{"id":168535,"date":"2025-10-06T07:26:00","date_gmt":"2025-10-06T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=168535"},"modified":"2025-09-30T13:45:52","modified_gmt":"2025-09-30T11:45:52","slug":"aus-abfall-wird-zukunft-saarlandische-wissenschaftler-stellen-nylon-grundstoffe-aus-styropor-her","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aus-abfall-wird-zukunft-saarlandische-wissenschaftler-stellen-nylon-grundstoffe-aus-styropor-her\/","title":{"rendered":"Aus Abfall wird Zukunft: Saarl\u00e4ndische Wissenschaftler stellen Nylon-Grundstoffe aus Styropor her"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_AdobeStock_356700741_cce76d64e8.jpeg\" alt=\"Wertvoller Rohstoff statt Abfall? Wie aus Styroporabf\u00e4llen neue Ausgangsstoffe f\u00fcr Nylon gewonnen werden k\u00f6nnen, haben saarl\u00e4ndische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun herausgefunden\" class=\"wp-image-168554\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_AdobeStock_356700741_cce76d64e8.jpeg 640w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_AdobeStock_356700741_cce76d64e8-300x225.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_AdobeStock_356700741_cce76d64e8-150x113.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_AdobeStock_356700741_cce76d64e8-360x270.jpeg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wertvoller Rohstoff statt Abfall? Wie aus Styroporabf\u00e4llen neue Ausgangsstoffe f\u00fcr Nylon gewonnen werden k\u00f6nnen, haben saarl\u00e4ndische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun herausgefunden.&nbsp;\u00a9&nbsp;anut21ng\/stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Es klingt noch ein wenig wie Science Fiction, funktioniert aber tats\u00e4chlich: Bakterien, die umweltsch\u00e4dliche Stoffe wie Polystyrol verwerten, um daraus die Ausgangsstoffe f\u00fcr Nylon zu produzieren, ohne dass neues Erd\u00f6l daf\u00fcr gebraucht wird. Genau dies haben der Saarbr\u00fccker Professor f\u00fcr Biotechnologie, Christoph Wittmann, und weitere Kolleginnen und Kollegen aus benachbarten Disziplinen nun geschafft. Wie es genau funktioniert, haben sie <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.cej.2025.168431\">im<em> Chemical Engineering<\/em> Journal ver\u00f6ffentlich<\/a>t.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Plastikm\u00fcll ist nicht gleich Plastikm\u00fcll. L\u00e4sst sich der eine Kunststoff hervorragend wiederverwerten, kann das bei einem anderen schon ganz anders aussehen. \u201ePolystyrol ist ein solches Sorgenkind\u201c, wei\u00df Christoph Wittmann. Der Professor f\u00fcr Systembiotechnologie an der Universit\u00e4t des Saarlandes besch\u00e4ftigt sich bereits sein ganzes Forscherleben lang mit der Frage, wie man bestimmte Kunststoffe umweltvertr\u00e4glich entsorgen bzw. wiederverwerten kann. Das \u201eSorgenkind\u201c Polystyrol, dessen bekannteste Spielart das Styropor jedem Menschen ein Begriff sein d\u00fcrfte, k\u00f6nnte nun dank seiner Arbeit und die seiner Kolleginnen und Kollegen seinen Status verlieren und vielleicht sogar zum viel gefragten Rohstoff f\u00fcr die Grundstoffchemie werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Weltweit fallen j\u00e4hrlich satte 20 Millionen Tonnen Polystyrol-Abf\u00e4lle an, die nur zu einem geringen Teil wiederverwertet werden k\u00f6nnen. Das k\u00f6nnte, wenn es nach Christoph Wittmann geht, bald der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Denn gemeinsam mit Polymerchemikern der Arbeitsgruppe von Professor Markus Gallei und Materialwissenschaftlern des Leibniz-Instituts f\u00fcr Neue Materialien (INM) in Saarbr\u00fccken sowie mit weiteren Partnern aus Dortmund und Wien konnte der Biotechnologe aus dem Saarland Bakterien dazu bringen, die molekularen Bausteine von Styropor abzubauen und in n\u00fctzliche Chemikalien umzuwandeln. Die n\u00f6tigen Bausteine wurden zuvor durch ein energieschonendes Verfahren aus dem Styropor-Abfall gewonnen \u2013 und damit der Grundstein f\u00fcr die mikrobielle Verwertung gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vereinfacht gesagt nat\u00fcrlich. Denn wie man sich denken kann, kann man einem Bakterium der Art <em>Pseudomonas putida<\/em> nicht mit dem erhobenen Zeigefinger eine erzieherisch wertvolle Rede halten. Stattdessen muss man in jahrelanger Laborarbeit den Stoffwechsel des Bakteriums so fein dosiert manipulieren, dass es einerseits Appetit auf Styropor-Bausteine entwickelt (die wenigsten Bakterien m\u00f6gen sowas von Hause aus) und es dar\u00fcber hinaus motiviert wird, n\u00fctzliche Stoffe als \u201eVerdauungsprodukt\u201c auszuscheiden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Stoffe sind zum Beispiel Mucons\u00e4ure, die wiederum in Adipins\u00e4ure und Hexamethylendiamin aufgespalten werden kann. