{"id":162928,"date":"2025-05-13T07:35:00","date_gmt":"2025-05-13T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=162928"},"modified":"2025-05-08T12:16:56","modified_gmt":"2025-05-08T10:16:56","slug":"chemisches-recycling-von-kunststoffen-chancen-und-herausforderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/chemisches-recycling-von-kunststoffen-chancen-und-herausforderungen\/","title":{"rendered":"Chemisches Recycling von Kunststoffen \u2013 Chancen und Herausforderungen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Kunststoffe sind weltweit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und als universelle Komponente f\u00fcr Produkte und Einsatzzwecke aller Art allgegenw\u00e4rtig. Umso dringender sind daher die damit verbundene Umwelt-, Klima- und Rohstofffragen zu kl\u00e4ren. Eine L\u00f6sung hei\u00dft \u201eRecycling\u201c. Denn Fakt ist: Immer noch landen viele Kunststoffabf\u00e4lle in der M\u00fcllverbrennung, auf Deponien und unsachgem\u00e4\u00df in der Natur. Da das etablierte mechanische Recycling technisch an seine Grenzen st\u00f6\u00dft, richten sich die Hoffnungen zur Erh\u00f6hung der Recyclingquoten auf das chemische Recycling von Kunststoffabf\u00e4llen. Dieser \u00dcberblick zeigt, dass es Chancen bietet, aber auch noch einige anspruchsvolle Herausforderungen bis zu einer gro\u00dftechnischen L\u00f6sung zu \u00fcberwinden sind.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-162943\" style=\"aspect-ratio:1.7768301350390903;width:716px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content-2048x1153.jpg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Molek\u00fclwende<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Kunststoffe sind aus unserem t\u00e4glichen Leben nicht mehr wegzudenken, weil sie in vielen Anwendungsbereichen n\u00fctzlich und kosteng\u00fcnstig einsetzbar sind. So ist die hygienische Verpackung von Lebensmitteln auf bestimmte qualitativ hochwertige Kunststoffe angewiesen. Entsprechend wird dieses Material \u00fcberwiegend f\u00fcr Verpackungen verwendet (44 Prozent), aber auch in Bereichen wie dem Baugewerbe (18 Prozent), der Automobilindustrie (8 Prozent), der Elektro- und Elektronikindustrie (7 Prozent) sowie Haushalt, Freizeit und Sport (7 Prozent). Die Herstellung von Kunststoff ist ebenso ein gro\u00dfer Wirtschaftsfaktor mit mehr als 52.000 Unternehmen und \u00fcber 1,5 Millionen Besch\u00e4ftigten in der EU.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunststoffe spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle f\u00fcr viele technische Anwendungen. Die Leistungen moderner Windkraftanlagen w\u00e4ren ohne Kunststoffe nicht erreichbar, betriebssichere Isolierung aktuell nicht wirtschaftlich darstellbar Diese Beispiele zeigen: Kunststoffe sind wichtiges Material f\u00fcr die Transformation und werden daher langfristig gebraucht. Daf\u00fcr m\u00fcssen sie jedoch selbst&nbsp;<a href=\"https:\/\/molekuelwende-inside.de\/glossar\/#co2\">CO<sub>2<\/sub><\/a>-neutral hergestellt werden und die negativen Folgen der Nutzung insbesondere durch Plastikm\u00fcll gel\u00f6st werden. Derzeit werden rund 10 Prozent der europ\u00e4ischen Produktion aus recycelten Kunststoffabf\u00e4llen hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Noch gro\u00dfe Herausforderungen f\u00fcr Klima- und Umweltschutz<\/h3>\n\n\n\n<p>Nur wenige L\u00e4nder wie die Niederlande, Norwegen, Spanien und Deutschland erreichen Kunststoffrecyclingraten von mehr als 40 Prozent. Der Gro\u00dfteil der weltweit erzeugten festen Kunststoffabf\u00e4lle (d.h. \u00fcber 70 Prozent) wird weiterhin auf Deponien und\/oder