{"id":135630,"date":"2023-12-04T07:06:00","date_gmt":"2023-12-04T06:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=135630"},"modified":"2023-11-30T10:00:52","modified_gmt":"2023-11-30T09:00:52","slug":"kreislauf-muss-bezahlbar-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kreislauf-muss-bezahlbar-sein\/","title":{"rendered":"Kreislauf muss bezahlbar sein"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Der Verpackungshersteller Alpla hat in den letzten Jahren viele Millionen Euro ins Recycling von Kunststoffen investiert und ist dabei auch unkonventionelle Wege gegangen. Wir sprachen mit CEO Philipp Lehner \u00fcber die wahren Ursachen des \u201eMarine Litter\u201c und angepasste L\u00f6sungen, um Kunststoff auch bei schwierigen Rahmenbedingungen im Kreislauf zu halten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.k-zeitung.de\/drimage\/1320\/743\/15115\/-\/sites\/default\/files\/ww\/2023-10\/alpla_philipp-lehner_ceo.jpeg\" alt=\"Philipp Lehner, CEO von Alpla: \u201eIch finde es zum Teil illusorisch, wie heute \u00fcber Kreislauf gesprochen wird, ohne im gleichen Atemzug die Leistbarkeit mit in Betracht zu ziehen.\u201c\" style=\"width:350px\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Philipp Lehner, CEO von Alpla: \u201eIch finde es zum Teil illusorisch, wie heute \u00fcber Kreislauf gesprochen wird, ohne im gleichen Atemzug die Leistbarkeit mit in Betracht zu ziehen.\u201c <strong>\u00a9<\/strong> Apla<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Herr Lehner, rein technisch gesehen, ist Kunststoff den anderen Verpackungsmaterialien in fast allen Kriterien \u00fcberlegen, hat aber trotzdem insbesondere durch die Verschmutzung der Meere \u2013 Stichwort Marine Litter \u2013 einen schlechten Ruf. Wo sehen Sie den gr\u00f6\u00dften Hebel, um den Eintrag der Kunststoffverpackungen ins Meer zu reduzieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Philipp Lehner: Die Wahrnehmung in der Bev\u00f6lkerung wird getriggert durch die Schildkr\u00f6ten, die sich in Kunststoffabfall verfangen haben. Dadurch steht die These im Raum: Verursacher des Marine Litter muss die Konsumg\u00fcter Industrie sein und es muss wahrscheinlich auch die Verpackung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir leben weiter und wir lernen weiter. Es gibt inzwischen mehrere Studien und Sch\u00e4tzungen, die davon ausgehen, dass bis zu 70% der Kunststoffabf\u00e4lle im Meer von der Fischerei stammen. Das Sch\u00f6ne dabei ist nicht zwingend, dass die Verpackung nur der kleinere Teil ist. Das Sch\u00f6ne ist, dass wir jetzt wissen, wo das gro\u00dfe Problem steckt und wir die entsprechenden Ma\u00dfnahmen ergreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Verpackungsseite ist es nach wie vor so, dass nur einige wenige Wasserlinien \u2013 zehn an der Zahl \u2013 f\u00fcr den Gro\u00dfteil der Verschmutzung durch Verpackungsabf\u00e4lle verantwortlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und was k\u00f6nnen wir dagegen tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lehner: Die Analysen unseres Teams zeigen: Es gibt zwei M\u00e4rkte f\u00fcr Recycling oder Wiederverwendung von Verpackungsmaterial. Es gibt die strukturierten und die unstrukturierten. Bei strukturierten M\u00e4rkten ist klar, wer f\u00fcr den M\u00fcll die Verantwortung tr\u00e4gt, ihn abholt beziehungsweise entsorgt. In unstrukturierten M\u00e4rkten organisieren sich Sammler, Abnehmer und Verwerter selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir jetzt aber gelernt haben: Die effektive Sammelrate hat nicht zwingend damit zu tun, ob das Sammeln strukturiert oder unstrukturiert erfolgt. Nehmen wir als Beispiel Indien. Indien hat bei festen Verpackungen aus PET, wie Flaschen oder Schalen, eine Recyclingrate von rund 90 Prozent und bei HDPE nur geringf\u00fcgig weniger.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist sehr, sehr hoch \u2013 fast so hoch wie Deutschland mit einem strukturierten Umfeld, und das ist beachtlich. Und da gibt es noch einige andere M\u00e4rkte, die \u00e4hnliche Zahlen verzeichnen. Hei\u00dft: Strukturiert oder unstrukturiert hat nichts mit effektiver Sammlung zu tun.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wovon h\u00e4ngt denn dann eine effektive Sammlung ab?