{"id":143096,"date":"2024-05-02T07:23:00","date_gmt":"2024-05-02T05:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=143096"},"modified":"2024-04-25T14:23:15","modified_gmt":"2024-04-25T12:23:15","slug":"die-chemie-wird-elektrisch-und-nutzt-abfalle-als-rohstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-chemie-wird-elektrisch-und-nutzt-abfalle-als-rohstoff\/","title":{"rendered":"Die Chemie wird elektrisch &#8211; und nutzt Abf\u00e4lle als Rohstoff"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Elektrifizierung ist der Schl\u00fcssel zu einer klimaneutralen Chemie. Doch es braucht mehr als elektrisch beheizte Prozesse. Ob direkte Stromnutzung, Power-to-X oder die Kombination von strombasierten Verfahren mit Sekund\u00e4rrohstoffen &#8211; das Technologieportfolio w\u00e4chst stetig und hat noch gro\u00dfes Potenzial.<\/p>\n\n\n\n<p>Was haben Elektroautos mit D\u00fcnger auf Basis von gr\u00fcnem Strom gemeinsam? Beide gab es schon deutlich fr\u00fcher als deren auf fossilen Energietr\u00e4gern basierende Pendants. Und beide erleben in j\u00fcngster Zeit ein Revival.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits 1903 war es den Norwegern Kristian Birkeland und Sam Eyde gelungen, Luftstickstoff in einem elektrisch erzeugten Lichtbogen-Plasma zu Stickstoffmonoxid zu oxidieren und daraus Salpeters\u00e4ure und schlie\u00dflich Nitratd\u00fcnger zu erzeugen. Nur wenige Jahre nach der zuvor entwickelten Chloralkali-Elektrolyse ein weiterer Meilenstein der Elektrochemie &#8211; und ein nachhaltiger noch dazu, denn die Norweger nutzten schon vor \u00fcber hundert Jahren klimaneutralen Strom aus Wasserkraft.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Klimaneutrale_Chemie_Fabrik_Elektrifizierung.jpg\" alt=\"Ein prominentes Beispiel f\u00fcr das Reduzieren von Treibhausgas ist die Elektrifizierung der Steamcracker: Die bislang meist mit Gas befeuerten Spalt\u00f6fen liefern die Grundbausteine f\u00fcr die Produktion vieler Basischemikalien.\" class=\"wp-image-143106\" style=\"aspect-ratio:1.7777777777777777;width:741px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Klimaneutrale_Chemie_Fabrik_Elektrifizierung.jpg 960w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Klimaneutrale_Chemie_Fabrik_Elektrifizierung-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Klimaneutrale_Chemie_Fabrik_Elektrifizierung-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Klimaneutrale_Chemie_Fabrik_Elektrifizierung-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Klimaneutrale_Chemie_Fabrik_Elektrifizierung-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein prominentes Beispiel f\u00fcr das Reduzieren von Treibhausgas ist die Elektrifizierung der Steamcracker: Die bislang meist mit Gas befeuerten Spalt\u00f6fen liefern die Grundbausteine f\u00fcr die Produktion vieler Basischemikalien. \u00a9 DALL\u00b7E, publish-industry<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Doch die industrielle Nutzung war nur von kurzer Dauer: Gegen\u00fcber dem ab 1913 genutzten Haber-Bosch-Verfahren, bei dem Luftstickstoff an einem Katalysator mit Wasserstoff zu Ammoniak reagiert, hatte der stromhungrige Prozess aus Norwegen wirtschaftlich keine Chance. Die Folge: Rund 1,4 Prozent der globalen Kohlendioxid-Emissionen gehen heute auf das Konto des von Fritz Haber und Carl Bosch entwickelten Prozesses, der aber f\u00fcr die Weltern\u00e4hrung nach wie vor unverzichtbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Fossile Energietr\u00e4ger durch klimaneutral erzeugten Strom zu ersetzen, ist inzwischen das Gebot der Stunde. Und ohne Elektrifizierung l\u00e4sst sich das Ziel einer klimaneutralen Chemie bis 2050 nicht erreichen. Auch deshalb besch\u00e4ftigen sich Forscher wieder intensiv mit Plasmachemie und Elektrolyseverfahren, aber auch mit elektrischen Alternativen zu fossil beheizten Reaktoren. Vor allem bei der Herstellung von Basischemikalien wie Ethen lohnt der Blick auf die Prozessalternativen. Zehn dieser Stoffe, darunter auch Ammoniak, Chlor oder Natronlauge, sind f\u00fcr rund 70 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen der Chemie verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Chemiereaktoren elektrisch beheizen&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein prominentes Beispiel f\u00fcr das Reduzieren von Treibhausgas ist die Elektrifizierung der Steamcracker: Die bislang meist mit Gas befeuerten Spalt\u00f6fen liefern die Grundbausteine f\u00fcr die Produktion vieler Basischemikalien. 