{"id":134168,"date":"2023-11-07T07:23:00","date_gmt":"2023-11-07T06:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=134168"},"modified":"2023-11-02T10:53:55","modified_gmt":"2023-11-02T09:53:55","slug":"zellstofffabrik-in-finnland-blockiert-die-zukunft-ist-zerhackselt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/zellstofffabrik-in-finnland-blockiert-die-zukunft-ist-zerhackselt\/","title":{"rendered":"Zellstofffabrik in Finnland blockiert:\u00a0Die Zukunft ist zerh\u00e4ckselt"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Rund 30 Greenpeace-AktivistInnen blockierten am Mittwoch zeitweise den Betrieb einer Ende September er\u00f6ffneten neuen Zellstofffabrik im nordfinnischen Kemi. Die nahe der finnisch-schwedischen Grenze gelegene Fabrik des Mets\u00e4-Konzerns ist die gr\u00f6\u00dfte der Nordhalbkugel. Die Bef\u00fcrchtung der DemonstrantInnen: Damit deren Produktionskapazit\u00e4t von j\u00e4hrlich 7,6 Millionen Kubikmeter Holzrohstoff gedeckt werden kann, wird&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Waelder-werden-Netto-CO2-Produzenten\/!5880047\/\" rel=\"noreferrer noopener\">die sowieso schon l\u00e4ngst fehlgeleitete Forstwirtschaft in Nordschweden und Nordfinnland<\/a>&nbsp;noch weniger nachhaltig.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"624\" height=\"312\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/11\/Finnland-Wald-Bewirtschaftung-Klima-1.jpeg\" alt=\"Ein ordentlicher und klimaangepasster Mischwald sieht anders aus: Holzstapel in finnischem Forst \" class=\"wp-image-134192\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/11\/Finnland-Wald-Bewirtschaftung-Klima-1.jpeg 624w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/11\/Finnland-Wald-Bewirtschaftung-Klima-1-300x150.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/11\/Finnland-Wald-Bewirtschaftung-Klima-1-150x75.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/11\/Finnland-Wald-Bewirtschaftung-Klima-1-400x200.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein ordentlicher und klimaangepasster Mischwald sieht anders aus: Holzstapel in finnischem Forst. Foto: Tainas\/YAY Images\/imago<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/sogo.taz.de\/SOGo\/so\/wolff\/Mail\/0\/folderINBOX\/6501\/2\/Greenpeace%20Presseerkl%C3%A4rung%20vom%2025.10.23.pdf\" rel=\"noreferrer noopener\">Greenpeace fordert einen Kurzwechsel<\/a>: Die holzverarbeitende Industrie m\u00fcsse sich zum einen verpflichten, nur Rohstoffe zu verwenden, die im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft gewonnen wurden. Also vor allem nicht aus noch relativ unber\u00fchrten W\u00e4ldern, nicht&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Ausstellung-zu-Kolonialismus-in-Nordeuropa\/!5942423\/\" rel=\"noreferrer noopener\">unter Verletzung der Rechte indigener V\u00f6lker<\/a>, nicht aus Kahlschl\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum anderen m\u00fcsse auch der Bedarf von Holzrohstoff f\u00fcr Wegwerfprodukte wie Kartons und Einwegverpackungen reduziert, Holz stattdessen f\u00fcr haltbarere und langlebigere Produkte verwendet werden. Nur so k\u00f6nne einer&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Folgen-der-Klimakrise\/!5939588\/\" rel=\"noreferrer noopener\">weiteren Verarmung der Artenvielfalt<\/a>&nbsp;entgegengewirkt werden und der Wald seine f\u00fcr das Klima zentrale Rolle als Kohlendioxidsenke erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn das tun die W\u00e4lder sogar in einem so waldreichen Land wie Finnland, in dem drei Viertel der Landfl\u00e4che s\u00fcdlich des Polarkreises bewaldet sind, mittlerweile nicht mehr. W\u00e4lder sind nur dann Klimagassenken, wenn sie mehr CO<sub>2<\/sub>binden, als gleichzeitig durch Abholzung und verminderten Zuwachs verschwindet. Das Ziel, bis 2035 \u201eklimaneutral\u201c zu werden, wollte Helsinki beispielsweise dadurch erreichen, dass es f\u00fcr seine jetzigen Emissionen von j\u00e4hrlich rund 50 Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub>&nbsp;rund 20 Millionen Tonnen aus den Klimagassenken gegenrechnet. Nur der Rest sollte \u201eechte\u201c Reduktion sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quelle statt Senke<\/h3>\n\n\n\n<p><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Waelder-werden-Netto-CO2-Produzenten\/!5880047\/\" rel=\"noreferrer noopener\">2021 war aber erstmals seit Beginn der statistischen Erfassung vor drei Jahrzehnten nichts mehr f\u00fcr die Gegenrechnung \u00fcbrig<\/a>. Statt zur Entlastung der Klimagasbilanz beizutragen, war aus dem Wald eine zus\u00e4tzliche Quelle bei der Freisetzung von Kohlendioxid in die Erdatmosph\u00e4re geworden. Verantwortlich daf\u00fcr war neben einem um 9 Prozent gestiegenen Holzeinschlag ein gleichzeitig um 4 Prozent geringerer Neuzuwachs.