{"id":13456,"date":"2013-08-15T00:00:00","date_gmt":"2013-08-14T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20130815-05n"},"modified":"2013-08-15T00:00:00","modified_gmt":"2013-08-14T22:00:00","slug":"mutagenes-pflanzengift-in-traditionellen-heilmitteln-fuehrt-zu-vielen-krebsfaellen-in-asien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mutagenes-pflanzengift-in-traditionellen-heilmitteln-fuehrt-zu-vielen-krebsfaellen-in-asien\/","title":{"rendered":"Mutagenes Pflanzengift in traditionellen Heilmitteln f\u00fchrt zu vielen Krebsf\u00e4llen in Asien"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin-left:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20130815-05\/Pflanzenforschung.jpg\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"Gew\u00f6hnliche Osterluzei (<i\/>Aristolochia clematitis): Eine<br \/>alte europ\u00e4ische Heilpflanze mit ungewollten Neben-<br \/>wirkungen.(Quelle: \u00a9 H. Zell \/wikimedia.org)&#8221;><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px;\" align=\"left\">Gew\u00f6hnliche Osterluzei (<i>Aristolochia clematitis<\/i>): Eine<br \/>alte europ\u00e4ische Heilpflanze mit ungewollten Neben-<br \/>wirkungen.(Quelle: \u00a9 H. Zell \/wikimedia.org)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><b>Pflanzen sind Hauptbestandteile der meisten traditionellen Heilmittel. W\u00e4hrend ihre verantwortungsbewusste Verwendung in den meisten F\u00e4llen kein Problem ist, trifft das auf die Pflanzengattung <i>Aristolochia<\/i> nicht zu. Schon seit einigen Jahrzehnten ist die mutagene und kanzerogene Wirkung von Aristolochias\u00e4uren bekannt. In Deutschland darf die Pflanze daher nicht mehr verwendet werden, au\u00dfer in hochverd\u00fcnnten hom\u00f6opathischen Dosen (ab D11). Trotzdem steht das Kraut in Teilen Asiens \u2013 obwohl auch hier inzwischen verboten \u2013 nach wie vor hoch im Kurs. Zwei internationale Wissenschaftlerteams haben sich erneut mit der Pflanzengattung auseinandergesetzt und k\u00f6nnen nun zeigen, wie stark Aristolochias\u00e4uren das menschliche Genom sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Die Gattung <i>Aristolochia<\/i><\/b><br \/>Die Gattung der Pfeifenblumen (<i>Aristolochia<\/i>, Familie der Osterluzeigew\u00e4chse\/<i>Aristolochiaceae<\/i>) ist auf vielen Kontinenten verbreitet. Unverkennbar sind die Pflanzen an ihren schlauchf\u00f6rmigen Bl\u00fcten. Auch in Deutschland gibt es eine der Gattung zugeh\u00f6rige Art, die Gemeine Osterluzei (<i>Aristolochia clematitis<\/i>), die in der Antike als traditionelles Heilmittel zur Geburtshilfe und zur Behandlung von Arthritis verwendet wurde. <i>Aristolochia<\/i> wurde in neuerer Zeit zur Gewichtsreduktion und bei Regelbeschwerden eingesetzt.<\/p>\n<p>Die in vielen Vertretern der Osterluzeigew\u00e4chse enthaltenen Aristolochias\u00e4uren (Aristolochic acid, AA) sind schon seit den 80er Jahren als krebserregend bekannt und d\u00fcrfen seit 1981 in Deutschland nicht mehr verkauft werden. Sie stehen im Verdacht, schwere Nierensch\u00e4den sowie Krebs der oberen Harnwege (Upper-Tract Urothelial Cancer, UTUC) zu verursachen. In den 90er Jahren kamen sie erneut in die Schlagzeilen, als in Belgien Kr\u00e4utermischungen mit <i>Aristolochia<\/i> zur Gewichtsreduktion bei den Anwenderinnen schweres Nierenversagen verursachten. Auch bei der in Bulgarien seit den 50er Jahren auftretenden &#8220;Balkan-Nephropathie&#8221;, einer schweren Nierenerkrankung, entdeckten Forscher einen Zusammenhang zur Osterluzei. Sie stellten fest, dass bei der Getreideernte Samen des Ackerunkrauts mit geerntet und zu Mehl verarbeitet wurden.<\/p>\n<p><i>Aristolochia<\/i> wurde in gro\u00dfen Teilen Asiens erst 2003 verboten. Trotz Verbot kann es aber offenbar immer noch \u00fcber das Internet bezogen werden. Vor allem in Taiwan wird die Pflanze nach wie vor hoch gesch\u00e4tzt. Mediziner gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der Bev\u00f6lkerung Taiwans bereits mindestens einmal aristolochiahaltige Medizin genommen hat. Taiwan hat eine sehr hohe UTUC-Krebsrate.