{"id":133165,"date":"2023-10-17T07:26:00","date_gmt":"2023-10-17T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=133165"},"modified":"2023-10-11T14:56:49","modified_gmt":"2023-10-11T12:56:49","slug":"wertvolle-materialien-im-kreislauf-halten-interview-mit-beate-edl-omv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wertvolle-materialien-im-kreislauf-halten-interview-mit-beate-edl-omv\/","title":{"rendered":"Wertvolle Materialien im Kreislauf halten. Interview mit Beate Edl, OMV"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>DI Dr. Beate Edl arbeitet bei der OMV und besch\u00e4ftigt sich mit dem Aufbau des Gesch\u00e4ftsmodells rund um die patentierte chemische Recyclingtechnologie ReOil. Wir sprechen unter anderem dar\u00fcber, dass sie beim Tauchen kein Plastik im Meer mehr sehen m\u00f6chte und wie man Kunststoff einer sinnvollen und nachhaltigen Nutzung zuf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Business Circle:<\/strong>\u00a0Sehr geehrte Frau Dr. Edl, Sie sind Project Director im Bereich Circular Economy bei der OMV.\u00a0<strong>Wie sind Sie zu dem gekommen, was Sie jetzt machen<\/strong>, und wie lange besch\u00e4ftigt sich die OMV schon mit Kreislaufkonzepten?<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/businesscircle.at\/images\/blog\/Kreislaufwirtschaft\/2023_Herbst\/edl\/blog_ace_edl_200.jpg\" alt=\"blog ace edl 200\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Beate Edl:<\/strong>\u00a0Meiner Meinung nach kann man sich dem Thema Kreislaufwirtschaft von unterschiedlichen Seiten n\u00e4hern \u2013 das spiegelt sich auch in der Interdisziplinarit\u00e4t in unserem Circular Economy Team wider, wo KollegInnen mit technischer, wirtschaftlicher oder juristischer Ausbildung zusammenarbeiten. Ich selbst habe Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau an der Technischen Universit\u00e4t Wien studiert und im selben Fach ein Doktorrat abgelegt. Nach Zwischenstationen als Post-Doc an der Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien und einigen Jahren in der Beratung habe ich 2019 im Projektmanagement in der OMV gestartet, wo ich an einem Projekt im Bereich Circular Economy mitarbeiten durfte \u2013 es war f\u00fcr mich dann schnell klar, dass mir das Thema Spa\u00df macht und ich mich zuk\u00fcnftig darauf fokussieren m\u00f6chte. Seit bald 2 Jahren bin ich nun im Circular Economy Team. Die OMV selbst hat bereits vor \u00fcber einem Jahrzehnt gestartet, unsere heutige ReOil Technologie zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BC:<\/strong>&nbsp;Daran anschlie\u00dfend: Was ist&nbsp;<strong>Ihr pers\u00f6nlicher Antrieb<\/strong>, sich gerade mit Modellen kreislaufbasierter Wirtschaft zu befassen?<br><strong>Edl:<\/strong>&nbsp;Der Klimawandel ist definitiv eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen der heutigen Zeit \u2013 in Hinblick darauf ist es unsere Pflicht, mit den uns zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen. Eine lineare Wirtschaft ist nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df \u2013 wir m\u00fcssen danach streben, wertvolle Materialien im Kreislauf zu halten. Als leidenschaftliche Taucherin m\u00f6chte ich Plastik am Ende seiner Lebenszeit nicht im Meer sehen, sondern dass es als Rezyklat einer sinnvollen und nachhaltigen Nutzung zugef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BC:<\/strong>&nbsp;Wie beurteilen Sie die Aussage:&nbsp;<strong>Wir brauchen \u00d6l<\/strong>&nbsp;f\u00fcr Kunststoffe und Medikamente, irgendwann wird es&nbsp;<strong>zu wertvoll sein, um es zu verbrennen<\/strong>?<br><strong>Edl:<\/strong>&nbsp;Unter anderem spiegelt sich diese Aussage auch in der OMV 2030 Strategie wider. Die OMV hat sich zum Ziel gesetzt bis 2050 klimaneutral zu werden \u2013 das bedeutet auch, dass wir Mobilit\u00e4tskraftstoffe nachhaltiger produzieren m\u00fcssen. Der R\u00fcckgang an fossilen Produkten wird daher durch Biokraftstoffe oder synthetische Kraftstoffe ausgeglichen. Kunststoffe sollen verst\u00e4rkt durch eine Kombination verschiedener Recyclingtechnologien erzeugt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Den Reset-Button dr\u00fccken und Erd\u00f6l zur\u00fcckgewinnen<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>BC:<\/strong>&nbsp;Wie w\u00fcrden Sie das&nbsp;<strong>ReOil-Verfahren in drei bis vier S\u00e4tzen<\/strong>&nbsp;f\u00fcr jemanden beschreiben, der sich seit der Matura nicht mehr mit Chemie besch\u00e4ftigt hat?