{"id":158611,"date":"2025-02-25T07:23:00","date_gmt":"2025-02-25T06:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=158611"},"modified":"2025-02-19T14:52:08","modified_gmt":"2025-02-19T13:52:08","slug":"fur-eine-biookonomie-der-bescheidenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/fur-eine-biookonomie-der-bescheidenheit\/","title":{"rendered":"F\u00fcr eine Bio\u00f6konomie der Bescheidenheit"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Bio\u00f6konomie: schon in den fr\u00fchen 80er Jahren beschrieben Wissenschaftler eine Wirtschaftsweise, die sich auf der Grundlage der Sonnenenergie in \u00f6kologische Grenzen f\u00fcgen sollte. Auch Pflanzen sind gespeicherte Sonnenkraft, und nur wenn fossile Energie durch solche aus Biomasse ersetzt werde, k\u00f6nne sich die Wirtschaft in den Rahmen unausweichlicher Naturgesetze f\u00fcgen, so argumentierte pionierhaft der rum\u00e4nischst\u00e4mmige \u00d6konom Nicolas Georgescu Roegen. Dieser Rahmen erfordere zugleich, nach sozial bereichernden M\u00f6glichkeiten in der Selbstbegrenzung zu suchen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"945\" height=\"532\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/02\/csm_DRCongo_Schneise_gerodet_5889a51bca.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-158623\" style=\"aspect-ratio:1.7763157894736843;width:754px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/02\/csm_DRCongo_Schneise_gerodet_5889a51bca.webp 945w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/02\/csm_DRCongo_Schneise_gerodet_5889a51bca-300x169.webp 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/02\/csm_DRCongo_Schneise_gerodet_5889a51bca-150x84.webp 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/02\/csm_DRCongo_Schneise_gerodet_5889a51bca-768x432.webp 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/02\/csm_DRCongo_Schneise_gerodet_5889a51bca-400x225.webp 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Konkurrenz um Holz: Je mehr Wald gerodet wird, desto knapper wird hier im Kongo auch Feuerholz.<br> \u00a9 Molly Bergen\/WCS, WWF, WRI via Flickr<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Dieses allumfassende Bio\u00f6konomie-Konzept war eine Antwort auf Hochrechnungen wie jene des Club of Rome aus dem Jahr 1972, die angesichts des fortschreitenden Bev\u00f6lkerungswachstums bei gleichzeitig steigendem Wohlstand &#8220;Grenzen des Wachstums&#8221; vorhersagten. Ihre Autoren warnten vor Knappheiten; davor, dass der steigende Verbrauch von Kohle und Erd\u00f6l, aber auch von Wasser, Land, D\u00fcnger und mineralischen Ressourcen globale Kriege und Konflikte sch\u00fcren k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Konsequenzen wurden weltweit und vor allem in den wohlhabenden Industriel\u00e4ndern gar nicht oder nur halbherzig, jedenfalls unzul\u00e4nglich gezogen, und so bewahrheiten sich die Szenarien 53 Jahre sp\u00e4ter auf das Bitterste. D\u00fcnger und viele mineralische Rohstoffe sind knapp und teuer, mit Ausnahme ausgerechnet die Klimas\u00fcnder \u00d6l, Kohle und Gas. Als Folge zu vieler Verbrennungsprozesse in Kraftwerken, Heizungen, Automotoren, indirekt auch auf den \u00c4ckern und den damit verbundenen Emissionen, verwandeln sich Weltregionen in W\u00fcsten. B\u00f6den sind \u00fcbernutzt und vergiftet, W\u00e4lder abgeholzt, sie stehen in Flammen wie in Kalifornien oder sind so gestresst, dass sie sogar zeitweise ihre Funktion als CO2-Senken, Sauerstoffproduzenten und k\u00fchlende Wasserspeicher nicht mehr wahrnehmen k\u00f6nnen \u2013 selbst in der Amazonasregion, die f\u00fcr das Weltklima so wichtig ist. Regional werden Kriege um Wasser und Land gef\u00fchrt, die Welt zerf\u00e4llt in neuer geopolitischer Konkurrenz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Dringlicher \u00dcbergang zur Bio\u00f6konomie<\/h3>\n\n\n\n<p>Angesichts dieser dramatischen Realit\u00e4t stellt sich die Frage heute umso zugespitzter: Wie kann