{"id":161660,"date":"2025-04-15T07:26:00","date_gmt":"2025-04-15T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=161660"},"modified":"2025-04-09T13:16:34","modified_gmt":"2025-04-09T11:16:34","slug":"pilzbasierte-filter-fur-die-gewasserreinigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/pilzbasierte-filter-fur-die-gewasserreinigung\/","title":{"rendered":"Pilzbasierte Filter f\u00fcr die Gew\u00e4sserreinigung"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>In Kl\u00e4ranlagen werden j\u00e4hrlich Billionen Liter Abwasser aufbereitet. Was aus Privathaushalt, Gewerbe und Industrie im Abfluss landet, wird in drei aufwendigen Reinigungsstufen im Kl\u00e4rwerk behandelt. Aktuell sind die Anlagen jedoch noch nicht in der Lage, alle Schadstoffe zu 100% zu entfernen. So landen noch immer Ewigkeitschemikalen, Mikroplastik und Medikamente in den Gew\u00e4ssern und damit in der Natur. Am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Grenzfl\u00e4chen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Straubing haben Forschende an einer L\u00f6sung gearbeitet.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/04\/MycoSorb_1-1024x576.jpg\" alt=\"Demonstrator aus Rapssamenschalen und Hanfstaub durchwachsen mit dem Pilz Gemeines Stockschw\u00e4mmchen\" class=\"wp-image-161670\" style=\"aspect-ratio:1.7791411042944785;width:790px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/04\/MycoSorb_1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/04\/MycoSorb_1-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/04\/MycoSorb_1-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/04\/MycoSorb_1-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/04\/MycoSorb_1-400x225.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/04\/MycoSorb_1.jpg 1160w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Demonstrator aus Rapssamenschalen und Hanfstaub durchwachsen mit dem Pilz Gemeines Stockschw\u00e4mmchen \u00a9 Fraunhofer IGB<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Im Projekt MycoSorb entwickelte ein Team um Steffen Roth einen biobasierten Filter, der Medikamente aus dem Abwasser entfernt. Das Vorhaben wurde von Oktober 2023 bis September 2024 vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Ideenwettbewerbs \u201eNeue Produkte f\u00fcr die Bio\u00f6konomie\u201c mit rund 65.000 Euro gef\u00f6rdert. Im Fokus der einj\u00e4hrigen Sondierungsphase stand die Herstellung pilzbasierter Adsorbermaterialien, die bestimmte Medikamentenwirkstoffe filtern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMedikamentenwirkstoffe bestehen aus einer breiten Palette von Molek\u00fclen, die ganz verschieden aufgebaut sind und daher mit den g\u00e4ngigen Methoden nicht vollst\u00e4ndig herauszubekommen sind\u201c, erl\u00e4utert Projektleiter Roth. \u201eUnser Ansatz war daher die vierte Reinigungsstufe, die f\u00fcr Kl\u00e4ranlagen innerhalb der EU aktuell debattiert wird. Daf\u00fcr wollten wir einen Filter entwickeln, der die Stoffe entfernt.\u201c Im Projekt hat sich das Team auf drei Substanzen konzentriert: Metformin \u2013 ein Wirkstoff gegen Diabetes Typ 2, der sehr h\u00e4ufig im Abwasser enthalten ist, das Schmerzmittel Diclofenac sowie das Antiepileptikum Carbamazepin.