{"id":141850,"date":"2024-04-08T07:23:00","date_gmt":"2024-04-08T05:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=141850"},"modified":"2024-04-03T11:09:56","modified_gmt":"2024-04-03T09:09:56","slug":"strom-durch-atomkraft-sinkt-weltweit-nicht-nur-deutschland-steigt-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/strom-durch-atomkraft-sinkt-weltweit-nicht-nur-deutschland-steigt-aus\/","title":{"rendered":"Strom durch Atomkraft sinkt weltweit:\u00a0Nicht nur Deutschland steigt aus"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Mit ihrer anhaltenden Kritik am vor einem Jahr vollzogenen deutschen Atomausstieg fahren CDU und CSU, FDP und Wirtschaftsverb\u00e4nde schweres rhetorisches Gesch\u00fctz auf. Der Ausstieg sei \u201eein dramatischer Irrtum\u201c, befand FDP-Vize Wolfgang Kubicki. Der Wirtschaftsrat der CDU sah darin eine \u201egro\u00dfe Gefahr f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Deutschland\u201c. Und CDU-Fraktionsvize Jens Spahn sprach anl\u00e4sslich der Abschaltung der letzten AKW von \u201eeinem schwarzen Tag f\u00fcr den Klimaschutz\u201c.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"624\" height=\"312\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/34986845-1.jpeg\" alt=\"Das Atomkraftwerk Vandellos an der Costa Dorada in Spanien \" class=\"wp-image-141866\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/34986845-1.jpeg 624w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/34986845-1-300x150.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/34986845-1-150x75.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/04\/34986845-1-400x200.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Atomkraftwerk Vandellos an der Costa Dorada in Spanien\u00a0<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Besonders beliebt bei den hiesigen Atom-Apologeten ist jedoch der Verweis auf einen angeblich energiepolitischen Sonderweg der Bundesrepublik. So behauptete Markus Jerger, bis 2023 Vorstand des Bundesverbandes mittelst\u00e4ndische Wirtschaft (BVMW), Deutschland geh\u00f6re \u201ezu den ganz wenigen Nationen in der Welt, die aussteigen, w\u00e4hrend andere L\u00e4nder teilweise massiv in die Atomkraft investieren\u201c. Da stelle sich die Frage, sagte Jerger, \u201ewarum wir gegen jedes Kalk\u00fcl handeln\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Doch ist die Atomkraft wirklich wieder auf dem Vormarsch?<\/h3>\n\n\n\n<p>Weltweit stagniert die Stromerzeugung aus Kernenergie, zeigt der von einem&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Energieexperte-ueber-AKW-Sicherheit-im-Krieg\/!5916236\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Team um den Atomexperten Mycle Schneider<\/a>&nbsp;erstellte und k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichte \u201eWorld Nuclear Industry Status Report 2023\u201c (WNISR2023). W\u00e4hrend die absolute Menge des weltweit in Kernkraftwerken erzeugten Stroms im Wesentlichen unver\u00e4ndert geblieben ist, ist ihr Anteil am weltweiten Strommix 2022 auf 9,2 Prozent, den tiefsten Wert seit rund 40 Jahren, gesunken. Der H\u00f6chstwert lag 1996 bei 17,5 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Atomkraftwerke in 32 Staaten<\/h3>\n\n\n\n<p>Atomkraftwerke (AKW) laufen in 32 Staaten.&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.worldnuclearreport.org\/-World-Nuclear-Industry-Status-Report-2023-.html\" rel=\"noreferrer noopener\">Nach WNISR-Zahlen<\/a>&nbsp;sind zurzeit 415 Kernreaktoren in Betrieb. Spitzenreiter sind die USA mit 94 Reaktoren, gefolgt von China und Frankreich, beide mit 56 Bl\u00f6cken. Im vorderen Feld finden sich zudem Russland (36), Japan (12), S\u00fcdkorea (25) und Indien (20).<\/p>\n\n\n\n<p>2023 gingen f\u00fcnf neue Reaktorbl\u00f6cke ans Netz. F\u00fcnf Reaktoren wurden 2023 stillgelegt, darunter die letzten deutschen Anlagen Emsland, Isar-2 und Neckarwestheim-2. Das Leistungssaldo der f\u00fcnf abgestellten und f\u00fcnf neuen AKW ist um ein Gigawatt negativ.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten 20 Jahren, zwischen 2004 und 2023, sind mehr AKW stillgelegt worden, als neue in Betrieb genommen wurden. Au\u00dferdem sind fast die H\u00e4lfte der neuen Reaktoren \u2013 49 von 102 \u2013 in China ans Netz gegangen. Au\u00dferhalb Chinas ergibt das einen Negativsaldo von 51 Bl\u00f6cken, ein erheblicher Einbruch. In den letzten vier Jahren, von 2020 bis 2023, sind 31 Reaktoren weltweit in Bau gegangen, darunter 20 in China und 11 von der russischen Atomindustrie vor allem in Drittl\u00e4ndern vorgenommen \u2013 zum Beispiel in Bangladesch, Indien und der T\u00fcrkei. Sonst nichts, nirgendwo.