{"id":146162,"date":"2024-06-20T07:05:00","date_gmt":"2024-06-20T05:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=146162"},"modified":"2024-06-18T15:34:23","modified_gmt":"2024-06-18T13:34:23","slug":"gemuse-nimmt-chemische-stoffe-aus-autoreifen-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gemuse-nimmt-chemische-stoffe-aus-autoreifen-auf\/","title":{"rendered":"Gem\u00fcse nimmt chemische Stoffe aus Autoreifen auf"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"817\" height=\"467\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/fb18dd92f5.jpeg\" alt=\"Chemische Stoffe aus Autoreifen gelangen durch atmosph\u00e4rische Ablagerung, Bew\u00e4sserung mit aufbereitetem Abwasser und die Verwendung von Kl\u00e4rschlamm als D\u00fcnger in die Landwirtschaft. Dort werden sie von Pflanzen aufgenommen und k\u00f6nnen in die Nahrungskette geraten\" class=\"wp-image-146164\" style=\"aspect-ratio:1.7494646680942185;width:415px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/fb18dd92f5.jpeg 817w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/fb18dd92f5-300x171.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/fb18dd92f5-150x86.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/fb18dd92f5-768x439.jpeg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/fb18dd92f5-400x229.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 817px) 100vw, 817px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Chemische Stoffe aus Autoreifen gelangen durch atmosph\u00e4rische Ablagerung, Bew\u00e4sserung mit aufbereitetem Abwasser und die Verwendung von Kl\u00e4rschlamm als D\u00fcnger in die Landwirtschaft. Dort werden sie von Pflanzen aufgenommen und k\u00f6nnen in die Nahrungskette geraten. \u00a9 Pexels \/ Kai Pilger<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Autoreifen enthalten hunderte von chemischen Additiven, die sich aus ihnen herausl\u00f6sen k\u00f6nnen. So gelangen sie in Nutzpflanzen und anschlie\u00dfend in die Nahrungskette. Forscher*innen des Zentrums f\u00fcr Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft der Universit\u00e4t Wien haben nun erstmals chemische R\u00fcckst\u00e4nde aus Reifenabrieb in Blattgem\u00fcse nachgewiesen. Die Konzentrationen waren zwar gering, der Nachweis dennoch eindeutig. Ein Befund, der etwa auch f\u00fcr Medikamentenr\u00fcckst\u00e4nde in pflanzlichen Nahrungsmitteln bekannt ist. <a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/articles\/10.3389\/fenvs.2024.1384506\/full\">Die Studie erschien in der international renommierten Fachzeitschrift <em>Frontiers in Environmental Science<\/em>.<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass in kommerziell verkauftem Obst und Gem\u00fcse R\u00fcckst\u00e4nde aus Medikamenten vorhanden sind, ist wissenschaftlich schon vielfach untersucht. Aber auch chemische Stoffe aus Reifenabrieb, sogenannte Additive, finden ihren Weg in die Nahrungskette. Das hat die neue Studie eines internationalen Forschungsteams unter Leitung des Zentrums f\u00fcr Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft der Universit\u00e4t Wien (CeMESS) um Thilo Hofmann in Zusammenarbeit mit der Hebrew University of Jerusalem um Benny Chefetz nun gezeigt. Untersucht wurde Gem\u00fcse aus der Schweiz und Israel. Reifenadditive werden so \u00fcber die Nahrung aufgenommen. Manche dieser Stoffe und deren Transformationsprodukte k\u00f6nnen \u00f6kologische und toxikologische Risiken darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Autoreifen bestehen aus einer komplexen Mischung von Materialien, die ihre Leistung und Haltbarkeit verbessern. Hierzu geh\u00f6ren 5-15% chemische Additive, welche hunderte von Substanzen umfassen, zum Beispiel Antioxydanzien, Antiozonierungsmittel, Vulkanisierungmittel, Antialterungsmittel und viele mehr, um die vielseitigen Eigenschaften eines modernen Reifens zu erm\u00f6glichen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8220;Die Toxizit\u00e4t von Reifen- und Stra\u00dfenabriebpartikeln h\u00e4ngt mit ihren organischen Zusatzstoffen, den Additiven, und den damit verbundenen Umwandlungsprodukten zusammen&#8221;, erkl\u00e4rt <strong>Anya Sherman, Doktorandin am CeMESS und Erstautorin der aktuell ver\u00f6ffentlichten Studie<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die aus Autoreifen gewonnenen Verbindungen gelangen durch atmosph\u00e4rische Ablagerung, Bew\u00e4sserung mit aufbereitetem Abwasser und die Verwendung von Kl\u00e4rschlamm als D\u00fcnger in die Landwirtschaft. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8220;Dort k\u00f6nnen sie von Pflanzen aufgenommen werden und so auch den Menschen erreichen&#8221;, f\u00fcgt <strong>Thilo Hofmann hinzu, Leiter der Forschungsgruppe<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">R\u00fcckst\u00e4nde des Reifenabriebs in Blattgem\u00fcse aus dem Supermarkt<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"747\" height=\"467\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/1ffb0bdc62-edited-2.jpeg\" alt=\"Im &quot;Setup Lab&quot; sieht man den ersten Schritt der Probenverarbeitung. Die Proben wurden in Lebensmittelgesch\u00e4ften in der Schweiz gekauft und dann tiefgek\u00fchlt an die Wissenschafter*innen verschickt. Sie wurden erst gefriergetrocknet (um Wasser zu entfernen) und dann im Labor extrahiert, bevor wir sie mit Fl\u00fcssigchromatographie-Massenspektrometrie gemessen haben.