{"id":142944,"date":"2024-05-03T07:20:00","date_gmt":"2024-05-03T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=142944"},"modified":"2024-05-03T19:12:29","modified_gmt":"2024-05-03T17:12:29","slug":"agrarprodukt-in-der-architektur-ist-reis-der-zement-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/agrarprodukt-in-der-architektur-ist-reis-der-zement-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Agrarprodukt in der Architektur:\u00a0Ist Reis der Zement der Zukunft?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Aufgetischt als lokale Spezialit\u00e4t oder als einfaches Gericht k\u00f6nnte der Reis, genauer gesagt das, was man von ihm wegwirft, in Zukunft unsere vier W\u00e4nde zusammenhalten. Und das auf vollkommen emissionsloser Basis. Ein Unternehmen in Italien zeigt, wie es geht.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Foto-1-Gaia-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-142950\" style=\"aspect-ratio:1.499267935578331;width:714px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Foto-1-Gaia-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Foto-1-Gaia-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Foto-1-Gaia-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Foto-1-Gaia-768x512.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Foto-1-Gaia-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Foto-1-Gaia-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/Foto-1-Gaia-400x267.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dieses Haus wurde per 3D Crane WASP Drucker hergestellt. Es besteht aus Lehm, Sand, Reisstreu und Reish\u00fclsen. \u00a9 Ricehouse<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>In Italien isst man ihn gerne als Risotto, im Rest der Welt ist er Hauptgericht oder Beilage, je nach Geldb\u00f6rse und lokaler K\u00fcche. Reis ern\u00e4hrt 65 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung und anders als etwa beim Mais, der auch als Tierfutter dient, liegt der Nutzen des Reisanbaus ausschlie\u00dflich in der menschlichen Ern\u00e4hrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das k\u00f6nnte sich aber &#8211; und vielleicht schon bald &#8211; \u00e4ndern: Reis, beziehungsweise Reisabfall, k\u00f6nnte n\u00e4mlich der nachhaltige Zement der Zukunft werden. Dieser Meinung sind Tiziana Monterisi und Alessio Colombo vom Unternehmen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ricehouse.it\/en\/\">Ricehouse<\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Monterisi und Colombo sind seit der Oberstufe ein Paar und arbeiten auch zusammen. Sie ist Architektin, er Geologe, zwei Berufe, die sich im richtigen Moment perfekt erg\u00e4nzten, wie Monterisi ntv.de erz\u00e4hlt. &#8220;Wir kommen beide aus der Lombardei, als aber Alessio ein Ausschreiben gewann, das ihn nach Biella versetzte, beschloss ich, auch hierherzuziehen.&#8221;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die in der norditalienischen Region Piemont liegende Stadt Biella und ihre Umgebung genie\u00dfen ein gewisses Renommee wegen einer hochqualitativen Stoffproduktion und dem Reisanbau. Monterisi, die sich selbst als eine &#8220;Climate Native und nimmersatte Erneuerin&#8221; beschreibt, fand sich schnell auch hier zurecht. Der Anblick der von Bergketten umgebenen Reisfelder erweckte ihre Neugier und sie begann, sich mit der Materie Reis zu befassen. So erfuhr sie, dass es anders als bei den meisten Getreidesorten, f\u00fcr den Reisabfall keine Verwendung gab. Gemeint sind hier das Stroh, das auf den Feldern liegen bleibt, und die Schale vom Reiskorn. Diese Entdeckung weckte die Kreativit\u00e4t des Paares.<\/p>\n\n\n\n<p>Monterisi lernte damals auch den Schweizer Architekten Werner Schmidt kennen, der f\u00fcr seine \u00d6kobauten Stroh verwendete. &#8220;Warum sollte dasselbe nicht mit Reisstroh m\u00f6glich sein?&#8221;, fragte sie sich und begann, die Materie zu untersuchen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass Reis, dank einer Siliziumkomponente, nicht fault. Was perfekt f\u00fcr das Gedeihen der Reispflanze ist, die zeitweilig auf \u00fcberschwemmtem Feld steht, und nat\u00fcrlich f\u00fcr die Bausubstanz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wasser-, hitze- und k\u00e4lteresistent<\/h3>\n\n\n\n<p>Irgendwann waren alle Tests durchgef\u00fchrt &#8211; man beschloss, die Vision in die Praxis umzusetzen. &#8220;Vor zehn Jahren kauften wir dieses Steinhaus aus dem Jahr 1909 und machten uns daran, es zu sanieren, beziehungsweise in das erste Ricehouse zu verwandeln.