{"id":167902,"date":"2025-09-22T07:26:00","date_gmt":"2025-09-22T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=167902"},"modified":"2025-09-16T11:56:33","modified_gmt":"2025-09-16T09:56:33","slug":"chemisches-recycling-exot-oder-gamechanger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/chemisches-recycling-exot-oder-gamechanger\/","title":{"rendered":"Chemisches Recycling: Exot oder Gamechanger?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Die Kunststoffindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, im Zentrum steht die Suche nach zukunftsf\u00e4higen Materialkreisl\u00e4ufen. Eine viel beachtete Entwicklung in diesem Kontext ist die engere Verbindung zwischen dem Verpackungshersteller S\u00fcdpack und dem Technologie-Unternehmen Carboliq. An der Spitze von Carboliq steht mit Dr. Harald Klein ein Manager mit langj\u00e4hriger Branchenerfahrung. Die K-ZEITUNG sprach mit ihm \u00fcber das Potenzial dieser neuen Konstellation, die unternehmerischen Herausforderungen und die Zukunft der Rohstoffgewinnung aus gebrauchten Kunststoffen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/portrait_klein.jpeg-1024x576.webp\" alt=\"Dr. Harald Klein ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Caboliq und will den Kunststoffkreislauf endlich wirklich schlie\u00dfen und den Wert im Material halten. Seine \u00dcberzeugung: \u201eEin Kreislauf muss sich f\u00fcr alle lohnen.\u201c\" class=\"wp-image-167924\" style=\"aspect-ratio:1.7777777777777777;width:732px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/portrait_klein.jpeg-1024x576.webp 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/portrait_klein.jpeg-300x169.webp 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/portrait_klein.jpeg-150x84.webp 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/portrait_klein.jpeg-768x432.webp 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/portrait_klein.jpeg-400x225.webp 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/portrait_klein.jpeg.webp 1376w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dr. Harald Klein ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Caboliq und will den Kunststoffkreislauf endlich wirklich schlie\u00dfen und den Wert im Material halten. Seine \u00dcberzeugung: \u201eEin Kreislauf muss sich f\u00fcr alle lohnen.\u201c \u00a9 Carboliq<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herr Dr. Klein, fangen wir bei Ihrer Partnerschaft mit S\u00fcdpack an: Welchen entscheidenden Vorteil oder welche F\u00e4higkeit, die S\u00fcdpack vorher nicht hatte, bringt die Zusammenarbeit mit der Carboliq?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Harald Klein:&nbsp;<\/strong>S\u00fcdpack stellt Hochleistungsfolien f\u00fcr die Verpackungsindustrie her, z.B. f\u00fcr Lebensmittel und pharmazeutische Produkte. Um diese lange haltbar zu machen oder steril zu halten, sind h\u00e4ufig Verbundfolien mit entsprechend hohen Barriereeigenschaften notwendig. Diese sind jedoch in der Regel nicht mechanisch recycelbar, sie landen meist nach ihrer Nutzung in der thermischen Verwertung. Durch das chemische Recycling kann aus den Materialien ein hochwertiger Rohstoff f\u00fcr die Herstellung von Kunststoffgranulaten in Prim\u00e4rqualit\u00e4t gewonnen werden, die auch f\u00fcr den erneuten Einsatz mit Lebensmittelkontakt geeignet sind.&nbsp; Mithilfe des Carboliq-Verfahrens kann der Stoffkreislauf f\u00fcr alle Kunststoffverpackungen geschlossen werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sie pers\u00f6nlich bringen jahrzehntelange Erfahrung aus der Chemie- und Kunststoffindustrie mit. Was hat Sie an der Aufgabe bei Carboliq gereizt \u2013 war es die Technologie selbst oder die Chance, gemeinsam mit einem Anwender wie S\u00fcdpack den Kreislauf tats\u00e4chlich zu schlie\u00dfen?