{"id":13398,"date":"2013-05-02T00:00:00","date_gmt":"2013-05-01T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20130502-05n"},"modified":"2013-05-02T00:00:00","modified_gmt":"2013-05-01T22:00:00","slug":"fraunhofer-ibp-mit-rohrkolben-daemmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/fraunhofer-ibp-mit-rohrkolben-daemmen\/","title":{"rendered":"Fraunhofer IBP: Mit Rohrkolben d\u00e4mmen"},"content":{"rendered":"<p><b>Immer mehr Hauseigent\u00fcmer d\u00e4mmen ihre W\u00e4nde, um Energiekosten zu senken. H\u00e4ufig entscheiden sie sich f\u00fcr die billige Variante Polystyrol. Doch es gibt umweltfreundliche Alternativen: So eignet sich Rohrkolben hervorragend als nat\u00fcrliches Isoliermaterial.<\/b><\/p>\n<div style=\"float:right;margin-left:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20130502-05\/Fraunhofer.jpg\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"Rohrkolben (Typha) in seinen unterschiedlichen Verarbeitungsstufen. <br \/>Rechts oben ist die D\u00e4mmplatte zu sehen. (\u00a9 Fraunhofer IBP)&#8221;><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px;\" align=\"left\">Rohrkolben (Typha) in seinen unterschiedlichen Verarbeitungsstufen. <br \/>Rechts oben ist die D\u00e4mmplatte zu sehen. (\u00a9 Fraunhofer IBP)<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Rohrkolben wird schon seit langem f\u00fcr verschiedene Zwecke verwendet, wie zur Reinigung von Abw\u00e4ssern in Kl\u00e4ranlagen, zum Entgiften von B\u00f6den, als Rohstoff f\u00fcr handwerkliche Flechtarbeiten, als Nahrungsmittel oder in der traditionellen Medizin als Heilpflanze bei verschiedenen Erkrankungen. Forscher vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Bauphysik IBP in Valley wollen das Material aus der Natur jetzt als Baustoff nutzen \u2013 etwa zum D\u00e4mmen von Au\u00dfenw\u00e4nden oder als Putztr\u00e4ger. Dr. Martin Krus, Pr\u00fcfstellenleiter am IBP, bescheinigt dem nachwachsenden Rohstoff zahlreiche positive, f\u00fcr den Bau relevante Eigenschaften: \u00bbRohrkolben ist als Sumpfpflanze von Natur aus schimmelresistent und bestens gegen Feuchtigkeit ger\u00fcstet. Die Bl\u00e4tter der Pflanze haben ein faserverst\u00e4rktes St\u00fctzgewebe, das mit einem weichen Schwammgewebe ausgef\u00fcllt ist. Durch diesen speziellen Aufbau sind sie au\u00dferordentlich stabil und besitzen eine gute D\u00e4mmwirkung. Die bleibt auch in den fertigen Produkten erhalten.\u00ab Ein solches Produkt hat der Forscher bereits parat. In enger Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner typha technik Naturbaustoffe entwickelte er eine magnesitgebundene D\u00e4mmplatte aus Typha (lateinisch f\u00fcr Rohrkolben), die bereits zum Patent angemeldet ist. Die Platte verf\u00fcgt \u00fcber eine geringe W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit von 0,052 W\/mK (Watt pro Meter und Kelvin). Sie bietet einen guten Brand-, Schall- und W\u00e4rmeschutz und ist relativ diffusionsoffen, aber ausreichend dicht, um bei den meisten Anwendungen auf eine Dampfbremse verzichten zu k\u00f6nnen. Vor allem ist das Material in Richtung der Plattenebene mit hohen Dr\u00fccken belastbar. Die guten Werte der Typha-Platte konnten der Forscher und sein Team nach eineinhalbj\u00e4hrigen Messungen in einem N\u00fcrnberger Fachwerkhaus best\u00e4tigen. Dessen Au\u00dfenw\u00e4nde und auch das Fachwerk waren mit Typha saniert worden. \u00bbDie Handwerker vor Ort waren von dem nachhaltigen Material begeistert\u00ab, sagt Krus.