unsachgem\u00e4\u00df in der Umwelt entsorgt, insbesondere wenn es keine funktionierenden Sammlungs- und Verwertungssysteme gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch ihre lange Haltbarkeit verl\u00e4uft der Abbauprozess von deponierten und weggeworfenen Kunststoffen je nach Umgebungsbedingungen und Art des Kunststoffs nur sehr langsam und&nbsp;<a href=\"https:\/\/sinplastic.com\/lebensdauer-von-kunststoffen\/\">kann viele Jahre dauern<\/a>. Das macht sie zu einem Umweltproblem. So k\u00f6nnen sich Kunststoffe als Mikroplastik in B\u00f6den, Gew\u00e4ssern und Meeren anreichern und dar\u00fcber auch in unsere Nahrung gelangen. Welche gesundheitlichen Folgen das haben k\u00f6nnte, ist noch Gegenstand von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/risikofaktor-mikroplastik-was-machen-kunststoff-partikel-im-100.html\">Untersuchungen<\/a>. F\u00fcr die Herstellung von Kunststoffen sind zudem heute noch Einsatzstoffe und Energietr\u00e4ger erforderlich, die weit \u00fcberwiegend aus fossilen Rohstoffen wie Erd\u00f6l und Erdgas stammen, wodurch CO<sub>2<\/sub>&nbsp;freigesetzt wird. Auch diese Molek\u00fcle m\u00fcssen zuk\u00fcnftig aus nachhaltigen Quellen kommen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kreislaufwirtschaft mit Recycling ist wichtiger Teil der Probleml\u00f6sung<\/h3>\n\n\n\n<p>In einer Kreislaufwirtschaft werden Produkte und Materialien m\u00f6glichst lange geteilt, geleast, wiederverwendet, repariert und aufgearbeitet bis sie schlie\u00dflich recycelt werden. Das Ziel ist, Abf\u00e4lle auf ein Minimum zu reduzieren sowie Produkte und Rohstoffe CO<sub>2<\/sub>-neutral im Wirtschaftskreislauf zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorteile der Substitution zunehmend knapper fossiler und nat\u00fcrlicher Rohstoffe durch Kreislaufwirtschaft mit Recycling:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Rohstoffabh\u00e4ngigkeit reduzieren:<br>Ressourcen werden knapp. Eine Reihe wichtiger Rohstoffe ist nur begrenzt verf\u00fcgbar und da die Weltbev\u00f6lkerung w\u00e4chst, steigt auch die Nachfrage nach Rohstoffen.<\/li>\n\n\n\n<li>Klimaschutz:<br>Ein weiterer Vorteil der Kreislaufwirtschaft ist eine Reduzierung der gesamten j\u00e4hrlichen Treibhausgasemissionen.<\/li>\n\n\n\n<li>Umweltschutz:<br>Schutz von Landschaften und Lebensr\u00e4umen und tr\u00e4gt dazu bei, den Verlust der biologischen Vielfalt zu begrenzen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wertsch\u00f6pfung und Arbeitspl\u00e4tze:<br>Der \u00dcbergang zu einer st\u00e4rker kreislauforientierten Wirtschaft k\u00f6nnte die Wettbewerbsf\u00e4higkeit steigern, Innovationen anregen, das Wirtschaftswachstum ankurbeln und Arbeitspl\u00e4tze schaffen (700.000 Arbeitspl\u00e4tze allein in der EU bis 2030).Die Neugestaltung von Materialien und Produkten f\u00fcr die Kreislaufnutzung w\u00fcrde auch die Innovation in verschiedenen Wirtschaftssektoren f\u00f6rdern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/molekuelwende-inside.de\/docs\/uploads\/2025\/04\/551_Recyclingoptionen_content.jpg\"><\/a>Angesichts des aktuell geringen Anteils recycelter Kunststoffe ist ein \u00dcbergang zu einer st\u00e4rker kreislauforientierten Wirtschaft ein wichtiger Weg. Dies k\u00f6nnte dabei helfen, Ressourcen zu schonen und Abh\u00e4ngigkeiten zu reduzieren, Treibhausgasemissionen zu mindern und die Umwelt zu sch\u00fctzen. Innovationen in der Kreislaufwirtschaft k\u00f6nnten das Wirtschaftswachstum f\u00f6rdern und zu neuen Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fchren und damit die Wettbewerbsf\u00e4higkeit