{"id":140393,"date":"2024-03-12T07:11:00","date_gmt":"2024-03-12T06:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=140393"},"modified":"2024-03-07T11:42:12","modified_gmt":"2024-03-07T10:42:12","slug":"co2-preis-ruckgang-gefahrdet-eu-ziele-zur-dekarbonisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/co2-preis-ruckgang-gefahrdet-eu-ziele-zur-dekarbonisierung\/","title":{"rendered":"CO2-Preis-R\u00fcckgang gef\u00e4hrdet EU-Ziele zur Dekarbonisierung"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Der Preis f\u00fcr CO<sub>2<\/sub>-Zertifikate im Rahmen des Emissionshandels der EU hat sich innerhalb eines Jahres fast halbiert. Der Preis f\u00fcr eine Tonne CO<sub>2<\/sub> ist von 95 Euro im Februar 2023 auf 52 Euro im Februar dieses Jahres gefallen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.euractiv.de\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2024\/03\/shutterstock_129205010-1-1-800x450.jpg\" alt=\"\" style=\"width:350px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Preis f\u00fcr eine Tonne CO2 fiel von 95,11 Euro im Februar 2023 auf 52,43 Euro im Februar dieses Jahres. \u00a9 <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/image-photo\/smoking-chimneys-factory-against-blue-sky-129205010\" target=\"_blank\">Photo credit: Lisa-S\/shutterstock.com<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Dies sind schwierige Signale, da der CO\u2082-Preis eingef\u00fchrt wurde, um die strukturelle Dekarbonisierung zu f\u00f6rdern, indem er den Unternehmen einen langfristigen Anreiz bietet. Dieser Effekt k\u00f6nnte durch den starken R\u00fcckgang ins Gegenteil verkehrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hersteller von emissionsarmen Energien schlagen Alarm: Die Preise m\u00fcssen steigen, um die Wirtschaft zu dekarbonisieren, indem sie die Nutzung von kohlenstoffbasierten Energien weniger wettbewerbsf\u00e4hig machen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNiedrige CO<sub>2<\/sub>-Preise verlangsamen die Dekarbonisierung des Elektrizit\u00e4tssektors: Kohlekraftwerke produzieren jetzt vor Gaskraftwerken, die weniger aussto\u00dfen\u201c, erkl\u00e4rte Marion Labatut, Direktorin f\u00fcr europ\u00e4ische Angelegenheiten beim franz\u00f6sischen Energieversorger EDF, gegen\u00fcber Euractiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Risiko sei zudem, dass die Kommission die Mengen [der CO<sub>2<\/sub>-Zertifikate], die 2025-2026 verkauft werden sollen, erh\u00f6hen w\u00fcrde, um die Einnahmen zu heben, falls diese durch niedrige Preise geringer ausfallen als prognostiziert, f\u00fcgte sie hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies w\u00fcrde zu einem weiteren R\u00fcckgang der CO<sub>2<\/sub>-Preise f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest sollte die Kommission die Auswirkungen dieser Ma\u00dfnahme auf den CO<sub>2<\/sub>-Markt bewerten \u201eund vermeiden, noch mehr Zertifikate auf den Markt zu bringen\u201c, forderte Labatut.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Dekarbonisierung k\u00f6nnten n\u00e4mlich auch die \u00f6ffentlichen Finanzen stark in Mitleidenschaft gezogen werden, so ihr Fazit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die EU-Staaten sind verpflichtet, einen Teil ihrer Einnahmen aus dem Verkauf von CO<sub>2<\/sub>-Zertifikaten zur F\u00f6rderung gr\u00fcner Ma\u00dfnahmen zu verwende. Diese Gelder sind bereits verplant, oft Jahre im Voraus. Sollten die CO<sub>2<\/sub>-Preise dauerhaft unter den Prognosen bleiben, m\u00fcssten \u00f6ffentliche Gelder die Finanzierungsl\u00fccken schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Segen f\u00fcr einige<\/h3>\n\n\n\n<p>Doch nicht alle Vertreter der Industrie sind besorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eH\u00f6here CO<sub>2<\/sub>-Preise in der EU [\u2026] k\u00f6nnen auch das Risiko der Verlagerung von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und Investitionen erh\u00f6hen\u201c, so Cefic, der Verband der Europ\u00e4ischen chemischen Industrie.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies w\u00fcrde \u201eeinen Verlust von Marktanteilen in der EU und eine Verlagerung der Produktion nach au\u00dferhalb Europas\u201c bedeuten, ohne dass das Klima \u201eunbedingt gesch\u00fctzt\u201c werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegenzug w\u00fcrden niedrige CO<sub>2<\/sub>-Preise das Risiko der Verlagerung von CO2-Emissionen verringern. Dabei verlassen Unternehmen Europa, um hohe Preise zu vermeiden und anderswo billiger zu produzieren, w\u00e4hrend sie die gleiche Menge CO<sub>2<\/sub> aussto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch setzen sowohl Cefic als auch die europ\u00e4ische Stahlindustrie weiterhin auf \u00f6ffentliche Gelder, die im Rahmen von Vertr\u00e4gen, den sogenannten \u201eCarbon Contracts for Difference\u201c, ausgezahlt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vertr\u00e4ge schaffen einen fiktiv h\u00f6heren CO<sub>2<\/sub>-Preis, um Investitionen in saubere Produktionsmethoden attraktiver zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Cefic betonte die Notwendigkeit \u201eeiner Kombination aus einem langfristigen Preissignal, g\u00fcnstigen Bedingungen f\u00fcr den Einsatz von emissionsarmen L\u00f6sungen und einem Markt f\u00fcr emissionsarme Produkte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum der Abschwung?