{"id":151696,"date":"2024-10-09T07:32:00","date_gmt":"2024-10-09T05:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=151696"},"modified":"2024-10-02T14:26:12","modified_gmt":"2024-10-02T12:26:12","slug":"pilzmyzel-als-basis-fur-nachhaltige-produkte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/pilzmyzel-als-basis-fur-nachhaltige-produkte\/","title":{"rendered":"Pilzmyzel als Basis f\u00fcr nachhaltige Produkte"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.iap.fraunhofer.de\/de\/Pressemitteilungen\/2024\/pilzmyzel-als-basis-fuer-nachhaltige-produkte\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textwithinlinedimage\/imageComponent1\/image.img.4col.large.jpg\/1724923719635\/V3-IAP-Pressefoto-1890x1329.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.iap.fraunhofer.de\/de\/Pressemitteilungen\/2024\/pilzmyzel-als-basis-fuer-nachhaltige-produkte\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textwithinlinedimage\/imageComponent1\/image.img.jpg\/1724923719635\/V3-IAP-Pressefoto-1890x1329.jpg\" alt=\"Nachhaltig und biologisch abbaubar: Verpackungen aus Pilzmyzel\" style=\"aspect-ratio:1.4221218961625282;width:353px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nachhaltig und biologisch abbaubar: Verpackungen aus Pilzmyzel \u00a9 Fraunhofer IAP \/ Jadwiga Galties<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Pilze haben mehr zu bieten, als auf den ersten Blick erkennbar. Ihre fadenf\u00f6rmigen Zellen, die wie ein Wurzelgeflecht unsichtbar und gro\u00dffl\u00e4chig unter der Erde wachsen, bieten gro\u00dfes Potenzial, um nachhaltige, biologisch abbaubare Materialien herzustellen. Forschende am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Angewandte Polymerforschung IAP im Potsdam Science Park nutzen dieses Pilzmyzel, um damit unterschiedlichste, recycelbare Produkte zu entwickeln \u2013 vom Portemonnaie \u00fcber D\u00e4mmmaterialien bis hin zu Verpackungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein gew\u00f6lbter Hut, ein Stiel \u2013 so sehen f\u00fcr uns die meisten Pilze aus. Doch der gr\u00f6\u00dfte Teil des Organismus besteht aus einem Geflecht aus Zellf\u00e4den, dem Myzel, das sich meist unterirdisch ausbreitet und riesige Ausma\u00dfe annehmen kann. Dieses fein verzweigte Geflecht wurde bisher wenig genutzt. Doch f\u00fcr Forschende am Fraunhofer IAP in Potsdam ist das Pilzmyzel ein zukunftsweisender Rohstoff, der vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten bietet, erd\u00f6lbasierte Produkte durch nat\u00fcrliche Bio-Myzel-Komposite zu ersetzen. Als Substrat f\u00fcr die Pilzkulturen dienen organische Reststoffe aus der regionalen Land- oder Forstwirtschaft. In verschiedenen Projekten nutzen die Forscherinnen und Forscher myzelbasierte Materialien, um daraus etwa D\u00e4mmmaterialien, Verpackungen und tierfreie Erg\u00e4nzungen zu Lederprodukten herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"Myzelbasierte-Materialien-aus-regionalen-landwirtschaftlichen-Reststoffen\">Myzelbasierte Materialien aus regionalen, landwirtschaftlichen Reststoffen<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbAngesichts von Klimawandel und allm\u00e4hlich versiegenden fossilen Rohstoffquellen sind dringend biologisch abbaubare Materialien gefragt, die weniger energieintensiv produziert werden\u00ab, sagt <strong><a href=\"https:\/\/www.iap.fraunhofer.de\/de\/Projekte\/Materialien-aus-Pilzmyzel.html\">Dr. Hannes Hinneburg<\/a>, Wissenschaftler am Fraunhofer IAP.<\/strong> <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit seinem Team wandelt er mit Hilfe von Pilzmyzel \u2013 etwa von Speisepilzen oder Baumpilzen wie dem Austernseitling oder dem Zunderschwamm \u2013 lokal verf\u00fcgbare pflanzliche Reststoffe in nachhaltige Werkstoffe um. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbDas Myzel hat Eigenschaften, die sich f\u00fcr die Herstellung von umweltfreundlichen, energieeffizienten Materialien nutzen lassen, da das Wachstum der Pilze unter Umgebungsbedingungen stattfindet und CO<sub>2<\/sub>&nbsp;in den Reststoffen gespeichert bleibt. Bei der Zersetzung von Zellulose und anderen organischen Reststoffen bildet es ein verdichtetes dreidimensionales Netzwerk und kann somit eine selbsttragende Struktur aufbauen\u00ab, erkl\u00e4rt <strong>der Biotechnologe.<\/strong> <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das dabei entstehende Material ist eine komplexe Verbindung mit einem organischen Substrat wie Getreideresten, Holzsp\u00e4nen, Hanf, Schilf, Raps oder anderen landwirtschaftlichen Reststoffen. Diese Stoffe dienen dem Pilz als Nahrung und werden im Laufe des Stoffwechselvorgangs komplett von einem feinen Geflecht aus Myzel durchzogen. So entsteht ein rein organisches Verbundmaterial, das sich in eine gew\u00fcnschte Form bringen und durch thermische Behandlung stabilisieren l\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbZun\u00e4chst vermischt man Wasser mit landwirtschaftlichen Reststoffen wie Stroh, Hackschnitzeln und S\u00e4gesp\u00e4nen zu einer Masse. Nach der anschlie\u00dfenden Einstellung von Feuchtegrad und Partikelgr\u00f6\u00dfe und der darauffolgenden Hitzebehandlung zum Abt\u00f6ten konkurrierender Keime liegt das Substrat vor. Es bildet die Nahrung f\u00fcr die Pilze und wird mit dem Myzel vermischt. Nach einer Wachstumsphase von etwa zwei bis drei Wochen im Brutschrank entsteht aus der Mixtur \u2013 in Abh\u00e4ngigkeit von der Rezeptur und Prozessf\u00fchrung \u2013 ein leder\u00e4hnlicher Stoff oder ein Kompositmaterial, das sich weiterverarbeiten l\u00e4sst\u00ab, fasst <strong>der Forscher<\/strong> den Herstellungsvorgang zusammen. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Licht ist f\u00fcr diesen Vorgang nicht notwendig \u2013 ein Pluspunkt in Sachen Energieeffizienz.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.iap.fraunhofer.de\/de\/Pressemitteilungen\/2024\/pilzmyzel-als-basis-fuer-nachhaltige-produkte\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textwithinlinedimage\/imageComponent2\/image.img.4col.large.jpg\/1724923719635\/V2-IAP-Pressefoto-1890x1329.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.iap.fraunhofer.de\/de\/Pressemitteilungen\/2024\/pilzmyzel-als-basis-fuer-nachhaltige-produkte\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textwithinlinedimage\/imageComponent2\/image.img.jpg\/1724923719635\/V2-IAP-Pressefoto-1890x1329.jpg\" alt=\"\" style=\"aspect-ratio:1.4221218961625282;width:763px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Flexible Myzelmaterialien in unterschiedlicher Dicke k\u00f6nnen als Polstermaterial, D\u00e4mmplatte oder Lederalternative verwendet werden. <br>\u00a9 Fraunhofer IAP \/ Jadwiga Galties<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"Vielseitige-Anwendungen-Festigkeit-und-Elastizitaet-gezielt-einstellbar\">Vielseitige Anwendungen: Festigkeit und Elastizit\u00e4t gezielt einstellbar<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Pilzmaterialien lassen sich mit den unterschiedlichsten Eigenschaften z\u00fcchten \u2013 je nach Anwendung k\u00f6nnen sie strapazierf\u00e4hig, dehnbar, rei\u00dffest, dicht, elastisch, weich und fluffig oder offenporig sein. \u00dcber das Ergebnis entscheidet die Kombination von Pilzart und landwirtschaftlichen Reststoffen sowie variable Parameter wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit, aber auch die Dauer des Pilzwachstums beeinflusst das Endprodukt. Von dicken Bl\u00f6cken bis hin zu hauchd\u00fcnnen Schichten: Aufgrund der Vielseitigkeit des Materials kann es verschiedenste Formen annehmen, und in den unterschiedlichsten Einsatzszenarien zur Verwendung kommen. So k\u00f6nnen aus den pilzbasierten Stoffen Textilpolsterungen, Verpackungen, M\u00f6bel, Taschen oder D\u00e4mmplatten f\u00fcr den Innenausbau entstehen. Bei der Verwendung als Baustoff funktioniert der Pilz prim\u00e4r als biologischer Kleber \u2013 dabei werden unterschiedlichste organische Partikel \u00fcber das Myzel miteinander verbunden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbDie zahlreichen positiven Eigenschaften des Materials \u2013 es ist w\u00e4rmed\u00e4mmend, isolierend, feuchtigkeitsregulierend und brandbest\u00e4ndig \u2013 erm\u00f6glichen einen wichtigen Schritt in Richtung kreislauff\u00e4higes und klimapositives Bauen\u00ab, so <strong>Hinneburg<\/strong>, der aktuell unter anderem einen neuartigen Styroporersatz zur W\u00e4rmed\u00e4mmung entwickelt.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p> In einem weiteren Projekt arbeitet er gemeinsam mit dem Institut f\u00fcr Lebensmittel- und Umweltforschung e.V. und der Agro Saarmund e.G. daran, umweltfreundliche, myzelbasierte Verpackungsschalen aus Rest- und Rohstoffen der lokalen Land- und Forstwirtschaft herzustellen. Zusammen mit Designern entwickelte er zudem das Ausgangsmaterial f\u00fcr tierfreie Alternativen zu Lederprodukten wie Taschen und Portemonnaies. Aufgrund ihrer \u00e4hnlichen Haptik k\u00f6nnen die myzelbasierten Werkstoffe ihre Pendants aus Leder in bestimmten Bereichen erg\u00e4nzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"Aufbau-von-industrialisierten-Prozessen\">Aufbau von industrialisierten Prozessen<\/h3>\n\n\n\n<p>In Europa sind bisher nur wenige Firmen aktiv, die myzelbasierte Materialien f\u00fcr den kommerziellen Einsatz entwickeln. Herausforderungen liegen hierbei unter anderem im Zugang zu biogenen Reststoffen sowie in der Sicherstellung einer konstanten Produktqualit\u00e4t und der effizienten Aufskalierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier setzen die Forschenden mit einem neu entwickelten Rolle-zu-Rolle-Verfahren an, f\u00fcr das sie bereits einen Prototyp entwickelt haben. Diese Methode bietet erhebliche Vorteile gegen\u00fcber der herk\u00f6mmlichen Herstellung in Boxen und Regalsystemen: Einerseits stellen sie mit einer standardisierten, kontinuierlichen Produktion unter kontrollierten Prozessbedingungen (z.B. Temperatur und Feuchtigkeit) sicher, dass die myzelbasierten Produkte gleichbleibende Materialeigenschaften aufweisen. Andererseits k\u00f6nnen Ressourcen effizienter genutzt und die Produktion auf einen industrierelevanten Ma\u00dfstab skaliert werden. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbDies ist entscheidend, um den wachsenden Bedarf der Industrie nach nachhaltigen Materialien zu decken und um langfristig unabh\u00e4ngiger von Erd\u00f6l zu werden. Durch den Einsatz von innovativen Technologien wie k\u00fcnstlicher Intelligenz zur Optimierung der Kombination von Reststoffen und Pilzarten kann die Produktion zudem weiter optimiert werden\u00ab, so<strong> Hinneburg<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pilze haben mehr zu bieten, als auf den ersten Blick erkennbar. Ihre fadenf\u00f6rmigen Zellen, die wie ein Wurzelgeflecht unsichtbar und gro\u00dffl\u00e4chig unter der Erde wachsen, bieten gro\u00dfes Potenzial, um nachhaltige, biologisch abbaubare Materialien herzustellen. 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