eine weiterhin wachsende Weltbev\u00f6lkerung, wie k\u00f6nnen k\u00fcnftige Generationen trotz bereits hoch fragiler Ressourcengrundlagen mit allem versorgt werden, also mit pflanzlicher und tierischer Nahrung, Fasern, Energie, Materialien \u2013 und das so, dass weder bei den Pariser Klimaschutzzielen Kompromisse gemacht werden, noch beim Montreal-Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt? Diese Herausforderung macht den \u00dcbergang zur Bio\u00f6konomie heute noch schwieriger, noch komplexer. Zugleich aber verleiht sie ihrer Gestaltung wachsende Dringlichkeit und politischen Nachdruck.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.welthungerhilfe.de\/fileadmin\/_processed_\/2\/7\/csm_GFFA-2025_OEzdemir_Flaggen_kl_92ff01ccec.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Erkl\u00e4rung zur Bio\u00f6konomie verabschiedet: Landwirtschaftsminister Cem \u00d6zdemir beim Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2025. \u00a9 GFFA<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Zahlreiche L\u00e4nder von Australien bis USA, von Malaysia bis Uganda, auch Deutschland haben deshalb in den letzten Jahren Bio\u00f6konomie-Strategien aufgelegt, ebenso \u00fcbernationale Zusammenschl\u00fcsse wie die OECD und die EU. Die BRICS&#8211;Staaten Brasilien und S\u00fcdafrika, beide gro\u00dfe Agrarproduzenten, haben das Thema ins Zentrum ihrer G20-Pr\u00e4sidentschaften gestellt. Auch der deutsche Landwirtschaftsminister Cem \u00d6zdemir setzte Bio\u00f6konomie soeben beim&nbsp;<em>Global Forum for Food and Agriculture<\/em><em>(GFFA)<\/em>&nbsp;auf die Agenda, 62 Staaten unterzeichneten in Berlin ein gemeinsames Kommuniqu\u00e9. Die Frage ist: Wie nah sind diese heutigen Protagonisten einer &#8220;biobasierten&#8221;, &#8220;biotechnologischen&#8221; oder &#8220;bioinspirierten&#8221; Wirtschaftsweise noch an der umfassenden Vision ihrer fr\u00fchen Vordenker und T\u00fcftler?<\/p>\n\n\n\n<p>Umfassend ist zumindest die Definition der Bundesregierung, die \u2013 angepasst an geographische Voraussetzungen und Innovationsphilosophien mit unterschiedlicher Gewichtung \u2013 auch anderswo geteilt wird: Bio\u00f6konomie sei die &#8220;wissensbasierte Erzeugung und Nutzung nachwachsender Ressourcen, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsf\u00e4higen Wirtschaftssystems bereitzustellen&#8221;. Das schlie\u00dft nicht nur die Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft ein, sondern auch so gut wie alle anderen Branchen. Aus Getreide, St\u00e4rke, Holz oder Algen sollen mit Hilfe winziger Mikroorganismen wie Pilzen oder Bakterien &#8220;immer effizienter und m\u00f6glichst in Kaskaden&#8221; auch neue Proteine, Energie und Grundstoffe f\u00fcr die chemische Industrie oder Baumaterialien gewonnen werden, f\u00fcr Kraftstoffe oder Kleidung. Die Parole dabei lautet: &#8220;Mehr mit Weniger.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Federf\u00fchrend bei der Bio\u00f6konomie ist neben dem Agrarministerium auch jenes f\u00fcr Bildung und Forschung. &#8220;Wissensbasiert&#8221;: Neue Technologien spielen eine Schl\u00fcsselrolle, wenn Biosprit oder Verpackungsmaterialien aus eigens gez\u00fcchteten Gr\u00e4sermischungen oder Rohrkolben entstehen, wenn gentechnisch ver\u00e4nderte Hefen in Bioreaktoren aus proteinreichen Mikroalgen eine Grundlage f\u00fcr fettarme Eiscreme, M\u00fcsliriegel und Nahrungserg\u00e4nzungmittel schaffen, um tierisches Eiwei\u00df einzusparen. Technologische Entwicklungen werden gebraucht, wenn 3D-Drucker aus zuckerbasiertem Filament Fahrrad-Bremsen oder Prothesen herstellen, wenn Kaffeesatz High-Tech-Bio-Verbundstoffe erg\u00e4nzen oder Karbonfasern aus Holz Energie und Material im Geb\u00e4udebau einsparen sollen. Modifizierte Mikroorganismen k\u00f6nnten eines Tages den knappen Rohstoff Phosphor aus Kl\u00e4rschlamm herausl\u00f6sen und recyclen oder biologisch synthetisierte Textilfasern die Baumwollfelder