{"id":138885,"date":"2024-02-16T07:23:00","date_gmt":"2024-02-16T06:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=138885"},"modified":"2024-02-06T11:12:02","modified_gmt":"2024-02-06T10:12:02","slug":"die-unertragliche-komplexitat-der-recycling-definition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-unertragliche-komplexitat-der-recycling-definition\/","title":{"rendered":"Die unertr\u00e4gliche Komplexit\u00e4t der Recycling-Definition"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Die Definition von Recycling ist \u201eunertr\u00e4glich vielschichtig\u201c, beklagt Kalle Saarimaa, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Tana Oy, einem finnischen Unternehmen, das Deponieverdichter und Recyclingmaschinen herstellt. Er stellt sich die Frage, was unter Recycling verstanden wird und wie es ad\u00e4quat gemessen werden kann.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"358\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/02\/Recycling-Definition-0224-1024x358.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-138926\" style=\"aspect-ratio:2.8603351955307263;width:768px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/02\/Recycling-Definition-0224-1024x358.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/02\/Recycling-Definition-0224-300x105.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/02\/Recycling-Definition-0224-150x52.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/02\/Recycling-Definition-0224-768x268.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/02\/Recycling-Definition-0224-400x140.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/02\/Recycling-Definition-0224.jpg 1030w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Peggy und Marco Lachmann-Anke \/ pixabay.com<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Auf der gesellschaftlichen Ebene wird Recycling \u2013 je nach geographischer Lage \u2013 auf verschiedene Arten gemessen. In der EU wurde die Recyclingquote berechnet nach dem Aufkommen von Material (also Abf\u00e4llen), das f\u00fcrs Recycling gesammelt wird, nicht nach der Materialmenge, die tats\u00e4chlich recycelt wird. Es besteht ein entscheidender Unterschied, ob man das gesammelte oder das recycelte Material misst. Auf den ersten Blick erscheint es sinnvoll, die Materialmenge zu erfassen, die tats\u00e4chlich recycelt anstelle gesammelt wird. So k\u00f6nnte die tats\u00e4chliche Recyclingquote kalkuliert werden, die zus\u00e4tzliche n\u00fctzliche Informationen liefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings sind damit viele Probleme verbunden. Das eine besteht darin, dass die Reinheit des eingehenden Materials merklich variiert. Beispielsweise k\u00f6nnten getrennt gesammelte Kunststoffabf\u00e4lle Lebensmittelreste, Aufkleber und unsauber getrennten Abfall enthalten. Das Material k\u00f6nnte auch w\u00e4hrend der Sammlung nass geworden sein und einen hohen Wassergehalt aufweisen. Nach erfolgtem Recycling erreicht nur das tats\u00e4chlich recycelbare Material den Kreislauf, da Unsauberkeiten und \u00dcberschusswasser w\u00e4hrend des Prozesses entfernt wurden. Das hei\u00dft, dass zum Beispiel von 100 Prozent gesammeltem Kunststoff nur rund 80 Prozent wirklich Kunststoff sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Momentane Berechnungsmethoden<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Typischerweise ist es m\u00f6glich, eventuell von diesen 80 Prozent \u2013 je nach Abfallart \u2013 50 bis 90 Prozent zu recyceln. Nicht jeder Reststoff kann mithilfe der bestehenden Technologien r\u00fcckgewonnen werden. Im Jahr 2022 nahm die EU die Gelegenheit wahr und verpflichtete Recycler, \u00fcber den w\u00e4hrend des Recyclingprozesses entstandenen Abfall zu berichten. Obwohl das Ziel davon ist, die EU der Messung von Recyclingmaterial n\u00e4her zu bringen, existieren dabei viele Hintert\u00fcrchen, da der Vorgang nicht \u00fcberwacht wird und \u201eAbfall\u201c nicht pr\u00e4zise definiert ist: \u201eEs macht einen gro\u00dfen Unterschied, ob das Material schlie\u00dflich in \u00e4hnlicher Weise wie urspr\u00fcnglich genutzt wird oder als eines mit geringerem Wert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn beispielsweise urspr\u00fcnglich als Kleidung genutzte Textilabf\u00e4lle als Bodenmatten oder Lumpen enden, ist das nicht der nachhaltigste Weg, um das besagte Material zu nutzen. In manchen F\u00e4llen wird sogar Material, das auf der Deponie landet, als recycelt erachtet. Macht es deshalb etwas aus, wenn das Material als wertvolles Produkt endet, aber weniger recycelte Rohstoffe enth\u00e4lt, oder ist es wichtiger, die maximale Menge an Material zu weniger wertigen Produkten zu recyceln? Die