{"id":144433,"date":"2024-05-24T07:23:00","date_gmt":"2024-05-24T05:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=144433"},"modified":"2024-05-17T14:30:58","modified_gmt":"2024-05-17T12:30:58","slug":"kahlschlag-in-schwedens-waldern-baume-roden-fur-den-versandhandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kahlschlag-in-schwedens-waldern-baume-roden-fur-den-versandhandel\/","title":{"rendered":"Kahlschlag in Schwedens W\u00e4ldern:\u00a0B\u00e4ume roden f\u00fcr den Versandhandel"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Endlose W\u00e4lder, Ruhe, Einsamkeit, fantastische Tierwelten \u2013 Schweden, der alte Sehnsuchtsort. Zu zwei Dritteln ist er von Wald bedeckt. Aber: Schweden ist auch der Ort des Kahlschlags, also der radikalen Rodung von Waldfl\u00e4chen.&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Schwedens-Umgang-mit-Waldgebieten\/!5786633\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Warnende und protestierende Stimmen sind schon l\u00e4nger gut zu h\u00f6ren<\/a>, noch ist keine Trendwende in Sicht. Der Kahlschlag trifft auch die verbliebenen urspr\u00fcnglichen W\u00e4lder. Noch machen sie 30 Prozent der Waldfl\u00e4che aus, aber die Holzindustrie ersetzt sie nach und nach durch \u00f6konomisch effektiveren Plantagenwald. Jetzt warnt die Umweltorganisation Greenpeace: Auch B\u00e4ume aus alten W\u00e4ldern werden zu kurzlebigen Produkten wie Kartons verarbeitet. So endet ihre wichtige Rolle als CO\u2082-Speicher sehr viel schneller, als Wald nachwachsen kann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"624\" height=\"312\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/35333235-1.jpeg\" alt=\"Ein gro\u00dfer Teil Schwedens ist von Wald bedeckt, aber die gerodeten Fl\u00e4chen nehmen zu.\" class=\"wp-image-144457\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/35333235-1.jpeg 624w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/35333235-1-300x150.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/35333235-1-150x75.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/35333235-1-400x200.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein gro\u00dfer Teil Schwedens ist von Wald bedeckt, aber die gerodeten Fl\u00e4chen nehmen zu. \u00a9 Sven Erik\/imago<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>In ihrem Report \u201eKilled by Cardboard\u201c (F\u00fcr Pappe get\u00f6tet), der heute ver\u00f6ffentlicht wird, berichtet die Umweltorganisation, dass sie Holzst\u00e4mme mit Trackern versehen habe und zudem Lkws zwischen Kahlschl\u00e4gen und Zielorten gefolgt sei. So habe die Verbindung von 20 alten, gerodeten W\u00e4ldern zu acht Zellstofffabriken und vier S\u00e4gewerken gezeigt werden k\u00f6nnen, in Besitz unter anderem von Branchenriesen wie den Verpackungsherstellern Smurfit Kappa und Billerud und dem schwedischen Forstbetreiber und Holzverarbeiter SCA.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Studie der Universit\u00e4t Lund von 2022 geht davon aus, dass etwa ein F\u00fcnftel des Kahlschlags seit 2003 Schwedens alte W\u00e4lder betroffen hat. Ihre Fl\u00e4che sei in diesem Zeitraum j\u00e4hrlich um 1,4 Prozent geschrumpft. W\u00fcrde der Trend nicht gestoppt, h\u00e4tten sie sich in den 2070er Jahren ganz in Plantagen aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Drittel des Holzes aus schwedischen W\u00e4ldern insgesamt seien f\u00fcr die Zellfaser- und Papierindustrie bestimmt, so Greenpeace. Verpackungsmaterial spiele dabei eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. \u00dcber \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Quellen ermittelte die Organisation Endabnehmer der schwedischen Papierindustrie \u2013 darunter in Deutschland Online-Handelsriesen wie Amazon, Zalando und der Men\u00fcanbieter HelloFresh.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Alte W\u00e4lder wichtig f\u00fcr Artenvielfalt<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eSelbst wenn das Papier zun\u00e4chst nochmal recycelt wird, wird es irgendwann verbrannt, das hei\u00dft, der Gro\u00dfteil der B\u00e4ume wird zu Wegwerfprodukten\u201c, sagt Jannes Stoppel, Waldexperte von Greenpeace Deutschland, der taz. \u201eDie alten W\u00e4lder, die so wichtig f\u00fcr die Artenvielfalt sind und f\u00fcr die Rentierwirtschaft der Sami, verschwinden immer mehr, und das ist wirklich ein Riesenproblem.\u201c Dass in Schweden Kahlschl\u00e4ge erlaubt seien und das Land sich innerhalb der EU als starker Gegner strengerer Regulierungen pr\u00e4sentiert, sei vielen, gerade in Deutschland, nicht bewusst, glaubt Stoppel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir wollen den Firmen, die diese Produkte kaufen, keinen Vorwurf machen\u201c, erkl\u00e4rt Greenpeace-Aktivist Dima Litvinov, einer der Autoren des Reports. \u201eWir wollen sie auf das Problem aufmerksam machen, damit sie reagieren k\u00f6nnen.