{"id":150773,"date":"2024-09-23T07:23:00","date_gmt":"2024-09-23T05:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=150773"},"modified":"2024-09-17T14:57:36","modified_gmt":"2024-09-17T12:57:36","slug":"ungewohnliches-recycling-verfahren-kaffeesatz-kann-beton-stabiler-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ungewohnliches-recycling-verfahren-kaffeesatz-kann-beton-stabiler-machen\/","title":{"rendered":"Ungew\u00f6hnliches Recycling-Verfahren: Kaffeesatz kann Beton stabiler machen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Eine Tasse Kaffee am Morgen geh\u00f6rt f\u00fcr viele Deutsche zur t\u00e4glichen Routine. Laut Deutschem Kaffeeverband werden hierzulande im Schnitt etwa vier Tassen t\u00e4glich getrunken. Damit ist Kaffee das beliebteste Getr\u00e4nk in Deutschland &#8211; noch vor Bier oder Mineralwasser. Durch den hohen Kaffeekonsum landen allein in Deutschland jedes Jahr \u00fcber 20 Millionen Tonnen Kaffeesatz im M\u00fcll. Das entspricht etwa dem Gewicht von 2.000 Eifelt\u00fcrmen. Was also tun, mit der riesigen Menge an vermeintlichem Abfall?&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/09\/kaffee-stocksy-741340-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-150802\" style=\"aspect-ratio:1.499267935578331;width:407px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/09\/kaffee-stocksy-741340-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/09\/kaffee-stocksy-741340-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/09\/kaffee-stocksy-741340-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/09\/kaffee-stocksy-741340-768x512.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/09\/kaffee-stocksy-741340-400x267.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/09\/kaffee-stocksy-741340.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Forschende der <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0959652623034042\">RMIT Universit\u00e4t<\/a> im australischen Melbourne entwickelten eine innovative und umweltschonende Anwendung. Sie sammelten den Kaffeesatz aus \u00f6rtlichen Caf\u00e9s und untersuchten, ob dieser sich als Bausubstanz eignet. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Durch den Zusatz von hocherhitztem Kaffeesatz zu einer Betonmischung wurde diese um etwa ein Drittel stabiler. Die Ergebnisse der Studie <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0959652623034042\">erschienen bereits Mitte 2023 in der Fachzeitschrift &#8220;<em>Journal of Cleaner Production<\/em>&#8220;<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaffeesatz ist eigentlich eine wertvolle Ressource. Manche nutzen ihn als D\u00fcnger im Garten, andere als Peeling f\u00fcr eine geschmeidige Haut oder um l\u00e4stige Ger\u00fcche im Haus zu neutralisieren. Teilweise werden die \u00dcberreste der Kaffeeproduktion auch schon industriell verwertet, beispielsweise als N\u00e4hrstoffquelle bei der Zucht von Austernpilzen. Trotzdem landet der \u00fcberwiegende Anteil an Kaffeesatz immer noch im M\u00fcll und damit auf gro\u00dfen M\u00fclldeponien. Dort zersetzt sich der organische Abfall zu Methangas, einem Treibhausgas, das etwa 21-mal sch\u00e4dlicher ist als CO2. &#8220;Eine \u00f6kologische Herausforderung&#8221;, sagt Dr. Rajeev Roychand, Erstautor der Studie. Zusammen mit seinem Team experimentierte er damit, den Kaffeesatz als Zusatzstoff in Beton zu verwenden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"kaffeesatz-macht-beton-30-prozent-stabiler\">Kaffeesatz macht Beton 30 Prozent stabiler<\/h2>\n\n\n\n<p>Beton besteht aus Wasser, Sand, Kies und Zement. Die Forschenden ersetzten in Experimenten den enthaltenen Sand durch Kaffeesatz. Dieser konnte jedoch nicht direkt hinzugef\u00fcgt werden, da er sich mit der Zeit aufl\u00f6sen und das Baumaterial somit schw\u00e4chen w\u00fcrde. Stattdessen erhitzten die Forschenden den Kaffeesatz auf 350\u00b0C. Dabei zersetzten sich die organischen Molek\u00fcle und eine por\u00f6se, kohlenstoffreiche Asche entstand. Dieser Vorgang wird auch Pyrolyse