momentanen Berechnungsmethoden ber\u00fccksichtigen diese Unterschiede nicht. An diesen Beispielen l\u00e4sst sich erkennen, dass ein klarer und informativer Weg, um Recycling zu messen, keineswegs einfach ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gegenw\u00e4rtige Definitionen unzureichend<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Wie Recycling definiert wird, steuert ma\u00dfgeblich die Investitionen der Unternehmen und die Auswahl, die der Gesetzgeber trifft, denn das Erreichen der Recyclingquoten ist verpflichtend f\u00fcr die EU-Mitgliedstaaten. Wenn die Festlegung die Unternehmen dahin f\u00fchrt, in das Erreichen einer hoch kalkulierten Recyclingrate zu investieren, die in Wahrheit erlaubt, dass Material in der Energier\u00fcckgewinnung oder auf Deponien endet, wird sich der \u00dcbergang in eine Kreislaufwirtschaft verlangsamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Abfallverbrennung ist ein gutes Beispiel: Eine Menge Material wird bereits aus der Asche f\u00fcr sinnvolle Zwecke recycelt, doch das kann mit den gegenw\u00e4rtigen Definitionen nicht der Recyclingquote zugerechnet werden, da der in Frage kommende Abfall urspr\u00fcnglich nicht ins Recycling, sondern in die Verbrennung geschickt wurde. Kunststoffe, die aus dem Kohlendioxid bestehen, das w\u00e4hrend der Verbrennung anf\u00e4llt, w\u00fcrden auf die gleiche Art und Weise behandelt, auch wenn sie zuk\u00fcnftig einen ausgezeichneten Pfad zur Produktion von Kunststoff ohne fabrikneues Rohmaterial bieten. Andererseits k\u00f6nnten Sammlung und Transport von Kunststoffen nach Asien als komplett recycelt gewertet werden, obwohl bekannt ist, dass ein gro\u00dfer Teil dieser Kunststoffe im Meer endet und nicht in der Material-Zirkulation. Die Definition der EU f\u00fcr Recycling f\u00fchrt uns in erster Linie zum Sortieren und Sammeln von Abf\u00e4llen, nicht zum tats\u00e4chlichen Recyceln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hohe Quote, geringe Zirkulation<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein anderes gutes Beispiel kommt aus den Vereinigten Staaten: In einigen der Staaten, die das Recycling f\u00f6rdern, wird der Abfall anstelle direkt auf die Deponie zu Recyclingzwecken versandt und eine Zielquote zur Abfallbehandlung f\u00fcr die Recyclingeinrichtungen festgelegt. Jedoch ber\u00fccksichtigt die Zielquote keineswegs die unterschiedlichen Endnutzungen des Materials. Grunds\u00e4tzlich kann die Anlage eine Recyclingrate von \u00fcber 70 Prozent erreichen, w\u00e4hrend das meiste Material auf der Deponie landet. In den USA z\u00e4hlt als Recycling, das Material zu zerkleinern und in Deponiestrukturen und Zwischenschichten zu nutzen. Auf diese Weise l\u00e4sst sich eine hohe Recyclingquote melden, obwohl in der Realit\u00e4t der Abfall auf einer Deponie landet und nicht in der Stoffzirkulation. Das Ergebnis: Multinationale Unternehmen k\u00f6nnen berichten, dass ihr Abfall auf keiner Deponie endet, w\u00e4hrend in Wahrheit die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit dorthin verbracht wird \u2013 da das in den USA nicht unter die Definition von Deponierung f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Alle Materialien einbeziehen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eDie Art und Weise, in der Recycling definiert ist, steuert die Investitionen in der Kreislaufwirtschaft und hat deshalb signifikante Auswirkungen auf den tats\u00e4chlichen Anstieg der Zirkularit\u00e4t von Materialien\u201c. Dementsprechend w\u00e4re ein Arbeitsbegriff, der vergleichbare Messungen erm\u00f6glicht, der Schl\u00fcssel. Wie die oben gezeigten Beispiele verdeutlichen, ist jedoch die Formulierung einer solchen Definition nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Kalle Saarimaa hat auch daf\u00fcr keine umfassende L\u00f6sung. Trotzdem h\u00e4lt er es zumindest f\u00fcr wichtig, alle die Materialien in die Recyclingquote einzubeziehen, die (inklusive dem Beispiel der Nebenprodukte der Abfallverbrennung) wirklich recycelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Erschienen im EU-Recycling Magazin 02\/2024, Seite 10)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Definition von Recycling ist \u201eunertr\u00e4glich vielschichtig\u201c, beklagt Kalle Saarimaa, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Tana Oy, einem finnischen Unternehmen, das Deponieverdichter und Recyclingmaschinen herstellt. Er stellt sich die Frage, was unter Recycling verstanden wird und wie es ad\u00e4quat gemessen werden kann. Auf der gesellschaftlichen Ebene wird Recycling \u2013 je nach geographischer Lage \u2013 auf verschiedene Arten gemessen. 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