steigern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das mechanische Recycling st\u00f6\u00dft an seine Grenzen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die EU versucht, Kunststoffabf\u00e4lle durch sogenanntes \u201e\u00d6kodesign\u201c zu verringern, etwa durch den Ersatz von Einwegkunststoffen durch alternative oder mehrfach verwendbare Materialien bis hin zur Steigerung der Produktion von Rezyklaten durch mechanisches Recycling. Der Begriff mechanisches Recycling beschreibt stark vereinfacht ausgedr\u00fcckt Verfahren, bei dem Kunststoffe thermisch geschmolzen und in neue Formen gebracht werden. Das mechanische Recycling (auch werkstoffliches Recycling genannt) von Kunststoffen ist heute bereits weit verbreitet und damit der wichtigste Baustein f\u00fcr die Wiederverwendung von Kunststoffabf\u00e4llen als wertvollen Kohlenstoffrohstoff.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong>&nbsp;<em>Bei Kunststoffen handelt es sich um lange Molek\u00fclketten. Die einzelnen \u201eKettenglieder\u201c hei\u00dfen Monomere. Zusammen bilden sie lange Ketten, die sogenannten Polymere. Viele Kunststoffe tragen daher das Pr\u00e4fix \u201ePoly-\u201c im Namen. Beim mechanischen Recycling wird die Polymerstruktur nicht wesentlich ver\u00e4ndert, sodass der Kunststoff als Werkstoff erhalten bleibt. Der Schwerpunkt des Recyclings liegt auf sortenreinen, gr\u00f6\u00dferen werthaltigen Fraktionen von Kunststoffen wie PET (Polyethylenterephthalat), PP (Polypropylen) oder PE (Polyethylen), die zum Bespiel durch Pfandsysteme f\u00fcr PET-Flaschen in geschlossenen Kreisl\u00e4ufen gef\u00fchrt und daher mehrmals recycelt werden k\u00f6nnen. Allerdings ist dies nur ein kleiner Teil aller Kunststoffabf\u00e4lle. Viele insbesondere gemischte Kunststoffe w\u00fcrden beim mechanischen Recycling an Qualit\u00e4t und Haltbarkeit verlieren. Die verschiedenen Polymerketten w\u00fcrden sich verbinden und es entsteht ein Mischkunststoff, der in vielen Anwendungen insbesondere mit Lebensmittelkontakt ungeeignet ist. Das f\u00fchrt dazu, dass in der EU mehr als die H\u00e4lfte der Post-Consumer-Kunststoffabf\u00e4lle nicht recycelt werden, sondern in der Abfallverbrennung landen oder auf Deponien gelagert werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund dieser Einschr\u00e4nkungen des mechanischen Recyclings ist es mit diesen Verfahren allein absehbar nicht m\u00f6glich, die europ\u00e4ischen Recyclingziele der Abfallrahmenrichtlinie und des europ\u00e4ischen Verpackungsgesetzes zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Fachkreisen wird daher das chemische Kunststoffrecycling erg\u00e4nzend zum mechanischen Recycling als eine Option zur Erreichung der Ziele angesehen. Es er\u00f6ffnet die Perspektive, dass chemisches Recycling einerseits in der Lage ist, technisch aufw\u00e4ndiger zu verarbeitende Kunststoffabf\u00e4lle umzusetzen und dadurch das Spektrum der recycelbaren Kunststoffe und damit die Recyclingquoten zu erh\u00f6hen. Andererseits k\u00f6nnte es auch dazu beitragen, Recyclingmaterial in kontaktsensitiven Anwendungen einzubringen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Chemisches Recycling \u2013 unterschiedliche Verfahren<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend beim mechanischen Recycling von Kunststoffabf\u00e4llen die chemische Grundstruktur der Polymere erhalten bleibt, wird sie beim chemischen Recycling (auch rohstoffliches Recycling genannt) aufgebrochen durch den Einsatz von L\u00f6sungsmitteln, Reaktionsmitteln, Temperatur und\/oder Druck. So entstehen wertvolle chemische Bausteine, das hei\u00dft kleinere Molek\u00fcle (Monomere), Polymere, Grundchemikalien und\/oder Zwischenprodukte. Die gewonnenen chemischen Bausteine dienen f\u00fcr die chemische Industrie als Ausgangsmaterial zur Herstellung neuer Produkte. Das k\u00f6nnen neue Kunststoffe sein, doch auch andere Chemikalien und theoretisch auch Kraftstoffe lassen sich daraus herstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Je nach dem Prinzip oder Verfahren der Zersetzung von Kunststoffen, kann beim chemischen Recycling unterschieden werden zwischen<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Pyrolyse (Thermochemisches Recycling),<\/li>\n\n\n\n<li>katalytischem Cracken ((Thermokatalytisches Recycling)),<\/li>\n\n\n\n<li>Hydrocracking,<\/li>\n\n\n\n<li>Solvolyse (Chemischer Depolymerisation),<\/li>\n\n\n\n<li>Hydrolyse und Vergasung (Gasifizierung).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pyrolyse (Thermochemisches Recycling)<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei der Pyrolyse werden aufbereitete Kunststoffabf\u00e4lle, die langkettige Polymermolek\u00fcle enthalten, unter Ausschluss von Sauerstoff erhitzt, so dass der Kunststoff zu k\u00fcrzeren Kohlenwasserstoffmolek\u00fclen zerf\u00e4llt. Der Prozess ben\u00f6tigt Temperaturen von etwa 300 bis 600\u00b0C und mehr. Die Verweilzeit der Abf\u00e4lle unter den Temperaturen verk\u00fcrzt sich mit steigenden Temperaturen und betr\u00e4gt von vielen Stunden bis zu wenigen Sekunden, bis die Abf\u00e4lle umgesetzt sind. Das aus der Pyrolyse resultierende Produktspektrum ist relativ breit und h\u00e4ngt vom Ausgangsstoff, den Prozessbedingungen, dem Reaktortyp und dem Verfahrensdesign ab. Zu den Hauptprodukten z\u00e4hlt sogenanntes Pyrolyse\u00f6l, das durch Destillation und Veredelung zu marktf\u00e4higen Produkten wird. Es kann wie konventionelles Roh\u00f6l beispielsweise in einer Raffinerie wieder zu Monomeren zur Herstellung von Kunststoffen verarbeitet werden. Diese Kunststoffe sind dann chemisch nicht mehr von den heutigen Prim\u00e4rkunststoffen zu unterscheiden. Auch die Herstellung von Grundchemikalien f\u00fcr die Petrochemie ist m\u00f6glich. Neben dem Pyrolyse\u00f6l fallen als Nebenprodukte auch feste und gasf\u00f6rmige R\u00fcckst\u00e4nde an. Diese k\u00f6nnen energetisch oder stofflich genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Katalytisches Cracken (Thermokatalytisches Recycling)<\/h3>\n\n\n\n<p>Das thermokatalytische Recycling, auch katalytisches Cracken genannt, ist eine Pyrolyse mit einem katalytischen Material. Der Katalysator beeinflusst die Zersetzungsreaktion mit dem Ziel, die Prozesstemperaturen zu verringern und damit Energie zu sparen, oder die selektive oder generelle Ausbeute bestimmter Produkte zu erh\u00f6hen. Der \u00fcbliche Temperaturbereich thermokatalytischer Vorg\u00e4nge reicht von 300 bis 900\u00b0C, abh\u00e4ngig vom verwendeten Reaktortyp, dem Druck und den erw\u00fcnschten Ergebnissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verwendung von katalytischen Materialien macht den Pyrolyseprozess anf\u00e4lliger f\u00fcr St\u00f6rungen und erfordert erh\u00f6hten technischen Aufwand. Der Einsatzstoff muss eine h\u00f6here Qualit\u00e4t besitzen, denn durch bestimmte Kunststoffsorten k\u00f6nnen Verunreinigungen wie Stickstoff oder Schwefel in den Prozess gelangen, die als Katalysatorgifte den Prozess beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrden. Auch andere St\u00f6rstoffe wie sich bildender Koks k\u00f6nnen die Wirkung des Katalysators durch Ablagerungen oder chemische Reaktionen schw\u00e4chen, so dass der Katalysator regeneriert werden muss. Das trifft auf viele Verfahren in der (petro)chemischen Industrie zu, doch in der Regel sind mit zunehmender technischer Erfahrung derartige Probleme beherrschbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hydrocracking<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Hydrocracking \u00e4hnelt der thermochemischen Pyrolyse und dem katalytischen Cracking mit dem Unterschied, dass&nbsp;<a href=\"https:\/\/molekuelwende-inside.de\/glossar\/#wasserstoff\">Wasserstoff<\/a>&nbsp;hinzugef\u00fcgt wird. Unter Klimagesichtspunkten wird dieser Wasserstoff nachhaltig erzeugt werden m\u00fcssen (gr\u00fcner Wasserstoff). Oft wird in den Prozess auch ein Katalysator eingebunden. Der Wasserstoff kann dann unter anderem entstehende Doppelbindungen s\u00e4ttigen und anderweitig die chemische \u00d6lqualit\u00e4t verbessern. Die Produkte \u00e4hneln dann fossilem Erd\u00f6l st\u00e4rker, sodass bekannt hohe Produktqualit\u00e4ten und stabilere Verbindungen erreicht werden k\u00f6nnen. Dieser Prozess wird bereits in Raffinerien f\u00fcr die Roh\u00f6ldestillation eingesetzt und eignet sich auch f\u00fcr das Kunststoffrecycling. M\u00f6glich ist auch eine gemeinsame Verarbeitung von Feedstocks aus dem chemischen Recycling und anderen fossilen oder sonstigen erneuerbaren Quellen. Durch die Verd\u00fcnnung ist es m\u00f6glich, die Effekte von Katalysatorengiften und Ablagerungen zu begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zersetzungsreaktionen sind relativ geringe Temperaturen von etwa 400\u00b0C und eine Verweildauer von bis zu 60 Minuten \u00fcblich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Solvolyse (Chemische Depolymerisation)<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Solvolyse (auch Chemolyse oder chemische Depolymerisation genannt) ist ein alternatives Verfahren zur Pyrolyse. F\u00fcr die Zersetzung werden unterschiedliche L\u00f6sungsmittel (chemische Reagenzien) eingesetzt, die zu verschiedenen Recyclingprodukten f\u00fchren. Ausgehend von den Reagenzien gibt es daher als haupts\u00e4chliche solvolytische Verfahren die Glykolyse, Methanolyse, Hydrolyse sowie die Ammonolyse und Aminolyse. Die Solvolyse findet im Temperaturbereich von 150 bis 300\u00b0C statt und kann durch den Einsatz von Katalysatoren beschleunigt werden. Da solvolytische Verfahren nur f\u00fcr Polykondensationskunststoffe wie Polyester und Polyamide geeignet sind, die lediglich einen kleinen Teil des Aufkommens an Kunststoffabf\u00e4llen darstellen, k\u00f6nnen sie nur einen kleinen Beitrag zur Erh\u00f6hung der Recyclingquoten leisten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gasifizierung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Gasifizierung (Vergasung) ist ein thermo-chemischer Zersetzungsprozess, bei dem ein kohlenstoffhaltiges Material zusammen mit Sauerstoff, Luft, Wasserdampf oder Mischungen daraus oxidiert wird (partielle Oxidation). Daf\u00fcr sind hohe Temperaturen von 700 bis 1.600\u00b0C und Dr\u00fccke zwischen 20 und 80 bar erforderlich. Als Produkt dieses Prozesses entsteht ein idealerweise m\u00f6glichst reines Gas (Synthesegas), das haupts\u00e4chlich aus Kohlenstoffmonoxid (CO) und Wasserstoff (H2) besteht. Allerdings entstehen im Prozess auch feste Ruckst\u00e4nde wie Asche, Schlacke, Flugasche und Ru\u00df. Die Verwendung von Synthesegas ist in der chemischen Industrie weit verbreitet und dient in etablierten Prozessen etwa zur Herstellung chemischer Grundstoffe. Es ist auch m\u00f6glich, aus dem Synthesegas ein Fisch-Tropsch-Syncrude herzustellen. Dieses kann dann als direkter Ersatz f\u00fcr fossiles Erd\u00f6l dienen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herausforderungen