{"id":133599,"date":"2023-10-26T07:20:00","date_gmt":"2023-10-26T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=133599"},"modified":"2023-10-23T10:58:06","modified_gmt":"2023-10-23T08:58:06","slug":"warum-kommen-biokunststoffe-in-deutschland-nicht-voran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/warum-kommen-biokunststoffe-in-deutschland-nicht-voran\/","title":{"rendered":"Warum kommen Biokunststoffe in Deutschland nicht voran?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Die Verpackungsindustrie setzt gro\u00dfe Hoffnungen in Biokunststoffe als nachhaltige Alternative zu erd\u00f6lbasiertem Plastik. Tats\u00e4chlich bieten die verschiedenen Materialien Vorteile wie die Reduktion von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und der Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Rohstoffen. Doch warum stockt der breite Einsatz?<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"512\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/10\/fachpack-n-textimage-biokunststoffe2.jpg\" alt=\"Gemessen am globalen Kunststoffmarkt ist die Biokunststoff-Produktion noch verschwindend gering. Gr\u00fcner Globus mit Pfeilen, die die Kreislaufwirtschaft symbolisieren sollen.\" class=\"wp-image-133614\" style=\"aspect-ratio:1.5;width:652px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/10\/fachpack-n-textimage-biokunststoffe2.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/10\/fachpack-n-textimage-biokunststoffe2-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/10\/fachpack-n-textimage-biokunststoffe2-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2023\/10\/fachpack-n-textimage-biokunststoffe2-400x267.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gemessen am globalen Kunststoffmarkt ist die Biokunststoff-Produktion noch verschwindend gering. Gr\u00fcner Globus mit Pfeilen, die die Kreislaufwirtschaft symbolisieren sollen. \u00a9 Pixabay<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Dies liegt zum einen daran, dass noch erhebliche Unsicherheiten \u00fcber die geeigneten Anwendungen von Biokunststoffen bestehen. Die Herstellung aus potenziellen Nahrungsquellen wie Zuckerrohr oder Mais k\u00f6nnte beispielsweise zu Konflikten zwischen Nahrungsmittel- und Kunststoffproduktion f\u00fchren.\u00a0Die <a href=\"https:\/\/www.fachpack.de\/de-de\">FACHPACK 2024<\/a> hat deshalb den Pavillon \u201eAlternative Verpackungsl\u00f6sungen\u201c ins Leben gerufen. Hier erfahren Anwender, welche Alternative zu fossilen oder papierbasierten Materialien zum Einsatz kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemessen am globalen Kunststoffmarkt ist die Biokunststoff-Produktion deshalb noch verschwindend gering. Nach den von\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.european-bioplastics.org\/market\/\" target=\"_blank\">European Bioplastics<\/a>\u00a0in Zusammenarbeit mit dem nova-Institut erhobenen Daten machen sie derzeit weniger als ein Prozent der gesamten Kunststoffproduktion von \u00fcber 390 Millionen Tonnen pro Jahr aus. Bis 2027 rechnet der Interessenverband mit einem Anstieg der Produktionskapazit\u00e4t von 2,2 Millionen Tonnen (2022) auf 6,3 Millionen Tonnen. Dabei sind biologisch abbaubare Kunststoffe wie PLA und PHA mit 51 Prozent am st\u00e4rksten vertreten. Der Anteil der nicht abbaubaren biobasierten Kunststoffe soll bis 2027 auf rund 44 Prozent sinken \u2013 obwohl ihre absolute Produktionskapazit\u00e4t steigen soll.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Biobasiert oder biologisch abbaubar \u2013 oder beides?<\/h3>\n\n\n\n<p>Allein die Unterscheidung der Typen sorgt bei vielen Verbrauchern f\u00fcr Verwirrung. Denn nicht alle Biokunststoffe sind biologisch abbaubar oder basieren auf nachwachsenden Rohstoffen. Es kommt immer auf die Zusammensetzung an. So werden\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.cetjournal.it\/cet\/23\/98\/001.pdf\" target=\"_blank\">biobasierte Kunststoffe<\/a>\u00a0zumindest teilweise aus biogenen Ressourcen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt und sind nicht biologisch abbaubar, z. B. biobasiertes PE. Biologisch abbaubare Kunststoffe hingegen zersetzen sich unter bestimmten Bedingungen und hinterlassen haupts\u00e4chlich CO<sub>2<\/sub>\u00a0und Wasser. Sie k\u00f6nnen aber auch aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden, z.B. Polycaprolacton (PCL) und Polybutylenadipat-Terephthalat (PBAT). Biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe hingegen basieren auf nachwachsenden Rohstoffen und sind biologisch abbaubar, z.B. Polymilchs\u00e4ure (PLA), Polyhydroxyalkanoate (PHA), Polybutylensuccinat (PBS), Blends auf St\u00e4rkebasis. Die Abgrenzung wird dadurch erschwert, dass sich die verschiedenen Typen teilweise \u00fcberschneiden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Materialien verf\u00fcgen heute \u00fcber \u00e4hnliche Verarbeitungseigenschaften wie herk\u00f6mmliche Kunststoffe. Sie werden in einer Vielzahl von M\u00e4rkten eingesetzt, wobei Verpackungen mit 48 Prozent (2022) den gr\u00f6\u00dften Marktanteil ausmachen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Entsorgung noch nicht einheitlich geregelt<\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz