{"id":170484,"date":"2025-11-18T07:32:00","date_gmt":"2025-11-18T06:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=170484"},"modified":"2025-11-13T11:43:51","modified_gmt":"2025-11-13T10:43:51","slug":"nachhaltige-pestizide-fur-die-landwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachhaltige-pestizide-fur-die-landwirtschaft\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Pestizide f\u00fcr die Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Eine Nachwuchsgruppe an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf (HHU) wird in den kommenden f\u00fcnf Jahren erforschen, wie Bakterien auf biotechnologischem Weg ein \u00f6kologisch vertr\u00e4gliches Pestizid erzeugen k\u00f6nnen. Der Wirkstoff stammt dabei urspr\u00fcnglich aus einer Pflanze, der Dalmatinischen Insektenblume. Das Bundesministerium f\u00fcr Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) f\u00f6rdert das Projekt im Rahmen der Nationalen Bio\u00f6konomiestrategie mit rund 2,7 Millionen Euro.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a class=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.hcsd.hhu.de\/fileadmin\/redaktion\/Oeffentliche_Medien\/Presse\/Pressemeldungen\/Bilder_2025\/rwanda-daisy2-cropped.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.hcsd.hhu.de\/fileadmin\/_processed_\/b\/3\/csm_rwanda-daisy2-cropped_3a21f40d9b.jpg\" alt=\"Feld mit Dalmatinischen Insektenblumen\" title=\"Dalmatinische Insektenblumen\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Anpflanzungen der Dalmatinische Insektenblume <em>(Tanacetum cinerariifolium)<\/em> in Ruanda in Afrika. \u00a9 Martha Maria Carolina Wilken<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Pestizide sind \u00e4u\u00dferst wichtig, um die globale Ern\u00e4hrung zu sichern. Ohne sie besteht die weltweite Gefahr erheblicher Ernteeinbr\u00fcche, Verluste von 30 bis zu 80 Prozent sind m\u00f6glich. Diese Problematik wird noch dr\u00e4ngender angesichts der Tatsache, dass bis zum Jahr 2050 die Weltbev\u00f6lkerung auf voraussichtlich neun Milliarden Menschen anwachsen wird \u2013 die alle ern\u00e4hrt werden m\u00fcssen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Pestiziden f\u00fcr die moderne Landwirtschaft notwendig sind, stehen sie unter anderem wegen ihrer Umweltfolgen in der Kritik: Viele sch\u00e4digen unter anderem auch Nutzinsekten wie Bienen. Dar\u00fcber hinaus sind h\u00e4ufig verwendete synthetische Pestizide in der Umwelt persistent und reichern sich in der Nahrungskette an. Diese Probleme versch\u00e4rfen sich durch eine ausgeweitete Landwirtschaft, so dass dringender Bedarf an sichereren, \u00f6kologisch nachhaltigen Alternativen besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>An einer davon arbeitet die Nachwuchsgruppe von Dr. St. Elmo Wilken am Institut f\u00fcr Quantitative und Theoretische Biologie der HHU. Seine Forschungsgruppe konzentriert sich auf die Dalmatinische Insektenblume (<em>Tanacetum cinerariifolium<\/em>), auch \u201eInsektenpulverkraut\u201c genannt. Die Blume produziert nat\u00fcrliche Biopestizide, sogenannte Pyrethrine, die bereits seit dem 17. Jahrhundert verwendet werden. Sie weisen f\u00fcr S\u00e4ugetiere nur eine geringe Toxizit\u00e4t auf, zersetzen sich schnell in der Umwelt und sind gegen Schadinsekten hoch wirksam.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Dr. Wilken:<\/strong> \u201eTrotz dieser Vorteile werden derzeit weniger umweltfreundliche synthetische Analoga bevorzugt, da die Herstellung von Pyrethrin auf pflanzlicher Basis wesentlich teurer ist. Denn typischerweise enthalten nur ein bis zwei Prozent der Bl\u00fcten-Trockenmasse von\u00a0<em>T. cinerariifolium<\/em>\u00a0die wertvollen Pyrethrine. F\u00fcr einen breiten landwirtschaftlichen Einsatz w\u00e4ren gro\u00dfe Anbaufl\u00e4chen in sonnigen Klimazonen erforderlich, was wirtschaftlich nicht mit der synthetischen Produktion konkurrieren kann.