genannt. Die Asche wurde dann dem Beton beigemischt, wodurch dieser etwa 30 Prozent stabiler als herk\u00f6mmlicher Beton wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die kommerzielle Verwendung von Kaffeesatz in Beton k\u00f6nnten so zuk\u00fcnftig auch gro\u00dfe Mengen an Sand eingespart werden. Dieser wird normalerweise aus Fl\u00fcssen und K\u00fcstenregionen gewonnen, mit &#8220;gro\u00dfen Auswirkungen auf die Umwelt&#8221;, sagt Professor Jie Li, Leiter der Studie. Weltweit werden j\u00e4hrlich 50 Milliarden Tonnen nat\u00fcrlicher Sand in Bauprojekten verwendet. &#8220;Mit einer Kreislaufwirtschaft k\u00f6nnten wir organische Abf\u00e4lle auf M\u00fclldeponien vermeiden und unsere nat\u00fcrlichen Ressourcen wie Sand schonen&#8221;, erkl\u00e4rt Li.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell untersuchen die Forschenden, ob ihr Kaffee-Beton auch langfristig belastbar bleibt. Beispielsweise testen sie, wie Frost-Tau-Zyklen oder eine Wasseraufnahme die Haltbarkeit des Betons beeinflussen. Zudem f\u00fchrt das Team zusammen mit Vertretern der Universit\u00e4t bereits Gespr\u00e4che mit mehreren Baufirmen und Betonherstellern \u00fcber die verschiedenen Einsatzm\u00f6glichkeiten ihres neuen Baumaterials. Mehrere Gemeinden, die mit der Entsorgung organischer Abf\u00e4lle k\u00e4mpfen, haben bereits gro\u00dfes Interesse an den Forschungsergebnissen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/image.geo.de\/35061990\/t\/av\/v3\/w960\/r0\/-\/carelle-mulawa-richards--rmit-university.jpg\" alt=\"Als erste kommerzielle Anwendung des Kaffee-Betons entstand ein Fu\u00dfg\u00e4ngerweg im australischen Gisborne\u00a0\" style=\"aspect-ratio:1.6666666666666667;width:785px;height:auto\" title=\"Recycling: Kaffeesatz kann Beton stabiler machen\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Als erste kommerzielle Anwendung des Kaffee-Betons entstand ein Fu\u00dfg\u00e4ngerweg im australischen Gisborne&nbsp;\u00a9 RMIT University<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Im Mai 2024 wurde im australischen Gisborne ein Fu\u00dfg\u00e4ngerweg mit der neuen Betonmischung gebaut. Hier muss sich der innovative Kaffee-Beton nun zum ersten Mal unter nat\u00fcrlichen Bedingungen beweisen. Die Forschenden sind optimistisch und planen bereits weitere kommerzielle Projekte mit der australischen BildGroup \u2013 einem Unternehmen f\u00fcr zivile Infrastruktur und Asphaltbelag.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Tasse Kaffee am Morgen geh\u00f6rt f\u00fcr viele Deutsche zur t\u00e4glichen Routine. Laut Deutschem Kaffeeverband werden hierzulande im Schnitt etwa vier Tassen t\u00e4glich getrunken. Damit ist Kaffee das beliebteste Getr\u00e4nk in Deutschland &#8211; noch vor Bier oder Mineralwasser. Durch den hohen Kaffeekonsum landen allein in Deutschland jedes Jahr \u00fcber 20 Millionen Tonnen Kaffeesatz im M\u00fcll. [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":150804,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Australische Forscher haben einen innovativen Weg gefunden, den Abfall der Kaffeeproduktion zu recyceln, indem sie ihn als nachhaltigen Zusatz zu Betonmischungen benutzt ","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[12423,23524,10608,21857,16531],"supplier":[13483],"class_list":["post-150773","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bio-based","tag-baumaterial","tag-biobeton","tag-biooekonomie","tag-kaffeesatz","tag-pyrolyse","supplier-rmit-university-melbourne-aus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150773","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=150773"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150773\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/150804"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=150773"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=150773"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=150773"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=150773"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}