{"id":13349,"date":"2013-06-27T00:00:00","date_gmt":"2013-06-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20130627-05n"},"modified":"2021-09-09T21:51:12","modified_gmt":"2021-09-09T19:51:12","slug":"chancen-und-risiken-der-cosub2sub-abscheidung-und-speicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/chancen-und-risiken-der-cosub2sub-abscheidung-und-speicherung\/","title":{"rendered":"Chancen und Risiken der CO&lt;sub&gt;2&lt;\/sub&gt;-Abscheidung und -Speicherung"},"content":{"rendered":"<p><b>Technologien zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CO<sub>2<\/sub>) sind in Deutschland umstritten. Insbesondere der Transport und die Speicherung des CO<sub>2<\/sub> stehen in der Kritik. Die Debatte \u00fcber das sogenannte CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage) verl\u00e4uft dabei h\u00e4ufig emotional und weniger rational. Wissenschaftler haben unter Federf\u00fchrung des Forschungszentrums J\u00fclich erstmals eine umfassende Technologiebewertung von CCS vorgenommen. Ihr Ergebnis: Die Punkte, die aus Sicht der Experten am wichtigsten sind, schneiden am schlechtesten ab. Das sind Kosteneffizienz und Wirtschaftlichkeit sowie gesellschaftliche Akzeptanz. Die Forscher werten das aber nicht als generelle Absage.<\/b><\/p>\n<p>Immer wieder betonen Studien die gro\u00dfe Chance, CO<sub>2<\/sub>-Emissionen von Kohle- und Gaskraftwerken durch den Einsatz von CCS-Technologien zu reduzieren. In den klima- und energiepolitischen Zielen der Europ\u00e4ischen Union nehmen sie eine wichtige Rolle ein. Weltweit forschen Wissenschaftler an deren Entwicklung. Es gibt eine Reihe von technischen Optionen, das Gas abzutrennen und industriell zu nutzen. Auch sind verschiedene M\u00f6glichkeiten vorhanden, CO<sub>2<\/sub> unter der Erde zu speichern. Kritiker warnen jedoch vor Gefahren f\u00fcr Mensch und Umwelt. Mit der J\u00fclicher Studie liegt erstmals ein Gesamt\u00fcberblick \u00fcber technische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und Umweltaspekte sowie eine Bewertung der Erfolgsaussichten vor. Beteiligt waren Ingenieure, Wirtschafts-, Sozial- und Politikwissenschaftler aus J\u00fclich sowie der RWTH Aachen und dem Helmholtz-Zentrum Potsdam \u2013 Deutsches GeoForschungsZentrum.<\/p>\n<p>14 Experten haben f\u00fcnf Kriterien bewertet und gewichtet: Technik, Umweltfolgen, Wirtschaftlichkeit, gesellschaftliche Akzeptanz sowie politische Rahmenbedingungen. Dabei weichen die Meinungen der Experten durchaus voneinander ab. Unter dem Strich schneidet CCS bei der Umweltbewertung im Vergleich zu anderen Kriterien relativ gut ab. Insbesondere sind die Risiken von Pipelinetransport und On-Shore-Speicherung tragbar. Technisch ist der Einsatz f\u00fcr Industrieanlagen realisierbar. Allerdings muss der vergleichsweise geringe Wirkungsgrad weiter verbessert und die Flexibilit\u00e4t von Kraftwerken gesteigert werden, um den k\u00fcnftigen Anforderungen des Strommarktes gerecht zu werden. Hierzu fehlt es auch noch an Demonstrationsanlagen im gro\u00dftechnischen Ma\u00dfstab. Das macht auch genauere Kostensch\u00e4tzungen schwierig. &#8220;Dennoch ist schon jetzt abzusehen, dass es zu hohen Kosten bei der Energieumwandlung im Kraftwerk &#8211; den sogenannten Stromgestehungskosten &#8211; und bei der CO<sub>2<\/sub>-Vermeidung kommt. Die Investition in CCS-Anlagen k\u00f6nnte sich erst ab einem langfristigen Zertifikatspreis von 40 Euro pro Tonne CO<sub>2<\/sub> rechnen&#8221;, erkl\u00e4rt der J\u00fclicher Forscher Dr. Wilhelm Kuckshinrichs, einer der Herausgeber. Heute liegt der Preis bei rund drei Euro. Andererseits bedeutet ein Verzicht auf CCS, dass Deutschland in technische Alternativen investieren muss.<\/p>\n<p>Kritisch sehen die Wissenschaftler die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz. Fehlendes Wissen, spontane Einstellungen und falsche Vorstellungen erschweren nicht nur eine rationale Sicht der Menschen, sondern f\u00fcr die Forscher auch eine zuverl\u00e4ssige Absch\u00e4tzung der Akzeptanz. Der fehlende Konsens in Deutschland spiegelt sich im nationalen CCS-Gesetz von 2012 wider, das die Entscheidung \u00fcber eine wirtschaftliche Nutzung von CCS in eine unbestimmte Zukunft verschiebt. Doch gerade Akzeptanz und Kostenfrage sind neben den Umweltfolgen nach Meinung der Forscher die wichtigsten Faktoren, um sich f\u00fcr oder gegen die Technologie zu entscheiden.<\/p>\n<p>International betrachtet hat sich die anf\u00e4ngliche Euphorie mancherorts in vorsichtige Zur\u00fcckhaltung verwandelt. Das liegt vermutlich weniger an der \u00f6ffentlichen Skepsis, sondern unter anderem an den wirtschaftlichen Risiken. Die EU hat beispielsweise f\u00fcr CCS vorgesehene F\u00f6rdermittel noch nicht vergeben und zugleich beklagt, dass Investitionen von Wirtschaft und Mitgliedsstaaten hinter den Erwartungen zur\u00fcckblieben. Wilhelm Kuckshinrichs und seine Kollegen vermuten, dass sich eine ablehnende Haltung Deutschlands auch auf andere EU-Staaten auswirkt. Sie halten es aber f\u00fcr m\u00f6glich, dass es in Deutschland zu einer Neubewertung kommt \u2013 falls die Klimaschutzziele mit den im Augenblick favorisierten Optionen im Rahmen der Energiewende nicht erreicht werden.<\/p>\n<ul>\n<li><b>Weitere Informationen<\/b>\n<ul>\n<li>Originalver\u00f6ffentlichung: CO<sub>2<\/sub>-Abscheidung, -Speicherung und -Nutzung: Technische, wirtschaftliche, umweltseitige und gesellschaftliche Perspektive. Advances in Systems Analysis 2. Wilhelm Kuckshinrichs, J\u00fcrgen-Friedrich Hake (Hrsg.). Schriften des Forschungszentrums J\u00fclich, Reihe Energie &#038; Umwelt, Band 164, 2012, 354 Seiten. ISBN 978-3-89336-850-1. 49,00 Euro.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/wwwzb1.fz-juelich.de\/contentenrichment\/inhaltsverzeichnisse\/2013\/verlag\/Energie&#038;Umwelt_164_i.pdf\" >Inhaltsverzeichnis (PDF)<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Dr. Wilhelm Kuckshinrichs<br \/>Institut f\u00fcr Energie- und Klimaforschung<br \/>Systemforschung und Technologische Entwicklung (IEK-STE)<br \/>Tel.: +49 2461 61-3590 <br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:w.kuckshinrichs@fz-juelich.de\">w.kuckshinrichs@fz-juelich.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Technologien zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CO<sub>2<\/sub>) sind in Deutschland umstritten. Insbesondere der Transport und die Speicherung des CO<sub>2<\/sub> stehen in der Kritik. 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