90 Prozent der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen &#8211; weltweit immerhin rund 300 Millionen t pro Jahr &#8211; lassen sich auf das Beheizen dieser Anlagen zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Konzerne wie Dow, Shell, Sabic, Linde und BASF treiben deshalb die Entwicklung elektrisch beheizter Steamcracker voran. Noch im Jahr 2024 soll in Ludwigshafen eine entsprechende Demonstrationsanlage an einem gro\u00dftechnischen Cracker in Betrieb gehen. Doch klar ist: Allein mit der elektrischen Beheizung von Prozessen l\u00e4sst sich das Ziel einer klimaneutralen Chemie nicht erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 2019 von Dechema und FutureCamp Climate ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/dechema.de\/dechema_media\/Downloads\/Positionspapiere\/2019_Studie_Roadmap_Chemie_2050-p-20005590.PDF\">Studie \u201eRoadmap Chemie 2050\u201c<\/a> hatte am Beispiel Deutschland gezeigt, dass eine klimaneutrale Chemie nur durch Schlie\u00dfung von Stoffkreisl\u00e4ufen, CO<sub>2<\/sub>-freien Wasserstoff und neuen, strombasierten Verfahren gelingen kann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"630\" height=\"630\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Elektrifizierung_Steamcracker_Treibhausgas.jpg\" alt=\"Ein prominentes Beispiel f\u00fcr das Reduzieren von Treibhausgas ist die Elektrifizierung der Steamcracker: Die bislang meist mit Gas befeuerten Spalt\u00f6fen liefern die Grundbausteine f\u00fcr die Produktion vieler Basischemikalien\" class=\"wp-image-143107\" style=\"aspect-ratio:1;width:579px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Elektrifizierung_Steamcracker_Treibhausgas.jpg 630w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Elektrifizierung_Steamcracker_Treibhausgas-300x300.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Elektrifizierung_Steamcracker_Treibhausgas-150x150.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Elektrifizierung_Steamcracker_Treibhausgas-270x270.jpg 270w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein prominentes Beispiel f\u00fcr das Reduzieren von Treibhausgas ist die Elektrifizierung der Steamcracker: Die bislang meist mit Gas befeuerten Spalt\u00f6fen liefern die Grundbausteine f\u00fcr die Produktion vieler Basischemikalien. \u00a9 DALL\u00b7E, publish-industry<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Wie die Transformation der Chemie funktionieren k\u00f6nnte, hatten zuletzt auch der Chemieverband VCI und der Verein Deutscher Ingenieure im Jahr 2023 untersucht und in der Studie C4C drei Szenarien auf dem Weg hin zu einer klimaneutralen Chemie im Jahr 2045 bewertet. Allen gemeinsam ist ein enormer Bedarf an elektrischer Energie &#8211; zwischen sechs und zehn Mal h\u00f6her als bisher und zudem klimaneutral erzeugt. Vor allem die Wasserelektrolyse schl\u00e4gt hier zu Buche.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber im Hype um den gr\u00fcnen Wasserstoff wird ein weiterer Erfolgsfaktor meist \u00fcbersehen: Auch Sekund\u00e4rrohstoffe, darunter Kunststoffabf\u00e4lle oder Biomasse, sind wesentlich. Es braucht also die Kombination aus alternativen Rohstoffen und der Elektrifizierung der Chemie. Im Beispiel der Steamcracker k\u00f6nnte das ein elektrisch beheizter Spaltofen sein, der nicht mit Naphtha aus Erd\u00f6l, sondern Pyrolyse\u00f6l aus Kunststoffabf\u00e4llen oder synthetischem Leichtbenzin gespeist wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In einem