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Reisabfall ist das entscheidende Material bei den Neubauten oder Sanierungen. Damit aber tragende und strukturierende Elemente daraus entstehen, braucht es Bindematerialien. Aus Reisspreu und Kalk kann man etwa Ziegelsteine machen. Farben und Isolierung ben\u00f6tigen noch ein paar andere Komponenten, aber: &#8220;Als wir dieses Haus kauften, war es ohne Heizung, und wir haben keine eingebaut. Das Reismaterial bewahrt n\u00e4mlich die Temperaturen bestens: Durchschnittlich liegen sie zwischen 18 und 22 Grad Celsius&#8221;, erkl\u00e4rt Monterisi.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Haus hat, Untergeschoss mitgez\u00e4hlt, vier Stockwerke und verf\u00fcgt \u00fcber insgesamt 500 Quadratmeter. Das Dach wurde mit Reisstrohfasern bedeckt. Die nordw\u00e4rts orientierte Mauer ist dicker als die Richtung S\u00fcden. F\u00fcr Strom sorgt eine Photovoltaikanlage. Erst als ihr eigenes Experiment gelungen war, gr\u00fcndeten sie das Unternehmen Ricehouse. Am Anfang waren die Auftraggeber vorwiegend wohlhabende Privateigent\u00fcmer, jetzt sind es auch Unternehmen, die sich informieren und Sanierungsarbeiten in Auftrag geben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">75 Prozent der italienischen Bausubstanz mit Reis sanierbar<\/h3>\n\n\n\n<p>Aber was w\u00e4re, wenn pl\u00f6tzlich alle mit dieser &#8220;neuen Baumaterie&#8221; sanieren wollten? Vor wenigen Tagen haben die meisten EU-L\u00e4nder die Regeln f\u00fcr ein bis 2050 EU-weites klimaneutrales Bauwesen verabschiedet, nur Ungarn und Italien stimmten dagegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Reisabfall g\u00e4be es gen\u00fcgend&#8221;, antwortet Monterisi. &#8220;Reis wird in allen Kontinenten angebaut. Grob ausgerechnet, k\u00e4me man weltweit j\u00e4hrlich auf 2.000 Millionen Tonnen Reisabfall. Und das, ohne die jetzige Produktion auszuweiten. Allein in Italien, Europas gr\u00f6\u00dftem Reisproduzenten, w\u00e4ren es zwei Millionen Tonnen j\u00e4hrlich. Damit k\u00f6nnte man 75 Prozent der hiesigen Geb\u00e4ude sanieren.&#8221; Au\u00dferdem k\u00f6nnte Italien zum wichtigsten Reisabfalllieferanten in Europa werden, gefolgt von Spanien und Frankreich. Auch Rum\u00e4nien k\u00f6nnte einen kleinen Beitrag dazu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Machbar w\u00e4re es also, doch wer \u00fcbernimmt die Kosten? Diese Frage hatte der italienische Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti nach der Verabschiedung der Emissionsregeln gestellt. Gesch\u00e4tzt sollen sich diese EU-weit und j\u00e4hrlich auf 275 Milliarden Euro belaufen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24877066-1713260789000\/4-3\/750\/Foto-2-Torri-Risorsa.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/apps-cloud.n-tv.de\/img\/24877066-1713260789000\/4-3\/750\/Foto-2-Torri-Risorsa.jpg\" alt=\"Torri Risorsa: Sanierung mit Ricehouse-Platten der vier Wohnt\u00fcrme in Mailand.\" style=\"aspect-ratio:1.3345195729537367;width:292px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Torri Risorsa: Sanierung mit Ricehouse-Platten der vier Wohnt\u00fcrme in Mailand. \u00a9 Ricehouse<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>&#8220;Die Frage ist nat\u00fcrlich berechtigt. Es sind aber nicht die Materialien, die den Unterschied machen&#8221;, antwortet Monterisi. &#8220;Hier ein konkretes Beispiel: Wir haben in Mailand gerade vier Wohnhaust\u00fcrme &#8211; jeder acht Stockwerke hoch und mit insgesamt 400 Familien &#8211; mit Au\u00dfenwandd\u00e4mmungen versehen. Von den 13 Millionen Euro, die diese Sanierung gekostet hat, fielen weniger als zehn Prozent auf die Materialien.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bauhaus und Rotes Wien<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Ricehouse passt perfekt in das Projekt &#8220;Neues Europ\u00e4isches Bauhaus&#8221;, das Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen 2020 ins Leben gerufen hat. Nachhaltiger und gr\u00fcner geht wahrscheinlich nicht. Damit aber alle in die Gunst sanierter und emissionsfreier Geb\u00e4uden kommen, fehlt &#8211; nur noch &#8211; die Umsetzung. Und da k\u00f6nnte neben dem &#8220;Neuen Europ\u00e4ischen Bauhaus&#8221; auch das Beispiel &#8220;Rotes Wien&#8221; n\u00fctzlich sein. Mit dem \u00f6ffentlich finanzierten Gemeindebau erl\u00f6ste die sozialistische Stadtverwaltung Anfang der 1920er-Jahre Hunderttausende Menschen aus unw\u00fcrdigen Wohnbedingungen. Und noch heute sorgt dieses Modell daf\u00fcr, dass die Miet- und Kaufpreise auf dem privaten Markt zwar steigen, aber nicht explodieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgetischt als lokale Spezialit\u00e4t oder als einfaches Gericht k\u00f6nnte der Reis, genauer gesagt das, was man von ihm wegwirft, in Zukunft unsere vier W\u00e4nde zusammenhalten. Und das auf vollkommen emissionsloser Basis. Ein Unternehmen in Italien zeigt, wie es geht. 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