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Die chemische Industrie in Europa ist in einer schwierigen Situation und einer gro\u00dfen Umbruchphase. In vielen Marktsegmenten der chemischen Industrie in Europa ist es sehr schwierig, weiterhin profitabel zu wachsen, da der Markt bereits ges\u00e4ttigt ist oder der Wettbewerb aus dem au\u00dfereurop\u00e4ischen Ausland immer gr\u00f6\u00dfer wird. Die Aufgabe bei carboliq hat mich sehr gereizt, da das chemische Recycling innovativ und f\u00fcr den Ersatz von fossilen Energietr\u00e4gern eine disruptive Technologie ist. Das chemische Recycling hat eine gro\u00dfe Zukunft vor sich und wird in den n\u00e4chsten Jahrzehnten sehr hohe Wachstumsraten sehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einen starken Partner mit der S\u00fcdpack zu haben ist ein gro\u00dfer Vorteil, sich im neu entwickelnden Markt des chemischen Recyclings als einer der f\u00fchrenden Firmen zu etablieren. Zum einen hat S\u00fcdpack ein gro\u00dfes Interesse, die Rezyklateinsatzquoten, die die europ\u00e4ische Verpackungsgesetzgebung PPWR ab 2030 fordert, mittels der chemischen Recyclingtechnologie der Carboliq zu erf\u00fcllen. Zum anderen kann S\u00fcdpack mit Kunden aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, Lieferanten aus der Chemieindustrie und carboliq neue innovative Kreislaufmodelle realisieren und somit S\u00fcdpack und carboliq als Technologief\u00fchrer der Kreislaufwirtschaft etablieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/adfarm1.adition.com\/redi?lid=7550290139707999438&amp;gdpr=0&amp;gdpr_consent=&amp;gdpr_pd=0&amp;userid=7550290139707278542&amp;sid=5196400&amp;kid=7720497&amp;bid=23734158&amp;c=6223&amp;keyword=&amp;sr=184&amp;clickurl=\" target=\"_blank\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.k-zeitung.de\/chemisches-recycling-das-sollten-sie-wissen\"><\/a>Stellen wir uns vor, ich liefere Ihnen einen Ballen gemischter Kunststoffabf\u00e4lle, zum Beispiel alte Verbundfolien. K\u00f6nnen Sie unseren Lesern mit technischem Grundverst\u00e4ndnis einfach erkl\u00e4ren, was dann passiert? Ist Ihr Verfahren wie ein extrem pr\u00e4ziser Schnellkochtopf, der Kunststoffe wieder in ihre fl\u00fcssigen Ursprungs-Bausteine zerlegt?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Schnellkochtopf kommt schon nahe dran, heute w\u00fcrde man eher Thermomix sagen. Der Reaktor arbeitet n\u00e4mlich nach dem R\u00fchrkesselprinzip. Die Erw\u00e4rmung des Inhaltes erfolgt mittels elektrisch angetriebener Reaktionsmischer. Reibung und Scherung bewirken eine homogene Erw\u00e4rmung bei gleichzeitig hoher Durchmischung. Es entsteht eine fl\u00fcssige Ressource, die ein vollwertiges Substitut fossiler Kohlenwasserstoffe \u2013 also von Erd\u00f6l \u2013 ist. Im Prinzip ahmt unsere Technologie den nat\u00fcrlichen Vorgang im Erdinneren nach, wo durch hohen Druck und hohe Temperaturen aus Kohlenstoffverbindungen \u00fcber Jahrmillionen Erd\u00f6l entstanden ist. Durch Optimierung der Bedingungen und Zuf\u00fchrung eines Katalysators beschleunigen wir den Vorgang.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"287\" height=\"430\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_anlage.jpeg.webp\" alt=\"Hier wird aus Abfall wieder \u00d6l: Ein Blick auf die Carboliq-Anlage, die darauf spezialisiert ist, auch komplexe Kunststoffabf\u00e4lle in einen hochwertigen Rohstoff f\u00fcr die Industrie zu verwandeln. \u00a9 Carboliq\" class=\"wp-image-167922\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_anlage.jpeg.webp 287w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_anlage.jpeg-200x300.webp 200w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_anlage.jpeg-100x150.webp 100w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_anlage.jpeg-180x270.webp 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hier wird aus Abfall wieder \u00d6l: Ein Blick auf die Carboliq-Anlage, die darauf spezialisiert ist, auch komplexe Kunststoffabf\u00e4lle in einen hochwertigen Rohstoff f\u00fcr die Industrie zu verwandeln. \u00a9 Carboliq<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Begriff chemisches Recycling umfasst viele verschiedene Technologien. Was ist der entscheidende Vorteil Ihres Verfahrens gegen\u00fcber anderen Ans\u00e4tzen? Liegt der Zauber in der Effizienz, in der Qualit\u00e4t des gewonnenen \u00d6ls oder in der Bandbreite der Kunststoffe, die Sie verarbeiten k\u00f6nnen?