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eUnd diese beiden haben jeweils sechs Kohlenstoffatome und zwei S\u00e4ure- bzw. Aminogruppen\u201c, erkl\u00e4rt <strong>Christoph Wittmann<\/strong>. Chemiker werden nun aufhorchen, denn: \u201eDas sind die beiden Bestandteile f\u00fcr die Herstellung von Nylon\u201c, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und Nylon wiederum spielt in der Welt der Kunststoffe eine \u00fcberragende Rolle. Unz\u00e4hlige Alltagsgegenst\u00e4nde enthalten Nylon, neben der ber\u00fchmten Nylon-Strumpfhose auch Teppiche, Autositze und sogar K\u00fcchenutensilien, Kabelbinder und D\u00fcbel. Damit wird deutlich: Aus schwer verwertbarem Polystyrol entsteht durch biologisches \u201eUpcycling\u201c ein wertvoller Rohstoff f\u00fcr hochwertige technische und sogar hochleistungsf\u00e4hige Kunststoffe \u2013 ein echter Gewinn gegen\u00fcber klassischem \u201eRecycling\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Verfahren aus Saarbr\u00fccken, das auch dank der Finanzierung aus Mitteln des EU-Projektes \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.repurposeproject.eu\/\" target=\"_blank\">Repurpose<\/a>\u201c entwickelt werden konnte, &nbsp;ergeben sich nun ganz neue Ans\u00e4tze f\u00fcr die chemische Industrie, die vielen Millionen Tonnen Polystyrol-Abf\u00e4lle im Stoffkreislauf zu behalten und daraus neue Grundstoffe zu gewinnen. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"375\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/1-s2.0-S1385894725092733-ga1_lrg-1-1024x375.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-168555\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/1-s2.0-S1385894725092733-ga1_lrg-1-1024x375.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/1-s2.0-S1385894725092733-ga1_lrg-1-300x110.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/1-s2.0-S1385894725092733-ga1_lrg-1-150x55.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/1-s2.0-S1385894725092733-ga1_lrg-1-768x281.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/1-s2.0-S1385894725092733-ga1_lrg-1-1536x563.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/1-s2.0-S1385894725092733-ga1_lrg-1-2048x751.jpg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/1-s2.0-S1385894725092733-ga1_lrg-1-400x147.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDenn der Clou ist, dass unsere Kollegen vom INM um Ar\u00e1nzazu del Campo nachweisen konnten, dass die mit unserem Verfahren gewonnenen Stoffe dieselben Eigenschaften haben wie die Stoffe, die auf Basis von Erd\u00f6l in der Fabrik ganz neu hergestellt werden\u201c, so <strong>Christoph Wittmann.<\/strong> <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Materialeigenschaften der aus wiederverwertetem Polystyrol gewonnenen Kunststoffen sind also dieselben wie die aus fabrikneuen Kunststoffen. Das ist wichtig zum Beispiel f\u00fcr die Belastbarkeit von Produkten. Sie halten dann genauso gut wie Produkte aus \u201efrischem\u201c Erd\u00f6l. Die Erkenntnisse konnten die Forscher auch dank der guten Zusammenarbeit und den kurzen Wegen auf dem Campus der Universit\u00e4t des Saarlandes gewinnen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDas ist eine gro\u00dfe Besonderheit hier in Saarbr\u00fccken\u201c, erkl\u00e4rt <strong>der Biotechnologe<\/strong>. Heute kann keine Wissenschaftlerin und kein Forscher mehr erfolgreich nur im stillen K\u00e4mmerlein arbeiten, insbesondere auf seinem Gebiet. \u201eNachhaltigkeit braucht interdisziplin\u00e4re Teams\u201c, sagt er. \u201eAlleine geht es nicht.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:12px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Originalpublikation<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Michael Kohlstedt, Fabia Weiland, Samuel Pearson, Devid Hero, Sophia Mihalyi, Laurenz Kramps, Georg G\u00fcbitz, Markus Gallei, Ar\u00e1nzazu del Campo, Christoph Wittmann, Biological upcycling of polystyrene into ready-to-use plastic monomers and plastics using metabolically engineered Pseudomonas putida,&nbsp;<em>Chemical Engineering Journal<\/em>,&nbsp;<strong>2025<\/strong>, 168431, ISSN 1385-8947,&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.cej.2025.168431\" target=\"_blank\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.cej.2025.168431<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontakt<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"500\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_Wittmann_Christoph1_1dac1fdab1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-168553\" style=\"aspect-ratio:1;width:115px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_Wittmann_Christoph1_1dac1fdab1.jpg 500w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_Wittmann_Christoph1_1dac1fdab1-300x300.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_Wittmann_Christoph1_1dac1fdab1-150x150.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/csm_Wittmann_Christoph1_1dac1fdab1-270x270.jpg 270w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Prof. Dr. Christoph Wittmann<br>Tel.: (0681) 30271971<br>E-Mail:&nbsp;<a href=\"mailto:christoph.wittmann@uni-saarland.de\">christoph.wittmann@uni-saarland.de<\/a>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:16px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es klingt noch ein wenig wie Science Fiction, funktioniert aber tats\u00e4chlich: Bakterien, die umweltsch\u00e4dliche Stoffe wie Polystyrol verwerten, um daraus die Ausgangsstoffe f\u00fcr Nylon zu produzieren, ohne dass neues Erd\u00f6l daf\u00fcr gebraucht wird. 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