Rutsch zum Synthesegas&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Aber auch die Elektrochemie hat Potenzial. Aktuelle Entwicklungen zielen darauf, Elektrolyseverfahren nicht nur effizienter zu machen, sondern auch \u00fcber Wasserstoff und Chlor hinaus zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>So wird im Kopernikus-Projekt P2X an der Co-Elektrolyse geforscht: F\u00fcr das Energy Lab 2.0 am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) hat der Elektrolysespezialist Sunfire im Jahr 2023 eine Anlage geliefert, in der mit gr\u00fcnem Strom aus Wasserdampf und Kohlendioxid in nur einem Schritt Synthesegas entsteht. Das Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid bildet die Grundlage f\u00fcr viele Chemikalien und alternative Kraftstoffe. Der Clou dabei: Je nach Anforderung und gew\u00fcnschten Folgeprodukten k\u00f6nnen die Anteile von Wasserstoff und Kohlenmonoxid im Synthesegas eingestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Co-Elektrolyse ist nur eine M\u00f6glichkeit, Synthesegas herzustellen. Der Chemiekonzern Evonik geht im <a href=\"https:\/\/c4-chemicals.evonik.com\/de\/projekt-plasco2-treibhausgas-wird-zum-rohstoff-186719.html\">Projekt PlasCO<sub>2<\/sub><\/a>\u00a0einen anderen Weg: Wasserstoff und Kohlendioxid werden in einem Plasma-Reaktor zu Synthesegas umgesetzt, das anschlie\u00dfend zur Produktion von C4-Chemikalien genutzt werden soll. Mit dem eingangs erw\u00e4hnten, energieintensiven Lichtbogen-Plasma hat das Verfahren wenig zu tun: Das reaktionsfreudige Plasma &#8211; ein gasf\u00f6rmiges Gemisch aus Ionen und freien Elektronen &#8211; entsteht bereits bei Temperaturen unter 100\u00b0C.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch der Birkeland-Eyde-Prozess l\u00e4sst sich auf dieser Basis neu bewerten: Im <a href=\"https:\/\/www.imm.fraunhofer.de\/de\/projekte\/elektrifizierung-der-chemie.html\">EU-Projekt Mapsyn<\/a> (Microwave, Ultrasonic and Plasma-assisted Syntheses) ist es gelungen, kaltes Plasma zu verwenden und den Energiebedarf f\u00fcr die Stickoxid-Erzeugung zu halbieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Entwicklungen sind wichtig, weil sie den Schl\u00fcssel zu einem bislang noch ungel\u00f6sten Problem der elektrolytischen Wasserstoff-Herstellung im gro\u00dfen Ma\u00dfstab liefern k\u00f6nnten: Der Nutzung des bei der Wasserelektrolyse entstehenden Sauerstoffs. Da der Fokus der Wasserelektrolyse vor allem auf der Herstellung von Wasserstoff liegt, wird das gleichzeitig entstehende Nebenprodukt Sauerstoff bislang meist ungenutzt an die Umgebung abgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Nutzung des Elektrolyse-Sauerstoffs als werthaltiges Produkt l\u00e4sst sich die Gesamteffizienz und Wirtschaftlichkeit des Elektrolyseverfahrens jedoch verbessern \u2013 und dessen Konkurrenzf\u00e4higkeit gegen\u00fcber fossilen Alternativen erh\u00f6hen. Neben der Verwendung als Industriegas oder zur Anreicherung von Belebungsluft in der Abwasserreinigung ist das Nebenprodukt auch in vielen chemischen Synthesen interessant &#8211; darunter der eingangs erw\u00e4hnten D\u00fcngemittelproduktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil Elektrolyseure k\u00fcnftig nicht nur an gro\u00dfen Chemie- und Raffineriestandorten betrieben werden, sondern beispielsweise auch direkt an Windturbinen auf See, braucht es ein breites Technologieportfolio f\u00fcr die Nutzung von Wasserstoff und Sauerstoff vor Ort.