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Haupts\u00e4chlich in der Effizienz und in der Bandbreite des Einsatzmaterials, das wir verarbeiten k\u00f6nnen. Im Gegensatz zu anderen Technologien k\u00f6nnen wir gemischte und verschmutzte Kunststofffraktionen verarbeiten. Die \u00d6lausbeute betr\u00e4gt bis zu 75 \u2013 85 %, wenn der Infeed einen hohen Folienanteil hat, also z.B. aus nicht mechanisch recycelbaren Materialien aus dem Dualen System besteht, die sonst thermisch verwertet werden w\u00fcrden. Bei sehr feuchten oder nicht kohlestoffhaltigen Materialien f\u00e4llt der Wert nat\u00fcrlich niedriger aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wir mit Temperaturen unter 400 \u00b0C in der Fl\u00fcssigphase arbeiten, ist der Energieeinsatz auch nicht so hoch wie bei anderen Verfahren. Wettbewerbsverfahren wie die Pyrolyse arbeiten bei deutlich h\u00f6heren Temperaturen in der Gasphase und ben\u00f6tigen somit deutlich mehr Energie und haben somit h\u00f6here Kosten. Bei diesen Verfahren fallen auch deutlich mehr Nebenprodukte an, die nicht verwertet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Art von \u201eProblemabfall\u201c ist f\u00fcr Sie der ideale Rohstoff? Wo sagen Sie: Perfekt, den kann mechanisches Recycling kaum bew\u00e4ltigen, aber f\u00fcr uns ist er pures Gold?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>PA6-haltige Einsatzstoffe, also z.B. PA\/PE Verbundfolien aus der Verpackungsindustrie, aber auch typische Funktionskleidung aus Polyamid. Eine Besonderheit des Carboliq-Verfahrens besteht darin, dass bei der Verarbeitung von Abf\u00e4llen mit h\u00f6heren Anteilen an Polykondensaten auch komplexere Bausteine wie das sogenannte Caprolactam isoliert werden k\u00f6nnen. Diese Koppelprodukte werden gereinigt und k\u00f6nnen mit nur einem weiteren Prozessschritt wieder zu Polymeren, also fertigen, reinen Kunststoffen zusammengesetzt werden. Der Entfall der Herstellung komplexer Strukturen bringt enorme Einsparungen im Herstellprozess mit sich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nutzen dieses zur\u00fcckgewonnenen Rohstoffs gleicht die CO<sub>2<\/sub>-Belastung aus, die f\u00fcr die Bereitstellung der erforderlichen Elektro-Energie, die Entsorgung der Reststoffe und die Behandlung der Gasphase sowie f\u00fcr die Herstellung des eingesetzten Katalysators n\u00f6tig ist. Schon allein aus Sicht des Klimaschutzes ist dies eine wahre Goldgrube!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"287\" height=\"430\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_oel_ausgangsmaterial.jpeg.webp\" alt=\"Aus komplexen Kunststoffabf\u00e4llen entsteht durch das Carboliq-Verfahren ein hochwertiges \u00d6l. Erfahren Sie hier zudem mehr \u00fcber die Technologie von Christian Haupts, Gr\u00fcnder der Carboliq.\" class=\"wp-image-167921\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_oel_ausgangsmaterial.jpeg.webp 287w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_oel_ausgangsmaterial.jpeg-200x300.webp 200w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_oel_ausgangsmaterial.jpeg-100x150.webp 100w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_oel_ausgangsmaterial.jpeg-180x270.webp 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Aus komplexen Kunststoffabf\u00e4llen entsteht durch das Carboliq-Verfahren ein hochwertiges \u00d6l. Erfahren Sie hier zudem mehr \u00fcber die Technologie von Christian Haupts, Gr\u00fcnder der Carboliq. \u00a9 Carboliq<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wo sehen Sie die Rolle von Carboliq im Zusammenspiel mit dem etablierten mechanischen Recycling?