entlasten, deren Monokulturen extreme Pestizidmengen abbekommen \u2013 die Zahl der Beispiele f\u00fcr bio\u00f6konomische Innovationen scheint grenzenlos. Doch angesichts einer Vielzahl von Zielkonflikten ist auch vielf\u00e4ltige Skepsis angebracht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vielzahl von Zielkonflikten<\/h3>\n\n\n\n<p>Allem voran steht die Konkurrenz um Fl\u00e4chen. Die Nachfrage nach pflanzlichen Rohstoffen steigt, wenn alles biologisch erzeugt werden soll. Doch Land ist begrenzt, fruchtbarer Boden ein nicht vermehrbares, \u00f6ffentliches Gut. Die Brisanz dieses Problems zeigte sich schon beim ersten Gro\u00dfversuch der Bio\u00f6konomie: Biosprit und Biogas. Sie erwiesen sich als Treiber illusion\u00e4rer Emissionsminderungsberechnungen um den Preis teils neokolonialen Landraubs und der Vertreibung vieler Kleinbauern und Indigener. Seit der \u201eTeller-Tank-Debatte\u201c vor 15 Jahren haben zwar einige politische Weichenstellungen den gro\u00dfdimensionierten Hype verlangsamt, etwa durch die Verringerung von Bioquoten beim Kraftstoff in der EU oder von F\u00f6rdergeldern f\u00fcr den Maisanbau. Biogas soll weniger und gezielter zum Einsatz kommen. Aber besonders Dieselkraftstoff aus Palm\u00f6l, auch Bioethanol aus Zuckerrohr f\u00fchren nach wie vor zur \u00dcbernutzung von W\u00e4ldern in Asien und Afrika durch die reichen L\u00e4nder.<\/p>\n\n\n\n<p>Bio\u00f6konomen versichern, k\u00fcnftig sollten deshalb vor allem Reststoffe und Abf\u00e4lle aus der landwirtschaftlichen Produktion energetisch und zunehmend auch stofflich genutzt werden. Aber die sind l\u00e4ngst ebenfalls hart umk\u00e4mpft. Au\u00dferdem: Was sind \u00fcberhaupt Abf\u00e4lle? Vieles von dem, was bei der Pflanzenproduktion \u00fcbrigbleibt, wird schon genutzt; Stroh zum Beispiel f\u00fcr den existenziellen Zweck, den Boden wieder lebendig und fruchtbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Landkonflikte, auch Spekulation mit Grund und Boden bleiben also nicht nur in Entwicklungsl\u00e4ndern ein Thema, sondern weltweit. Auch in Deutschland beschleunigt der Anstieg der Boden- und Pachtpreise Konzentrationsprozesse in l\u00e4ndlichen Regionen und damit soziale Erosion. Land wird immer teurer, nur noch gr\u00f6\u00dfere Betriebe k\u00f6nnen es sich leisten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.welthungerhilfe.de\/fileadmin\/_processed_\/9\/4\/csm_Fraunhofer_Agri_pv_Bodensee_9fe3b14201.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.welthungerhilfe.de\/fileadmin\/_processed_\/9\/4\/csm_Fraunhofer_Agri_pv_Bodensee_4ad3bb7df1.jpg\" alt=\"\" style=\"aspect-ratio:1.6878402903811252;width:760px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein Agri-PV-Projekt im deutschen Obstbau. Die Energiewende fordert Raum f\u00fcr Wind- und Solaranlagen. \u00a9 Fraunhofer ISE&nbsp;<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Neue Fl\u00e4chenanspr\u00fcche spitzen diese Lage sogar noch zu. Um B\u00f6den und Wasser zu schonen, oder sie zu erneuern, muss die Erzeugung von Lebensmitteln extensiver werden, doch \u00f6kologische Anbaumethoden und eine Viehzucht &nbsp;in Weidehaltung braucht mehr Land. Das Montreal-Abkommen fordert 30 Prozent der Fl\u00e4chen f\u00fcr den Naturschutz. Zugleich versiegeln St\u00e4dte die \u00c4cker mit Wohnungen, Gewerbegebieten und Stra\u00dfen. Die Energiewende fordert Raum f\u00fcr Windkraft- und Solaranlagen. Es soll immer mehr Holz von Plantagen verbaut werden. Wer also bekommt das Land? Die Gefahr ist gro\u00df, dass dabei nicht die \u00f6kologische und soziale Priorit\u00e4t z\u00e4hlt, sondern der Geldbeutel. Wenn pflanzliche Rohstoffe zum Beispiel eines Tages tats\u00e4chlich im gro\u00dfen Stil auch chemische Grundstoffe liefern sollen, d\u00fcrfte diese Industrie eher Zugriff haben als eine b\u00e4uerliche Genossenschaft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere ambivalente Triebkraft der Bio\u00f6konomie sind Big