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch aus Schweden kommen alarmierende Zahlen. Laut offizieller Statistik hat sich die Forstnutzung hier zwar noch nicht zu einer zus\u00e4tzlichen CO2-Quelle entwickelt, aber die&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.naturvardsverket.se\/om-oss\/aktuellt\/nyheter-och-pressmeddelanden\/nettoinlagringen-av-koldioxid-i-vaxande-trad-minskar-kraftigt\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Nettoeinlagerung von Kohlendioxid schrumpfte zuletzt auch hier<\/a>&nbsp;in nur einem Jahr um fast 20 Prozent. Es gebe eigentlich nur eine Konsequenz, meint David Erlandsson von der schwedischen Naturschutzvereinigung: Das Abholzungstempo m\u00fcsse radikal zur\u00fcckgefahren werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dazu bed\u00fcrfte es Anreizen f\u00fcr die Waldbesitzer, Wald nicht abzuholzen, sondern weiter wachsen zu lassen und damit der Entwicklung entgegenzuwirken, dass aus den Klimagassenken zus\u00e4tzliche CO<sub>2<\/sub>-Quellen werden, meinte Finnlands bis zum Sommer regierende Koalition unter Ministerpr\u00e4sidentin Sanna Marin. Das Klimaministerium pr\u00fcfte verschiedene Konzepte, wie man \u00fcber ein Entsch\u00e4digungssystem die nat\u00fcrliche Klimagasspeicherung des Waldes wieder aufbauen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kein klimaneutraler CO2-Aussto\u00df<\/h3>\n\n\n\n<p>Neben der Zellstoffbranche hatte man dabei vor allem die Industrie im Blick, die aus Holzbiomasse Strom und W\u00e4rme gewinnt. Eine Nutzungsart, bei der in wenigen Sekunden das \u00fcber Jahrzehnte im Holz gelagerte Kohlendioxid in die Atmosph\u00e4re freigesetzt wird. F\u00fcr das diese Industrie sich aber anders als bei der Verbrennung fossiler Energietr\u00e4ger die Kosten f\u00fcr Emissionszertifikate sparen kann \u2013 sie gilt als \u201eCO<sub>2<\/sub>-neutral\u201c. Dabei seien \u201eim Hinblick auf das Klima alle Formen von Kohlendioxidaussto\u00df sch\u00e4dlich\u201c, sagt Jyrki Raitila vom finnischen Technikforschungsinstitut VTT: \u201eEs spielt keine Rolle, ob Biomasse oder fossile Brennstoffe verbrannt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In einer VTT-Studie wurde ein theoretisches Modell f\u00fcr einen von der holzverarbeitenden Industrie zu zahlenden und am Emissionsrechtehandel orientierten Preis f\u00fcr die von ihr verursachten CO<sub>2<\/sub>-Emissionen entwickelt, mit dem dann wiederum die Waldbesitzer f\u00fcr die Kohlenstoffbindung entsprechend entsch\u00e4digt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis: Schon bei einer Kompensation, die von einem Kohlendioxidpreis von 40 Euro pro Tonne CO<sub>2<\/sub>&nbsp;ausgeht \u2013 derzeitiger Emissionsrechtekurs ca 80 Euro \u2013, w\u00fcrden diese mit einem Abholzverzicht jedenfalls keinen Verlust machen. Jeder h\u00f6here Preis w\u00e4re ein Gewinn f\u00fcr sie, w\u00fcrde den Anreiz also steigern. Die&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Klimaforscherin-ueber-Kipppunkte\/!5904202\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Kohlenstoffsenken w\u00fcrden wieder zunehmen<\/a>&nbsp;und die Entwicklung gr\u00fcner Technologien profitabler werden. Der Haken: Die holzverarbeitende Industrie w\u00e4re nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 30 Greenpeace-AktivistInnen blockierten am Mittwoch zeitweise den Betrieb einer Ende September er\u00f6ffneten neuen Zellstofffabrik im nordfinnischen Kemi. Die nahe der finnisch-schwedischen Grenze gelegene Fabrik des Mets\u00e4-Konzerns ist die gr\u00f6\u00dfte der Nordhalbkugel. 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