&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Wir sehen die Carboliq-Technologie komplement\u00e4r zum mechanischen Recycling. Wir setzen da an, wo das mechanische Recycling an seine Grenzen kommt und Kunststoff auf Grund seiner Zusammensetzung oder seines Verschmutzungsgrades in der thermischen Verwertung endet. Selbst wenn Hersteller wie S\u00fcdpack immer mehr auf Monomaterialen setzen, die gut mechanisch recycelt werden k\u00f6nnen, so enthalten doch viele Kunststoffprodukte Additive, Farben und sonstige St\u00f6rstoffe, die sich durch fortlaufende Recyclingprozesse anreichern und das Material untauglich f\u00fcr die weitere Verwendung machen. Ein mechanischer Kreislauf ist endlich. Durch das chemische Recycling werden die St\u00f6rstoffe gel\u00f6st und die entstehende Fl\u00fcssigressource kann zur Herstellung neuer Kunststoffe in Prim\u00e4rqualit\u00e4t verwendet werden. Diese k\u00f6nnen auch wieder in Kontakt mit Lebensmitteln oder Medizinprodukten gebracht werden \u2013 was bei Materialien aus mechanischem Recycling nach heutigem Recht nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein echter Kreislauf entsteht oft erst dann, wenn der Abfall eines Unternehmens gezielt wieder zum Rohstoff f\u00fcr dasselbe Unternehmen wird. Welche Rolle spielen solche geschlossenen, unternehmensspezifischen Modelle bereits in Ihrer Praxis?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Wir bieten Unternehmen bereits an, dass wir ihre Produktionsreststoffe verarbeiten und bei einem Partner aus der Petrochemie hochwertige Kunststoffe daraus produzieren, die dann wiederum im gleichen Unternehmen als Folie oder Granulat eingesetzt werden. Dem geht \u00fcblicherweise eine Materialevaluation voraus. Hier ermitteln wir, welche Produkte bei der Verfl\u00fcssigung der spezifischen Materialfraktionen entstehen und welche Mengen gewonnen werden. Das gibt dem Partner die M\u00f6glichkeit, das Potenzial des eingesetzten Materials zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Rolle spielen Kunststoffabf\u00e4lle au\u00dferhalb des Verpackungssektors f\u00fcr Ihre zuk\u00fcnftige Wachstumsstrategie?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Diese spielen eine gro\u00dfe Rolle \u2013 auch heute schon. Denken Sie an die Funktionskleidung, die ich bereits erw\u00e4hnt habe, oder schnelllebige Modeware. H\u00e4ufig landen diese Produkte nach ihrem ersten Besitzer im Rei\u00dfwolf oder werden in Massen in die Entwicklungsl\u00e4nder geschickt, wo sie teilweise auf M\u00fclldeponien landen. Auch die Automobilindustrie ist ein interessantes Feld. Hier ist es ebenfalls schwierig, mechanisch recyceltes Material einzusetzen, da die Stabilit\u00e4t des Materials durch die zugesetzten Additive h\u00e4ufig abnimmt. Bei sicherheitsrelevanten Teilen ein \u201eNo-Go\u201c. Wir wandeln mit unserer Technologie Altplastik in nutzbare Rohstoffe, vermeiden dadurch umweltsch\u00e4dliche Verbrennung und schonen fossile Rohstoffe. Es ist zum Beispiel denkbar, dass unsere Technologie f\u00fcr die jeweiligen Input-Materialien optimiert wird und eine carboliq-Anlage dort gebaut wird, wo geeignete Materialfraktionen in gr\u00f6\u00dferen Mengen verf\u00fcgbar sind \u2013 so spart man sich lange Transportwege.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.k-zeitung.de\/wie-werden-pmma-reste-wieder-zu-rohstoff\"><\/a>In der Branche wird intensiv \u00fcber die Rolle und die Gleichstellung verschiedener Recycling-Technologien debattiert. F\u00fchlen Sie sich mit Ihrem Verfahren von den aktuellen regulatorischen Ans\u00e4tzen fair und technologieoffen behandelt, oder besteht die Gefahr, dass eine Technologie politisch gegen\u00fcber einer anderen bevorzugt wird?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Das chemische Recycling ist sowohl in EU-Abfallgesetzen als auch in Deutschland als Verfahren der stofflichen Verwertung mittlerweile anerkannt. Daher kann das chemische Recycling auch zur Erf\u00fcllung von gesetzlichen Quoten der stofflichen Verwertung beitragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Herausforderung ist jedoch bis auf Weiteres die \u00f6kologisch sinnvolle Mengensteuerung von nicht recyclingf\u00e4higen Kunststoffabf\u00e4llen \u2013 also weg von der Verbrennung und hin zur stofflichen Verwertung. Hier sehen wir durchaus Potenzial, durch regulatorische Ans\u00e4tze neue Technologien zu f\u00f6rdern und vor allem Investitionssicherheit zu geben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00dcbergang von einer linearen zu einer zirkul\u00e4ren Wertsch\u00f6pfung erfordert