<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Matthias Buck, Europadirektor des Think-Tanks Agora Energiewende, \u201eist der Preis f\u00fcr Emissionszertifikate das Ergebnis von Angebot und Nachfrage.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf der Angebotsseite sind eine Menge Zertifikate im Umlauf\u201c, f\u00fcgte er hinzu. Die EU hat sich darauf geeinigt, 20 Millionen zus\u00e4tzliche Zertifikate im Umfang von einer Million Tonnen CO<sub>2<\/sub> im Jahr 2022\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.euractiv.de\/section\/energie-und-umwelt\/news\/eu-abgeordnete-wollen-co2-handel-zur-senkung-der-energiepreise-nutzen\/\" target=\"_blank\">in Umlauf zu bringen<\/a>, um die Abkehr der EU von russischen fossilen Brennstoffen zu finanzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf der Nachfrageseite haben das leichte Wachstum in Europa und der Anstieg der Energiepreise den Verbrauch fossiler Brennstoffe und damit den Bedarf an Zertifikaten gesenkt\u201c, so Buck weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Fast die H\u00e4lfte der Emissionen im EU-Emissionshandel wird traditionell vom Industriesektor erworben, der durch hohe Energiepreise und politische Unsicherheit beeintr\u00e4chtigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Grund, warum wir im Moment nicht viele K\u00e4ufe sehen, die die Preise in die H\u00f6he treiben w\u00fcrden, ist, dass mehrj\u00e4hrige Investitionen und Spekulationen aus finanzieller und strategischer Sicht derzeit begrenzt sind\u201c, erkl\u00e4rte Michael Pahle, Emissionshandelsexperte, der am Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK) forscht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Pahle l\u00e4sst sich die Zur\u00fcckhaltung der Investoren in dekarbonisierte Energien auch durch den wachsenden politischen Druck gegen die Klimaziele der EU erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Marktverhalten steht im Einklang mit dem Fokus auf kurzfristige Fundamentaldaten, m\u00f6glicherweise verst\u00e4rkt durch Spekulanten, die weiterhin auf fallende Preise setzen\u201c, merkte er an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Problem ist vor allem, dass der Preis pro Tonne CO<sub>2<\/sub> f\u00fcr viele Projekte, einschlie\u00dflich derer, die sich um \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung bewerben, ein Parameter sein soll, der die Rendite von Investitionen in die Dekarbonisierung bestimmt\u201c, so der Vertreter der Stahlindustrie weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Langfristig, also zwischen dem Aufschwung der europ\u00e4ischen Wirtschaft und der Verringerung der Anzahl der im Umlauf befindlichen Zertifikate, d\u00fcrfte der Preis pro Tonne CO<sub>2<\/sub> den Modellrechnungen zufolge im Jahr 2030 in einer Spanne zwischen 90 und 190 Euro liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Prognosen zufolge d\u00fcrfte der CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df in den Jahren 2026 und 2027 etwa gleich hoch sein wie heute. Durch die obligatorische Reduzierung der verf\u00fcgbaren Zertifikate k\u00f6nnte es zu einer weiteren Verknappung von mehreren hundert Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub>-Zertifikaten auf dem Markt kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die EU strebt ein Ende der Zertifikate im Jahr 2039 an, wenn der Emissionshandel gegen null gehen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Preis f\u00fcr CO2-Zertifikate im Rahmen des Emissionshandels der EU hat sich innerhalb eines Jahres fast halbiert. Der Preis f\u00fcr eine Tonne CO2 ist von 95 Euro im Februar 2023 auf 52 Euro im Februar dieses Jahres gefallen. Dies sind schwierige Signale, da der CO\u2082-Preis eingef\u00fchrt wurde, um die strukturelle Dekarbonisierung zu f\u00f6rdern, indem er [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":140398,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Der starke R\u00fcckgang des CO2-Preises in der EU, der durch hohe Energiepreise und politische Unsicherheit verursacht wurde, gef\u00e4hrdet die Glaubw\u00fcrdigkeit des Emissionshandels. Er k\u00f6nnte zu einem Hindernis f\u00fcr die Dekarbonisierung der Industrie in der EU werden, bef\u00fcrchten Industrievertreter","footnotes":""},"categories":[5571],"tags":[23758,19337,15826,23756],"supplier":[14169,578,23755,4027,5585,1834],"class_list":["post-140393","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-co2-based","tag-co2preise","tag-dekarbonisierung","tag-kohlenstoff","tag-kohlenstoffbasiert","supplier-agora-energiewende","supplier-edf-lectricit-de-france","supplier-euractiv","supplier-european-chemical-industry-council-cefic","supplier-european-union","supplier-potsdam-institut-fuer-klimafolgenforschung-pik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/140393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=140393"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/140393\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media\/140398"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=140393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=140393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=140393"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=140393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}