des chemischen Recyclings<\/h3>\n\n\n\n<p>In der Regel sind chemische Recyclingverfahren weniger sensitiv gegen\u00fcber Additiven, Schadstoffen und Verunreinigungen in Kunststoffabf\u00e4llen als mechanische Recyclingverfahren. Das gilt vor allem f\u00fcr die thermische Pyrolyse und die Gasifizierung. Im Gegensatz zum mechanischen Recycling k\u00f6nnen die im chemischen Recycling gewonnenen Bausteine teilweise auch zu lebensmitteltauglichen oder ber\u00fchrungsempfindlichen Kunststoffen verarbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch sind auch im chemischen Recycling die vorbereitenden Schritte Sortierung, Trennung, Reinigung, Waschung, Trocknung und Zerkleinerung f\u00fcr die Aufbereitung zum Recycling erforderlich. Die eingesetzten Kunststoffabf\u00e4lle wirken sich bei allen Verfahren stark auf die Produktqualit\u00e4t aus. Die fl\u00fcssigen Produkte aus dem Kunststoffrecycling m\u00fcssen bestimmte physikalisch-chemische Spezifikationen erf\u00fcllen, damit sie in weiterf\u00fchrenden Verarbeitungsanlagen, etwa zur Herstellung neuer Kunststoffe&nbsp; eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die Verarbeitung sollte daher verd\u00fcnnt zusammen mit anderen Komponenten im Co-Processing erfolgen. Dennoch ist es erforderlich die chemischen Verfahren so weiterzuentwickeln, dass Sortierreste chemisch verwertbar ohne zus\u00e4tzlichen Aufwand verwertbar sind. Um Konkurrenzsituationen zu vermeiden, muss die Sortierung und Trennung von Kunststoffabf\u00e4llen weiterhin in eine Veredelungskette integriert werden, in der auch Nebenprodukte und die Reststoffe umweltvertr\u00e4glich behandelt beziehungsweise thermisch verwertet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Wirtschaftlichkeit des chemischen Recyclings wirken sich \u00fcberwiegend regulatorische Rahmenbedingungen aus. Ohne praktikable Methoden zum Co-Processing von Pyrolyse\u00f6len mit anderen Feedstocks wird keine Anlage gebaut werden und L\u00f6sungen f\u00fcr die Umweltprobleme durch Plastikm\u00fcll r\u00fccken in weite Ferne.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Noch keine aussagekr\u00e4ftige \u00d6kobilanzierung m\u00f6glich<\/h3>\n\n\n\n<p>Untersuchungen haben gezeigt, dass das chemische Recycling im Vergleich zur energetischen Verwertung von Kunststoffabf\u00e4llen in M\u00fcllverbrennungsanlagen niedrigere Treibhausgasemissionen und einen geringeren Verbrauch fossiler Ressourcen verursacht. Allerdings gibt es noch nicht gen\u00fcgend Daten zu chemischen Recyclingprozessen in der Praxis, auf deren Grundlage aussagekr\u00e4ftige \u00f6kologische Bewertungen m\u00f6glich w\u00e4ren. Eine aussagekr\u00e4ftige und vergleichbare Datengrundlage f\u00fcr Massen-, Energie- und Kohlenstoffbilanzen und somit die Grundlage f\u00fcr belastbare \u00d6kobilanzierungen kann erst aus dem Langzeitbetrieb entsprechender Anlagen mit einem hohen technologischen Reifegrad gebildet werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erste Projekte in einem Zukunftsmarkt f\u00fcr chemisches Recycling<\/h3>\n\n\n\n<p>Anfang 2024 gab es nach Angaben von Ecoprog, einem Beratungsunternehmen in der Umwelt- und Energietechnik, weltweit erst gut 40 Anlagen zum chemischen Recycling. Darunter befinden sich nur sehr wenige gro\u00dftechnische Anlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Unternehmen der Mineral\u00f6lwirtschaft sind im chemischen Recycling aktiv, wie zum Beispiel OMV und Neste:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>OMV betreibt in seiner Raffinerie im \u00f6sterreichischen Schwechat eine Anlage im selbst entwickelten ReOil\u00ae-Verfahren, bei dem es sich um einen Pyrolyseprozess mit dem Ziel der Herstellung synthetischen Roh\u00f6ls handelt, das von der Borealis in Sichtweite der Anlage direkt neuen Kunststoffen weiterverarbeitet werden kann.