\u201c\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die nun vom BMFTR an der HHU gef\u00f6rderte Nachwuchsforschungsgruppe \u201ePyreComm\u201d arbeitet daran, einen skalierbaren, halbsynthetischen und nachhaltigen Bioprozess zu entwickeln, um Pyrethrinverbindungen herzustellen. Die Forschenden wollen dazu ein biotechnologisches Verfahren nutzen, in dem Bakterien der Art Vibrio natriegens so programmiert werden, dass sie die Verbindungen herstellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWir teilen den Biosyntheseweg von Pyrethrin aber auf mehrere Mitglieder einer bakteriellen Gemeinschaft auf. Dadurch wird f\u00fcr die einzelnen Bakterien die Belastung eines vollst\u00e4ndigen Produktionsprozesses in einer Zelle verringert, was den Gesamtprozess effizienter macht. Die wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit des mikrobiellen Prozesses kann so potenziell erh\u00f6ht werden\u201c, betont <strong>Wilken<\/strong>.\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mithilfe moderner Stoffwechselmodellierung in Verbindung mit neuster Messtechnik sollen die Gemeinschaften so gestaltet werden, dass sie eine maximale Effizienz erzielen. Die Gemeinschaften werden in Bioreaktoren mithilfe eines Substrats auf Holzbasis kultiviert. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Wilken:<\/strong> \u201eSo schlie\u00dfen wir den Kreislauf zwischen Landwirtschaft und Biopestizidproduktion.\u201c\u00a0<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das Forschungsprojekt PyreComm wird mit rund 2,7 Millionen Euro gef\u00f6rdert, um ein kosteng\u00fcnstiges Biopestizid zu entwickeln. Die Forschenden gehen davon aus, dass dieses Pestizid im Rahmen der europ\u00e4ischen \u201eFarm-to-Fork\u201c-Strategie \u2013 mit der die EU Lebensmittel ges\u00fcnder und nachhaltiger machen will \u2013 gute Chancen hat, schnell zugelassen zu werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Wilken:<\/strong> \u201eLetztendlich wird PyreComm dazu beitragen, die Werkzeuge zu erweitern, mit denen Bioingenieure skalierbare, wirtschaftlich rentable Bioprozesse entwerfen und aufbauen k\u00f6nnen. Konkret wird unser Projekt einen Anteil daran haben, durch synthetische Pestizide verursachte \u00f6kologische Sch\u00e4den zu reduzieren.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">BMFTR-F\u00f6rderung im Rahmen der Nationalen Bio\u00f6konomiestrategie<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit der 2020 verk\u00fcndeten Nationalen Bio\u00f6konomiestrategie verfolgt die Bundesregierung den Wandel von einer weitgehend auf fossilen Rohstoffen basierenden Wirtschaft zu einer st\u00e4rker auf erneuerbaren Ressourcen beruhenden, rohstoffeffizienteren und kreislauforientierten Wirtschaft. Die Leitlinien und Ziele der Bio\u00f6konomiestrategie orientieren sich an den Zielen f\u00fcr nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Die Bio\u00f6konomie spielt f\u00fcr die SDGs eine herausgehobene Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziel der F\u00f6rderinitiative \u201eKreativer Nachwuchs forscht f\u00fcr die Bio\u00f6konomie\u201c, durch die auch das Projekt von Dr. Wilken an der HHU finanziert wird, ist es, mithilfe des wissenschaftlichen Nachwuchses neuartige Anwendungsfelder und innovative Anwendungen f\u00fcr die Bio\u00f6konomie aufzuzeigen, in denen der Nachhaltigkeitsgedanke von Beginn an stringent mitgedacht wird. Es sollen Synergien zwischen dem wissenschaftlichen Nachwuchs und etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erzeugt werden, um die Nachwuchsgruppen bei organisatorischen und thematischen Herausforderungen zu unterst\u00fctzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die aktuelle Ausschreibung der F\u00f6rderlinie sind Bewerbungen bis zum 15. April 2026 m\u00f6glich. Weitere Informationen:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ptj.de\/foerdermoeglichkeiten\/biooekonomie\/biokreativ\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Webseite des Projekttr\u00e4gers<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Nachwuchsgruppe an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf (HHU) wird in den kommenden f\u00fcnf Jahren erforschen, wie Bakterien auf biotechnologischem Weg ein \u00f6kologisch vertr\u00e4gliches Pestizid erzeugen k\u00f6nnen. Der Wirkstoff stammt dabei urspr\u00fcnglich aus einer Pflanze, der Dalmatinischen Insektenblume. 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