Data, Big Biotech und deren Verschmelzung. Pr\u00e4zisionslandwirtschaft lautet der Sammelbegriff f\u00fcr ihre Vision des &#8220;mehr aus weniger\u201c. Daten aus Satelliten und Sensoren sollen k\u00fcnftig auf dem Acker auf den Zentimeter genau erfassen, wo N\u00e4hrstoffe fehlen, wo sich Sch\u00e4dlinge tummeln oder Wasser gebraucht wird. So will man Wasser, D\u00fcnger, Chemie und Energie einsparen und B\u00f6den verbessern. Neue bio- und gentechnische Z\u00fcchtungsverfahren wie CrisprCas oder Gene Drive versprechen \u00fcberdies Sorten, die ebenfalls zielgenauer und billiger h\u00f6here Ertr\u00e4ge bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt an den zunehmend umstrittenen Pestiziden wollen gro\u00dfe Saatgut- und Chemiekonzerne mehr und mehr an solchen Wissenspaketen verdienen und mit Klima- und Bodendaten, darauf abgestimmten Saatgutsorten, agrochemischen oder biologischen Mitteln und am Computer berechneten Vorschl\u00e4gen f\u00fcr Anbausysteme Runduml\u00f6sungen f\u00fcr Ackerbau und Viehzucht verkaufen. Sie sind ohnehin stark konzentriert, nun flie\u00dfen ihre Interessen mit ebenfalls konzentrierten Landmaschinen- und Datenkonzernen in neuen Konglomerationen zusammen. Sie k\u00f6nnten einzeln wie konzertiert die Landnutzung machtvoll bestimmen. Dagegen muss sich ein agrar\u00f6kologischer Ansatz erst behaupten, der auf maximale Vielfalt setzt: Vielfalt der Betriebe, Vielfalt der Pflanzen und Lebewesen, Vielfalt der Landschaften und M\u00e4rkte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.welthungerhilfe.de\/fileadmin\/_processed_\/2\/4\/csm_Hightech-Traktor_cad05e6afc.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.welthungerhilfe.de\/fileadmin\/_processed_\/2\/4\/csm_Hightech-Traktor_f9a672f7d8.jpg\" alt=\"\" style=\"aspect-ratio:1.6878402903811252;width:754px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sensoren, Kameras, KI: ein Hightech-Traktor der US-Firma John Deere \u00a9 PR<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Robuste regulatorische Leitplanken<\/h3>\n\n\n\n<p>So zeigen nur einige Probleme und Risiken bei aller Faszination f\u00fcr neue M\u00f6glichkeiten: Die Bio\u00f6konomie muss feinf\u00fchlig politisch gesteuert werden, wenn sie den Druck auf die nat\u00fcrlichen Ressourcen nicht sogar noch erh\u00f6hen soll. Die Machtfrage klammern Regierungen in ihren Bekenntnissen zur Bio\u00f6konomie meist aus, doch es ist ein Fortschritt, dass sie alle anderen Probleme mittlerweile benennen. Auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bmel.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/_Internationales\/GFFA\/gffa-2025-kommunique-de.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">im Kommuniqu\u00e9 des GFFA<\/a>&nbsp;wird betont, dass gute soziale, \u00f6kologische und \u00f6konomische Ergebnisse des \u00dcbergangs zu Bio\u00f6konomien &#8220;nicht garantiert&#8221; und daher &#8220;robuste regulatorische Leitplanken&#8221; erfordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine dieser Leitplanken sind die Freiwilligen Leitlinien des Weltern\u00e4hrungsausschusses der FAO zu Landrechten, Nahrungsmittelsystemen und Ern\u00e4hrung. Auch Instrumente, die verantwortungsvolle Priorit\u00e4ten bei der Landnutzung sichern oder anreizen, g\u00e4be es in gro\u00dfer Zahl. Bei einem so breiten Thema sind sie naturgem\u00e4\u00df vielf\u00e4ltig und reichen von Versiegelungsbegrenzungen oder -verboten, Stickstoffabgaben oder Mehrwertsteuern auf den fl\u00e4chenfressenden Fleischkonsum \u00fcber Haftungsvorschriften bei neuen Z\u00fcchtungstechnologien bis zu F\u00f6rderpolitiken, die das ineffiziente und naturzerst\u00f6rerische Verheizen von Holz minimieren, oder bestimmte Bauweisen vorschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Oberstes Prinzip aller Politiken muss Food First sein, also das Menschenrecht auf eine ausreichende und gesunde Nahrung. Das sei auch Konsens, &#8220;eine politisch gesetzte