{"id":136601,"date":"2024-01-09T07:09:00","date_gmt":"2024-01-09T06:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=136601"},"modified":"2024-01-08T10:16:31","modified_gmt":"2024-01-08T09:16:31","slug":"walnussschalen-als-inhaltsstoffe-fur-kosmetika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/walnussschalen-als-inhaltsstoffe-fur-kosmetika\/","title":{"rendered":"Walnussschalen als Inhaltsstoffe f\u00fcr Kosmetika"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Seit Oktober 2023 ist es EU-weit verboten: Mikroplastik in s\u00e4mtlichen Kosmetikprodukten und Waschmitteln. Doch welche Alternativen gibt es? Das m\u00f6chten Forschende an der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) zusammen mit dem Familienunternehmen bb med. product GmbH vom unteren Niederrhein herausfinden.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.hochschule-rhein-waal.de\/sites\/default\/files\/images\/2023\/12\/11\/20231211_Prof_Bockm%C3%BChl_news.jpg\" alt=\"\" style=\"width:350px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Prof. Dr. Dirk Bockm\u00fchl. <strong>\u00a9<\/strong> HS Rhein-Waal<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Mikroplastik&nbsp;wurde bislang kosmetischen Mitteln (z.B. Dusch- oder Gesichtspeelings) oder Detergenzien (Wasch- und Reinigungsmitteln) als Schleifmittel sowie als Tr\u00fcbungsmittel zugesetzt. Dabei handelt es sich um&nbsp;wasserunl\u00f6sliche, feste Kunststoffe, die f\u00fcnf Millimeter und kleiner sind.<a href=\"https:\/\/www.hochschule-rhein-waal.de\/de\/news\/walnussschalen-als-inhaltsstoffe-fuer-kosmetika-hochschulprojekt-erforscht-mit-kalkarer#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Dermatolog*innen<a href=\"https:\/\/www.hochschule-rhein-waal.de\/de\/news\/walnussschalen-als-inhaltsstoffe-fuer-kosmetika-hochschulprojekt-erforscht-mit-kalkarer#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;betonen zwar mitunter, dass f\u00fcr eine gesunde Haut keine Peelings n\u00f6tig seien, aber wer kennt das nicht: das angenehm weiche Gef\u00fchl auf der Haut nach einem Peeling.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problematische an zugesetztem Mikroplastik ist, dass die Partikel mit dem (Ab\u2011)Waschvorgang in das Abwasser gelangen.&nbsp;Die Partikel, die dadurch in die Kanalisation gesp\u00fclt werden, sind so klein, dass Kl\u00e4ranlagen sie nicht filtern k\u00f6nnen.&nbsp;In Kl\u00e4ranlagen wird das Abwasser einem mehrstufigen Reinigungsprozess unterzogen: Feststoffe werden entfernt, UV-Licht t\u00f6tet Keime ab und Membrananlagen filtern Bakterien und Viren. F\u00fcr Mikroverunreinigungen sind die Kl\u00e4ranlagen mit ihrem mehrstufigen Reinigungsprozess nicht ausgelegt. Darunter f\u00e4llt u.a. Mikroplastik. Aus diesem Grund schob die EU mit der Chemikalienverordnung REACH der Verwendung von Mikroplastik in Produkten, deren Reste in das Abwasser gelangen, aber dennoch nach dem Reinigungsprozess die Kl\u00e4ranlage verlassen und in Gew\u00e4sser gelangen, den Riegel vor.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Auch wenn der Anteil an Mikroplastik, der durch Peelings oder Waschmittel ins Abwasser gelangt, recht gering ist, so ist die Forschung an Alternativen daf\u00fcr ein Anfang. <\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Verantwortung ist sich <strong>bb med.-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Robert Beinio<\/strong> bewusst: \u201eWir setzen schon lange kein Mikroplastik mehr ein. Und auch der Dachverband der europ\u00e4ischen Kosmetikverb\u00e4nde hat bereits im Jahr 2015 empfohlen, keine Kunststoffpartikel mehr in Kosmetik einzusetzen\u201c, betont er. Dennoch haben sich Robert Beinio und <strong>Dr. Dirk Bockm\u00fch<\/strong>l, Professor f\u00fcr Hygiene und Mikrobiologie an der HSRW, zum Ziel gesetzt, nat\u00fcrliche Alternativen einzusetzen. \u201eEine davon betrachten wir in unserem Projekt n\u00e4her: Walnussschalen\u201c, so der Professor der Fakult\u00e4t Life Sciences.