zugang zu nachhaltiger Biomasse gesichert werden. Und obwohl die EU den Ausbau von Pilot- und Demonstrationsanlagen ank\u00fcndigt, bleibt offen, in welchem Umfang diese Infrastruktur tats\u00e4chlich entstehen soll.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Blackbox \u201eInfrastruktur f\u00fcr Biomanufacturing\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Life Sciences ist dies der wohl kritischste Punkt. Europa verf\u00fcgt \u00fcber herausragende akademische Einrichtungen und exzellente Forschung, aber nur \u00fcber eine Handvoll industrieller Pilot- oder Scale-up-Anlagen. Die Strategie erkennt selbst an, dass der fehlende Zugang zu Pilot- und Upscaling-Infrastruktur eines der gr\u00f6\u00dften Hindernisse f\u00fcr Bio\u00f6konomie- und Biotech-Startups ist. Doch aus dieser Diagnose folgen keine systemischen Antworten: Es gibt weder eine europ\u00e4ische Standortstrategie noch konkrete Investitionszusagen, keine kontinentale Infrastrukturinitiative und keine Modelle \u00f6ffentlich getragener, gemeinsam nutzbarer Biomanufacturing-Anlagen.<a href=\"https:\/\/www.goingpublic.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-28-um-09.47.46.png\"><\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.goingpublic.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-28-um-09.50.01.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-156123\" style=\"width:599px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die zwei kritischen \u00dcbergangsphasen in der Skalierung der Bio\u00f6konomie in Europa Grafik der Europ\u00e4ischen Kommission auf Grundlage der Ergebnisse der \u00f6ffentlichen Konsultation und EU-eigener Analysen. Quelle: EU-Bio\u00f6konomiestrategie<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Und immer wieder USA?<\/h3>\n\n\n\n<p>In den vergangenen Jahren galten dagegen die USA vielen in der Branche als positives Beispiel daf\u00fcr, wie eine moderne biobasierte Industrie aufgebaut werden kann. Mit Programmen wie ARPA-H \u2013 der nationalen Agentur f\u00fcr radikale Gesundheits- und Biotech-Innovationen \u2013, mit den Bioenergy Hubs des Energieministeriums, gro\u00dfen staatlich finanzierten Forschungs- und Produktionszentren, sowie mit regionalen Fermentations- und Scale-up-Anlagen, schien Amerika genau jene Infrastrukturpolitik zu verfolgen, die Europa lange vermissen lie\u00df. Doch dieses Bild ist inzwischen weniger stabil, als es schien. In den letzten Monaten wurden mehrere gro\u00df angelegte Clean-Tech- und Bioenergy-Hubs durch die neue US-Regierung massiv gek\u00fcrzt oder vollst\u00e4ndig gestrichen; \u00fcber 300 bereits bewilligte F\u00f6rderungen wurden zur\u00fcckgezogen. ARPA-H bleibt bestehen und finanziert weiterhin ambitionierte Biotechnologie, doch das fr\u00fchere Szenario eines breit staatlich getragenen, landesweiten Biomanufacturing-Aufbaus existiert so nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vergleich macht deutlich, wie politisch fragil \u00f6ffentlich finanzierte Bioproduktionsinfrastruktur weltweit ist \u2013 und wie wichtig langfristige, verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen w\u00e4ren. F\u00fcr Europa bedeutet dies, dass der oft zitierte US-Vorsprung zwar real war, aber nicht als dauerhaftes Argument taugt. An der grundlegenden Herausforderung \u00e4ndert sich wenig: Ohne eigene, stabile und planbare Infrastrukturpolitik bleibt die europ\u00e4ische industrielle Biotechnologie strukturell im Nachteil, unabh\u00e4ngig davon, wie volatil die Lage in den USA gerade ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Regulatorische Versprechen ohne Systematik \u2013 besonders f\u00fcr Life Sciences riskant<\/h3>\n\n\n\n<p>Biotech-Unternehmen kennen die regulatorische Komplexit\u00e4t Europas: unterschiedliche nationale Auslegungen, fragmentierte Risikobewertungen und langwierige Genehmigungsprozesse. Die Strategie benennt diese Probleme \u00fcberraschend offen und beschreibt, dass Zulassungen vereinfacht, harmonisiert und beschleunigt werden sollen. Ein neues Bioeconomy Regulators and Innovators\u2019 Forum soll ab 2026 die Koordination \u00fcbernehmen. Doch weder benennt die EU verbindliche Fristen, noch liefert sie einen europ\u00e4ischen Genehmigungspfad f\u00fcr mikrobiell hergestellte Molek\u00fcle, neuartige Genexpressionssysteme oder bio-basierte Materialien. Die regulatorische Unsicherheit bleibt bestehen \u2013 und damit eines der gr\u00f6\u00dften Skalierungsrisiken des Sektors. Selbst im Bereich der biologischen Pflanzenschutzmittel oder mikrobieller D\u00fcngemittel beschreibt die EU Zulassungszeiten von mehreren Jahren. F\u00fcr Investoren ist das nicht tragbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lead Markets \u2013 Ambitionen, aber kaum Industriepolitik<\/h3>\n\n\n\n<p>Dass die EU biobasierte Kunststoffe, Chemikalien, Fasern, Baustoffe und D\u00fcngemittel als Lead Markets identifiziert, ist relevant \u2013 gerade f\u00fcr life-science-basierte Plattformen, die in diesen Segmenten skalieren k\u00f6nnten. Und die geplante \u201eBio-based Europe Alliance\u201c, die bis 2030 Abnahmevolumina von zehn Milliarden Euro organisieren soll, ist ein wichtiger Schritt, um Nachfrage sichtbar zu machen. Doch gerade aus