nicht nur klare Regeln, sondern auch ein neues Werteverst\u00e4ndnis. Kunden-Lieferanten-Beziehungen sind im Sinne der gesamten Wertsch\u00f6pfung zu gestalten. Zirkul\u00e4re Wertsch\u00f6pfung funktioniert nur so lange, wie jeder Beteiligte davon profitiert. Ein Spieler, der keinen Nutzen mehr hat, steigt aus und gef\u00e4hrdet so den Nutzen aller anderen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein h\u00e4ufiger Kritikpunkt am chemischen Recycling ist, dass es den Anreiz f\u00fcr ein echtes \u201eDesign for Recycling\u201c verringern k\u00f6nnte \u2013 nach dem Motto: Am Ende kann man ja alles wieder chemisch aufspalten. Wie begegnen Sie dem Vorwurf?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Verantwortungsvoller Ressourceneinsatz spielt aus unserer Sicht eine \u00fcbergeordnete Rolle. Ressourcenschonung ist Zukunftssicherung. Daher ist das oberste Ziel, so wenig Material wie n\u00f6tig einzusetzen und dieses m\u00f6glichst lange und effizient zu nutzen \u2013 also Design for Recycling. Irgendwann ist jedoch das Lebensende jedes Produktes erreicht. Um die fossilen Ressourcen zu schonen und das Material im Kreislauf zu halten, m\u00fcssen die unterschiedlichen Recyclingverfahren genutzt werden. Denn unstrittig ist, dass jede Form von Recycling unmittelbar zur Ressourcenschonung beitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Jede energieintensive Technologie steht in Deutschland vor besonderen Herausforderungen. Wenn wir die Energiebilanz Ihres Verfahrens betrachten: Was ist momentan die gr\u00f6\u00dfte praktische H\u00fcrde f\u00fcr die Skalierung?&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Wir sehen hier keine H\u00fcrde f\u00fcr unser Verfahren. Dadurch, dass unsere Technologie bei unter 400 \u00b0C arbeitet, ist der Energieaufwand relativ niedrig. Bei der Umwandlung der Wertstofffraktionen in \u00d6l bleiben \u00fcber 90 % der im Material befindlichen Energie erhalten. Bei Einsatz von 100 % \u00d6kostrom kann man sogar von einem Net Zero Prozess sprechen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Blicken wir nach vorn: Wann ist f\u00fcr Sie der Punkt erreicht, an dem das chemische Recycling seine heutige \u201eExotenrolle\u201c verliert und zu einem selbstverst\u00e4ndlichen Baustein in der Industrie wird?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Klein:&nbsp;<\/strong>Wir sehen das chemische Recycling als wesentlichen Erfolgsfaktor im Hinblick auf eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie. Dadurch k\u00f6nnen die gesetzten Recyclingquoten und Klimaschutzziele erreicht und damit den Wandel von einer linearen zu einer zirkul\u00e4ren Wertsch\u00f6pfungskette in der Kunststoffindustrie erm\u00f6glicht werden. Die Exotenrolle wird das chemische Recycling ablegen, wenn es gen\u00fcgend gro\u00dftechnische Anlagen gibt, dass sich durch Skaleneffekte auch eine wirtschaftlich attraktive L\u00f6sung ergibt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"760\" height=\"506\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_muellfraktionen.jpeg.webp\" alt=\"F\u00fcr Unternehmen wie Carboliq sind Kunststoffabf\u00e4lle kein Ende, sondern der Anfang eines neuen Materialkreislaufs.\" class=\"wp-image-167923\" style=\"aspect-ratio:1.5019762845849802;width:666px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_muellfraktionen.jpeg.webp 760w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_muellfraktionen.jpeg-300x200.webp 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_muellfraktionen.jpeg-150x100.webp 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/09\/carboliq_muellfraktionen.jpeg-400x266.webp 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">F\u00fcr Unternehmen wie Carboliq sind Kunststoffabf\u00e4lle kein Ende, sondern der Anfang eines neuen Materialkreislaufs. <br>\u00a9 Carboliq<\/figcaption><\/figure><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kunststoffindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, im Zentrum steht die Suche nach zukunftsf\u00e4higen Materialkreisl\u00e4ufen. 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