{"id":13428,"date":"2013-09-13T00:00:00","date_gmt":"2013-09-12T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20130913-02n"},"modified":"2013-09-13T00:00:00","modified_gmt":"2013-09-12T22:00:00","slug":"die-meisten-landwirte-der-eu-kommen-glimpflich-durch-die-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-meisten-landwirte-der-eu-kommen-glimpflich-durch-die-finanzkrise\/","title":{"rendered":"Die meisten Landwirte der EU kommen glimpflich durch die Finanzkrise"},"content":{"rendered":"<p><b>Die europ\u00e4ischen Volkswirtschaften und die Europ\u00e4ische Union befinden sich derzeit in einer tiefen Krise. Welche Folgen dies f\u00fcr den Agrarsektor hat, haben PD Dr. Martin Petrick und Mathias Kloss, Wissenschaftler am Leibniz-Institut f\u00fcr Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), untersucht. Die Ergebnisse wurden k\u00fcrzlich in der Zeitschrift Choices &#8211; The magazine of food, farm, and resource issues (Vol. 28.) ver\u00f6ffentlicht. Betrachtet man die Entwicklung der Finanzkrise seit ihrem Beginn im Fr\u00fchjahr 2007, so lassen sich drei m\u00f6gliche Einflusskan\u00e4le auf den Agrarsektor unterscheiden. Erstens k\u00f6nnte sich eine Kreditklemme f\u00fcr Agrarunternehmer einstellen, zweitens fragen die Verbraucher in Krisenzeiten m\u00f6glicherweise weniger Agrarprodukte nach, und drittens k\u00f6nnten die durch die Krise hervor-gerufenen Belastungen der \u00f6ffentlichen Haushalte zu Einsparungen in der Agrarf\u00f6rderung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Finanzielle Situation der Landwirte<\/b><br \/>&#8220;Die am schwersten von der Finanzkrise betroffenen L\u00e4nder sind nicht unbedingt identisch mit denen, deren Agrarbetriebe besonders unter der Krise leiden. Insbesondere in Griechenland, Irland, Italien und Spanien wird die Agrarwirtschaft von kleinen Betrieben mit einer niedrigen Investitionsquote dominiert,&#8221; fasst Petrick ein Ergebnis der Studie zusammen. In nahezu allen L\u00e4ndern der EU sind Landwirte nur wenig verschuldet. Eine Ausnahme bildet D\u00e4nemark. Hier sind Agrarunternehmer, verst\u00e4rkt durch das sehr liberale Finanzsystem, besonders investitions- und risikofreudig. In 2009 waren hier die Investitionen auf Grund der Finanzkrise r\u00fcckl\u00e4ufig. F\u00fcr Griechenland und Italien belegen die Zahlen, dass Landwirte \u00fcber immer weniger Eigenkapital verf\u00fcgen. Mit den zunehmenden Turbulenzen auf den Finanzm\u00e4rkten seit Mitte der 2000-er Jahre stiegen die Zinsen f\u00fcr Darlehen. Mit Lockerung der Geldpolitik fielen die Darlehenszinsen jedoch wieder deutlich. In den meisten L\u00e4ndern, so die Studie von Petrick und Kloss, zahlen Agrarbetriebe keine geringeren Zinsen als Unternehmen in der \u00fcbrigen Wirtschaft, es gibt also keine besondere &#8220;Agrarpr\u00e4mie&#8221;. Einzig in Portugal werden Agrarunternehmern g\u00fcnstigere Konditionen einger\u00e4umt. Im Gegensatz dazu m\u00fcssen Landwirte in Griechenland extrem hohe Darlehenszinsen zahlen. Was die H\u00f6he des Kapitalgewinns betrifft, weist Kloss darauf hin: &#8220;In allen L\u00e4ndern, die wir untersucht haben, liegt die betriebsinterne Verzinsung des Anlageverm\u00f6gens weit unter dem f\u00fcr Umlaufmittel. Um genau zu sein, ist diese typischerweise negativ. In der Agrarwirtschaft besteht also eher eine \u00dcberkapitalisierung, als dass man von einem Mangel an Krediten sprechen k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p><b>Auswirkungen der Krise auf Warenabsatzm\u00e4rkte und Ma\u00dfnahmen der Politik<\/b><br \/>Betrachtet man die Folgen der Krise f\u00fcr die Warenabsatzm\u00e4rkte, so l\u00e4sst sich feststellen, dass die europ\u00e4ische Lebensmittelindustrie relativ unbeschadet durch die Krise gekommen ist. Lediglich auf dem Milchmarkt f\u00fchrte die weltweite Finanzkrise zu einem drastischen R\u00fcckgang der Nachfrage nach Milchprodukten. Die Preise lagen \u00fcber den Vorstellungen der Endverbraucher. W\u00e4hrend die weiterverarbeitende Industrie und der Einzelhandel ihre Gewinnmargen erh\u00f6hten, stieg die Nachfrage der Konsumenten nicht so weit an, als dass diese die von Industrie und Handel an die Landwirte durchgereichten Preissenkungen ausgeglichen h\u00e4tte. Dies f\u00fchrte zu massiven Protesten der Milchbauern. &#8220;Die Politik reagierte darauf nicht nur mit einem Milliardenrettungspaket,&#8221; f\u00fchrt Petrick aus, &#8220;am Ende beschloss die Europ\u00e4ische Kommission eine Umstrukturierung der Milchm\u00e4rkte, einschlie\u00dflich neuer Vorgaben f\u00fcr Vermarktungsvertr\u00e4ge.&#8221;<\/p>\n<p><b>F\u00fcr die Mehrzahl der EU-Landwirte ist die Krise folgenlos geblieben<\/b><br \/>Nach Ausbruch der Finanzkrise, das belegt die Studie von Petrick und Kloss, hatten einige der europ\u00e4ischen Landwirte Schwierigkeiten, einen Kredit zu bekommen. Die Mehrzahl der Landwirte war nur wenig unmittelbar betroffen. Eine geringe Verschuldung und niedrige Zinsen bewahrte die meisten Agrarunternehmer vor zu hohen Risiken. Die Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass das, was sich im Zuge der Finanzkrise als vorteilhaft erwiesen hat, sich f\u00fcr die Zukunft als Entwicklungshemmnis erweisen k\u00f6nnte. Institutionelle Schw\u00e4chen im Bankwesen k\u00f6nnten strukturelle Ver\u00e4nderungsprozesse verlangsamen und weiterf\u00fchrende Modernisierungen blockieren. Gleichzeitig ist jedoch auch in Zukunft mit einer andauernden agrarpolitischen St\u00fctzung des Agrarsektors zu rechnen. Diese Ma\u00dfnahmen werden Agrarunternehmer voraussichtlich auch k\u00fcnftig vor den gravierendsten Folgen der Krise sch\u00fctzen helfen.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen finden Sie in der Ver\u00f6ffentlichung:<\/b><br \/><a href=\"http:\/\/www.choicesmagazine.org\/choices-magazine\/theme-articles\/the-eurozone-crisis-and-its-implications-for-agriculture-in-selected-regions-of-the-world\/exposure-of-eu-farmers-to-the-financial-crisis\" >Petrick, M., Kloss, M. (2013): Exposure of EU Farmers to the Financial Crisis, Choices &#8211; The magazine of food, farm, and resource issues, Vol. 28, No. 2, pp. 1-6.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die europ&auml;ischen Volkswirtschaften und die Europ&auml;ische Union befinden sich derzeit in einer tiefen Krise. 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