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das besser zu verstehen, geht die Reise nach Kirgistan: \u201eDas Land hat gro\u00dfartige, nat\u00fcrliche Walnussw\u00e4lder, deren nachhaltige Nutzung wir im Projekt SUFACHAIN sicherstellen k\u00f6nnen. Dabei wollen wir auch die Beiprodukte der Walnussernte ber\u00fccksichtigen. Im Rahmen des Projektes wollen wir die technologischen Herausforderungen dieser m\u00f6glichen Nutzung \u2013 hier sind vor allem der Mahlprozess zur Erzielung von nicht-scharfkantigen Partikeln und die mikrobiologische Qualit\u00e4t zu nennen \u2013 untersuchen und L\u00f6sungen finden\u201c, erkl\u00e4rt <strong>Bockm\u00fchl<\/strong> den Ansatz des Forschungsvorhabens.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei gibt es einige H\u00fcrden zu meistern, um die kirgisischen B\u00e4uerinnen und Bauern zu unterst\u00fctzen. Das wei\u00df auch <strong>Bockm\u00fchl<\/strong>: \u201eWalnussschalen, aber auch die ebenfalls im Projekt betrachteten Aprikosenkernschalen, sind im Zuge des Wachstums, der Ernte und der Weiterverarbeitung immer wieder mikrobiellen Kontaminationen ausgesetzt, zum Beispiel durch Schimmelpilze. Um einen sicheren Kosmetikinhaltsstoff zu erhalten, m\u00fcssen diese mikrobiologischen Probleme erkannt und gel\u00f6st werden. Wir wollen das im Projekt auf eine Weise tun, damit die Produkte mit m\u00f6glichst geringer Nutzung von Bioziden und ohne den Einsatz von m\u00f6glicherweise problematischen Behandlungsmethoden wie einer Bestrahlung verarbeitet werden k\u00f6nnen. Dazu wollen wir vor allem Prozessschritte in Kirgistan mit unseren dortigen Partnern optimieren, aber auch m\u00f6gliche, risikoarme Konservierungsmethoden entwickeln\u201c, so der <strong>HSRW-Professor<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch bevor ein solches Produkt vermarktet werden kann, gibt es in punkto Produktsicherheit einiges zu beachten: \u201eBei einem Peeling-Produkt mit Kernmehlen kommt es zum Beispiel auf die Scharfkantigkeit der Partikel an. Je nach Herkunft der Partikel und Vermahlungsgrad k\u00f6nnen sie f\u00fcr eine Anwendung im Gesicht in Frage kommen oder eher f\u00fcr ein Fu\u00df-Peeling\u201c, wei\u00df der <strong>Kalkarer Unternehmer Beinio<\/strong>. \u201eEbenso muss das Produkt einen Lagertest bei verschiedenen Temperaturen bestehen, den sogenannten Stabilit\u00e4tstest. Es handelt sich um eine beschleunigte Alterung. Dann wird die mikrobiologische Sicherheit durch einen Konservierungsbelastungstest gepr\u00fcft. Zur Sicherheit f\u00fcr die anwendenden K\u00e4ufer*innen des Produktes wird ein toxikologisches Gutachten erstellt und ein dermatologischer Test durchgef\u00fchrt\u201c, erl\u00e4utert <strong>Bockm\u00fch<\/strong>l. Beinio erg\u00e4nzt, dass auch die verschiedenen Naturkosmetiklabel und deren Anforderungen f\u00fcr Zertifizierungen eine wichtige Rolle spielen.&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ziel des Projektes sei laut Bockm\u00fchl einerseits die Entwicklung eines Kosmetikinhaltsstoffes, nicht eines fertigen Kosmetikums. Durch die Projektkonzeption, bei der mit finalen Rezepturen gearbeitet wird, sei die Anwendung nach erfolgreichem Projektabschluss tats\u00e4chlich recht kurzfristig m\u00f6glich. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Andererseits zielt das Projekt auch darauf ab, \u201eden kirgisischen Bauern Wege zur Vermarktung von Walnussschalen zu er\u00f6ffnen, die sonst reines Abfallprodukt w\u00e4ren. Hierbei wollen wir aus wissenschaftlicher und industrieller Sicht M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, die genannten technologischen H\u00fcrden zu meistern, indem wir den kompletten Produktentwicklungsprozess vom Inhaltsstoff Walnussschale bis hin zur fertigen Kosmetik im Hinblick auf die kirgisischen Produkte abbilden und wissenschaftlich begleiten. Letztlich ist das Ziel, dass die Bauern in Zukunft ihre Wertsch\u00f6pfung durch die Vermarktung hochwertiger Produkte \u2013 auch aus derzeitigen Abf\u00e4llen der Lebensmittelproduktion \u2013 optimieren\u201c, fasst der <strong>HSRW-Professor<\/strong> das Vorhaben zusammen.