<\/li>\n\n\n\n<li>Neste entwickelt aktuell in seiner Raffinerie im finnischen Porvoo eine Technologie zur Pyrolyse von Kunststoffabf\u00e4llen mit dem Ziel, das Rezyklat f\u00fcr die Herstellung neuer Kunststoffe zu nutzen. Die Entwicklungsaktivit\u00e4ten finden innerhalb des EU-Forschungsprojekts \u201ePulse\u201c statt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber den Bestandsanlagen z\u00e4hlt Ecoprog mehr als 110 projektierte chemische Recyclinganlagen. Demnach sind 20 Anlagen zum chemischen Recycling auf der ganzen Welt im Bau, bis 2026 sollen insgesamt 50 Anlagen entstehen. Im Bestand und in der Projektierung befinden sich \u00fcberwiegend Plastics-to-Plastics-Anlagen.<a href=\"https:\/\/molekuelwende-inside.de\/docs\/uploads\/2025\/04\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis.jpg\"><\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"577\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis-2048x1153-1-1024x577.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-162942\" style=\"aspect-ratio:1.7746967071057191;width:686px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis-2048x1153-1-1024x577.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis-2048x1153-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis-2048x1153-1-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis-2048x1153-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis-2048x1153-1-1536x865.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis-2048x1153-1-400x225.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/05\/Chemisches_Recycling_content_V2_NESTE_Creator_Nina_Pulkkis-2048x1153-1.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Neste, Nina Pulkkis<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ausblick<\/h3>\n\n\n\n<p>Das chemische Recycling bietet eine Perspektive, k\u00fcnftig gemischte Kunststoffabf\u00e4lle und Verbundwerkstoffe zu verarbeiten, die aktuell nicht oder nur mit hohem Aufwand recycelt werden k\u00f6nnen, und so die Recyclingquoten zu erh\u00f6hen. Es gibt einen Markt f\u00fcr P2P-Rezyklate, der angesichts der zunehmenden Nachfrage von Konsumenten nach recycelten Kunststoffen und der zu erwartenden Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen k\u00fcnftig wachsen d\u00fcrfte. Allerdings befinden sich die meisten chemischen Recyclingtechnologien noch in einem sehr fr\u00fchen Entwicklungsstadium. Die meisten der bestehenden Anlagen sind noch Pilotanlagen, die weiterer Entwicklungsarbeit bed\u00fcrfen, um anlagen- und prozesstechnische Herausforderungen zu l\u00f6sen, die Technologien effizienter zu gestalten und sie auf gr\u00f6\u00dfere Betriebseinheiten zu skalieren. F\u00fcr den Hochlauf der Technologie werden verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen, besonders zur Mitverarbeitung von chemischen Rezyklaten ben\u00f6tigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunststoffe sind weltweit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und als universelle Komponente f\u00fcr Produkte und Einsatzzwecke aller Art allgegenw\u00e4rtig. Umso dringender sind daher die damit verbundene Umwelt-, Klima- und Rohstofffragen zu kl\u00e4ren. Eine L\u00f6sung hei\u00dft \u201eRecycling\u201c. Denn Fakt ist: Immer noch landen viele Kunststoffabf\u00e4lle in der M\u00fcllverbrennung, auf Deponien und unsachgem\u00e4\u00df in der Natur. 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