\u201c Firmen, die Nachhaltigkeit anstreben, sollten sich nicht auf das FSC-Siegel bei Produkten aus der Papierindustrie verlassen. Es steht f\u00fcr Forest Stewardship Council und ist ein internationales Zertifizierungssystem f\u00fcr nachhaltigere Waldwirtschaft. Das Siegel garantiere wegen der schwachen Kontrollen und der weitgehenden Freiheiten der Forstwirtschaft in Schweden nicht, dass das verarbeitete Holz nicht aus alten W\u00e4ldern stamme. \u201eWir sagen: Verlangt von euren Lieferanten, dass sie die Lieferketten transparent machen und euch kein Material aus alten, sch\u00fctzenswerten W\u00e4ldern liefern\u201c, so Litvinov.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Unternehmen zeigen durchaus Problembewusstsein. Auf taz-Nachfrage bei HelloFresh sagte eine Sprecherin, das Unternehmen habe sich \u201egrunds\u00e4tzlich dazu verpflichtet, Verpackung nach M\u00f6glichkeit vollst\u00e4ndig zu vermeiden, andernfalls zu reduzieren und f\u00fcr das Recycling zu optimieren.\u201c HelloFresh teste zudem seit 2023 wiederverwendbare Boxen. Dabei werde erprobt, wie dieses Konzept logistisch funktionieren k\u00f6nne und \u2013 unter Hinweis auf die notwendige Flotte zum Wiedereinsammeln und den Aufwand f\u00fcr die Reinigung \u2013 ob es tats\u00e4chlich nachhaltiger sei. Das Unternehmen sehe wiederverwendbare Boxen jedoch langfristig als notwendige L\u00f6sung. HelloFresh wolle die Ergebnisse des Greenpeace-Berichts intern und mit dem schwedischen Lieferanten besprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Zalando \u00e4u\u00dferte sich zu den Erkenntnissen von Greenpeace: \u201eUm das Risiko auszuschlie\u00dfen, Fasern aus Urw\u00e4ldern in Schweden zu erhalten, bestehen wir darauf, FSC-zertifiziertes Material f\u00fcr den Frischfaseranteil zu verwenden\u201c, sagte eine Sprecherin der taz. Der Kritik am FSC-Siegel sei sich das Unternehmen bewusst. \u201eNach unserer Bewertung ist dies allerdings nach wie vor das umfassendste G\u00fctesiegel f\u00fcr verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung auf internationaler Ebene.\u201c Zalando arbeite kontinuierlich mit seinen Lieferanten zusammen, um die Transparenz in der gesamten Lieferkette weiter zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p>Amazon dagegen sieht offenbar keinen Handlungsbedarf. \u201eDie von Amazon in Europa eingesetzten Versandverpackungen, die von den genannten Lieferanten stammen, bestehen zu 95 Prozent oder mehr aus recyceltem Material\u201c, sagte ein Sprecher.&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Ausbeutung-bei-Amazon\/!5980811\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Amazon<\/a>&nbsp;verpflichte sich, seine Verpackungsmaterialien auf nachhaltige Weise zu beschaffen, und investiere in Initiativen zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Natur, zum Schutz der Lebensr\u00e4ume von Wildtieren und zur F\u00f6rderung der Artenvielfalt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fehlende Kontrollen<\/h3>\n\n\n\n<p>Schwedens Forst- und Papierindustrie ist riesig und hat eine starke Lobby, nicht zuletzt in der Regierung. Erst im M\u00e4rz kritisierten schwedische Wald\u00adfor\u00adsche\u00adr*in\u00adnen in einem Gastbeitrag im&nbsp;<em>Aftonbladet<\/em>&nbsp;die liberale Umwelt- und Klimaministerin Romina Pourmokthari scharf. Sie hatte die schwedische Forstwirtschaft nachhaltig genannt. Pourmokthari sieht den Wald vor allem als&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Wissenschaftler-schlagen-Alarm\/!5698019\/\" rel=\"noreferrer noopener\">bio\u00f6konomische Ressource<\/a>. Deren Nutzung soll, wenn es nach ihr geht, noch weiter wachsen und baldm\u00f6glichst noch weniger reguliert werden. Doch: \u201eSchwedens Forstwirtschaft ist nicht nachhaltig, Frau Ministerin\u201c, konterten die 19 Waldexpert*innen. Sie kritisierten, die Regierung ignoriere relevante wissenschaftliche Erkenntnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Das staatliche Amt f\u00fcr Forstwirtschaft stellte vergangenes Jahr fest, dass in Schweden die n\u00f6tigen Kontrollinstanzen fehlten, um langfristig die biologische Vielfalt und den Erhalt der Aufgaben der \u00d6kosysteme im Wald sicherstellen zu k\u00f6nnen. Und aus der Forschung kommt die Erkenntnis, dass der schwedische Wald nicht mehr so viel Kohlendioxid bindet wie fr\u00fcher. 2022 stellte die Beh\u00f6rde Naturv\u00e5rdsverket unter Berufung auf Zahlen der Schwedischen Landwirtschafts-Universit\u00e4t SLU einen \u00fcberraschend starken R\u00fcckgang der Nettoeinlagerung fest, 2021 sei sie im Vergleich zum Vorjahr von 30 Millionen Tonnen auf 25 Millionen Tonnen gesunken. Als Gr\u00fcnde nannte die Beh\u00f6rde ein gesunkenes Waldwachstum und das hohe Abholzungsniveau der vergangenen Jahre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlose W\u00e4lder, Ruhe, Einsamkeit, fantastische Tierwelten \u2013 Schweden, der alte Sehnsuchtsort. Zu zwei Dritteln ist er von Wald bedeckt. Aber: Schweden ist auch der Ort des Kahlschlags, also der radikalen Rodung von Waldfl\u00e4chen.&nbsp;Warnende und protestierende Stimmen sind schon l\u00e4nger gut zu h\u00f6ren, noch ist keine Trendwende in Sicht. 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