\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lehner: Wie in jedem Markt z\u00e4hlt auch hier, dass es einen Zweitmarkt gibt. Also einen nachfolgenden Markt, der aus dem Abfall Wertsch\u00f6pfung generieren kann. Wenn das gegeben ist, dann findet sich der Markt von ganz alleine \u2013 man muss also gar nicht regulieren. Entscheidend ist, dass der M\u00fcll einen Wert bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist speziell bei festen Kunststoffen so, wie PET, HDPE und zum Teil auch PP, die dann in einem nachfolgenden Recyclingprozess wieder verarbeitet werden k\u00f6nnen und sich erneut als Verpackung oder in anderen Anwendungen einsetzen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns als Verpacker ist es deshalb das Wichtigste, dass wir Verpackungen herstellen, die ein zweites Leben haben k\u00f6nnen. Das ist bei manchen Kategorien wie zum Beispiel Flexibles nicht oder nur sehr schwer m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lehner: Bei Flexibles machen die wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Sammler keinen Sinn. Denn nach unserer Erfahrung muss ein Sammler in einem unstrukturierten Umfeld pro Tag rund 30 Kilogramm Material sammeln k\u00f6nnen, damit er beim Verdienst \u00fcber dem Minimaleinkommen liegt. In der Regel kann das m\u00f6glich sein, in manchen M\u00e4rkten kann der Sammler auch das Zwei- oder Dreifache des regionalen Minimumlohns erzielen, beispielsweise in Teilen Afrikas.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Sammler f\u00fcr ihr Sammelgut einen Preis bekommen, wird das Material auch gesammelt und es gibt keine Verpackungen mehr, die herumliegen. Denn dann gibt es Einkunftsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Leute, die in diesem Markt aktiv sein wollen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Also muss man gar keine aufw\u00e4ndigen Sammelsysteme aufbauen wie bei uns, sondern nur dem Produkt einen Wert geben, damit sich das Sammeln lohnt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lehner: Genau \u2013 nat\u00fcrlich braucht man dazu Marktmechanismen wie eine stabile Abnahme und eine relativ transparente und nachvollziehbare Preisfindung. Aber wenn das gegeben ist, dann richten sich ganze M\u00e4rkte danach aus. Ich finde das sehr spannend, denn dann kann der Markt das tun, was er am besten kann: Probleme l\u00f6sen. Daf\u00fcr muss das Sammeln aber wirtschaftlich sein und darum m\u00fcssen die Verpackungen im zweiten Leben einen Wert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Generell gilt: Verschiedene L\u00f6sungen haben verschiedene Anwendungsf\u00e4lle und ich denke, wir m\u00fcssen alle in Betracht ziehen, wenn wir wirklich einen Kreislauf schaffen wollen, der auch in unstrukturierten M\u00e4rkten umsetzbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde es zum Teil illusorisch, wie heute \u00fcber Kreislauf gesprochen wird, ohne im gleichen Atemzug die Leistbarkeit mit in Betracht zu ziehen. Denn die Idee, in Deutschland Regularien auf den Weg zu bringen, die dann L\u00e4nder wie Indien kopieren, wird nur funktionieren, wenn diese L\u00e4nder auch etwas davon haben und sich die Waren nicht unn\u00f6tig verteuern. Denn wenn das indische Shampoo nicht mehr eine Rupie kostet, sondern zwei, ist das System zum Scheitern verurteilt, denn die Leute k\u00f6nnen sich das nicht mehr leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle k\u00fcnftigen L\u00f6sungen m\u00fcssen in dieser Balance bleiben und dazu brauchen wir auch in der Kreislaufwirtschaft verschiedene, an die regionalen Gegebenheiten angepasste L\u00f6sungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo sehen Sie denn abseits der Verpackungen noch Potenzial f\u00fcr mehr Recycling?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lehner: Gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr Verbesserungen haben zum Beispiel die Hersteller von Konsumg\u00fctern, die jetzt gefordert sind, Design for Recycling Konzepte umzusetzen, damit auch hier ein Nachmarkt entstehen kann. Hier findet bereits ein Umdenken statt. Auch in den klassischen Segmenten, bei denen eine Farbenvielfalt sehr wichtig war, entsteht jetzt ein Umdenken und die Unternehmen arbeiten an wirklich neue Designs, die es erlaubt, die Flaschen nach dem Gebrauch besser recyceln zu k\u00f6nnen. Hier steckt auf jeden Fall noch gro\u00dfes Potenzial.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verpackungshersteller Alpla hat in den letzten Jahren viele Millionen Euro ins Recycling von Kunststoffen investiert und ist dabei auch unkonventionelle Wege gegangen. Wir sprachen mit CEO Philipp Lehner \u00fcber die wahren Ursachen des \u201eMarine Litter\u201c und angepasste L\u00f6sungen, um Kunststoff auch bei schwierigen Rahmenbedingungen im Kreislauf zu halten. 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