Life-Sciences-Sicht f\u00e4llt auf, was fehlt: keine Elemente, die Preisrisiken wirklich abfedern; keine Mindestquoten; keine Carbon Contracts for Difference; keine steuerlichen Anreize wie im amerikanischen Inflation Reduction Act, der Milliardeninvestitionen in Biomanufacturing ausgel\u00f6st hat. Damit bleibt auch dieser Ansatz ein politischer Rahmen, aber kein Marktsignal, das Startups oder Scale-ups echte Sicherheit bieten w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Carbon-Markt als Chance \u2013 doch die operative Logik fehlt<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele Life-Sciences-Gesch\u00e4ftsmodelle \u2013 etwa CO\u2082-basierte Synthesepfade, biogene Polymerproduktion oder mikrobielles Carbon Upcycling \u2013 w\u00e4re der europ\u00e4ische Carbon-Markt ein zentraler Hebel. Dass die Strategie betont, biogene CO\u2082-Entnahme und dauerhafte Speicherung k\u00f6nnten k\u00fcnftig im EU Emissions Trading System anerkannt werden, ist wichtig. Auch das geplante CRCF-Zertifizierungssystem ist relevant. Doch ohne klare Preisuntergrenzen, Stabilit\u00e4tsmechanismen oder garantierte Abnahme bleibt dies ein Potenzial, kein Instrument. Life-Science-Unternehmen k\u00f6nnen darauf keine Produktionsentscheidungen aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Strategie, die wei\u00df, was falsch l\u00e4uft<\/h3>\n\n\n\n<p>Die EU benennt erstaunlich pr\u00e4zise, wo die Probleme liegen: fehlende Infrastruktur, zu langsame Regulierung, unzureichende Nachfrageanreize und Kapitalengp\u00e4sse im industriellen Ma\u00dfstab. Doch sie liefert keine industriepolitischen Mechanismen, die diese Probleme strukturell l\u00f6sen. F\u00fcr Life Sciences und Biotechnologie bedeutet das: Der Sprung von der Plattform zur industriellen Anwendung bleibt riskant, teuer und unberechenbar. Venture Capital kann die fr\u00fche Entwicklung stemmen \u2013 aber ohne massive \u00f6ffentliche Strukturinvestitionen bleibt Europa ein exzellenter Forschungsstandort mit schwacher industrieller Umsetzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Verstehen zum Handeln<\/p>\n\n\n\n<p>Die neue Bio\u00f6konomiestrategie der EU zeigt deutlicher als jedes Papier zuvor, wie hoch die wirtschaftliche und politische Bedeutung biobasierter Technologien inzwischen eingesch\u00e4tzt wird. Sie markiert damit einen echten Paradigmenwechsel: weg von der Vorstellung, Biotechnologie sei prim\u00e4r Forschungs- oder Nachhaltigkeitspolitik \u2013 hin zur Einsicht, dass Europa eine eigene industrielle Basis aufbauen muss, wenn es global konkurrenzf\u00e4hig bleiben will. Die entscheidende Frage lautet nun nicht l\u00e4nger, ob die Bio\u00f6konomie ein strategisches Zukunftsfeld ist, sondern ob die politischen Akteure bereit sind, sie mit der n\u00f6tigen Konsequenz und Geschwindigkeit umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die EU die angek\u00fcndigten Schritte \u2013 von der schnellen Arbeit der Investment Deployment Group \u00fcber die Finanzierung des Scale-up Europe Fund bis hin zu konkreten Infrastrukturentscheidungen \u2013 nun tats\u00e4chlich umsetzt, dann kann aus dieser Strategie weit mehr werden als ein politisches Bekenntnis. Sie k\u00f6nnte den Startpunkt f\u00fcr eine neue industrielle Logik markieren, in der Europa nicht l\u00e4nger Ideengeber, sondern Wertsch\u00f6pfungsstandort ist.<a href=\"https:\/\/www.goingpublic.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-28-um-09.53.31.png\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bio\u00f6konomie gilt als Zukunftssektor der europ\u00e4ischen Industriepolitik. Mit ihrer neuen Strategie legt die EU-Kommission nun einen umfassenden Plan f\u00fcr eine biobasierte Transformation vor \u2013 von Biomaterialien \u00fcber Fermentation bis hin zu synthetischer Biologie. Die Ambitionen sind gro\u00df, aber die strukturellen L\u00fccken ebenso. Im Bereich Life Sciences und Biotech werden die zentralen Herausforderungen zwar benannt, [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":114,"featured_media":171430,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Kann die neue EU-Bio\u00f6konomiestrategie Venture Capital \u00fcberzeugen?","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[13308,10608,11229,11841],"supplier":[19472,2317,5585,7768,24610],"class_list":["post-171428","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bio-based","tag-biobasiert","tag-biooekonomie","tag-biotechnologie","tag-kreislaufwirtschaft","supplier-circular-bio-based-europe-joint-undertaking-cbe-ju","supplier-european-commission","supplier-european-union","supplier-horizon-2020","supplier-horizon-europe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/171428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/114"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=171428"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/171428\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/171430"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=171428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=171428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=171428"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=171428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}