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Europ\u00e4ischen Union (EU) werden in 12 der 27 Mitgliedstaaten Kernreaktoren betrieben. In den vergangenen 30 Jahren gingen gerade mal zwei Atomkraftwerke in Bau, die sogenannten Druckwasserreaktoren der dritten Generation (EPR) Olkiluoto-3 in Finnland und Flamanville-3 in Frankreich. Der finnische Reaktor ging nach 17 Jahren Bauzeit ans Netz, der franz\u00f6sische liefert auch 17 Jahre nach Baubeginn noch keine Kilowattstunde. In der Slowakei gibt es noch eine weitere Baustelle: Mit dem Bau von Mochovce-4 wurde 1985 begonnen. Der Reaktor soll dieses Jahr in Betrieb gehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">H\u00f6chster Atomstrom-Anteil in Frankreich<\/h3>\n\n\n\n<p>Den weltweit gr\u00f6\u00dften prozentualen Anteil am Strommix stellt&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Atomkraft-in-Frankreich\/!5930241\/\" rel=\"noreferrer noopener\">auch ohne Flamanville-3 die Kernenergie in Frankreich<\/a>. 2023 waren es 65 Prozent. Der neueste Reaktor ging bereits 1999 ans Netz, das Durchschnittsalter betr\u00e4gt 38,6 Jahre. In den vergangenen Sommern stand zudem teils die H\u00e4lfte der franz\u00f6sischen AKW-Flotte still, wegen technischer Defekte, Inspektionen, Reparaturen, oder weil die Fl\u00fcsse nicht genug Wasser zur K\u00fchlung der Reaktoren f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige EU-Mitgliedstaaten haben einen Ausbau der Kernenergie angek\u00fcndigt. Belgien plant, die letzte Etappe des beschlossenen Ausstiegs zu verschieben, als Reaktion auf die energiepolitischen Turbulenzen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Statt 2025 sollen zwei der f\u00fcnf verbliebenen Reaktoren erst 2035 vom Netz gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Polen beabsichtigt, ein Atomprogramm neu zu starten, offiziell um den Kohleausstieg zu bewerkstelligen. 2033 soll der erste von sechs Meilern ans Netz gehen, laut Experten ein v\u00f6llig unrealistischer Zeitplan. In Ungarn sollen zwei zus\u00e4tzliche Reaktorbl\u00f6cke russischer Bauart entstehen, und Rum\u00e4nien plant&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Mini-Atomkraftwerke-in-der-Kritik\/!5999640\/\" rel=\"noreferrer noopener\">ein Mini-AKW mithilfe von US-Technik<\/a>. Schweden betreibt insgesamt sechs Reaktoren, die gemeinsam etwa 30 Prozent der landesweiten Stromerzeugung abdecken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Atomausstieg in Spanien und der Schweiz<\/h3>\n\n\n\n<p>In der T\u00fcrkei wird seit 2015 das erste AKW namens Akkuyu gebaut \u2013 finanziert und gebaut&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Russische-Brennelemente-in-Deutschland\/!5994355\/\" rel=\"noreferrer noopener\">vom russischen Staatsunternehmen Rosatom<\/a>. Auch Gro\u00dfbritannien setzt nach wie vor auf Atomkraft. Aktuell werden noch neun Reaktorbl\u00f6cke betrieben, 36 befinden sich im R\u00fcckbau. Aktuell sind zwei neue EPR- Reaktoren im Bau (Hinkley Point C-1 und -2), zwei weitere sind&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Atomkraft-in-Grossbritannien\/!5982523\/\" rel=\"noreferrer noopener\">f\u00fcr den Standort Sizewell C<\/a>&nbsp;geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Ausstieg aus der Kernenergie geplant haben \u2013 neben Belgien \u2013 derzeit die Schweiz und Spanien: Die vier Reaktoren in der Schweiz (Anteil am Strommix 36,4 Prozent, Durchschnittsalter 48 Jahre) d\u00fcrfen bis zu ihrem altersbedingten Ende laufen, aber nicht durch neue ersetzt werden. Ein Datum f\u00fcr die Abschaltung gibt es nicht. Die sieben spanischen Reaktoren sollen bis 2035 sukzessive vom Netz genommen werden, die erste Abschaltung ist f\u00fcr 2027 geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen ist auch der Atomausstieg in Deutschland nicht vollendet. So d\u00fcrfen die sechs zurzeit laufenden Forschungsreaktoren weiter betrieben werden. Auch die Brennelement-Fertigungsanlage in Lingen und die Urananreicherungsanlage in Gronau, die AKW in vielen L\u00e4ndern mit frischem \u201eBrennstoff\u201c beliefern, verf\u00fcgen \u00fcber unbefristete Betriebsgenehmigungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ihrer anhaltenden Kritik am vor einem Jahr vollzogenen deutschen Atomausstieg fahren CDU und CSU, FDP und Wirtschaftsverb\u00e4nde schweres rhetorisches Gesch\u00fctz auf. Der Ausstieg sei \u201eein dramatischer Irrtum\u201c, befand FDP-Vize Wolfgang Kubicki. Der Wirtschaftsrat der CDU sah darin eine \u201egro\u00dfe Gefahr f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Deutschland\u201c. 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