{"id":148589,"date":"2024-07-25T07:32:00","date_gmt":"2024-07-25T05:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=148589"},"modified":"2024-07-19T13:45:30","modified_gmt":"2024-07-19T11:45:30","slug":"dr-anna-kerps-uber-landerubergreifendes-plastikrecycling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/dr-anna-kerps-uber-landerubergreifendes-plastikrecycling\/","title":{"rendered":"Dr. Anna Kerps \u00fcber l\u00e4nder\u00fcbergreifendes Plastikrecycling"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/presse-medien\/pressemitteilungen\/2024\/syschemiq-recycling\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textwithinlinedimage\/imageComponent1\/image.img.4col.large.jpg\/1721294700475\/anna-kerps-kunststoff.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/presse-medien\/pressemitteilungen\/2024\/syschemiq-recycling\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textwithinlinedimage\/imageComponent1\/image.img.jpg\/1721294700475\/anna-kerps-kunststoff.jpg\" alt=\"Dr. Anna Kerps, Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation\" style=\"aspect-ratio:1.3333333333333333;width:306px;height:auto\" title=\"Anna Kerps\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dr. Anna Kerps, Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation \u00a9 Fraunhofer UMSICHT<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Im <a href=\"https:\/\/www.syschemiq.eu\/\">Projekt Syschemiq<\/a> arbeiten seit rund anderthalb Jahren 21 Organisationen aus ganz Europa daran, Plastikrecycling in der trilateralen Region von Belgien, den Niederlanden und NRW zu verbessern. Dr. Anna Kerps, Abteilung Nachhaltigkeit und Partizipation bei Fraunhofer UMSICHT, erkl\u00e4rt im Interview, wie sich Systeme f\u00fcr das Sammeln, Sortieren und die Vorbehandlung von Plastik optimieren lassen, wie das Bewusstsein in der Gesellschaft f\u00fcr das Thema erh\u00f6ht werden soll und warum \u00d6kobilanzierungen so wichtig f\u00fcr das Design for Recycling sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gibt es erste Ergebnisse, \u00fcber die du berichten kannst?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Anna Kerps:&nbsp;<\/strong>Wir (Mitarbeitende von Fraunhofer UMSICHT) haben eine umfangreiche Recherche zur aktuellen Sortiertechnik in Deutschland durchgef\u00fchrt. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Anlagenkapazit\u00e4ten und die Technik teilweise gro\u00dfe Unterschiede aufweisen. So weisen Studien darauf hin, dass derzeit beispielsweise nur ca. 19% aller Anlagen schwarze Kunststoffe sortieren k\u00f6nnen. Auch Polystyrol als Monofraktion wird nicht in allen Anlagen als separate Fraktion abgetrennt. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind, dass die Anlagen nat\u00fcrlich \u00fcber viele Jahre betrieben werden und nicht alle dem gleichen Stand der Technik entsprechen. Das ist f\u00fcr eine einheitliche Untersuchung von Verbesserungsm\u00f6glichkeiten der Sammlung und Sortierung nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie geht ihr mit dieser Herausforderung im Projekt um?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Anna Kerps:&nbsp;<\/strong>Wir haben diese Herausforderungen systematisch erfasst und anschlie\u00dfend mit den Projektpartnern bewertet. In unserem Syschemiq-Expertenteam haben wir daraus eine Top 10 Liste mit Ideen entwickelt, wie die Sammlung, Sortierung und Vorbehandlung von Kunststoffen verbessert werden k\u00f6nnen. Beispiele sind eine Verbesserung der Trennung und Identifikation von schwarzen Kunststoffen, verbesserte Abfallsammelsysteme in der trilateralen Region, neue Analysetechniken an den Abfallsammelstellen vor Ort oder die Integration von KI-Technologien in der Sortierung, um die Qualit\u00e4t des Recycling-Inputs zu verbessern. Diese Ideen werden in weitere Arbeitspakete gespeist, die sich z.B. mit dem Design und der Entwicklung einer neuen Sortieranlage besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie sehen die Sammel- und Sortiersysteme von Verpackungen in den drei L\u00e4ndern denn \u00fcberhaupt aus?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Anna Kerps:&nbsp;<\/strong>Wenn wir \u00fcber die Landesgrenzen der trilateralen Region schauen, sind die Sammel- und Sortierpraktiken teilweise noch unterschiedlicher als innerhalb Deutschlands. In allen drei genannten L\u00e4ndern \u2013 Deutschland, Niederlande und Belgien \u2013 gibt es ein System zur erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) f\u00fcr Haushaltsabf\u00e4lle. Diese Systeme verpflichten die Hersteller und Importeure von Verpackungen dazu, die Kosten f\u00fcr die Sammlung, Sortierung und das Recycling der Verpackungen zu tragen. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend es in Deutschland verschiedene produktverantwortliche Organisationen (die Dualen Systeme) gibt, die um Marktanteile konkurrieren, gibt es in den Niederlanden und Belgien jeweils nur eine verantwortliche Organisation f\u00fcr Haushaltsabf\u00e4lle. Die Hausm\u00fcllsammelsysteme in Belgien und Deutschland sind sehr einheitlich, w\u00e4hrend sie in den Niederlanden stark fragmentiert und lokal unterschiedlich sind. Das bedeutet, dass in den Niederlanden die Sammlung an der Quelle und\/oder nach der Trennung in den einzelnen Gemeinden unterschiedlich sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl Deutschland als auch die Niederlande wenden Pfandsysteme f\u00fcr PET-Flaschen und Metalldosen an. Das System in Deutschland ist das fortschrittlichste und umfasst auch Einweg-Plastikverpackungen f\u00fcr Getr\u00e4nke. In Belgien gibt es kein solches System, aber es wird \u00fcber die Einf\u00fchrung eines PET-Pfandsystems diskutiert, das m\u00f6glicherweise im Jahr 2025 eingef\u00fchrt werden soll. In Bezug auf gewerbliche und industrielle Abf\u00e4lle ist Belgien das einzige Land in der trilateralen Region, das ein EPR-System eingef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kontinuierliche Entwicklung innerhalb der Sortierung von Verpackungsabf\u00e4llen hat zu immer fortschrittlicheren Technologien in allen drei L\u00e4ndern gef\u00fchrt, die immer st\u00e4rker automatisiert sind und immer schneller und genauer arbeiten. Dies f\u00fchrt zu h\u00f6heren Mengen und Ausbeuten sortierter Verpackungsabf\u00e4lle, die mit h\u00f6herer Effizienz zu hochwertigeren Str\u00f6men verarbeitet werden k\u00f6nnen. Betrachtet man die drei Regionen, so hinkt Belgien bei der Sortierkapazit\u00e4t noch ein wenig hinterher. Allerdings wird die Kapazit\u00e4t in den letzten Jahren durch den Bau von f\u00fcnf neuen Anlagen mit modernster Ausr\u00fcstung zeitnah gesteigert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie geht ihr vor, um das Bewusstsein der B\u00fcrger f\u00fcr Recyclingkonzepte zu erh\u00f6hen?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Anna Kerps:&nbsp;<\/strong>Die richtige Sammlung und Sortierung von Verpackungsabf\u00e4llen beginnen schon bei den Verbrauchern und Verbraucherinnen. Nur wenn diese die Abf\u00e4lle teilweise richtig vorsortieren, d.h. in recyclingf\u00e4hige Bestandteile zerlegen, zum Beispiel den Aluminiumdeckel vom Joghurtbecher komplett vom Kunststoffbecher abziehen, k\u00f6nnen diese mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in den Sortieranlagen getrennt erfasst und den richtigen Fraktionen zugeordnet werden. Im Arbeitspaket \u00bbCity and Learning Labs\u00ab (gemeinschaftsbasierte Engagement-Programme) wird unter anderem eine Wissensbasis geschaffen, um die Mobilisierung der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu erleichtern. Durch Sensibilisierungsprogramme f\u00fcr umweltbewusste Verbraucher soll das Bewusstsein rund um die richtige Trennung und Erfassung von Kunststoffen gesteigert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite arbeiten wir in einem weiteren Arbeitspaket an neuen Designfor Recycling-Konzepten. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Verpackungsl\u00f6sungen, die nicht nur innovativ, sondern auch nachhaltig sind, und bereits durch das richtige Design ein sp\u00e4teres Recycling erleichtern. Bleiben wir beim Joghurtbecher aus Kunststoff mit einem Aluminiumdeckel: Wir entwickeln und untersuchen M\u00f6glichkeiten, diese Aluminiumdeckel durch einen Kunststoffdeckel aus dem gleichen Material wie den Becher zu ersetzen. So k\u00f6nnen Becher und Deckel gemeinsam entsorgt, sortiert und recycelt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Herausforderungen ergeben sich f\u00fcr das Design for Recycling und f\u00fcr die entsprechenden \u00d6kobilanzierungen?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Anna Kerps:&nbsp;<\/strong>Die grundlegende Vergleichsgr\u00f6\u00dfe in jeder \u00d6kobilanz ist die funktionelle Einheit. Alle Umweltwirkungen werden auf diese Gr\u00f6\u00dfe bezogen. Damit wir nicht \u00c4pfel mit Birnen vergleichen, m\u00fcssen wir stets pr\u00fcfen, ob Design\u00e4nderungen auch zu \u00c4nderungen der funktionalen Eigenschaften einer Verpackung f\u00fchren. Verschlechtert sich beispielsweise durch ein recyclinggerechtes Design die Haltbarkeit des Produkts, kann dies zu Lebensmittelverlusten f\u00fchren. Auch wenn unser Fokus auf der Verpackung liegt, sollten wir Lebensmittelverluste stets vermeiden, da damit in der Regel deutlich h\u00f6her Umweltwirkungen einhergehen. Die Verpackung muss in erster Linie ihre Schutzfunktion, z.B. vor Verderb, erf\u00fcllen. Wir m\u00fcssen also immer das Gesamtsystem im Blick haben und m\u00f6gliche negative Wechselwirkungen bedenken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche n\u00e4chsten Schritte sind geplant?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Anna Kerps:&nbsp;<\/strong>Am Ende des Projekts ist es das Ziel, eine vollst\u00e4ndige systemische Demonstration eines ganzheitlichen verbesserten Kunststoffrecyclings in der trilateralen Region aufzuzeigen. Durch den Multi-Stakeholder Ansatz decken wir die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette ab und schaffen so eine Grundlage, die auch in andere Regionen in Europa \u00fcbertragbar sein kann. Schon heute zeigt das Projekt, dass die Vernetzung der Partner im Projekt ihre ersten Fr\u00fcchte zeigt. Die j\u00e4hrlichen Treffen des Gesamtkonsortiums sind immer mein Highlight im Projekt. Die Atmosph\u00e4re dort ist einfach gro\u00dfartig, weil alle ein gemeinsames Ziel haben und L\u00e4ndergrenzen dabei keine Rolle spielen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Projekt Syschemiq arbeiten seit rund anderthalb Jahren 21 Organisationen aus ganz Europa daran, Plastikrecycling in der trilateralen Region von Belgien, den Niederlanden und NRW zu verbessern. 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