ihres Potenzials bringen Biokunststoffe auch Herausforderungen bei der Entsorgung mit sich. Es gibt&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.duh.de\/fileadmin\/user_upload\/download\/Projektinformation\/Kreislaufwirtschaft\/Bioplastik\/230229_DUH_Hintergrundpapier_Biokunststoffe_final.pdf\" target=\"_blank\">keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen<\/a>&nbsp;f\u00fcr die Entsorgung von Biokunststoffprodukten und die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass dies zu einer Verunsicherung der Verbraucher f\u00fchrt. Insbesondere das Label \u201ekompostierbar\u201c entspreche nicht der Realit\u00e4t. Denn viele dieser als kompostierbar gekennzeichneten Produkte werden in Kompostieranlagen nicht vollst\u00e4ndig abgebaut, was zu R\u00fcckst\u00e4nden und Qualit\u00e4tsverlusten im resultierenden Kompost f\u00fchrt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Art des Biokunststoffs \u2013 abbaubar oder nicht abbaubar \u2013 bestimmt die Art der Entsorgung. W\u00e4hrend Drop-in-Biokunststoffe, also biobasierte Kunststoffe, die chemisch identisch mit konventionellen Kunststoffen sind, problemlos in bestehenden Recyclinganlagen verwertet werden k\u00f6nnen, werden biologisch abbaubare Kunststoffe in Deutschland in der Regel aus dem Recyclingprozess ausgeschleust und stattdessen verbrannt. Gelangen sie dennoch in den Recyclingstrom, besteht die Gefahr, dass sie zu einer Qualit\u00e4tsminderung des Recyclats f\u00fchren. Hier setzt das Verpackungsgesetz mit der vorgesehenen Herstellerverantwortung an. Das\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/biobasierte-biologisch-abbaubare-kunststoffe#11-was-ist-der-unterschied-zwischen-biobasierten-und-biologisch-abbaubaren-kunststoffen\" target=\"_blank\">Umweltbundesamt\u00a0<\/a>weist daher darauf hin, dass biologisch abbaubare Kunststoffe in die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack geh\u00f6ren und die Hersteller dieser Kunststoffe sich an das Verpackungsgesetz halten m\u00fcssen.<br><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Politik sieht weiteren Forschungsbedarf<\/h3>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/ip_22_7155\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Kommission<\/a>&nbsp;hat sich im Rahmen ihres Green Deals dem Thema Biokunststoffe angenommen. In einem Rahmenpapier empfiehlt die Kommission: \u201eBiobasierte Kunststoffe sollten nachhaltig hergestellt und deutlich gekennzeichnet werden, wobei bevorzugt organische Abf\u00e4lle als Rohstoffe verwendet werden sollten.\u201c Das Rahmenpapier ist jedoch nicht rechtsverbindlich. Derzeit gibt es keine EU-Gesetzgebung, die sich umfassend mit biobasierten, biologisch abbaubaren und kompostierbaren Kunststoffen befasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig f\u00f6rdert die Union die Forschung zu Biokunststoffen, wie das&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/bioplasticseurope.eu\/project\" target=\"_blank\">Verbundprojekt Bio-Plastics Europe<\/a>. Dieses Projekt zielt darauf ab, nachhaltige Strategien und L\u00f6sungen f\u00fcr biobasierte Produkte zu erforschen, um die Kunststoffstrategie der EU und die Kreislaufwirtschaft zu unterst\u00fctzen. Es begann im Jahr 2019 und endete im September 2023. Unter anderem wurden im Rahmen von Bio-Plastics Europe Initiativen wie das Sicherheitsprotokoll f\u00fcr biobasierte Kunststoffe und ein Abfallwirtschaftshandbuch ins Leben gerufen. In einem letzten Schritt soll das Projekt die Praktiken dieses Handbuchs in Slowenien, Litauen, Italien und Griechenland in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen vor Ort umsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Bundesregierung sieht weiteren Forschungsbedarf und f\u00f6rdert daher beispielsweise das\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/rubio-biopolymer.de\/\" target=\"_blank\">Projekt Rubio<\/a> (Regionales unternehmerisches B\u00fcndnis zum Aufbau von Wertsch\u00f6pfungsketten f\u00fcr technische Biokunststoffe in Mitteldeutschland).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gemeinsamer Kraftakt n\u00f6tig<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Verbreitung von Biokunststoffen in Deutschland hat trotz ihrer potenziellen Vorteile noch einige H\u00fcrden zu meistern. W\u00e4hrend in Forschung und Entwicklung gro\u00dfe Fortschritte erzielt wurden, stehen das Fehlen klarer rechtlicher Vorgaben, Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit und ein mangelndes \u00f6ffentliches Bewusstsein einer breiteren Akzeptanz im Wege. Um das Potenzial von Biokunststoffen voll auszusch\u00f6pfen, ist es wichtig, dass Industrie, Regierung und Forschung gemeinsam L\u00f6sungen entwickeln, um diese Hindernisse zu \u00fcberwinden und die Akzeptanz in Deutschland zu f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verpackungsindustrie setzt gro\u00dfe Hoffnungen in Biokunststoffe als nachhaltige Alternative zu erd\u00f6lbasiertem Plastik. Tats\u00e4chlich bieten die verschiedenen Materialien Vorteile wie die Reduktion von CO2-Emissionen und der Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Rohstoffen. Doch warum stockt der breite Einsatz? 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