{"id":156064,"date":"2025-01-09T07:26:00","date_gmt":"2025-01-09T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=156064"},"modified":"2025-01-03T15:33:53","modified_gmt":"2025-01-03T14:33:53","slug":"besiedelung-des-mars-forscher-schlagen-beton-aus-blut-und-urin-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/besiedelung-des-mars-forscher-schlagen-beton-aus-blut-und-urin-vor\/","title":{"rendered":"Besiedelung des Mars: Forscher schlagen Beton aus Blut und Urin vor"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Auf dem\u00a0<a href=\"https:\/\/t3n.de\/tag\/mars\/\">Mars<\/a>\u00a0gibt es kein Wasser, nur eine Menge staubigen Bodens, der wissenschaftlich korrekt Regolith genannt wird. Das sind keine guten Voraussetzungen f\u00fcr die Errichtung erforderlicher Bauwerke f\u00fcr etwaige menschliche Kolonien. Wollte man etwa Ziegelsteine von der Erde zum Mars fliegen, w\u00fcrde das Sch\u00e4tzungen zufolge Kosten von zwei Millionen US-Dollar pro Stein nach sich ziehen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"930\" height=\"523\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/mars-simulation.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-156067\" style=\"aspect-ratio:1.7782026768642447;width:771px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/mars-simulation.jpg 930w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/mars-simulation-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/mars-simulation-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/mars-simulation-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/mars-simulation-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 930px) 100vw, 930px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Forscher finden ein Baumaterial, das Siedlungen auf dem Mars erm\u00f6glichen und Menschen vor der Strahlung sch\u00fctzen k\u00f6nnte. \u00a9 Nasa \/ JPL<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Jetzt glauben britische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine L\u00f6sung f\u00fcr das gravierende Problem, Baumaterialien auf den Mars zu bringen, gefunden zu haben. Dabei spielt einerseits das bereits genannte und im \u00dcberfluss vorhandene Regolith eine tragende Rolle. Die anderen wichtigen Elemente sind menschliches Blut und Urin.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"marsbeton-konnte-aus-blut-und-staub-entstehen\">Marsbeton k\u00f6nnte aus Blut und Staub entstehen<\/h3>\n\n\n\n<p>In einer Arbeit, die im Wissenschaftsblatt\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S2590006421000442\" target=\"_blank\">Materials Today Bio<\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht wurde, stellt das Team aus Manchester eine beton\u00e4hnliche Substanz namens \u201eAstrocrete\u201c vor. Der Name ist eine Mischung aus Astro(n), dem altgriechischen Wort f\u00fcr Stern, und Concrete, dem englischen Wort f\u00fcr Beton. Diesen Sternenbeton haben die Forschenden aus synthetischem Regolith (weil es bislang kein echtes Marsregolith auf der Erde gibt), menschlichem Blut und ebensolchem Urin angemischt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Funktionsprinzip ergibt sich ma\u00dfgeblich aus dem menschlichen Serum Albumin. Humanalbumin besteht aus nahezu 600 verschiedenen Aminos\u00e4uren und kommt im Plasma des menschlichen Blutes vor. Das Protein gerinnt, wenn ihm die Feuchtigkeit entzogen wird, und bildet auf diese Weise ein starkes Bindemittel. Im Gemisch mit Regolith kommt dabei eine feste, beton\u00e4hnliche Verbindung heraus, sobald das Albumin getrocknet ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"mit-urin-wirds-noch-fester\">Mit Urin wirds noch fester<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"600\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/800-3d-printedmarsbiocomposite.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-156066\" style=\"aspect-ratio:0.75;width:311px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/800-3d-printedmarsbiocomposite.jpg 450w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/800-3d-printedmarsbiocomposite-225x300.jpg 225w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/800-3d-printedmarsbiocomposite-113x150.jpg 113w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2025\/01\/800-3d-printedmarsbiocomposite-203x270.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">So sieht der Marsbeton aus. (\u00a9 Universit\u00e4t Manchester)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Wie die Forscher auf die Idee gekommen sind, der Versuchsanordnung noch menschlichen Urin beizuf\u00fcgen, ist unklar. Jedenfalls zeigte sich, dass das Beimengen von Harnstoff (Urea) die Standfestigkeit des Astrocrete um 300 Prozent erh\u00f6ht. Heraus kam ein matschig braunes St\u00fcck Astrocrete. Das Team verspricht, dass die Masse in jede beliebige Form gebracht und selbst f\u00fcr den 3D-Druck verwendet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Einsatzzweck sehen die Wissenschaftler:innen im Errichten einer Au\u00dfenhaut, die die den Mars besiedelnden Menschen vor der Strahlung des