&nbsp;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Im Projekt SUFACHAIN soll so eine&nbsp;<em>win-win-win<\/em>-Situation gem\u00e4\u00df der drei S\u00e4ulen nachhaltigen Wirtschaftens entstehen: \u00d6kologie, \u00d6konomie und Soziales. Ein Abfallprodukt wird weiterverarbeitet, dadurch werden Landwirt*innen \u00f6konomisch unterst\u00fctzt. Und ein Unternehmen aus Kalkar am Niederrhein profitiert davon, bald nachhaltigere Produkte auf den Markt bringen zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn&nbsp;die Entwicklung eines kosmetischen Produktes, inklusive aller erforderlichen Tests, ein Jahr oder auch l\u00e4nger dauern kann: Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Projekt sind nicht nur am Niederrhein und in Kirgistan von Bedeutung \u2013 davon k\u00f6nnten Hersteller aus ganz Europa profitieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcber das Projekt SUFACHAIN \u2013 Nachhaltige agroforstwirtschaftliche Wertsch\u00f6pfungsketten<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der landwirtschaftliche Sektor stellt eine wichtige Lebensgrundlage f\u00fcr die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung in Zentralasien dar. Gleichzeitig werden die Agrar- und Waldlandschaften der Region durch Degradation (dauerhafte Ver\u00e4nderung und teilweise auch der Verlust der Struktur des Bodens) bedroht, versch\u00e4rft durch Bev\u00f6lkerungswachstum und wirtschaftliche Entwicklung. Im Projekt SUFACHAIN sollen deshalb Agroforstsysteme analysiert und in die lokale Landnutzung integriert sowie Produkte und Technologien entwickelt werden, welche zu einer nachhaltigen Ressourcennutzung und lokalen Wertsch\u00f6pfung beitragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als Agroforstsysteme werden Landnutzungssysteme bezeichnet, bei denen Geh\u00f6lze (B\u00e4ume oder Str\u00e4ucher) mit Ackerkulturen und\/oder Tierhaltung so auf einer Fl\u00e4che kombiniert werden, dass zwischen den verschiedenen Komponenten \u00f6kologische und \u00f6konomische Vorteilswirkungen entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt wird mit knapp 1,4 Millionen Euro vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Initiative\u201a CLIENT II \u2013 Internationale Partnerschaften f\u00fcr nachhaltige Innovationen\u2018 mit einer Projektlaufzeit von zwei Jahren gef\u00f6rdert. Regionale Schwerpunkte werden in Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan gesetzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung effizienterer Technologien zur Verwertung von Abfallstoffen aus dem Verarbeitungsprozess, wie beispielhaft die Walnussschalen oder Aprikosenkerne, ist eines der sechs Arbeitspakete des Projektes. Projektpartner sind die Unternehmen bb med. Product GmbH aus Kalkar in Nordrhein-Westfalen und&nbsp;A+S Biotech aus V\u00f6lklingen im Saarland.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.sufachain.org\/\">www.sufachain.org<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.hochschule-rhein-waal.de\/de\/news\/walnussschalen-als-inhaltsstoffe-fuer-kosmetika-hochschulprojekt-erforscht-mit-kalkarer#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/mikroplastik-in-kosmetika-was-ist-das\">https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/mikroplastik-in-kosmetika-was-ist-das<\/a>, Zugriff am 06.12.2023<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.hochschule-rhein-waal.de\/de\/news\/walnussschalen-als-inhaltsstoffe-fuer-kosmetika-hochschulprojekt-erforscht-mit-kalkarer#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;Z.B. die h\u00e4ufig in Medien zitierte Haut\u00e4rztin und Autorin Dr. Yael Adler, u.a. hier:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunknova.de\/beitrag\/diy-kosmetik-worauf-wir-achten-sollten\">https:\/\/www.deutschlandfunknova.de\/beitrag\/diy-kosmetik-worauf-wir-achten-sollten<\/a>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Oktober 2023 ist es EU-weit verboten: Mikroplastik in s\u00e4mtlichen Kosmetikprodukten und Waschmitteln. 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