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pilzst\u00e4mme mit hydrophoben Oberfl\u00e4chen ausgew\u00e4hlt<\/h3>\n\n\n\n<p>Durch die Auswahl der Pilze sowie bestimmter Zusatzstoffe \u2013 sogenannte Additive \u2013 sollte der Mycosorb-Filter so funktionalisiert werden, dass er entsprechend den jeweiligen Bed\u00fcrfnissen in den Kl\u00e4rwerken angepasst werden kann. Zun\u00e4chst mussten die Forschenden jedoch geeignete Pilzst\u00e4mme finden. In Zusammenarbeit mit dem Pilzexperten Matthias Gube von der Hochschule f\u00fcr angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim\/Holzminden\/G\u00f6ttingen fiel die Wahl auf das Gemeine Stockschw\u00e4mmchen und den Gr\u00fcnbl\u00e4ttrigen Schwefelkopf. \u201eEntscheidend f\u00fcr die Auswahl der Pilze war unter anderem, ob sie hydrophobe Oberfl\u00e4chen haben, wo sich die Wirkstoffe anlagern k\u00f6nnen\u201c, erl\u00e4utert Roth.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der pilzbasierte Filter sollte nicht nur aus biologisch abbaubaren und kosteng\u00fcnstigen Materialien bestehen, sondern Roth zufolge auch \u201eeine hohe Stabilit\u00e4t erreichen, damit er sich nicht von selbst aufl\u00f6st\u201c. Mehr Stabilit\u00e4t und ein verbessertes Myzelwachstum konnten beispielsweise durch die Mischung verschiedener Substrate erzielt werden. Hier zeigten Kombinationen von Rapssamenschalen oder Hanfsch\u00e4ben mit Weizenkleie die besten Ergebnisse.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/biooekonomie.de\/sites\/default\/files\/2025-04\/MycoSorb_titelbild_ING.jpeg\" alt=\"Wachstum vom Pilzstamm Gemeines Stockschw\u00e4mmchen (KueN) auf verschiedenen Substraten.\" style=\"aspect-ratio:1.7791411042944785;width:773px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wachstum vom Pilzstamm Gemeines Stockschw\u00e4mmchen auf verschiedenen Substraten. \u00a9 Fraunhofer IGB<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Entscheidend bei der Entwicklung des Mycosorb-Filters war die Bindung der Medikamentenwirkstoffe an das Adsorbermaterial. Um das zu erreichen, wurden die Substrate wie beispielsweise Hanfsch\u00e4ben mit anderen Stoffen wie H\u00fchnerfedern, Schafwolle und Lignin erg\u00e4nzt. \u201eDiese Additive sollte der Pilz quasi in den Filter mit einarbeiten und so die Bindung verbessern\u201c, erl\u00e4utert der Projektleiter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bessere Wirkstoffbindung durch Substratmischung<\/h3>\n\n\n\n<p>Positive Effekte bei der Wirkstoffbindung zeigten demnach Substratmischungen aus Hanfsch\u00e4ben sowie Rapssamenschalen, mit Federn sowie mit Lignin, die vom Pilzstamm Gemeines Stockschw\u00e4mmchen durchwachsen wurden. Aus der Substratmyzelmischung entstand ein Demonstrator in Form einer runden Scheibe beziehungsweise H\u00fclse, um die Bindungswirkung im Labor zu testen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis: Der Mycosorb-Filter konnte Roth zufolge zwei der ausgew\u00e4hlten Medikamentenwirkstoffe \u2013 Diclofenac und Carbamazepin \u2013 bis zu 80% beziehungsweise 62% aus der Fl\u00fcssigkeit entfernen. Die Forschenden haben damit den Nachweis erbracht, dass der von ihnen entwickelte, biobasierte Filter Schadstoffe aus Abw\u00e4ssern filtern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch steht das Straubinger Team mit der Forschung aber am Anfang. Steffen Roth denkt bereits weiter und sieht den Einsatz der Filter nicht nur auf Kl\u00e4ranlagen begrenzt: \u201eMan k\u00f6nnte zum Beispiel in einem Krankenhaus mehrere solcher pilzbasierten Filter einsetzen, die dann auch verschiedenste Wirkstoffe entfernen.\u201c &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kl\u00e4ranlagen werden j\u00e4hrlich Billionen Liter Abwasser aufbereitet. Was aus Privathaushalt, Gewerbe und Industrie im Abfluss landet, wird in drei aufwendigen Reinigungsstufen im Kl\u00e4rwerk behandelt. Aktuell sind die Anlagen jedoch noch nicht in der Lage, alle Schadstoffe zu 100% zu entfernen. 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