{"id":145053,"date":"2024-06-04T07:23:00","date_gmt":"2024-06-04T05:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=145053"},"modified":"2024-05-28T13:29:59","modified_gmt":"2024-05-28T11:29:59","slug":"umweltpolitische-fehlsteuerung-zu-gunsten-der-papierverbunde-recyclingfahigkeit-muss-vorrang-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/umweltpolitische-fehlsteuerung-zu-gunsten-der-papierverbunde-recyclingfahigkeit-muss-vorrang-haben\/","title":{"rendered":"Umweltpolitische Fehlsteuerung zu Gunsten der Papierverbunde \u2013 Recyclingf\u00e4higkeit muss Vorrang haben"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Die\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/gvmonline.de\/\" target=\"_blank\">GVM Gesellschaft f\u00fcr Verpackungsforschung<\/a>\u00a0hat im Auftrag der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen untersucht, wie sich monet\u00e4re Lenkungsma\u00dfnahmen wie eine Plastiksteuer auf den Trend zu kunststoffbeschichteten Papierverpackungen auswirken w\u00fcrden. Das Ergebnis ist eindeutig: Durch eine Steuer, die nur f\u00fcr Plastik erhoben wird, w\u00fcrden Papierverbunde bevorteilt und damit die Abfallmengen zu- und die Kreislauff\u00fchrung von Verpackungen abnehmen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Drei Gr\u00fcnde f\u00fcr den Trend zu immer mehr Papierverbunden<\/h2>\n\n\n\n<p>Laut GVM liegen mit Kunststoff beschichtete Papierverpackungen im Trend. Die Verpackungsmarktforscher gehen davon aus, dass sich ihr Verbrauch in Deutschland bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2020 mehr als verdoppeln wird, von 241.000 Tonnen auf knapp 600.000 Tonnen. Damit w\u00e4chst dieses Marktsegment&nbsp;<a href=\"https:\/\/newsroom.kunststoffverpackungen.de\/2023\/06\/16\/94-weniger-co2-bei-verpackungsaufkommen-2045-moeglich\/\">entgegen dem generell in Deutschland abnehmendem Verbrauch von Verpackungen<\/a>. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind die landl\u00e4ufige Meinung, Papierverpackungen seien \u201c\u00f6kologischer\u201d, und die von Verbrauchern bevorzugte Haptik von Papierverbunden. Au\u00dferdem spielen nach Einsch\u00e4tzung der GVM auch finanzielle Aspekte eine Rolle, denn Papierverbunde w\u00fcrden in erheblichem Ma\u00dfe f\u00e4lschlich als Papier-Monoverpackungen bei dualen Systemen beteiligt und seien dann in der Beteiligung um den Faktor 6 kosteng\u00fcnstiger.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Auswirkungen einer \u201ePlastiksteuer\u201c und Alternativen dazu<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieser Trend w\u00fcrde sich durch eine Steuer ausschlie\u00dflich auf den Kunststoffanteil bei Verpackungen (\u201ePlastiksteuer\u201c) weiter verst\u00e4rken. Die Experten der GVM erwarten f\u00fcr diesen Fall eine Mengensteigerung der j\u00e4hrlich verbrauchten Papierverbunde auf \u00fcber 700.000 Tonnen. Aus Sicht der GVM ist es folglich ein eklatanter Fehler, eine Verpackungssteuer einzuf\u00fchren, welche Papierverbunde auf Kosten von Kunststoffverpackungen lenkungspolitisch bevorteilen w\u00fcrde. Sinnvoller sei beispielsweise eine Steuer, die auf alle Verpackungsmaterialien basierend auf der Recyclingf\u00e4higkeit der Verpackung erhoben w\u00fcrde. Auch diese Variante haben die Experten untersucht. Durch eine solche Steuer w\u00fcrden schlecht recyclingf\u00e4hige Verpackungen verteuert und der Trend zu Verbundmaterialien stark gebremst \u2013 mit positiven Effekten f\u00fcr den Gesamtverpackungsmarkt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Papierverbund oft schwerer und schlechter zu recyceln<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Verbrauch an systembeteiligungspflichtigen Kunststoffverpackungen wird nach GVM-Prognose bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um 23% gegen\u00fcber 2022 sinken, wovon ein R\u00fcckgang von 190.000 Tonnen auf die Substitution durch Papierverbunde entfalle. Anders als viele Verbraucher denken, steigt durch die Substitution aber der Verpackungsabfall, und die Recyclingf\u00e4higkeit sinkt. Ursachen hierf\u00fcr sind die Vergleichs-Parameter Materialeffizienz und Recyclingf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunststoffverpackungen sind in 79% der untersuchten F\u00e4lle leichter als ihre Pendants aus Papierverbunden. Auch sind rund zwei Drittel der systembeteiligungspflichtigen Kunststoffverpackungen zu mehr als 95% recyclingf\u00e4hig. Im Vergleich dazu weisen etwa 60% der Papierverbunde eine\u00a0<a href=\"https:\/\/dein-kunststoff.de\/r-cycle-recyclingquote-erhoehen\/\">Recyclingf\u00e4higkeit<\/a>\u00a0von weniger als 90% auf. Au\u00dferdem sind Papierverbunde pro Kilogramm F\u00fcllgut deutlich schwerer als Kunststoffverpackungen, was zu einer Steigerung des Abfallaufkommens um 35 bis 40% bei der Substitution f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die IK appelliert daher unver\u00e4ndert an Politik, Industrie und Handel, die eigentlichen Umweltziele nicht aus dem Auge zu verlieren und \u00f6kologische Fakten als Basis der Entscheidungsfindung zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4 Fragen an Kurt Sch\u00fcler<\/h3>\n\n\n\n<div style=\"height:8px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sie dokumentieren in der Studie einen klaren Trend zu Papierverbunden. Was kritisieren Sie daran?