{"id":144259,"date":"2024-05-22T07:35:00","date_gmt":"2024-05-22T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=144259"},"modified":"2024-05-15T11:36:21","modified_gmt":"2024-05-15T09:36:21","slug":"die-plastikkrise-olnachfrage-aufgrund-steigender-kunststoffproduktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-plastikkrise-olnachfrage-aufgrund-steigender-kunststoffproduktion\/","title":{"rendered":"Die Plastikkrise: \u00d6lnachfrage aufgrund steigender Kunststoffproduktion"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"268\" height=\"329\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-15-um-11.03.49.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-144279\" style=\"aspect-ratio:0.8145896656534954;width:207px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-15-um-11.03.49.png 268w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-15-um-11.03.49-244x300.png 244w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-15-um-11.03.49-122x150.png 122w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/05\/Bildschirmfoto-2024-05-15-um-11.03.49-220x270.png 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 268px) 100vw, 268px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Andreas von Angerer \u00a9 Inyova<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Weltweit werden jede Minute eine Million Plastikflaschen gekauft. Seit den 1970er Jahren ist die Produktion von Kunststoffen schneller\u00a0gewachsen als die jedes anderen Materials. Wenn sich dieser Wachstumstrend fortsetzt, wird die weltweite Produktion von\u00a0Prim\u00e4rkunststoff bis 2050 voraussichtlich 1.100 Millionen Tonnen erreichen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt ist die H\u00e4lfte aller produzierten Kunststoffe f\u00fcr den einmaligen Gebrauch bestimmt, was bedeutet, dass sie nur einmal\u00a0verwendet und dann weggeworfen werden. Von den 7 Milliarden Tonnen Kunststoffabfall, die bisher weltweit produziert wurden, werden\u00a0weniger als 10% recycelt. Millionen Tonnen Kunststoffabf\u00e4lle gehen in der Umwelt verloren oder werden manchmal Tausende von\u00a0Kilometern weit transportiert, wo sie meist verbrannt oder deponiert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Immense Auswirkungen der Massenproduktion\u00a0<\/h3>\n\n\n\n<p>Plastik ist zu einem der dr\u00e4ngendsten Probleme unserer Zeit geworden, da es unserer Umwelt, unserer Gesundheit und unseren\u00a0Ozeanen massiv schadet. Die Weltmeere enthalten derzeit sch\u00e4tzungsweise 75 bis 199 Millionen Tonnen Plastik, und die j\u00e4hrliche\u00a0Menge von 9 bis 14 Millionen Tonnen pro Jahr (2016) k\u00f6nnte sich auf voraussichtlich 23 bis 37 Millionen Tonnen pro Jahr im Jahr 2040\u00a0fast verdreifachen.<br>Nahezu alle Einwegplastikprodukte (98%) werden aus fossilen Brennstoffen, also Prim\u00e4rrohstoffen, hergestellt. Die \u00d6lindustrie investiert\u00a0Milliarden in die Petrochemie, in der Annahme, dass Kunststoffe die Hauptquelle der k\u00fcnftigen \u00d6lnachfrage sein werden. Es wird\u00a0erwartet, dass sie bis zur Mitte des Jahrhunderts fast die H\u00e4lfte des Wachstums der \u00d6lnachfrage ausmachen werden. Gleichzeitig\u00a0werden die Treibhausgasemissionen, die mit der Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Plastik aus fossilen Brennstoffen\u00a0verbunden sind, Prognosen zufolge bis 2040 auf fast 20% des globalen Kohlenstoffhaushalts ansteigen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erstes Umdenken: Unilever und Amazon reduzieren Kunststoff-Einsatz<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese alarmierenden Fakten zeigen, dass wir uns inmitten einer Krise befinden, die sich rapide versch\u00e4rft. Doch die Einstellung zu\u00a0Plastik \u00e4ndert sich allm\u00e4hlich und Kunststoffe sind f\u00fcr Unternehmen keine verl\u00e4ssliche Wachstumsquelle mehr. Der Markt entwickelt sich\u00a0in Richtung Wiederverwendung und Mehrweg. Eine entsprechende Regulierung nimmt weltweit zu und auch die \u00f6ffentliche Meinung\u00a0wendet sich, wie eine Ipsos-Umfrage zeigt, bei der 71% der Befragten weltweit ein Verbot von Einwegplastik bef\u00fcrworten. Dies f\u00fchrt\u00a0bereits dazu, dass erste gro\u00dfe