{"id":137073,"date":"2024-01-15T07:35:00","date_gmt":"2024-01-15T06:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=137073"},"modified":"2024-01-16T15:37:52","modified_gmt":"2024-01-16T14:37:52","slug":"druckfarben-aus-pflanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/druckfarben-aus-pflanzen\/","title":{"rendered":"Druck\u00adfar\u00adben aus Pflan\u00adzen"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"614\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/deriu.jpg__1320x792_q85_crop_subsampling-2_upscale-1024x614.jpg\" alt=\"Judith Deriu arbeitet seit 2016 am Forschungsinstitut f\u00fcr Textilchemie und Textilphysik und m\u00f6chte mit ihren Forschungen einen Beitrag zur Entwicklung der Kreislaufwirtschaft im Textilsektor leisten.\" class=\"wp-image-137091\" style=\"aspect-ratio:1.6677524429967427;width:772px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/deriu.jpg__1320x792_q85_crop_subsampling-2_upscale-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/deriu.jpg__1320x792_q85_crop_subsampling-2_upscale-300x180.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/deriu.jpg__1320x792_q85_crop_subsampling-2_upscale-150x90.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/deriu.jpg__1320x792_q85_crop_subsampling-2_upscale-768x461.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/deriu.jpg__1320x792_q85_crop_subsampling-2_upscale-400x240.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/deriu.jpg__1320x792_q85_crop_subsampling-2_upscale.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Judith Deriu arbeitet seit 2016 am Forschungsinstitut f\u00fcr Textilchemie und Textilphysik und m\u00f6chte mit ihren Forschungen einen Beitrag zur Entwicklung der Kreislaufwirtschaft im Textilsektor leisten.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Farbstoffe aus der Natur werden vom Menschen schon seit Jahrhunderten verwendet. Indigo, Karmin, Purpur und Ultramarin waren bereits in der Antike bekannt und wurden erst w\u00e4hrend der industriellen Revolution von synthetischen Farbstoffen verdr\u00e4ngt. Am&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/textilchemie\/\">Forschungsinstitut f\u00fcr Textilchemie und Textilphysik<\/a>&nbsp;in Dornbirn wird seit \u00fcber 25 Jahren an Farbstoffen aus der Natur geforscht. Trotz eines Trends hin zu \u00f6kologischen Rohstoffen konnten sich Naturfarbstoffe in der Textilindustrie bisher noch nicht durchsetzen. Sie verlieren beim Waschen und im Sonnlicht rascher an Farbst\u00e4rke und sind in der Produktion teurer als ihre synthetische Konkurrenz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Interesse der Industrie an nachhaltigen Produkten w\u00e4chst jedoch stark. Das liegt einerseits an der versch\u00e4rften Gesetzgebung im Bereich Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Andererseits wachsen Umweltbewusstsein und die Bereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten, mehr Geld f\u00fcr \u00f6kologische und nachhaltige Produkte auszugeben. In der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie werden Naturfarbstoffe und nat\u00fcrliche Pigmente bereits erfolgreich eingesetzt. Judith Deriu arbeitet seit 2016 am Forschungsinstitut f\u00fcr Textilchemie und Textilphysik und m\u00f6chte mit ihren Forschungen einen Beitrag zur Entwicklung der Kreislaufwirtschaft im Textilsektor leisten. Sie f\u00fchrt die Tradition des Instituts weiter und nutzt ein uraltes Verfahren, mit dem aus Pflanzenfarbstoffen Pigmente hergestellt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eHier ist leider viel Wissen verloren gegangen\u201c, sagt <strong>die Chemikerin<\/strong>. \u201eIm Labor versuche ich, dieses Verfahren so weit zu optimieren, dass die Industriepartner die Pigmente f\u00fcr unterschiedliche Anwendungen in der Praxis testen k\u00f6nnen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2023\/druckfarben-aus-pflanzen\/#uibk-copyright-1\"><\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"817\" height=\"255\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.39.25.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-137092\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.39.25.png 817w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.39.25-300x94.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.39.25-150x47.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.39.25-768x240.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.39.25-400x125.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 817px) 100vw, 817px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2023\/druckfarben-aus-pflanzen\/#uibk-copyright-2\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2023\/druckfarben-aus-pflanzen\/#uibk-copyright-3\"><\/a>Farben der Natur<\/h3>\n\n\n\n<p>Judith Deriu ist vor allem auf der Suche nach roten und blauen Farbt\u00f6nen, denn diese fehlen bisher weitgehend in der auf Naturfarbstoffen basierenden Farbpalette. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDaran arbeiten wir noch, denn diese Pigmente sind chemisch sehr instabil\u201c, erz\u00e4hlt <strong>die Forscherin<\/strong>. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Gelb, Ocker, Olivgr\u00fcn, Braun, Beige und Schwarz gibt es hingegen bereits Rezepturen, die f\u00fcr einen industriellen Einsatz interessant sind. Als Basis f\u00fcr die Pigmente dienen Reststoffe aus der Forst- und Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie sowie weitere Pflanzen, die nicht als Nahrungsmittel dienen. Schwarz l\u00e4sst sich etwa aus Holzabf\u00e4llen von S\u00e4gewerken gewinnen, Olivgr\u00fcn aus Zwiebelschalen, Blau aus Heidelbeeren und Blaualgen und Rot aus Trauben und Beeren. Indigo und F\u00e4rbekrapp werden bewusst nicht verwendet, weil diese in Mitteleuropa nicht effizient produziert werden k\u00f6nnen. Wegen der langen Transportwege und der damit verbundenen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen vermeidet Judith Deriu pflanzliche Rohstoffe aus fernen L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nicht nur die Farbpigmente basieren auf nachwachsenden Rohstoffen, auch die f\u00fcr die Herstellung der Druckfarben notwendigen Bindemittel und die Tr\u00e4gerfasern sollen umgestellt werden. Hier ist Judith Deriu auf der Suche nach nat\u00fcrlichen Alternativen zu den aus Erd\u00f6l produzierten Industrieprodukten. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eMaterialien aus fossilen Rohstoffen belasten die Natur in hohem Ausma\u00df\u201c, sagt <strong>die Chemikerin<\/strong>. \u201eAus synthetischen Textilien l\u00f6sen sich Mikrofasern, die nicht abgebaut werden k\u00f6nnen, und von den auf Textilen gedruckten Motiven gelangen k\u00fcnstliche Bindemittel mit Pigmenten als Mikroplastik in die Umwelt.\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Dornbirner Wissenschaftler:innen kolorieren mit ihren Pflanzenpigmenten zum Beispiel biobasierte Zellulosefasern, die \u00fcber ein industrielles Verfahren aus Holz hergestellt werden. F\u00fcr den Druck auf Textil und Papier testet Deriu nachhaltige Bindemittel auf Basis biologisch abbaubarer Polysaccharide, um die Entstehung von Mikroplastik zu vermeiden.<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2023\/druckfarben-aus-pflanzen\/#uibk-copyright-4\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2023\/druckfarben-aus-pflanzen\/#uibk-copyright-5\"><\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"821\" height=\"257\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.37.50.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-137090\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.37.50.png 821w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.37.50-300x94.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.37.50-150x47.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.37.50-768x240.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2024\/01\/Bildschirmfoto-2024-01-08-um-11.37.50-400x125.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 821px) 100vw, 821px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<div style=\"height:11px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2023\/druckfarben-aus-pflanzen\/#uibk-copyright-6\"><\/a>Vermarktbare Produkte<\/h3>\n\n\n\n<p>Durch Zusammenarbeit mit Industriepartnern werden verschiedene Druckfarben entwickelt. Papierdruckfarben f\u00fcr den Offsetdruck aus nachhaltigen pflanzlichen \u00d6len und Harzen k\u00f6nnen mit den Pflanzenpigmenten vollst\u00e4ndig nachhaltig gemacht werden. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eUnsere Pigmentpartikel sind f\u00fcr den Papierdruck jedoch noch zu gro\u00df, daf\u00fcr m\u00fcssen sie kleiner als 3 Mikrometer werden\u201c, sagt <strong>die Chemikerin<\/strong>. Sehr vielversprechend sind hingegen die Ergebnisse im Textildruck. \u201eHier sind wir gemeinsam mit unseren Partnern aktuell auf der Suche nach Produkten, die sich vermarkten lassen.\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>In Frage kommen daf\u00fcr zum Beispiel Einkaufsbeutel oder Event-T-Shirts. Im Papierbereich sind Geschenkpapier, Verpackungsmaterialien und Papiertaschen m\u00f6gliche Einsatzgebiete der neuen Farbpimente und Druckfarben. F\u00fcr Kleidung m\u00fcssen die Farben noch deutlich weiterentwickelt werden, damit sie dem h\u00e4ufigen Waschen standhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zusammenarbeit mit der Industrie schafft auch die Basis f\u00fcr ein Netzwerk aus Wissenschaft, Wirtschaft und allen Beteiligten entlang der Wertsch\u00f6pfungskette. Mit im Projektteam von Judith Deriu sind zum Beispiel die Textildrucker Buntwerk aus Vorarlberg, Kelheim Fibres, der weltweit f\u00fchrende Hersteller von Viskose-Spezialfasern, Sun Chemical, der wichtigste Hersteller von Druckfarben und das Verpackungszentrum Graz, der \u00f6sterreichische Spezialist f\u00fcr \u00f6kologische Verpackungen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eUm wirklich eine Kreislaufwirtschaft in der Textil- und Druckindustrie zu etablieren, m\u00fcssen alle Beteiligten zusammenarbeiten: Wissenschaft, Industrie und Konsument:innen. Meine Forschung ist ein kleines Puzzleteilchen in diesem gemeinsamen Bem\u00fchen\u201c, sagt J<strong>udith Deriu<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zur Person<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/media\/filer_public_thumbnails\/filer_public\/13\/3f\/133fdb36-02b5-4364-b0e6-fd4279076498\/img_20230228_105543.jpg__576x576_q85_crop_subsampling-2_upscale.jpg\" alt=\"Judith Deriu\" style=\"aspect-ratio:1;width:176px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Judith Deriu<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Judith Deriu (*1986) wurde in der Schweiz geboren und hat in Amsterdam Biomedizin und Pharmazeutische Toxikologie studiert. 2016 kam sie f\u00fcr ein Doktoratsstudium an das Forschungsinstitut f\u00fcr Textilchemie und Textilphysik der Universit\u00e4t Innsbruck und forscht hier seit der Promotion als Postdoc. Sie ist Leiterin eines FFG-Projekts zu\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/textilchemie\/picolor\/\">Pflanzenpigmenten als nachhaltige und biologisch abbaubare Farbmittel zur Kolorierung von Textil und Papier (PiColor)<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2023\/druckfarben-aus-pflanzen\/#uibk-copyright-7\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 02\/23 des Forschungsmagazins&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/forschung\/magazin\/\">zukunft forschung<\/a>&nbsp;der Universit\u00e4t Innsbruck erschienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Farbstoffe aus der Natur werden vom Menschen schon seit Jahrhunderten verwendet. Indigo, Karmin, Purpur und Ultramarin waren bereits in der Antike bekannt und wurden erst w\u00e4hrend der industriellen Revolution von synthetischen Farbstoffen verdr\u00e4ngt. 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