\" class=\"wp-image-146168\" style=\"aspect-ratio:1.7494646680942185;width:1008px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/1ffb0bdc62-edited-2.jpeg 747w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/1ffb0bdc62-edited-2-300x188.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/1ffb0bdc62-edited-2-150x94.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/06\/1ffb0bdc62-edited-2-400x250.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 747px) 100vw, 747px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abb. 1: Im &#8220;Setup Lab&#8221; sieht man den ersten Schritt der Probenverarbeitung. Die Proben wurden in Lebensmittelgesch\u00e4ften in der Schweiz gekauft und dann tiefgek\u00fchlt an die Wissenschafter*innen verschickt. Sie wurden erst gefriergetrocknet (um Wasser zu entfernen) und dann im Labor extrahiert, bevor wir sie mit Fl\u00fcssigchromatographie-Massenspektrometrie gemessen haben. \u00a9 Anya Sherman, Zentrum f\u00fcr Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Schlie\u00dflich rechneten die Forscher*innen die Messwerte aus dem Gem\u00fcse auf die Aufnahme dieser Stoffe mit der Nahrung hoch. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8220;Wir haben auf Basis dessen, was Menschen in der Schweiz und Israel essen, die Aufnahme pro Tag berechnet&#8221;, erz\u00e4hlt <strong>Sherman<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p> Die Konzentrationen der Reifenadditive im Blattgem\u00fcse sind insgesamt gering und liegen zum Beispiel bei 238 ng\/kg f\u00fcr Benzothiazol (BTZ), oder 0,4 ng\/kg f\u00fcr 6PPD, ein Stoff, dessen Transformationsprodukt 6PPD-Quinone eine hohe Toxizit\u00e4t zeigt. Dies f\u00fchrt dann je nach Di\u00e4t zu einer t\u00e4glichen Aufnahme pro Person von 12 bis 1.296 ng f\u00fcr BTZ, oder 0.06 bis 2.6 ng f\u00fcr 6PPD. Das ist in der Gr\u00f6\u00dfenordnung vergleichbar mit Medikamentenr\u00fcckst\u00e4nden, die ebenfalls auf Umwegen in die Nahrungskette gelangen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die Studie zeige, so<strong> Thilo Hofmann<\/strong>, deutliche Ergebnisse: &#8220;W\u00e4hrend die Konzentrationen und t\u00e4gliche Aufnahme zum Gl\u00fcck relativ gering sind, findet man dennoch Stoffe aus Autoreifen in der Nahrung. Da geh\u00f6ren sie nicht hin.&#8221; Als n\u00e4chste Schritte sollten nun laut Hofmann die gesundheitlichen Aspekte untersucht werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von der Stra\u00dfe, auf die Pflanze, in den K\u00f6rper<\/h3>\n\n\n\n<p>Bereits im Jahr 2023 konnten die Wissenschafterinnen zeigen, dass Additive aus Autoreifen prinzipiell von Pflanzen aufgenommen werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8220;Die Frage war jedoch, ob dies nur in unserer mechanistischen Laborstudie passiert, oder auch im Freiland&#8221;, erkl\u00e4rt <strong>Erstautorin Anya Sherman<\/strong>. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Daher analysierten die Wiener Umweltwissenschafterinnen nun in der aktuellen Studie, ob Salatpflanzen die von Reifenabrieb abgebebenen Chemikalien unter nat\u00fcrlichen Wachstumsbedingungen aufnehmen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8220;Dazu haben wir echte Proben aus dem Supermarkt in der Schweiz sowie Feldgem\u00fcse aus Israel untersucht&#8221;, erkl\u00e4rt <strong>Thilo Hofmann<\/strong> den Hintergrund der aktuell ver\u00f6ffentlichten Studie.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das internationale Forscher*innenteam analysierten mittels hochaufl\u00f6sender Massenspektrometrie die Proben auf insgesamt sechzehn reifenassoziierte Verbindungen. Ursprungl\u00e4nder der Blattgem\u00fcse in den Schweizer Proben aus dem Supermarkt waren Italien, Spanien sowie die Schweiz. In den israelischen Proben Feldgem\u00fcse aus Israel direkt nach der Ernte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Originalpublikation<\/h3>\n\n\n\n<p>&#8220;Uptake of Tire-Derived Compounds in Leafy Vegetables and Implications for Human Dietary Exposure&#8221;, Anya Sherman, Luzian E. H\u00e4mmerle, Evyatar Ben Mordechay, Benny Chefetz, Thorsten H\u00fcffer, Thilo Hofmann; <em>Frontiers in Environmental Science<\/em> (2024); DOI: <a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/articles\/10.3389\/fenvs.2024.1384506\/full\">10.3389\/fenvs.2024.1384506<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autoreifen enthalten hunderte von chemischen Additiven, die sich aus ihnen herausl\u00f6sen k\u00f6nnen. So gelangen sie in Nutzpflanzen und anschlie\u00dfend in die Nahrungskette. Forscher*innen des Zentrums f\u00fcr Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft der Universit\u00e4t Wien haben nun erstmals chemische R\u00fcckst\u00e4nde aus Reifenabrieb in Blattgem\u00fcse nachgewiesen. Die Konzentrationen waren zwar gering, der Nachweis dennoch eindeutig. 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