<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"563\" height=\"727\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-28-um-12.28.13.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-145143\" style=\"aspect-ratio:0.7744154057771664;width:167px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-28-um-12.28.13.png 563w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-28-um-12.28.13-232x300.png 232w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-28-um-12.28.13-116x150.png 116w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-28-um-12.28.13-209x270.png 209w\" sizes=\"auto, (max-width: 563px) 100vw, 563px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kurt Sch\u00fcler \u00a9 IK Kunststoffverpackungen<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Wenn Papierverbunde marktvermittelt gegen\u00fcber Alternativen wie Kunststoff- oder Aluminiumverpackungen Marktanteile gewinnen, kritisiere ich daran \u00fcberhaupt nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Problem habe ich damit, wenn umweltpolitische Fehlsteuerungen Papierverbunden einen ungerechtfertigten Vorteil verschaffen. Eine solche Fehlsteuerung ist z.B., dass ein Gro\u00dfteil der Papierverbunde an dualen Systemen als kosteng\u00fcnstiges Papier-Monomaterial beteiligt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die seit 2023 in Deutschland geltende Mehrwegangebotspflicht f\u00fcr die Take-away-Gastronomie wirkt offenkundig stark zu Gunsten der Papierverbunde. Das allgegenw\u00e4rtige Klima des Kunststoff-Bashings wirkt ebenfalls in diese Richtung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Auswirkungen h\u00e4tte eine Plastiksteuer auf diesen Trend?<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine Verpackungssteuer, die ausschlie\u00dflich Kunststoffverpackungen trifft, w\u00fcrde diesen Trend stark verst\u00e4rken. Das gilt insbesondere im Bereich der Gastronomieverpackungen und Serviceverpackungen. Hier verteuert die Steuer die Verpackung eins zu eins und die einsetzenden Betriebe sind sehr preisgetrieben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Alternativen wurden untersucht?<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir haben noch untersucht, wie sich Verpackungssteuern auswirken, die nicht nur Kunststoff p\u00f6nalisieren. W\u00fcrde sich z.B. die Steuer nach der Recyclingf\u00e4higkeit der Verpackungen bemessen lassen, so w\u00fcrden Papierverbunde schlechter dastehen.&nbsp;Weil Papierverbunde eben in vielen konkreten Verpackungsl\u00f6sungen nicht oder nur zum Teil recyclingf\u00e4hig sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch eine materialneutrale Steuer, die sich am CO2-Aussto\u00df orientiert oder an der Gesamtmasse der Verpackung, w\u00fcrde Papierverbunde nicht einseitig bevorteilen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was sind Ihre konkreten Empfehlungen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich beantworte das mal als Volkswirt. Wir m\u00fcssen aufpassen, dass wir in Deutschland und Europa eine leistungsf\u00e4hige Industrie erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen w\u00e4re es aus meiner Sicht die beste L\u00f6sung, auf jede vermeidbare Lenkungsma\u00dfnahme wie die Verpackungsteuer zu verzichten und uns stattdessen auf die Energiewende fokussieren. Sonst m\u00fcssen wir uns im kommenden Jahrzehnt Gedanken machen, wie wir Produzenten in Pakistan, Indien oder China mit abfallpolitischen Ma\u00dfnahmen \u201esteuern\u201c: ohne jede Aussicht auf Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed aligncenter is-type-rich is-provider-slideshare wp-block-embed-slideshare\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.slideshare.net\/slideshow\/embed_code\/key\/cxgAQ7wfbIbp3p?startSlide=1\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die\u00a0GVM Gesellschaft f\u00fcr Verpackungsforschung\u00a0hat im Auftrag der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen untersucht, wie sich monet\u00e4re Lenkungsma\u00dfnahmen wie eine Plastiksteuer auf den Trend zu kunststoffbeschichteten Papierverpackungen auswirken w\u00fcrden. 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