<br><strong>Edl:<\/strong>&nbsp;Kunststoff wird aus fossilem Roh\u00f6l hergestellt. Beim ReOil Verfahren wird Altkunststoff \u2013 der bisher nicht rezyklierbar war \u2013 erhitzt und anschlie\u00dfend gecrackt \u2013 cracken bedeutet, dass die Kunststoffe in ihre urspr\u00fcnglichen Bestandteile zerlegt werden \u2013 also wieder ein sogenanntes synthetisches Roh\u00f6l erzeugt wird. Dieses kann danach, wie auch konventionelles Roh\u00f6l, als Einsatzmaterial f\u00fcr die Herstellung neuer Kunststoffe verwendet werden. Das Tolle daran ist, dass durch dieses Zerlegen in seine Ursprungsbestandteile der Reset-Button gedr\u00fcckt wird und die Qualit\u00e4t des recycelten Kunststoffes gleich gut ist wie jene von herk\u00f6mmlichen &#8211; auf konventioneller, fossiler Basis hergestellten &#8211; Kunststoffen. Das Material erh\u00e4lt somit ein zweites Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BC:<\/strong>&nbsp;Wie schaut es denn mit der&nbsp;<strong>Energiebilanz beim ReOil-Verfahren aus?&nbsp;<\/strong>In welcher Form wird die ben\u00f6tigte Energie zugef\u00fchrt und erzeugt?&nbsp;<br><strong>Edl:<\/strong>&nbsp;Beim ReOil Verfahren arbeiten wir mit Temperaturen von rund 450 Grad \u2013 das entspricht in etwa den Temperaturen eines Pizzaofens. Im Vergleich zur Glasproduktion, wo Temperaturen von \u00fcber 1000 Grad ben\u00f6tigt werden, ist das ein \u00fcberschaubares Spektrum. Der ReOil Prozess wird derzeit mit Erdgas und Strom betrieben und beim Strom haben wir die M\u00f6glichkeit, Gr\u00fcnstrom zu beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BC:<\/strong>&nbsp;Sie vertreten das Thema chemisches Recycling von Seiten der OMV beim Verband der Europ\u00e4ischen Chemischen Industrie (Cefic) \u2013 wie steht \u00d6sterreich in Bezug auf kreislaufwirtschaftliche Konzepte&nbsp;<strong>im EU-weiten Vergleich da?<\/strong><br><strong>Edl:<\/strong>&nbsp;\u00d6sterreich liegt bei der Recyclingquote von Post-Consumer Kunststoff-Verpackungsabf\u00e4llen mit rd. 25% in 2022 etwas unter dem EU Durchschnitt \u2013 entsprechend der EU-Single-Use-Plastics und Verpackungsrichtlinie muss bis 2025 eine Recyclingquote von 50%, bis 2030 von 55% erreicht werden. Hier ist noch einiges zu tun \u2013 mit der 2023 eingef\u00fchrten einheitlichen Sammlung von Kunststoffverpackungen wurden aber definitiv Schritte in die richtige Richtung gesetzt. Als OMV Gruppe k\u00f6nnen wir mit unserem Portfolio an mechanischen und chemischen Recyclingtechnologien beitragen, diese Quoten zu erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BC:<\/strong>&nbsp;Sie werden im November zum ersten Mal beim Circular Economy Exchange dabei sein,&nbsp;<strong>was m\u00f6chten Sie Ihrem Publikum mitgeben<\/strong>&nbsp;und was hoffen Sie, f\u00fcr sich selbst von der Konferenz mitzunehmen?<br><strong>Edl:<\/strong>&nbsp;Jeder kann etwas beitragen \u2013 umso besser unsere Abfallsammlung und -trennung ist, umso weniger Energie muss f\u00fcr die sp\u00e4tere Abfallsortierung eingesetzt werden und umso besser k\u00f6nnen wir recyceln. Wenn ich beispielsweise die Papierh\u00fclle von meinem Yoghurtbecher trenne und separat entsorge, kann ich effektiv nachfolgende Sortier- und Recyclingprozesse unterst\u00fctzen.&nbsp;<br>Was ich selbst mitnehmen m\u00f6chte: Eine Kreislaufwirtschaft kann nur sinnvoll aufgebaut werden, wenn wir entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette zusammenarbeiten \u2013 ein Silo-Denken ist nicht zielf\u00fchrend. F\u00fcr mich sind solche Veranstaltungen daher eine wunderbare Gelegenheit, mit anderen Stakeholdern in Austausch zu treten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BC:<\/strong>&nbsp;Sehr geehrte Frau Dr. Edl, wir danken Ihnen f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch und freuen uns, Sie im November bei uns zu begr\u00fc\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p><em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/businesscircle.at\/ueber-uns\/vortragende\/edl-beate-5297\/\" target=\"_blank\">DI Dr. Beate Edl\u00a0<\/a>arbeitet als Project Director im Bereich Circular Economy\/ Business Development bei der OMV und besch\u00e4ftigt sich mit dem Aufbau des Gesch\u00e4ftsmodells rund um OMVs patentierte chemische Recyclingtechnologie ReOil. Zudem vertritt Sie das Thema chemisches Recycling von Seiten OMV beim Verband der Europ\u00e4ischen Chemischen Industrie (Cefic). Beim<a href=\"https:\/\/businesscircle.at\/nachhaltigkeit\/konferenz\/austrian-circular-economy-exchange\/\">\u00a0Austrian Circular Economy Exchange<\/a>\u00a0nimmt sie teil am Er\u00f6ffnungspanel zum Thema: Circular Economy ist mehr als Abfallwirtschaft &#8211; Wirtschaft, Technik und Soziales im unternehmerischen Handeln.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DI Dr. Beate Edl arbeitet bei der OMV und besch\u00e4ftigt sich mit dem Aufbau des Gesch\u00e4ftsmodells rund um die patentierte chemische Recyclingtechnologie ReOil. Wir sprechen unter anderem dar\u00fcber, dass sie beim Tauchen kein Plastik im Meer mehr sehen m\u00f6chte und wie man Kunststoff einer sinnvollen und nachhaltigen Nutzung zuf\u00fchrt. 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