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von W\u00e4rmepumpen bis zur flexiblen Produktion&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Weiteres Potenzial f\u00fcr die Elektrifizierung der Chemie findet sich zudem auf der W\u00e4rmeseite: Seit vielen Jahren werden W\u00e4rmepumpen bereits in der Geb\u00e4udetechnik genutzt. Die auf dem Carnot-Prozess basierenden Maschinen erm\u00f6glichen es, Umgebungs- und auch Abw\u00e4rme aus Anlagen f\u00fcr die Beheizung von Geb\u00e4uden und Anlagen zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es m\u00f6glich, mit einer kWh elektrischer Energie drei bis f\u00fcnf kWh W\u00e4rmeenergie zu erzeugen. Inzwischen ist es gelungen, das Temperaturniveau der erzeugten W\u00e4rme auf Werte um 130\u00b0C zu steigern &#8211; ein Bereich, der auch f\u00fcr die Bereitstellung von Prozessw\u00e4rme in der Chemie interessant ist und im Gegensatz zu den beschriebenen Verfahren, die ihren Einsatz in der Grundstoffchemie finden, auch in der Spezialchemie auf dem Weg zur Klimaneutralit\u00e4t genutzt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wenn Strom mehr und mehr nicht nur Energietr\u00e4ger, sondern auch die Rohstoffseite chemischer Wertsch\u00f6pfungsketten bestimmt, dann ger\u00e4t ein weiteres Paradigma ins Wanken: deren kontinuierliche Verf\u00fcgbarkeit. Denn im Gegensatz zu Erdgas oder Naphtha kann Strom bislang nicht in den erforderlichen Mengen gespeichert werden &#8211; Angebot und Nachfrage m\u00fcssen stets in Balance gehalten werden, sonst drohen Netzschwankungen bis hin zur Abschaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer deutlicher wird dieses Problem aktuell beim Ausbau der Kapazit\u00e4ten f\u00fcr Windenergie und Photovoltaik: So mussten im Jahr 2022 allein in Deutschland 8,1 tWh Strom aus erneuerbaren Energien abgeregelt werden, weil durch das \u00dcberangebot die Netzstabilit\u00e4t gef\u00e4hrdet war. Im <a href=\"https:\/\/www.kopernikus-projekte.de\/synergie\">Kopernikus-Projekt SynErgie<\/a> wird deshalb untersucht, wie es gelingen kann, Industrie- und Chemieproduktion so zu flexibilisieren, dass der Strombedarf in kurzer Zeit gesteigert oder gesenkt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterer Schritt in Richtung Demand-Side-Management<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieses Demand-Side-Management machen sich manche Betreiber schon heute zunutze: Beispielsweise, indem die Dampferzeugung von Gas auf Strom umgeschaltet wird, wenn der B\u00f6rsenstrompreis an sonnigen und windreichen Tagen unter den Gaspreis sinkt oder sogar negativ wird. Die Entwicklung flexibel schaltbarer elektrochemischer Prozesse k\u00f6nnte ein weiterer Schritt in Richtung Demand-Side-Management sein. SynErgie nennt hier beispielsweise die Chlor-Alkali-Elektrolyse und die Extraktion von Carbons\u00e4uren.<\/p>\n\n\n\n<p>Begrenzt werden solche Konzepte allerdings von wirtschaftlichen Faktoren &#8211; allen voran dem Druck zur Kapitaleffizienz, die bei Vollauslastung einer Anlage h\u00f6her ist als im Teillastbetrieb. Und der Finanzierungsaspekt hemmt schlie\u00dflich auch die Umsetzung neuer Technologien in den technologischen Ma\u00dfstab. So ist es angesichts gestiegener Zinsen und Energiepreise, die auf die Erl\u00f6se dr\u00fccken, f\u00fcr die Chemieunternehmen deutlich schwieriger geworden, die Wirtschaftlichkeit neuer Anlagenprojekte &#8211; auch solcher zur Defossilisierung und Elektrifizierung \u2013 darzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Beispiele zeigen, dass die Elektrifizierung ein wichtiger Baustein einer k\u00fcnftig klimaneutralen Chemie ist. Aber sie ist kein Allheilmittel: Erst ein ganzheitlicher Ansatz, in dem in ausreichender Menge klimaneutral erzeugter Strom und Sekund\u00e4rrohstoffe genutzt werden, wird das ehrgeizige Netto-Null-Ziel m\u00f6glich machen. Und dabei wird es sich lohnen, auch einst verworfene Technologien wie die D\u00fcngerherstellung aus Strom unter den ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen neu zu bewerten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elektrifizierung ist der Schl\u00fcssel zu einer klimaneutralen Chemie. Doch es braucht mehr als elektrisch beheizte Prozesse. Ob direkte Stromnutzung, Power-to-X oder die Kombination von strombasierten Verfahren mit Sekund\u00e4rrohstoffen &#8211; das Technologieportfolio w\u00e4chst stetig und hat noch gro\u00dfes Potenzial. Was haben Elektroautos mit D\u00fcnger auf Basis von gr\u00fcnem Strom gemeinsam? 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