<\/p>\n<div style=\"float:left;margin-right:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20130815-05\/Pflanzenforschung2.jpg\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"<i\/>Aristolochia baetica: Typisch f\u00fcr die Gattung <i>Aristolochia<\/i><br \/>sind die schlauchartigen Bl\u00fcten. <br \/>(Quelle: \u00a9 Antonio (montuno) \/ wikimedia.org; CC BY 2.0)&#8221;><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px\" align=\"left\"><i>Aristolochia baetica<\/i>: Typisch f\u00fcr die Gattung <i>Aristolochia<\/i><br \/>sind die schlauchartigen Bl\u00fcten. <br \/>(Quelle: \u00a9 Antonio (montuno) \/ wikimedia.org; CC BY 2.0)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p><b>Mutationen am laufenden Meter<\/b><br \/>F\u00fcr die neue Studie untersuchten Forscher der Universit\u00e4t Singapur Gewebe von neun vermutlich durch Aristolochias\u00e4uren verursachten UTUC-Krebsf\u00e4llen. Sie fanden bis zu 150 Genmutationen per Mb (Megabasenpaaren, eine Million Basenpaare), das ist eine h\u00f6here Rate als exzessives Rauchen (8 Mutationen\/Mb) und hohe UV-Licht-Dosis (111 Mutationen\/Mb), die bisher als Spitzenreiter bei der Mutationsrate galt, verursachen. Zudem war nicht nur ein Gen betroffen, sondern die Forscher fanden Mutationen in bis zu 1.500 Genen. Die Wissenschaftler untersuchten au\u00dferdem die Genstruktur von Zellen aus 93 Lebertumoren und fanden in elf von ihnen Aristolochia-typische Signaturen. Das legt den Verdacht nahe, dass Aristolochias\u00e4uren auch weitere Krebsarten f\u00f6rdern k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>In einer zweiten Studie stellten Wissenschaftler der Universit\u00e4t Baltimore (USA) eine typische Mutationssignatur in den betroffenen Geweben von 19 Krebs-Patienten fest: Die Mutationen traten bevorzugt an speziellen Sequenzabschnitten wie CAG (Cytosin \u2013 Adenin \u2013 Guanin) oder TAG (Thymin \u2013 Adenin \u2013 Guanin) auf. Zudem beobachteten die Forscher ein geh\u00e4uftes Auftreten von Transversionen (bei 72 Prozent der beobachteten Mutationen), zumeist auf dem nicht-transkribierten Strang der DNA. Diese Mutationen liegen offenbar oft im Bereich sogenannter Splei\u00dfstellen. Hier wird die von der DNA transkribierte pr\u00e4-mRNA durch das Entfernen (Splei\u00dfen) von nicht codierenden Teilen, den sogenannten Introns, zur fertigen mRNA, bestehend aus den protein-codierenden Teilen, den Exons, zusammengestellt. Die beobachteten Mutationen f\u00fchrten teilweise zum Ausschluss ganzer Exons.<\/p>\n<p><b>Aufkl\u00e4rung ist wichtig<\/b><br \/>Die Wissenschaftler stellen fest, dass mit den Ergebnissen die Therapien f\u00fcr die betroffenen Patienten zwar nicht verbessert werden k\u00f6nnen, aber es besteht die M\u00f6glichkeit herauszufinden, ob der Krebs durch Aristolochia ausgel\u00f6st wurde. Dazu kann gezielt nach m\u00f6glichen weiteren Aristolochia-induzierten Tumoren gesucht werden. Die Wissenschaftler beider Studien hoffen zudem, mit ihren Ergebnissen dazu beizutragen, die Aufkl\u00e4rung in Bezug auf diese Pflanzengattung weiter voran zu treiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Pflanzen sind Hauptbestandteile der meisten traditionellen Heilmittel. W&auml;hrend ihre verantwortungsbewusste Verwendung in den meisten F&auml;llen kein Problem ist, trifft das auf die Pflanzengattung <i>Aristolochia<\/i> nicht<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[5327,5431],"class_list":["post-13456","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-national-university-of-singapore","supplier-university-of-baltimore"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13456"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13456\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13456"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=13456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}