Planeten und den auf ihm h\u00e4ufig auftretenden schweren Staubst\u00fcrme sch\u00fctzen soll. Wonach die Masse nach ihrer Trocknung riechen k\u00f6nnte, haben die Forscher:innen nicht beschrieben. Wer auf dem Arbeitsweg durch Unterf\u00fchrungen muss, kann sich den Geruch sicherlich vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"mittelalterliches-baukonzept-wiederbelebt\">Mittelalterliches Baukonzept wiederbelebt<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Idee hinter Astrocrete ist nicht neu. Vielmehr ist \u00fcberliefert, dass bereits fr\u00fche chinesische und r\u00f6mische Baumeister Ochsen- und Schweineblut verwendet hatten, um den M\u00f6rtel zu festigen, aus dem sie ihre Siedlungen bauten. Entsprechend freut sich Studienleiter Dr. Aled Roberts: \u201eEs ist aufregend, dass eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen des Weltraumzeitalters seine L\u00f6sung auf der Grundlage von Inspirationen aus der mittelalterlichen Technologie gefunden haben k\u00f6nnte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.manchester.ac.uk\/discover\/news\/affordable-housing-in-outer-space-scientists-develop-cosmic-concrete-from-space-dust-and-astronaut-blood\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Roberts betont<\/a>, dass der Einsatz tierischen Albumins sicherlich die gleichen Ergebnisse zeigen w\u00fcrde. Nur g\u00e4be es eben zun\u00e4chst weder K\u00fche noch andere Nutztiere auf dem Mars.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rechnen damit, dass \u00fcber 500 Kilogramm hochfester Marsbeton im Laufe einer zweij\u00e4hrigen Mission auf der Marsoberfl\u00e4che von einer sechsk\u00f6pfigen Astronautencrew hergestellt werden k\u00f6nnten. In Anbetracht der Tatsache, dass ein Kubikmeter Beton zwischen 2.000 und 2.500 Kilogramm schwer ist, bed\u00fcrfte es auf diese Weise vieler Jahre, um nur kleinste Siedlungsanlagen zu errichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls m\u00fcsse nun daran geforscht werden, wie die dann doch recht erheblichen Mengen Blutes in f\u00fcr die Marssiedler unsch\u00e4dlicher Weise gezapft werden k\u00f6nnten. Dazu sollen weitere Untersuchungen stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Iranische Forscher:innen haben weitere Ideen untersucht<\/h3>\n\n\n\n<p>In einem Artikel, der zur Ver\u00f6ffentlichung in der Zeitschrift&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0094576524006301?via%3Dihub\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Acta Astronautica<\/a>&nbsp;angenommen wurde, untersucht ein Forschungsteam der Kharazmi-Universit\u00e4t im iranischen Teheran zudem zehn weitere Arten von Marsbeton oder -zement \u201eauf der Grundlage verf\u00fcgbarer Ressourcen und Technologien\u201c. Darunter befindet sich auch das eben beschriebene Astrocrete.<\/p>\n\n\n\n<p>Das finden auch die iranischen Forscher:innen \u00fcberaus spannend. Sie haben berechnet, dass ein einzelnes Besatzungsmitglied in nur 72 Wochen ausreichend Humanalbumin produzieren kann, um \u201eeinen kleinen Wohnraum f\u00fcr ein weiteres Besatzungsmitglied zu errichten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Um nicht allein auf Astrocrete zu setzen, schlagen die iranischen Wissenschaftler:innen zudem vor, die Marsoberfl\u00e4che nach Kalziumkarbonat abzusuchen, um eine Art Kalkm\u00f6rtel herzustellen. Alternativ k\u00f6nnten die reichlich vorhandenen Schwefelablagerungen auf der Oberfl\u00e4che des Planeten zur Herstellung von \u201eSchwefelbeton\u201c verwendet werden. Dabei handelt es sich um ein korrosionsbest\u00e4ndiges Material, das \u201ein salzigen und sauren Umgebungen eingesetzt werden kann\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem\u00a0Mars\u00a0gibt es kein Wasser, nur eine Menge staubigen Bodens, der wissenschaftlich korrekt Regolith genannt wird. 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Jetzt [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":156068,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Ein Forschungsteam der Universit\u00e4t Manchester macht einen schwei\u00dftreibenden Vorschlag: Menschliche Kolonien auf dem Mars k\u00f6nnten mit dem Blut der Menschen gebaut werden, die sie errichten","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[25455,25454,15464,22512,17665],"supplier":[25456,1191],"class_list":["post-156064","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bio-based","tag-albumine","tag-astrocrete","tag-baumaterialien","tag-biorohstoffe","tag-isolierung","supplier-kharazmi-university","supplier-university-of-manchester"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/156064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=156064"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/156064\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/156068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=156064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=156064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=156064"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=156064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}