<\/p>\n<p><b>Niedermoore durch Typha-Anbau regenerieren<\/b><br \/>Doch trotz der zahlreichen Vorz\u00fcge von Typha wird der Baustoff aus der Natur bislang noch nicht im gr\u00f6\u00dferen Stil verbaut und industriell verwertet. \u00bbRohrkolben w\u00e4chst in gro\u00dfen Best\u00e4nden vor allem in Osteuropa, vornehmlich in Rum\u00e4nien und Ungarn. Hierzulande wird die Feuchtgebietspflanze nicht kultiviert, sie m\u00fcsste also extra importiert werden\u00ab, schildert der Ingenieur einen wesentlichen Hinderungsgrund. Dabei g\u00e4be es in Deutschland geeignete Anbaufl\u00e4chen. Beispielsweise lie\u00dfen sich trockengelegte Niedermoore, die jahrzehntelang landwirtschaftlich genutzt wurden, durch den Anbau von Typha regenerieren. Dass dies m\u00f6glich ist, wurde bereits in dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gef\u00f6rderten Projekt \u00bbRohrkolbenanbau in Niedermooren\u00ab unter Leitung des Lehrstuhls f\u00fcr Landschafts\u00f6kologie der TU M\u00fcnchen gezeigt. \u00bbEntw\u00e4sserte Niedermoore sind eine Quelle von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen. Durch das Trockenlegen werden in Deutschl\u00e4nd j\u00e4hrlich bis zu 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt\u00ab, wei\u00df Krus. Zum Vergleich: Der Pkw-Verkehr in Deutschland verursacht j\u00e4hrlich 105 Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub>. Durch den Rohrkolbenanbau k\u00f6nnte dieser Prozess gestoppt werden. Der Torfschwund wird reduziert und viele der N\u00e4hrstoffe bleiben im Boden. Zugleich bieten Rohrkolbenfl\u00e4chen Lebensraum f\u00fcr seltene Tiere und Pflanzen. \u00bbDer Anbau von Typha tr\u00e4gt also auch zum Umweltschutz bei\u00ab, sagt der Forscher.<\/p>\n<p>Einem hohen Rohstoffertrag tut das keinen Abbruch, da Rohrkolben sehr schnellw\u00fcchsig ist. Dem geernteten Typha r\u00e4umt Krus gute Absatzchancen ein. \u00bbDie Pflanze l\u00e4sst sich leicht verarbeiten\u00ab, betont der Forscher. Die Bl\u00e4tter werden l\u00e4ngs in stabf\u00f6rmige Partikel aufgetrennt und anschlie\u00dfend auf die richtige L\u00e4nge von rund sieben Zentimeter gek\u00fcrzt. Anschlie\u00dfend werden sie in einer Trommel mit einem umweltfreundlichen mineralischen Kleber eingespr\u00fcht und in eine beheizte Presse gebracht. Derzeit erfolgt dieser Vorgang noch manuell. Einen Hersteller, der die Platte in Serie herstellt, haben der Experte und seine Kollegen noch nicht gefunden. \u00bbDabei w\u00e4re die Typha-Platte \u00e4u\u00dferst konkurrenzf\u00e4hig, wenn man sie in einem rationellen Verfahren herstellen w\u00fcrde\u00ab, ist der Wissenschaftler \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Aufgrund der vielen positiven technischen Eigenschaften und der vollst\u00e4ndigen R\u00fcckf\u00fchrbarkeit in den Stoffkreislauf sind die Einsatzm\u00f6glichkeiten von Typha vielf\u00e4ltig. Wegen der hohen Biegesteifigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht kann das Material f\u00fcr  Dachkonstruktionen oder als Leichtbausandwichelement f\u00fcr Fu\u00dfb\u00f6den und Zwischendecken verwendet werden. Auch T\u00fcrbl\u00e4tter, Fenster- und T\u00fcrst\u00fcrze lassen sich damit gestalten, ebenso ist der Ersatz von Holzbalken m\u00f6glich. Selbst die Putzarmierung mit Samenschirmchen haben die IBP-Forscher realisiert, indem sie Samenschirmchen der Rohrkolbenpflanze in Lehmputz vermischten, um so die Bildung von Rissen zu vermeiden. \u00bbIm Prinzip kann man ein komplettes Geb\u00e4ude aus Typha bauen, sieht man mal von den Rohren, Fenstern und der Eindeckung ab\u00ab, sagt Krus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Immer mehr Hauseigent&uuml;mer d&auml;mmen ihre W&auml;nde, um Energiekosten zu senken. H&auml;ufig entscheiden sie sich f&uuml;r die billige Variante Polystyrol. 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