Hierarchie, die sich in einer Vielzahl von internationalen politischen Dokumenten wiederfindet&#8221;, schreibt eine Gruppe von Wissenschaftlern und vormaligen Mitgliedern des mittlerweile abgeschafften deutschen Bio\u00f6konomierates&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/383980384_FoodFirst_-_Working_Paper\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">in einem Positionspapier<\/a>. Doch in der Wirklichkeit gebe es &#8220;wie f\u00fcr andere Hierarchisierungen&#8221; der Bio\u00f6konomie &#8220;noch keine Operationalisierung&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quelle neuen Wirtschaftswachstums?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ihr Fehlen r\u00fchrt auch daher, dass bei den meisten Bio\u00f6konomie-Strategien vor allem eine zus\u00e4tzliche Wertsch\u00f6pfung in technologisch angereicherten, neuen Wertsch\u00f6pfungsketten angestrebt wird. Bio\u00f6konomie wird als Quelle neuen Wirtschaftswachstums gesehen. Eines Wachstums, das nur emissions\u00e4rmer und effizienter erwirtschaftet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dieses &#8220;Mehr mit Weniger&#8221;, das letztlich einer h\u00f6heren Effizienz entspricht, reicht zumindest als alleinige Stellschraube meist nicht aus &#8211; weil sie zu sogenannten Rebound-Effekten f\u00fchrt. Das hei\u00dft: Das Geld, das man durch Einsparungen bei Energie oder Ressourcen verdient hat, wird auch wieder ausgegeben \u2013 und generiert dann neue Verbr\u00e4uche. Letztlich sto\u00dfen die meisten biobasierten Optionen daher auch an \u00f6konomisch bedingte Grenzen, zudem oft auch an zumindest mittelfristige Rentabilit\u00e4tsgrenzen oder solche der gesellschaftlichen Akzeptanz.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Wachstumsorientierung zeigt sich ein weiteres Risiko f\u00fcr die Nachhaltigkeit: Der Fokus der Bio\u00f6konomie auf technologische L\u00f6sungen verdr\u00e4ngt politische und soziale Nachhaltigkeits-Innovationen. Tempolimits oder neue flexible Mobilit\u00e4tssysteme etwa erfuhren allzu lange viel weniger Aufmerksamkeit als die Suche nach neuen Kraftstoffen. Die Suche nach neuen Materialien wird deutlich intensiver vorangetrieben als Konsumanreize f\u00fcr langlebige Produkte oder deren Nutzung durch Tauschen und Teilen. Andere Ern\u00e4hrungsgewohnheiten, allen voran der Verzicht auf Fleisch, werden erst seit kurzem ernsthaft vorangetrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Bio\u00f6konomie ist riskant, wenn sie \u2013 wie das Wirtschaften bisher \u2013 ausschlie\u00dflich oder auch nur vorrangig im Namen hoher Wachstumsraten betrieben wird, nur jetzt eben eines gr\u00fcnen Wachstums. Sie ist aber eine Chance, wenn sie eine neue Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr biologische Ressourcen weckt, gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit f\u00fcr deren Verschwendung und auch f\u00fcr intelligentere Nutzungsm\u00f6glichkeiten; wenn sie also Landnutzungs- und Wirtschaftsformen organisiert, die sich innerhalb dessen bewegen, was der d\u00e4nische Wissenschaftler Johan Rockstr\u00f6m als &#8220;sicheren Handlungsraum&#8221; f\u00fcr die Menschheit bezeichnet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Womit wir wieder beim Anfang w\u00e4ren, zur\u00fcck zu den 1980er Jahren: bei Georgescu-Roegens Bio\u00f6konomie der Bescheidenheit.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Alle in der Weltern\u00e4hrung ge\u00e4u\u00dferten Ansichten sind die der Autor*innen und spiegeln nicht zwangsl\u00e4ufig die Ansichten oder die Positionen der Weltern\u00e4hrungsredaktion oder der Welthungerhilfe wider.&nbsp;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bio\u00f6konomie: schon in den fr\u00fchen 80er Jahren beschrieben Wissenschaftler eine Wirtschaftsweise, die sich auf der Grundlage der Sonnenenergie in \u00f6kologische Grenzen f\u00fcgen sollte. 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