Unternehmen wie Unilever und Amazon den Einsatz von Kunststoffen schrittweise reduzieren. Es ist\u00a0jedoch unerl\u00e4sslich, dass mehr Unternehmen transparenter werden und auf umweltfreundlichere Praktiken umstellen, um langfristige\u00a0Nachhaltigkeit und finanzielle Stabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur die Unternehmen, auch die Politik muss st\u00e4rker in die Pflicht genommen werden, um klare Richtlinien zu setzen. Es gibt\u00a0vielversprechende Gesetzgebungspl\u00e4ne auf europ\u00e4ischer und internationaler Ebene, wie die EU-Verpackungs- und\u00a0Verpackungsabfallverordnung (PPWR) und den Global Plastics Treaty. Sie stehen jedoch unter starkem Einfluss des Lobbyismus,\u00a0insbesondere von Seiten der Petro-Staaten, denen der Verlust einer ihrer Haupteinnahmequellen droht, sowie von Unternehmen, die\u00a0lieber weiter auf Einweg und Recycling setzen statt auf Reduktion und Pfandsysteme.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Druck durch Investierende mittels globaler Initiativen erzielt erste Ergebnisse<\/h3>\n\n\n\n<p>Um den Druck auf Politik und Industrie zu erh\u00f6hen, spielen global koordinierte Initiativen und Organisationen wie As You Sow oder die\u00a0Dutch Association of Investors for Sustainable Development (Vereniging van Beleggers voor Duurzame Ontwikkeling &#8211; VBDO)\u00a0mittlerweile eine entscheidende Rolle. Sie mobilisieren unter anderem den Druck von Investierenden, um sich aktiv f\u00fcr die Reduzierung\u00a0von Plastik und nachhaltigere Praktiken einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die US-amerikanische NGO As You Sow ver\u00f6ffentlicht beispielsweise die &#8220;Corporate Plastic Pollution Scorecard&#8221;, in der die\u00a0Ma\u00dfnahmen von 50 gro\u00dfen US-Konsumunternehmen zur Reduzierung der Plastikverschmutzung bewertet werden. \u00dcber\u00a0Aktion\u00e4rsbeschl\u00fcsse werden die Nachz\u00fcgler in die Pflicht genommen. Kraft Heinz und andere Unternehmen haben sich dazu\u00a0verpflichtet, ihren Plastikverbrauch zu reduzieren. As You Sow hat auch Aktion\u00e4rsantr\u00e4ge bei Amazon eingereicht, um die\u00a0Verpackungspraktiken des Unternehmens zu verbessern. Amazon verwendete im Jahr 2022 85.916 Tonnen Einwegplastik f\u00fcr den\u00a0Versand, ein R\u00fcckgang von 11,6 Prozent im Vergleich zu 2021. Amazon plant au\u00dferdem, Kunststoffversandverpackungen abzuschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die niederl\u00e4ndische VBDO hat ein Statement verfasst, das von mehr als 180 Investoren, die ein verwaltetes Verm\u00f6gen von 10 Billionen\u00a0Dollar repr\u00e4sentieren, unterzeichnet wurde. Darin werden Unternehmen aufgefordert, dringend Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung von Plastik\u00a0zu ergreifen. Sie fordert Unterst\u00fctzung f\u00fcr ein starkes internationales Abkommen \u00fcber Plastik und rechtsverbindliche Ma\u00dfnahmen, um\u00a0die Produktion und Verwendung von Plastik zu reduzieren. Dar\u00fcber hinaus werden Unternehmen aufgefordert, klare Pl\u00e4ne zur\u00a0Reduzierung von Einwegplastik vorzulegen, gef\u00e4hrliche Chemikalien zu eliminieren und Informationen \u00fcber ihren Plastikverbrauch\u00a0transparent zu machen. Inyova leitet im Rahmen der Initiative den Engagement-Prozess mit Beiersdorf. Dar\u00fcber hinaus wurden Briefe\u00a0an EU-Abgeordnete und die Mitglieder der High Ambition Coalition, die den Global Plastics Treaty verhandelt, geschrieben, um ihre\u00a0Unterst\u00fctzung f\u00fcr ambitionierte und robuste Plastikregulierung zu gewinnen.<br><br>Diese Bem\u00fchungen zeigen, wie NGOs und Investierende erfolgreich zusammenarbeiten k\u00f6nnen, um Unternehmen und Politik in die\u00a0Pflicht zu nehmen und den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft voranzutreiben. Denn die L\u00f6sung des Plastikproblems\u00a0erfordert eine koordinierte globale Anstrengung aller Beteiligten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weltweit werden jede Minute eine Million Plastikflaschen gekauft. Seit den 1970er Jahren ist die Produktion von Kunststoffen schneller\u00a0gewachsen als die jedes anderen Materials. 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